Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

Autor: Harald

  • Vulpes vulpes

    2015-05-28 FuchsVulpes vulpes, der gemeine Rotfuchs. Am helllichten Tag – heute Nachmittag – gesehen und mit dem Auto angehalten. Bilder gemacht, der Fuchs hat mich genauso angeschaut, wie ich ihn angeschaut habe. Keinerlei Scheu vor mir und meinem großem Auto. Er überquerte langsam den Wirtschaftweg und lief in einen Weinberg. Ich zu Fuß mit Kamera hinterher. Wie gesagt, das Tierchen hatte keinerlei Scheu vor mir.

    „Der Rotfuchs ist ein relativ anspruchsloser Allesfresser. Er stellt seine Ernährung bei Bestandsschwankungen der Beutetiere kurzfristig um und nimmt generell mit dem vorlieb, was leicht zu erbeuten ist und einen hohen Energiegehalt bietet.“ schreibt Wikipedia.

    Ganz wichtig: „Er stellt seinen Ernährung kurzfristig um und…, was leicht zu erbeuten ist“ und leicht zu erbeuten ist zur Zeit die Schermaus, die in auffallend übergroßer Anzahl in den Weinbergen wühlt und dort Schäden verursacht.

    Wie in der Natur üblich, wenn es viele Mäuse gibt, gibt es auch viele Füchse und Greifvögel, die die Mäusepopulation – habe ich  heute auch zu sehen bekommen –  dezimieren helfen. Fehlt nur noch ein unterstützender, sehr kalter Winter.

  • Wein trinken an schönen Orten

     2015-05-24 Pünderich

    Pfingstwanderung rund um  die Pündericher Marienburg, ein alljährliche Veranstaltung oberhalb der Weinberge zwischen Reil und der Marienburg.

    Start war am Reiler Bahnhof, wo ich zwei Mitwanderer abholte. Bergan ging es zum Reiler Hals – die erste von sechs Bewirtungsstationen, die von den anliegenden Gemeinden der Zeller Moselschleife organisiert wurden – wo wir mit einem Glas Erdbeerbowle die Aussicht ins Moseltal genießen konnten.  Am Pündericher Stand an der Drieschhütte unter den drei Eichen, einem Naturdenkmal, gab es neben den üblichen geistigen Getränken, gefüllte Klöße mit Specksauce und Rieslingweinsauerkraut als Wegzehrung.

    2015-05-24 Turm

    Die nächste Verpflegungsstation unter dem Aussichtsturm auf dem Prinzenkopf ersparten wir uns und stiegen den Turm hinauf um einen weiteren grandiosen Blick auf die Zeller Moselschleife zu werfen.

    Oben ein älteres Kugelpanorama, das noch von alten Turm aus aufgenommen wurde und den schönen Blick ins Tal zeigt. (Bild mit der Maus anklicken und in jede beliebige Richtung ziehen.)

    2015-02-15 Spiegelung

    Über den Weinstand der Gemeinde Briedel  (Bild ganz oben) in den Weinbergen – der Rieslingsekt war richtig gut – wanderten wir zum Stand der Zeller Winzer am Fuße der Marienburg um dort ebenfalls einige Rieslinge zu probieren.

    Wobei wandern vielleicht nicht der richtige Ausdruck ist. Auf dieser kurzen Strecke würde eher spazieren passen, aber auf jeden Fall „Wein trinken an schönen Orten!“2015-05-24 Zugfahrt

    Über Bullay ging es dann wieder mit der Moselweinbahn zurück ins heimatliche Reil. Ein schöner Sonntagnachmittag: Das Wetter passte bestens, klasse Mitwanderer, jede Menge Bekannte und Freunde im Menschengewimmel der Wanderer begrüßt, die Weine gut, der Imbiss auch und schon wieder Vorfreude auf die Wanderung nächstes Jahr.

  • Prunus persica

    2015-05-19 Weinbergspfirsich

    Prunus persica, Varietät: Roter Weinbergpfirsich. Gewaltig, was in unserem Weinbergspfirsichbaum dran hängt. Das könnte eine überaus gute Ernte werden. Reichlich Vitamine für den Winter aus dem Einweckglas.

    In einigen Jahren kommen die im letzten Jahr in den Böschungen der Weinberge gepflanzten Pfirsichbäume auch noch in den Ertrag. Falls diese dann ebenso voll hängen, dann kann ich die ganze Nachbarschft incl. Freundeskreis damit versorgen.

    Aber vielleicht ist der große Behang auch ein Omen, ein Anzeichen, für eine kommende sehr gute Rieslingernte.

