Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

Autor: Harald

  • am liebsten nur winzern

     2014-11-13 GoldlayImmer noch in Altweibersommerstimmung präsentieren sich die Weinberge in der Reiler Goldlay. Eine Augenweide bei der Weinbergsarbeit, insbesondere wenn die Sonne dazu scheint.……………………………………………………………………………………………………. 2014-11-14 Rebschnitt

    Mittlerweile haben wir mit den Rebschnitt angefangen. In einem ersten Arbeitsgang wurden die alten Fruchtruten entfernt. Der zweite Arbeitsgang ist dieses Jahr schon schwieriger: Das Anschneiden der Fruchtruten für nächstes Jahr. Da man bei den noch teilweise belaubten Rebtrieben nicht sieht, ob die ausgewählte Fruchtrute lange genug ist, bzw. das Rebholz ausgreift ist, dauert es etwas länger, bis die Auswahl getroffen ist.

    Während der Stift, also unser Azubi, und Praktikant Pierre den ganzen Tag draußen bei bestem Herbstwetter arbeiten dürfen, muß ich leider im Büro das ausbaden, was sinnlose und sinnfreie Politik so an Nebenarbeiten für den Winzer bringt.

    Aktuell steht  die Lebensmittelinformationsverordnung an, die ich bis zum 13. Dez. im Internetshop umsetzen muß, heute morgen habe ich mich schon mit dem IT-Verfahren EMCS, also der Zollanmeldung, herumgeschlagen. Gleich werde ich mich mit dem Landschaftselemente-Kataster mittels Flächeninformationen Online (Internet-GIS für Landwirte) befassen und dann wäre der Schreibtisch vorerst mal aufgeräumt.

    Dabei würde der Winzer am liebsten nur winzern und könnte gut auf diese bürokratischen Nebentätigkeiten verzichten.

  • Das Glück braucht tiefe Wurzeln

    2014-11-09 AchimDas Glück braucht tiefe Wurzeln, so Achim Reis. Über dieses Lebensglück, erreicht durch sinnvolles Tun, Lust am Genuss und Respekt vor der Natur hat er jetzt ein mehr oder weniger autobiographisches Buch geschrieben. Er beschreibt seine Wandlung vom Lehrer zum Winzer. Über den Moselaner, den es nach Berlin verschlagen hat und wieder an die Mosel zurück kommt um das elterliche Weingut zu übernehmen.

    „Achim Reis hat eine beeindruckende Hommage an das Kulturgut Wein und die Welt der Winzer geschrieben“ so Marcus Stölb vom Letzebuerger Journal.

    Wunderschön geschrieben mit spannenden und leicht verständlichen Erklärungen aus der Weinwelt und das aus der Sicht des Winzers. Respekt lieber Achim!

    Lassen Sie sich entführen in die Weinwelt von Achim Reis. Es lohnt sich!

    Achim Reis, Das Glück braucht tiefe Wurzeln,
    Ullstein Buchverlage, Berlin 2014, 251 Seiten, 18 Euro.

  • wie ein nie endender Altweibersommer

    2014-10-26 Calmont

    Wir schreiben zwar mittlerweile November, aber auf das Wetter ist in diesem Jahr leider keinen Verlaß. Seit ca. einer Woche haben wir typisches Oktoberwetter, wie ein nie endender Altweibersommer. Das Reblaub, bei der Ernte noch giftig grün, hat mittlerweile die typische gelbe Herbstfärbung angenommen.

    Das farbenfrohe Schauspiel wird sicherlich nur noch wenige Tage andauern. Wer sich beeilt, kann es noch an der Mosel geniesen, z.B. am bei einer Wanderung duch den Bremmer Calmont , wo obiges Bild vor einigen Tagen entstand.

  • Drosophila melanogaster

    2014-10-31 Essigfliege2

    Ein ungeliebtes Haustierchen, Drosophila melanogaster, den meisten als Essigfliege bekannt. Ein Lästling, der dieses Jahr besonders nervt. Der warme und feuchte Oktober war förderlich für die Vermehrung der Essigfliege. Da es mittlerweile im freien kühler wird, zieht sie sich in die Häuser, in die Wärme zurück. Im Weinkeller kein Problem, aber in der Wohnung.

