Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

Autor: Harald

  • Weinernte 2014: Es stinkt

    2014-10-08 Riesling Rohfäule

    Es stinkt und müffelt teilweise in den Weinbergen. Das kleine Problemchen ist erwachsen geworden und damit hat sich für uns einiges erledigt. Bei stark wachsenden Rebstöcken, also die mit den dicken Trauben und Beeren ist der Gammel so weit fortgeschritten, das teilweise ganze Rebstöcke nicht mehr abgeerntet werden können. Auch nicht mehr selektierbar. Ich habe noch nie so viele essigstichige Trauben beim Riesling gesehen gerochen.

    2014-10-08 Riesling gesund

    Aber nun zur Sonnenseite des Winzerdaseins: Wir haben haben noch viele, sehr viele Rebstöcke, die schwächer wüchsig sind, mit lockerbeerigen Trauben, mit Trauben, die durch den starken Regen von vor drei Wochen nicht aufgeplatzt sind. Dort lohnt sich das selektieren. Befallene Trauben werden geerntet, die negative Fäulnis auf den Boden geschnitten. Die verbleibenden Trauben sehen noch stabil aus, als ob sie noch Wochen hängen könnten zum Weiterreifen.2014-10-08 Erntekisten

    Im Vergleich zum letzten Jahr, als der zu erwartende Ertrag niedrig war und Wetterbedingt täglich weit nach unten korrigiert werden musste, sieht es dieses Jahr ganz anders aus. Die diesjährige Fäulnis hat bisher nur die Trauben betroffen, die durch den Regen Ende September aufgeplatzt sind. Es bleibt noch sehr viel für den Winzer übrig, wenn der in den vergangenen zwei Tagen reichlich gefallene Regen  kein weiteres Unheil für den Riesling bringt.

    Die erwartete Erntemenge ist im Moment immer noch sehr groß. Wir werfen einiges weg, haben nach der Vorlese immer noch vieles am Rebstock hängen und alle Erntekisten auf dem Anhänger sind voll.

  • Weinernte 2014: Eine schöner als die Andere

    2014-10-03 Abladen

    Gestern in der Weinpresse: Die Rieslingtrauben für unseren Sekt. Wir konnten ausschließlich gesunde reife Trauben ernten, ohne viel zu selektieren. Eine schöner als die Andere! Eine schwächer wachsende Rebanlage, die nicht von aufplatzenden Beeren betroffen war.

    In den nächsten Tagen wird ausschließlich in den von Fäulnis stärker befallenen Weinbergen selektiert. Ich habe den Eindruck, dass die nicht von der Fäulnis betroffenen gesunden Trauben, bzw. Weinberge, noch sehr stabil sind und noch länger hängen können, um weiter zu reifen.

    Die Erntemannschaft ist voll motiviert und hilft auch abends im Weinkeller tatkräftig mit. Morgen gibt es noch Verstärkung, die Temperaturen sind Gottseidank zurückgegangen, Regen ist auch nicht in Sicht und meine Zuversicht auf einen Guten Jahrgang ist ungebrochen.

  • Weinernte 2014: Das Problemchen ist erwachsen geworden

    2014-10-01 Schimmel

    Es ist alles nicht so einfach. Das kleine Problemchen, über das ich berichtete, ist erwachsen geworden. Bei den warmen Temperaturen wurde es sehr schnell kritisch, sehr schnell. Man kann förmlich zusehen, wie die aufgeplatzten Beeren sich verändern.

    Obiger Befall von Sekundärpilzen (Aspergillus, Trichothecium, Penecillinum) ist nicht das Problem. Werden bei der Handlese ausgesondert und weggeworfen.2014-10-01 Schwarzfäule

    Auch die schwarz verfärbten Beeren der Schwarzfäule – extrem bitter schmeckend und der Befall nicht vom jetzigen warmen Wetter abhängig – werden aussortiert. 2014-10-01 Essigfäule

    Ernst wird es erst, wenn die aufgeplatzten Beeren von Essigfliegen mit Essigbakterien infiziert werden. Auch noch kein Problem. Wird mittlerweile von der bestens geschulten Erntemannschaft sofort erkannt und auf den Boden geschnitten.