  • Fahrwerktuning

    2015-04-18 Raupenreparatur

    Nachdem ich in den letzten Tagen in einigen Weinbergen schwierigkeiten mit dem Bergauffahren hatte, wurde es Zeit, die Ketten des Raupenschleppers zu modifizieren. Durch das Aufschweißen von wenigen Vierkantstählen auf bestehende Kettenglieder – so mein Gedanke –  müsste eine bessere Verzahnung der Kette mit dem Boden gegeben sein. Die Fahreigenschaft auf der Straße würde sich dagegen verschlechtern und evtl. den Asphalt beschädigen.

    Soweit die Theorie. Also wie immer: Experimenteller Maschinenbau wenn der Winzer Flex und Schweissgerät handhabt.  Die erste, kurze Probefahrt verlief gestern wie angedacht. Die Steigfähigkeit und Lenkbarkeit im Steilhang ist verbessert, dass Fahrverhalten auf der Straße zwar schlechter, aber nicht so schlecht wie erwartet.

    Morgen nun den ganzen Tag „Probe fahren“. Ich hoffe, dass ich den zusätzlich aufgeschweißten Stahl auf den Raupen lassen kann und das Fahren im Hang besser und sicherer(!) wird. Andernfalls müssen die Schweißnähte mit dem Winkelschleifer wieder aufgetrennt werden. Aber darüber möchte ich jetzt nicht nachdenken. 😉

  • Was macht eigentlich?

    2015-05-10 Pierre1

    Foto: Pierre Manceau

    Was macht eigentlich? Eine Frage, die wir uns ab und zu stellen, wenn wir uns über ehemalige Praktikanten und Azubis unterhalten. Zu den meisten haben wir noch mehr oder minder Kontakt. Wir wissen, was sie jetzt machen und welchen Berufsweg sie eingeschlagen haben, z.B. Scheibentöpfer, Silberschmied, Journalist, Landwirt, natürlich Winzer oder anschließendes Weinbaustudium.

    Bemerkenswert der Werdegang von Pierre, einem französischen Weinbaustudenten, der uns in der letzten Weinernte und einige Wochen danach geholfen hat. Sein zweites Praktikum absolviert er jetzt auf einem der berühmtesten Weingüter Frankreichs, den Chateau Latour, dessen Wahrzeichen der Turm in den Weinbergen ist. Unser kleines unbedeutendes Weingut als Trittbrett zum Aufstieg ganz nach oben, zumindest für einen Praktikanten.

    Vom Anschauen des Bildes bekomme ich schon Rückenschmerzen. Nicht, das Pierre ein Riese ist, eher das Gegenteil, aber die Reberziehung in Frankreich ist sehr, sehr niedrig. Rebschnitt und Pflegearbeiten in gebückter Haltung, eine grauenhafte Vorstellung für mich.

    In einigen Wochen wird er sein Weinbaustudium beenden. Ich lasse mich Überraschen, wohin ihn sein weiterer Berufsweg führt.

  • Wieder zurück

    2015-05-07 Schuhe

    Nachdem wir in fernen Ländern einige Tage die Füsse hochlegen konnten,2018-05-08 Meerder Sturm der vergangenen Woche auch dort spürbar war, 2015-05-08 Fisch

    das Abendessen in einer hier in Deutschland schwer zu findenden Qualität selbst kaufen und zubereiten durften, sind wir wieder erholt aus dem Urlaub zurück gekehrt.  2015-05-08 Riesling

    Die Rieslingreben sind zwischendurch auch ohne uns gewachsen und wir werden uns in den nächsten Tagen um sie kümmern.

  • Nur noch wenige Tage

    2015-05-02 Austrieb2Die Reben sind ausgetrieben. Nur noch wenige Tage und die Sommerarbeiten im Weinberg beginnen. Das Arbeitstempo wird ab jetzt die Natur, die Reben mit ihrem Wachstum, bestimmen. 2015-04-28 KartonagenDie Topfreben zum Nachpflanzen im Juli sind auch schon eingetütet. Im wahrsten Sinne des Wortes. Der Einfachheit halber nehmen wir Tetrapacks, die so einen Zweitnutzen bekommen.

    Die wenigen Tage bis zu Beginn der Sommerarbeiten werden wir optimal nutzen: Wir sind einige Tage in Urlaub und nicht im Weingut erreichbar!

  • Wein & Rat

    2015-04-29 Weiterbildung1

    Kurzerhand wurde letzte Woche unser Verkaufslager in einen Seminarraum incl. Beamer umgewandelt. Die Kollegen der ECOVIN Regionalgruppe kamen zu einer Weiterbildungsmaßnahme, zu der ich in Funktion als Demonstrationsbetrieb ökologischer Landbau und als Vorsitzender der Regionlgruppe von EOCVIN eingeladen hatte.

    Frau Popp und Herr Heitlinger von der Agentur Wein & Rat referierten über die Betriebsübergabe an familienfremde Investoren und/oder Betreiber. Interessant, wie die Agentur Unternehmensnachfolger sucht und findet, die Betriebsübergabe begleitet und betreut. Ein sehr wichtiges Thema, da viele Weingüter keinen Betriebsnachfolger haben. Ein Thema, um das wir uns in den nächsten Jahren  auch kümmern müssen.