    Also zum sogenannten bewährten Hausmittelchen der Essigfalle gegriffen. Hat nix genutzt, wurde komplett von den Insekten ignoriert und verachtet.2014.10.31 Essigfliege

    Erst die Verfeinerung, bzw. die alleinige Gabe unseres kostbaren Riesling-Balsamessiges hat die verwöhnten Tiere davon überzeugt, sich freiwillig in das Schälchen zu stürzen und……………………………………………………………………………………………..2014-10-31 Essigfliege3massenhaft das Leben auszuhauchen. Ein interessanter Zusatz- oder Zweitnutzen unseres Balsam Essiges.

  • Weinrallye 79: Wein trinken an schönen Orten

    Thomas vom Winzerblog hat zur aktuellen Weinrallye aufgerufen:

    „Es ist nicht mehr normal in der Öffentlichkeit eine Flasche oder ein Glas Wein zu trinken, es kann passieren dass man schräg angeschaut wird, oder noch schlimmer, dass das beispielsweise in bestimmten Stadtteilen das Ordnungsamt vorbeikommt, dir den öffentlichen Weingenuss verbietet und ein Bussgeld auferlegt. Völlig Absurd, aber in einigen Orten und Städten bereits traurige Realität.
    Wein trinken an schönen Orten soll zeigen dass Alkoholgenuss in der Öffentlichkeit nicht zwangsläufig mit Sauferei zu tun hat und dass es das normalste auf der Welt ist an einem schönen Ort ein Glas Wein zu genießen. Wir wissen ja alle, der wahre Genuss von Wein hat viel mehr damit zu tun in welcher Gesellschaft und welcher Umgebung der Wein genossen wird!“

    Ich habe schon lange nicht mehr an einer Weinrallye mitgemacht. Aber das Thema passt so richtig und natürlich wird mitgemacht.

    Aber was heißt mitgemacht. Wie es auch Thomas Lippert handhabt, muss ich nicht erst mit einem Gläschen, Korkenzieher und Weinflasche in die weite Welt ziehen, einen schönen Ort suchen und dort Wein trinken. Es ist fast Alltag, das ich und meine Freunde Wein an schönen Orten trinken. Ich berichtete schon mehrmals darüber.

    2014-09-01 Terasse

    Schöne Orte gibt es da viele. Bekannt die heimatliche Terrasse, um bei lauen Sommernächten ein Gläschen Wein zu  trinken, natürlich gut gekühlt.

    2013-05-01 Wanderung

    Bei Wanderungen mit Freunden ist der Riesling immer dabei. Mitten auf dem Wirtschaftsweg oder

    auf einer Wiese am Wegesrand ein Gastgeschenk von Thomas Lipperts Arbeitgeber, dem Weingut Clauer in Heidelberg, genießen.

    2012-05-01 Goldlay

    Idealerweise der Wein, der genau da wächst, wo man z. B. an der Mosel gerade entlangwandert, wie hier der Reiler Goldlay Riesling oberhalb der Reiler Goldlay.

    Und wenn man nicht in einem Weinbaugebiet ist oder kein anderer Wein in der Nähe ist, bringt man den Wein selber mit und die schönen Orte werden noch interesannter.

    2013-12-15 Vesper

    Zum Essen gehört Wein auch einfach dazu und

    wenn man die Seele baumeln lässt und die Landschaft betrachtet, passt es auch.

    Versuchen Sie es einmal, das mit dem Wein trinken an schönen Orten!

  • Gemütlich, nicht zu schnell und nicht zu langsam

    2014-10-22

    Gemütlich, nicht zu schnell und nicht zu langsam, gären die Neuen Rieslinge im Weinkeller.  2014-10-23 GärungAm Anfang fast keinerlei Kühlbedarf um die Gärung zu bremsen, nach der Hauptgärung auch ohne Erwärmung stetig in den trockenen Bereich vergärend. Energetisch gesehen ökologisch korrekt.

    Mit jedem Tag Gärfortschritt werden die Weine probierfähiger.  Es ist immer wieder spannend die Entwicklung des Weines, das Weinwerden zu erleben und den Lohn eines ganzen Jahres erschmecken zu können.