    Bislang mussten wir wenig auf den Boden fallen lassen. In den bisher vorgeernteten Weinbergen hängen jetzt nur noch gesunde Trauben. Hoffentlich lange noch!

    Aber die Entwicklung in den Weinbergen überholt uns. Rasend schnell!

    „Was dann am Samstag doch noch ganz gut aussah, hat sich in den letzten drei Tagen und Nächten doch dramatisch verändert.“ so Dirk Würtz in seinem Blog. „Jetzt passiert nämlich das, was nicht passieren soll – die Trauben reißen auf und fangen sofort an zu faulen.“ und nun haben wir das Problem.  Die Trauben fangen nicht nur an zu faulen, sondern viel schneller, rasend schnell sind die Trauben teilweise vermufft/pilzig riechend und weiß der Teufel was und nicht für die Weinbereitung geeignet.

    Ich verzichte jetzt auf Bilder.

    Nicht in allen Weinbergen sieht es so aus, aber die Situation wird bedenklich. Stellenweise ist eine vernünftige Selektion nicht mehr machbar und die Trauben bleiben vorausichtlich einfach hängen. Das beste mit nach Hause nehmen.

    Erinnert mich an die letzte Ernte, bei der wir sehr viel vergammelte Trauben hängen ließen und eine der kleinsten Ernten in unserer Weingutsgeschichte im Keller liegen hatten.

    Die alte Hassliebe: Wenns für den Winzer gut läuft ist es die Edelfäule, wenn es die negativ läuft steht Qaulität und Ertrag auf dem Spiel.

    Sie wissen schon, kalte Temperaturen und null Regen mit einem kalten Ostwind wünscht sich der Winzer!

    Ach so, bevor ich es vergesse: Der Saft schmeckt sehr gut und aromatisch, ebenso die gärenden Jungweine. Lohn harter Selektionsarbeit.

     

  • Weinernte 2014: Kleines Problemchen?

    2014-09-28 Riesling

    So sieht der Idealzustand aus, aber leider nicht überall. Der nasse August ist zu spüren. Der Regen vom vergangenem Wochenende noch mehr. 2014-09-28 RissDie Beeren sind bis zum platzen gefüllt. Die Beerenhäute sind sehr dünn geworden und reissen dann auf. Die Fäulnisserreger können nun ungehindert ihr Werk tun. Ich berichtete letztes Jahr schon einmal über die Problematik der Seneszenz und der dadurch entstehenden Problematik der Traubenfäule. Auch dieses Jahr bewahrheitet sich, das von der Fäulniss besonders die stärker wachsenden Reben betroffen sind.

    Hoffentlich gibt es nicht noch einmal ein solches Desaster wie im letzten Jahr, als die Ernte vor unseren Augen wegfaulte. Gut, dass wir dieses Jahr eine sehr große Erntemannschaft haben, denn der Selektionsbedarf wird sicherlich sehr hoch sein. Ich rechne mit einer schnellen Ernte und mit einer Katastrophe, wenn weiterer Regen kommt.

    Viele Kollegen berichten von der sehr schnellen Weinernte und von sehr aufwändiger Selektionsarbeit bei den frühen Rebsorten. Nicht nur in Deutschland, sondern auch in Südtirol und Österreich war aufgrund der hohen Regenmengen und dadurch bedingten Problemen eine schnelle Ernte nötig.

    Jetzt hilft nur der Wettergott, der uns das Winzerwunschwetter bringen soll: Trocken, trocken, trocken, ein kalter Ostwind, kalte Nächte und tagsüber unter 20 Grad. Der Riesling kommt mit diesem Wunschwetter und Wunschtemperaturen gut klar, lagert weitere Aromen in die Trauben ein und die Schadorganismen werden unter Kontrolle gehalten.