    2015-04-29 Suppe

    Nach dem Stehimbiss – lecker Süppchen mit Reiler Biorind – ging es weiter mit dem ganz normalem Irrsinn, mit dem sich ein Winzer heutzutage auseinandersetzten muss. Über die sinnfreie und sinnlose Politik in Brüssel referierte Ralph Dejas, der Geschäftsführer von ECOVIN. Äusserst interessannt, was in manchen Politikerköpfen vorgeht und mit welcher Kreativität dort Politik gemacht wird. Leider befinden wir Winzer uns am Ende der Nahrungskette und müssen das ganze dann ausbaden, was insbesondere in Brüssel von Politik und Lobbyisten ausgeheckt wird. Zum Abschuß referierte unsere Ökoberaterin Beate Fader über den aktuellen Stand der Dinge in der Anbautechnik.
    Während der Vorträge – ist so üblich in Winzerkreisen – noch einige Weinproben. Ich hoffe, das die Weiterbildung den Kollegen bei der alltäglichen Arbeit im Weingut hilft.
  • Helix pomatia

    2015-04-27 HelixZwei Regentage und Helix pomatia, auch schwäbische Auster genannt, ist aus dem Trockenschlaf aufgewacht und im Weinberg in der Naturbegrünung (Scharfer  Mauerpfeffer) unterwegs.

    Ein Leckerbissen, der bis vor einigen Jahren noch für den Eigenverbrauch gesammelt werden durfte. Mittlerweile auf der Roten Liste der gefährdeten Arten und das Sammeln ist natürlich verboten.

    Wer trotzdem kulinarische Gelüste hat, kann sich die Weinbergsschnecken bei heimischen Schneckenzüchtern kaufen. Idealerweise – mit etwas mehr Arbeit verbunden – als Frischware, schockgefrostet oder im Gemüsesud.

    Bei der Zubereitung bevorzuge ich die Variante mit Riesling:

    800g Weinbergschnecken Frischware gereinigt
    Olivenöl (reichlich), 5 Knoblauchzehen ,1 Bund Petersilie ,1 Glas Moselriesling, Salz, Pfeffer nach Geschmack

    Das Öl mit den ganzen Knoblauchzehen und die zerkleinerten Petersilie mit den Schnecken in einen Topf geben. Etwa 3 bis 4 Stunden bei mittlerer Hitze zugedeckt dünsten. Nach der Hälfte der Garzeit den Weißwein zugeben, mit Salz und Pfeffer abschmecken. Fertig garen und servieren.

    Dazu frisches Baquette und ein Glas vom gleichen Riesling, der auch im Kochtopf gelandet ist. Es müsste ja noch etwas in der Flasche sein.

  • Naturdünger

    2015-04-21 Guano

    Heute war es soweit. Der im Weingut zwischengelagerte Fledermausguano wurde in unseren Weinbergen ausgebracht. Dieses Jahr hatten wir reichlich davon. Nicht nur die ca. 4000 Fledermäuse im Dachstuhl der Reiler Kirche, – ich berichtete schon öfter darüber –   auch grob geschätzte 6000 weitere Fledermäuse aus Kirchendachstühlen am Mittelrhein, haben für den Naturdünger beim Biowinzer gesorgt.

    Dabei kam wieder das bekannte Schippchen zum Einsatz, ein Low Tech Werkzeug um den Dung zu verteilen, da der klebrige Dünger nicht mit meinem Düngestreuer ausbringbar ist.

    „Also den Fledermausmist in die Transportpritsche des Kettenschleppers füllen, ich sitze mit Schippchen in der Hand auf der Fledermauskacke und Lehrling fährt die Raupe. Den Dünger mit einer geschickten Handbewegung flächig zu verteilen klappt gut. Ich habe ja lange Jahre Erfahrung darin. Dem Lehrling gleichzeitig Fahruntericht zu geben und die eigene Angst zu unterdrücken ist eine andere Geschichte.

    Als altgedienter Steillagenwinzer gibt es immer noch Momente, in denen man doch etwas Muffensausen hat und die Hoffnung, dass der Azubi, entgegen seinem sonstigen Verhalten, die Anweisungen lückenlos versteht und auch fehlerfrei in die Tat umsetzt.“

    schrieb ich vor drei Jahren, als der damalige Azubi die Raupe fuhr und ich das Schippchen bediente. Heute war es anders rum, der Stift hatte die Ausbringtechnik schnell gelernt, ich fuhr die Raupe und Azubi saß in der Pritsche mit Schippchen auf der Fledermauskacke .

    Der Stift roch nach getaner Arbeit etwas streng… 🙂