Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

Autor: Harald

  • Angelica

     2013-07-18 BlasenDas das Klettenlabkraut, welches dieses Jahr sehr üppig in unseren artenreichen Weinbergsbegrünungen vertreten ist, das mit seinen Borstenhaaren auf der verschwitzten Haut Hautreizungen und Hautirritationen hinterlässt, ist für mich normal. Das man ab und zu auch von Dornen gepeinigt wird, ist auch im Rahmen des Daseins als Ökowinzer. Auch die Rheumafreiheit des Biowinzers ist willkommen, da er des öfteren während des Arbeitens die Brennesseln übersieht und sich dann inmitten dieser befindet. Alles keine Gründe, die bei den jetzigen Hochsommertemperaturen obligatorische kurze Hose, gegen eine lange zu tauschen.

    Nur Angelica ist dazu in der Lage, den Winzer von der langen Arbeitshose zu überzeugen. Angelica, zu der Familie der Engelwurzen gehörend, bildet wie der Riesenbärenklau (Herculesstaude) Furocumarine, die mit UV Strahlung zusammen die Wiesengräserdermtitis verursachen.

    Vor Jahren hatte ich schon einmal massiv Engelwurz in den Weinbergen und entsprechende Probleme. Dieser Tage der wohl einzigsten Angelica in meinen Weinbergen über den Weg gelaufen. Massive Blasenbildung wie bei einer starken Verbrennung, es Juckt dauernd, schlechtes Abheilen der Wunde und ein dunkel pigmentierte Narbe, die sehr, sehr lange sichtbar bleibt.

  • Laubschnitt

    Die Laubarbeiten per Hand sind bis auf das Festbinden der diesjährig gepflanzten Reben erledigt. Nun ist Maschinenarbeit gefragt. Nach dem entblättern ist nun der Laubschnitt im vollem Gange. Alle Rebtriebe die oberhalb und seitlich des Drahtrahmens heraus gewachsen sind werden abgeschnitten.

  • Wunschträume

    2013-07-07 Rebe

    Einer meiner momentanen Wunschträume: Unter den Rebstöcken im Schatten liegen, anstatt den Weinberg hoch und runter zu laufen um die Laubarbeiten zu erledigen. Der Hochsommer hat sich dauerhaft breit gemacht. Vormittags noch kühl und angenehm im Weinberg zu arbeiten, Nachmittags wird es mühsam für Mensch und Maschine.

    Ein anderer Wunschtraum hat sich erfüllt. Durch die optimalen Wasservorräte im Boden wachsen die Reben rasant. Der Vegetationsrückstand wird immer kleiner. Übrigens, die Rebblüte ist sehr gut verlaufen.

    Wir sehen den nächsten Wochen gelassen entgegen. Ab und zu noch ein schöner Landregen um die Bodenwasservorräte zu ergänzen. Aber das sind andere Wunschträume, die man nicht zu laut äussern sollte, da wir in den letzten Wochen Deutschlandweit genug von Unwettern und Hochwässern gepeinigt wurden.

  • Entblättern

    Da das Einschlaufen der jungen Rebtriebe in den Drahtrahmen fast abgeschlossen ist, konnte heute mit dem Entblättern der Traubenzone begonnen werden. Ich berichtete hier und hier über diese wichtige kulturtechnische Maßnahme.

  • Zur Information

    2013-07-07 WeinlagenpanoFür eine größere Ansicht auf das Bild klicken.

    Damit Sie wissen, woher unser Wein kommt: Unser Weinlagenpano. Grob eingetragen unsere Weinlagen gegenüber Reil.  Darin verteilt unsere Weinberge und bis auf zwei Parzellen alles im Sichtfeld.

  • Champagner bis zum Abwinken

    Zum dritten mal: Am vergangenen Wochenende fand der Branchentreff der Weinaktivisten im Internet statt. Kurz Vinocamp genannt. Als Schwerpunkthema der diesjährigen Verkostungen: Champagner.

    Wie jedes Jahr in der Weinuni in Geisenheim.  Ich berichtete hier und hier über die beiden letzten Veranstaltungen.………………………………………………………………………………..

    Viele Vorträge rund um Wein und Internet wurden geboten. Für mich sehr spannend die Megasession von Theo Huesmann und Jochen Mai. Blogdesign und Programmiertipps für den Blogger. Spannend und sehr lehrreich für mich. Champagner, Sekt, Cremant, das Hauptthema der Weinverkostungen, wobei der Schwerpunkt auf Champagner lag. Teilweise von Sponsoren zur Verfügung gestellt, teilweise von den Teilnehmern mitgebracht. Und vor allem reichlich!

    Da ich das Thema Champagner weniger spannend fand und im übrigen andere Geschmacksrichtungen beim Sekt bevorzuge, besuchte ich den Workshop „Old school sparkling – Fokus auf Methode Ancestral/Rural -„

    „Für alle, die genau so wenig Ahnung vom Thema Methode ancestral haben: Weine, die im Tank/Fass angegoren werden, bei ca. 4-5% Alkohol filtriert und dann auf Flaschen gezogen werden, wo sie, dank verbliebener Hefereste, weitergären. Zum Teil werden sie später dégorgiert, zum Teil bleiben sie leicht trüb, von ziemlich trocken bis sehr süß ist alles dabei. Unser Fazit: Spannend – nichts für Weintrinker, die eine sichere Bank brauchen. Enttäuschungen sind drin.“

    wenn ich Christin Jordan zitieren darf.