    Erntebeginn bei Riesling ist übermorgen. Leider mit kleinerer Mannschaft, da der Erntebeginn, schon vorausschauend am 22 Juli geplant, erst am 06. Oktober sein sollte und die große Mannschaft erst dann verfügbar ist. Wer Lust auf Weinernte hat: Am Dienstag, den 30 September  ist um 8.30 Uhr Abfahrt im Weingut.

  • Erfolgsgeschichte

    2014-08-27 Wanderer

    Unter dem Motto „Wein trinken an schönen Orten“ berichtete ich schon einmal kurz über dem Moselsteig, der schon vor der Eröffnung Anfang April in der Presse hoch gelobt wurde. Mittlerweile sind etliche Monate ins Land gezogen und sehr viele  Wanderer sind auf diesem Premiumsteig gewandert, meistens in kleinsten Gruppen. Eine Erfolgsgeschichte!

    2014-09-20 Moselsteig

    Man kommt des öftern ins Gespräch, da der Moselsteig in Reil die Mosel überquert und dieser an etlichen unserer Weinberge vorbeiführt. In Reil wird auch Zwischenstopp gemacht und übernachtet. Wanderer, die die ganze Strecke – von Perl aus kommend – schon hinter sich haben, andere, die es etwas gemütlicher angehen und die eine oder andere Tagesetappe nicht wandern, sondern Bus, Bahn oder Schiff benutzen. Wieder andere haben einen festen Standort und wandern die im Umkreis gelegenen Moselsteigetappen ab.

    Aber alle, ausnahmslos alle, sind begeistert von diesem grandiosem Premiumwanderweg – und natürlich von der Mosel -, der in den letzten Wochen und Monaten ein großes Presseecho hervorgerufen hat. Und Sie wollen alle wiederkommen!

  • Weinernte 2014: Testlauf

     2014-09-22 RivanerWie jedes Jahr der alljährliche Testlauf in unserem kleinen Rivanerweinberg. Binnen weniger Stunden war der Weinberg mit kleiner Mannschaft abgeerntet. Wie schon im Frühjahr absehbar, als uns der Spätfrost erwischte, eine kleine Ernte. Zu klein! Die Trauben jedoch sehr gesund mit minimalem Selektionsbedarf. Die Mostqualität ist sehr gut. …………………………………………………………………………………….2014-09-22 Schlauch

    Die in der vergangenen Woche überprüften Maschinen und Geräte funktionierten tadellos, unser neuer Stift auch. Heute nochmals das Wasserschlauch aufwickeln geübt und dann Einweisung in das Reinigen der Weinpresse. Das ganze in Ruhe, damit der Stift während der Ernte selbstständig – ohne mich dauernd zu fragen oder ich dauernd kontrollieren muss – die notwendige Hygiene im Kelterhaus walten lässt.

    Jetzt noch etwas Pause und die Ruhe genießen, dann geht es in zwei Wochen Rieslingtrauben ernten, die immer noch sehr gesund sind.

    Vorfreude 🙂

  • Der Stift berichtet: Der Anfang

    Ein Stift ist ein Nagel ohne Kopf und ist auch die Bezeichnung für den/die  Azubi/-ne. Dieser Begriff wurde unter vielen Handwerkern (vorwiegend im Holzgewerbe),  für Lehrlinge im ersten Lehrjahr benutzt, weil die Lehrlinge – scheinbar (zumindestens fachlich) am Anfang ihrer Lehre – nicht viel im Kopf hatten..

    Und da wir jetzt einen Azubi haben, der doch was im Kopf hat, also eher ein Nagel, soll er als Mitautor in den Bildergeschichten aus dem Weingut Steffens-Keß von seinem Leben als „Stift“ berichten.

    Ich freue mich schon jetzt auf die Neue Kategorie „Der Stift berichtet“, die mein Lehrling mit Text und Bildern füllen soll.

  • Weinernte 2014: Funktionsbereit

    2014-09-09 Display

    Alle Maschinen, die für die kommende Weinernte benötigt werden, sind funktionsbereit, bzw. kurz davor. Die Faßvollpfeife benötigt eine neue Sirene, der Traktoranhänger bekommt noch zwei neue Reifen, da die alten genauso alt sind wie der Anhänger und nach fast 40 Jahren doch etwas morbide aussehen. Der Stift hat heute am ersten Arbeitstag auch gut funktioniert, kleine Sorgen bereitet nur meine Immer-dabei-Kamera.