    Beim täglichen Verkosten unterstützt mich Praktikant Pierre. Er ist übrigens Weinbaustudent in Angers, Frankreich.

    Und Sie schmecken uns, die jungen Weine.

  • Weinernte 2014: Endlich ist er da und er funktioniert!

     

     2014-10-10 Steillagenvollernter

    Endlich ist er da und er funktioniert: Der Steillagenvollernter! Vor sieben jahren der erste Prototyp. Ich schrieb damals darüber, das er nicht funktionieren kann. Wurde auch mittlerweile beerdigt, inklusive einigen hunderttausend Euros staatlicher Forschungsgelder. Der zweite Prototyp, zuerst eine private Innovation eines Landmaschinenhändlers – mittlerweile von der EU gefördert – soll nächstes Jahr in die Serienproduktion gehen.………………………………………………………………………….. 2014-10-10 Steillagenvollernter2

    Jetzt der dritte Versuch des Vollernters für den Steilhang. Carsten Müller, Lohnunternehmer aus unserem Nachbarort Burg, machte sich Gedanken und bastelte baute sich einen zum Aufbau auf seine Steillagenraupe. Vom Praktiker für den Praktiker. Vor ca. vier Wochen der erste Probelauf, etwas nachbessern und das Teil läuft! Die Lesequalität ist wie bei den Flachlagenvollerntern gut. Details, wie z.B. das hohe Gewicht sollen in Zukunft noch optimiert werden.

    Endlich eine funktionsfähige, schlagkräftige und einsatzfähige Maschine für die Ernte am Steilhang. In Verbindung mit einer vorhergegangenen selektiven Handlese die Zukunft für den Steillagenweinbau! Jetzt fehlt nur noch der Ernter, der genauso gut selektieren kann wie der Mensch, aber das ist Zukunftsmusik.

    Die Ernteraupe wurde in dieser Erntesaison auch in Flachlagen eingesetzt um die Technik zu optimieren, wo obige Bilder entstanden.

  • Weinernte 2014: Zum Greifen nah

     2014-10-11 Riesling

    Zum Greifen nah waren die Trauben in diesem Jahr, aber leider machte das Wetter einen dicken Strich unter die Rechnung. Einen ganz dicken!

    „Mein Gott, was hatte der Jahrgang vielversprechend angefangen: Austrieb und Blüte gut 3 Wochen vor dem langjährigen Mittel. Ein Jahrhundertjahrgang könne es werden, raunte es Allerorten, so groß wie 1975 wohlmöglich. Wenn es denn endlich einmal regnen würde. Denn, aus der Perspektive von heute scheint es fast absurd, die Hauptsorge der Winzer bis Anfang/Mitte Juni galt den über Winter ausgetrockneten Böden.

    Dann begann es endlich zu regnen – Erleichterung allerorten –  …und hörte nicht mehr auf. Auf die Erleichterung folge Ernüchterung, auf die Stirnrunzeln und leichte Sorge und auf die schließlich kopfschüttelndes Entsetzen. Der nicht enden wollende Regen verwandelte 2014 Zug um Zug von der potentiellen Jahrhundertausgabe zur Jahrgang gewordenen Enzyklopädie der Rebkrankheiten.“ so Thorsten Goffin in seinem Blog.

    Der Weinkeller wäre uns über gelaufen, wenn wir alle Trauben gesund in den Weinkeller bekommen hätten und die Öchslewaage wäre aus dem Meßzylinder gesprungen, wenn denn das Wetter uns hold gewesen wäre. Aber!

    2014-10-11 Riesling2Die erste Ernüchterung kam nach den ergiebigen Regenfällen vom 20. und 21. September. Viele Beeren saugten sich mit Wasser voll und platzten auf. Die unnatürlich hohen Temperaturen und die extreme Luftfeuchtigkeit – ich laufe jetzt immer noch im T-Shirt rum und die Klimaänderung lässt grüßen – sorgten dafür, das sich rasend schnell Fäulniss breit machte. Nach dem ersten selektivem Erntedurchgang, gab es letzte Woche ( 07. 08. 09. Sept.) nochmals reichlich Wasser vom Himmel. Die bisher gesund gebliebenen Rieslingbeeren platzten auch auf und ein neuer Fäulnisskreislauf begann. Drei Tage später schon wieder Regen. Man konnte den Rieslingtrauben beim faulen zusehen.