    Und so war es auch. Die erste Gärung in der Flasche zu vollziehen ist spannend und risikoreich, zumindest was das Leben in dieser Flasche angeht. Es waren nicht nur Hefen, die dort von dem verbliebenen Zucker etwas haben wollten und für uns einige überraschende Geschmacksnoten bereit hielten.

    Unter dem Motto „Tu den mal weg, der hier ist besser“ versuchte Torsten Goffin uns sogar eine Probe vorzuenthalten, was ihm aber nicht gelang. Eine sehr interessante Probe, die in die geschmacklichen Randbereiche der Weinbereitung führte. Danke Torsten für die Probe!

    Beim Abendessen in Breuers Kellerwelt in Rüdesheim dann die Fortsetzung.

    Zum Mehrgängemenue ausschließlich Sekt und Champagner, teilweise aus der großen Magnumflasche. Zu jedem Gang zwei bis drei verschiedene! Bis zum Abwinken!

    Da der Sekt und Champagner uns schon fast wieder aus den Ohren raus kam, wurde der Ruf nach einem Rebengetränk ohne Blubber laut. Binnen kürzester Zeit wurden von den Teilnehmern mitgebrachte Weine vor der Kellertüre geöffnet und degustiert.Sonntags dann der übliche Empfang der Deutschen Weinkönigin. Donnerstags hatte ich noch einen Einfall. Deutsche Weinkönigin und Champagner geht nicht. Also Riesling Sekt eingepackt, reichlich. Thomas vom Orgateam meinte, das es so reichlich ist, das es für alle Vinocampteilnehmer reicht. Und so erfolgte der Start in den Sonntag mit unserem Moselriesling Sekt.

    Weitere Information über das Vinocamp gibt es im Vinocampblog und bei Facebook und Twitter unter dem hashtag #vcd13.

    Natürlich ein Dankeschön an alle Sponsoren, die geholfen haben, dieses überaus spannende Event zu finanzieren und natürlich ein ganz großes Danke an das Organisationsteam!

  • Rebblüte

    Eine der ganz wenigen Ereignisse über die ich mit schöner Regelmässigkeit berichte, ist neben dem obligatorischen Weihnachtsgruß, die Rebblüte. Dieses Jahr etwas später wie gewohnt bei kühlen Temperaturen, die den Blüteverlauf etwas in die Länge ziehen könnten. Auf jeden Fall ist das Blütewetter viel besser als im letzten Jahr wo noch Dauerregen dazu kam. Zum Wochenende soll es wieder wärmer werden und dann dürfte die Rebblüte zügig weitergehen. Hoffentlich werden alle Blüten befruchtet, damit die Weinfässer im Herbst gut gefüllt sind.

  • Hagelunwetter: Fortsetzung?

    So langsam, ich habe es fast nicht bemerkt, kommt da was. Das Regenradar verheisst nichts gutes. Eigentlich habe ich für heute die Nase voll.

    Nachtrag, 21. Juni 2013

    Das Gewitter ist an uns vorbeigezogen ohne Schaden anzurichten. Der Kern des Gewitters war 2 km von uns entfernt und es gab reichlich Regen in flüssiger Form.

  • Hagelunwetter: Fazit

    Der erste Fazit des heutigen Hagelunwetters: Wir sind mit einem blauen Auge davon gekommen!

    Die durch den Hagel verursachten Löcher in den Blättern sind kein Problem. Die vielen abgeschlagenen Rebtriebe und Verletzungen dieser, verursachen bei den Laubarbeiten und beim Rebschnitt im kommenden Winter einen höheren Arbeitsaufwand. Die wenigen abgeschlagenen Blütenstände sind auch kein Problem. Die restlichen Trauben werden dann um so dicker. Die Weinberge sehen nach den Windböhen etwas durcheinander aus, auch kein Problem. Keinerlei Ertragseinbußen zu befürchten!

    Im Weinberg, in dem mich heute morgen der Hagel überrascht hat, sind grob geschätzt, 50% der Triebe abgeschlagen worden. Es hätte keine Sekunde länger Hageln dürfen. In diesem Weinberg erzeugen wir ausschließlich Riesling für die Sektproduktion. Er liegt ca. 3 km von Reil entfernt.

    Und jetzt das Gute: Je näher man nach Reil kommt, desto weniger Hagelschäden gibt es!🙂

    Leider gab es Erosionsschäden in unserer diesjährig gepflanzten Junganlage.

    Die abgeschwemmte Erde wurde binnen Minuten von einem Kollegen mittels Frontlader aufgeladen und wieder oben in den Weinberg eingebracht. „Nur“ ein Anhänger voll. Danke Carsten, das das so problemlos gekappt hat!

    Stellenweise gab es größere Schäden an asphaltierten Wegen, in die das Wasser große Löcher riss.

    Das Hagelunwetter – mit bei uns 65 l Regen je qm – hat, so meine Information, die Mosel flächendeckend getroffen. Mehr oder minder Hagel bis Taubeneigröße, Überschwemmungen und Erdrutsche, vollgelaufene Keller usw. Wir sind glimpflich davon gekommen! Die heute Morgen gefallenen Niederschläge in fester und flüssiger Form haben bei uns einen  „sehr“ geringen Schaden angerichtet, jedoch einen riesengroßen Schreck. Von anderen Kollegen, gerade mal eine Moselschleife weiter, hört man nichts gutes.