    Seit Jahren hängt sie in der Kameratasche am Gürtel, schlägt beim Arbeiten natürlicherweise immer irgendwo an – des öfteren auch etwas heftiger – und ich dachte schon sie ist unkaputtbar. Aber dann nahm Chefin Marita sie mit in den Wochenendurlaub und da ist es passiert. In der Damenhandtasche! Scheint gefährlich dort drinnen zu sein! Das Display ist im Eimer. Ich hoffe, dass der Kundendienst ein Neues Display bezahlbar einbauen kann, damit während der kommenden Weinernte viele schöne Fotos für die Bildergeschichten aus dem Weingut Steffens-Keß gemacht werden können.

  • Ein Stift ist ein Nagel ohne Kopf

    2014-09-10 NagelEin Stift ist ein Nagel ohne Kopf und ist auch die Bezeichnung für den/die  Azubi/-ne. Ich berichtete über den Stift anlässlich des ersten Arbeitstages meiner Azubine Montag vergangener Woche.

    Obwohl ich geduldig, lieb, nett und sozialverträglich war, also wie immer, kündigte diese nach zwei Arbeitstagen.

    Mittwochs die Stellenausschreibung in meinen Netzwerken und hier im Blog. Und es hat geholfen, rasend schnell!

    Eine umschulungswillige Floristin und eine Arbeit suchende Weinbauingeneurin wurden mir angeboten, Thomas meinte in Facebook  „Wenn ich nicht schon eine Ausbildung hätte würde ich direkt dort anfangen!!“.

    Auf Twitter posteteMatthias@duesiblog 3. Sep.Würde selbst gerne. Der liebe .@Bioriesling hat aktuell Ausbildungsplatz & Praktikumsplatz in seinem Weingut frei.“

    Kurz vor Feierabend dann eine PN via Facebook: „Hallo Harald, dürfen auch deutlich ältere, lebenserfahrene Leute bei Dir Azubi werden, oder in welchem Rahmen wäre das Vorpraktikum zum Studium? Ich hätte da Lust drauf.“ Kurz darauf vom gleichen Bewerber ein Telefonanruf, er meinte es ernst. Ich natürlich etwas dumm aus der Wäsche geguckt – ich kenne ihn seit einigen Jahren.

    Der Ausbildungsvertrag ist mittlerweile unterschrieben. Es wird spannend! Das wird eine Ausbildungszeit die es in sich hat. Mehr auf Augenhöhe, als ein Bauer/Knecht Verhältniss. Für meinen Azubi die zweite Ausbildung. Bisher in Restaurant und Weinverkauf tätig, will er nun wissen wie er denn hergestellt wird, der Wein. Da kann ich auch noch viel lernen! Eher ein Stift mit Kopf, also ein Nagel, der Neue Azubi.

    Zudem ist er auch noch im Internet aktiv und will hier im Blog auch als Co Autor schreiben. Kategorie „Der Stift berichtet“.

    Ich freue mich auf Sven, der ab kommenden Montag bei uns das Winzerhandwerk erlernen will. Herzlich willkommen!

  • Es hört und hört nicht auf

    2014-09-09 Junges Grün

    Es hört und hört nicht auf zu wachsen. Nicht die Reben, über deren ungebremstes Wachstum ich hier berichtete, sondern die Begrünungen in den Weinbergen. Die immer noch feuchten Böden lassen die Wildkräuter sprießen. In den letzten Wochen konnte ich nur tageweise mähen gehen, da das Befahren der teilweise nassen Weinbergsböden diesen geschadet hätte oder andere Arbeiten anstanden.

    Mittlerweile bin fast durch und könnte wieder von vorne anfangen. Auch auf dem Mulcher kommt aus den Resten des letzten Mulchganges junges Leben zum Vorschein.