    Die Erntemengen wurden von Tag zu Tag weniger. Einen nenneneswerte Aufkonzentrierung in Richtung Auslese fand nicht statt. Eher das Gegenteil!

    Es schmerzte, so viele Trauben wegzuwerfen. Drei Weinberge wurden fast komplett hängen gelassen, da die Trauben nicht für die Produktion unserer glasklaren, fruchtbetonten Weine geeignet waren. Im Vorjahr hatten wir ähnliche Probleme, als uns die Ernte wegfaulte. Nur mit einem kleinen Unterschied! 2013 hatten wir wenige Trauben in den Weinbergen hängen und von dem wenig noch einiges auf den Boden zu werfen, dass tat richtig weh. ………………………………………….2014-10-11 IchDieses Jahr sieht es etwas anders aus. Die erwartete übergroße Weinernte schrumpfte auf eine Normalernte. Die jungen Weine sind am gären und sie sind Dank der intensiven selektiven Ernte auf dem üblichen hohen qualitativem Niveau, wenn ich das mal so behaupten darf.

    Der Winzer ist trotz dieser Schwierigkeiten zufrieden und nächstes Jahr gibt es wieder Wein vom glücklichen Winzer!

  • Weinernte 2014: Eingetütet

    2014-10-15 Erntemannschaft

    Wieder eine Weinernte geschafft. Eine anstrengende und anspruchsvolle Weinernte mit extremen Wettereinflüssen liegt hinter uns. Doch dazu später mehr.

    Bei schönem Herbstwetter konnten gestern die letzten Rieslingtrauben in den Burger Weinbergen geerntet werden.

    An dieser Stelle ein Danke an unsere Lesemannschaft:
    Chefin Marita, Praktikant Pierre aus Frankreich, Azubi Sven, Anne, Alice, Freddy, Sophie und Felix (v.l.n.r. im Uhrzeigersinn) und die heute nicht dabei gewesenen:  Opa Reinhard, Margot, Jana, Sophie, Rosi, Dieter und unsere Gäste aus Brasilien Kelly und Marden.
    Wie immer: Rasend schnell, einsame Spitze im Selektieren und trotz der Ernteumstände immer gut drauf. Klasse Manschaft!

  • Weinernte 2014: Regenzeit

     2014-10-10 FreddyUnsere Erntemannschaft ist hoch motiviert. Kiste für Kiste Riesling wird sauber selektiert.2014-10-09 Frühstück2

    Beim zweiten Frühstück wird sich das passende Brötchen aus der Tupperdose ausgesucht – so ähnlich wie bei der Wundertüte, wenn der Deckel geöffnet wird: Überraschung! 2014-10-11 FrühstückNatürlich noch ein Schwätzchen und sich kurz erholt, bevor es wieder in den Weinberg geht. ……………………………………………………………………………………………………..2014-10-08 Riss1Es wäre alles noch schöner, wenn das Wetter mitspielen würde. Wie beim ersten Starkregen vor einigen Wochen, konnten wir letzten Freitag nach der ergiebigen Niederschlägen vom Mittwoch und Donnerstag wieder aufgeplatzte Beeren sehen. Gestern abend auch wieder ausreichend Wasser vom Himmel. Anne, eine unserer Erntehelferinnen die einige Jahre in der Entwicklungshilfe gearbeitet hatte, meinte nur „Regenzeit“. ………………………………………………………………………………………………………….2014-10-12 Riesling

    Rasent schnell macht sich im Moment wieder frische Fäulnis in den vorselektierten Weinbergen breit oder die Rieslingtrauben kollabieren regelrecht wie im obigen Bild.  Es ist alles andere als erfreulich. Dazu T-Shirtwetter und nahezu 100% Luftfeuchte. Keine idealen Bedingungen für unseren Riesling. Dazu der Regen, der aus den aufgeplatzten Trauben die Inhaltsstoffe auswäscht. Weiterer Regen ist für die Woche vorhergesagt. Wir geben Vollgas!

    Einige Tage noch… und dann ist Bestandsaufnahme beim 2014er.