Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

Autor: Harald

  • arte, Teil 2: Wagemutig

    2013-08-29 KranDas gestern für den heutigen Drehtag bestellte Sommerwetter kam heute morgen pünktlich zum Drehbeginn der arte Dokumentation. Die Profis der Produktionsgesellschaft bauten zuerst das Equipment auf, bevor es ans Filmen ging.

    2013-08-29 Pigott

    Als Gast durfte ich heute Morgen den bekannten Weinjournalisten Stuart Pigott begrüßen, den ich schon seit langer Zeit kenne. Zuerst eine gemeinsame Weinbergsbegehung mit Stuart, danach erfolgten etliche Interviews mit uns beiden, bzw. mit jedem einzeln. Das ganze im Weinberg, später im Weingut auf der Terasse, vor, während und nach dem gemeinsamen Mittagessen. Dazu noch das übliche zuprosten, und das natürlich mehrfach, wie ich schon im ersten Teil meiner Berichterstattung über diese arte Produktion berichtet hatte. Nebenbei stellte ich Stuart noch unsere aktuelle Weinkollektion vor und das Kamerateam probte während der Mittagspause ebenfalls unsere Weine.2013-08-29 Raupe

    Wagemutig ging es gesättigt weiter: Aufnahmen im steilsten Weinberg! Tags vorher hatte ich eine provisorische Transportpritsche gebaut. Der Kameramann sollte eigentlich sitzen. Relativ ungefährlich. Falls er Angst hätte, hätte ich ihn noch mit einem Zurrgurt festschnallen können, aber nein!

    2013-08-29 Raupe steilFast freihändig mußte ich mit ihm bei ca. 60% Steigung in den Weinberg einfahren, Rebzeile runter- und wieder rauffahren. Und als ob das nicht ausgereicht hätte – wie beim ersten Dreh: Klappe die Erste, die Zweite. die Dritte….

  • Projekttreffen

    2013-08-27 Biodiversität

    Ich berichtete hier schon einmal über das Projekt der Bodenseestiftung und des Global Nature Fund zur Biodiversität. Untersucht werden die direkten ökologischen Auswirkungen eines Betriebs, für die der Winzer direkt verantwortlich ist und die er beeinflussen kann, als auch die indirekten, die durch den Dialog mit seinen Partnern/Zulieferern zustande kommen.

    15 ECOVIN Weingüter, darunter auch wir, wurden bisher eingehend auf die ökologischen Auswirkungen untersucht. Heute gab es die erste Zwischenbilanz bei einem Treffen im Weingut Klaus und Susanne Rummel in der Pfalz. Nicht nur der CO2 Fußabdruck, den ein Weingut hinterlässt, sondern auch die Wiederverwendbarkeit und Verwertbarkeit von Betriebsmitteln stand im Focus der Diskussionen. Zudem wurde auch die Reccourchenschonung intensiv betrachtet.2013-08-27 Glasrecycling

    Das Weinbehältniss, die Weinflasche, war ein Schwerpunkt des heutigen Tages. Interesannterweise kann die von uns verwendete Grünglasflasche zu 100% aus Altglas gewonnen werden, während Braun- oder Weißglas nur bis max 70% aus Altglas gewonnen wird und immer wieder neue Primärrohstoffe verwendet werden müssen. Natürlich ist das Wiederbefüllen gereinigter Weinflaschen ökologisch noch wertvoller, jedoch nicht immer machbar.

    Auch die Flaschenverschlüsse kamen auf den Prüfstand. Ökologisch der geringste CO2 Fußabdruck, allerbeste Umweltverträglichkeit bei der Produktion und der späteren Verwertung wurde dem Korken bescheinigt. Als extremer Gegensatz der Anrollverschluss aus Aluminium, der bei erstmaliger Verhüttung von Aluminiumerz mit extrem hohem Energieaufwand produziert wird und der bei der Produktion die Umwelt und den Menschen durch den dabei entstehenden Rotschlamm stark gefährdet.

    Sogar kleinste Details, wie der Klebstoff der Etiketten, wurden angesprochen. Die für Veganer vielleicht wichtige Frage, ob es Knochenleim sein darf, wurde nur am Rande erörtert, da dies nicht Umweltrelevant ist.

    Weitere Auswirkungen unseres Tun und Handelns auf die Umwelt kamen ebenfalls zur Sprache. Erste Maßnahmen zur Verringerung dieser Auswirkungen wurden auch schon besprochen. Ein weiteres Jahr wollen die Spezialisten der Bodenseestiftung und des Global Nature Fund die Weingüter analysieren und dann einen Maßnahmenkatalog erstellen, mit dem diese Auswirkungen nochmals minimiert werden können.

  • arte, Teil 1: Drehbeginn

    2013-08-14 Monorack

    „Entstehen werden drei Hochglanz-Dokumentationen a 45 Minuten, die beeindruckende Landschafts- und Luftaufnahmen mit spannenden Geschichten rund um Land und Leute verbinden sollen; Sendetermin ist in der Primetime um 19:30 Uhr im Jahr 2014.“

    so der Produzent in einer mail an mich.

    Dieser Tage war Drehbeginn. Im Auftrag von arte wird von ThoRa Film ein dreiteiliger Film über die Mosel gedreht. Einmal die französische, einmal luxemburger und einmal deutsche Mosel. Für den Moselteil habe ich als Statist eine der Hauptrollen (?). Der erste Auftritt war bei Kilian Franzen und Angelina Lenz in Bremm. Ich traf das Filmteam am Bremmer Calmont, dem steilsten Weinberg Europas. Da kein Weg und Steg in diesem steilen Gelände ist, sind die Weinberge mit der Monorackbahn erschlossen.  Ein wahres Paradies für Filmer, um Videos zu drehen. Zwei Beispiele finden Sie hier und hier.2013-08-14 KameramannIm Weingut von Kilian dann natürlich auch Riesling trinken und zuprosten, nebenbei mit Kilian und Angelina noch ein Interview. Und da, wie beim öffentlich-rechtlichem TV in der Regel üblich, der Qualitätsgedanke ganz oben steht, natürlich Klappe die Erste, die Zweite. die Dritte….

    Selten, dass ich so oft meinen Mittrinkern zuprosten und mit den Gläsern anstoßen musste, zeitgleich aber sehr wenig Riesling getrunken wurde.

    Mein Statistendasein wird noch für zwei weitere Drehtage andauern. Die „Dramaturgie“  ist mir grob bekannt, spontane Ideen werden kreativ umgesetzt. Man merkt, das Profis die ihr Handwerk verstehen am Werk sind.

  • Bargeld

    2013-08-12 Regen

    Bargeld kam soeben vom Himmel. Reichlich Regen und er hat noch nicht aufgehört während ich diese Zeilen schreibe. Wir sind den Sorgen der vergangenen Tage enthoben. Da werden sich die Reben freuen und natürlich freut der Winzer sich auch. Kurz bevor sich aus kleinen Sorgen, große Sorgen entwickeln konnten, ist dieser Landregen ein Segen für uns, damit die kommende Ernte qualitativ und quantitativ ein Erfolg wird.

  • In Reil steppt der Bär

    2013-08-10 Tröte

    Wie jedes Jahr: In Reil steppt der Bär! Weinfestzeit. Gestern war Weinköniginnenabholung mit Blasmusik und Empfang im Elternhaus der Weinkönigin.2013-08-10 Königinnen

    Mit dabei die trinkfesten, gekrönten Häupter der umliegenden Gemeinden. 2013-08-10 Umzug

    Mit einem Festumzug ging es dann zum Festgelände.2013-08-10 Weinköniging

    Zuerst die üblichen Reden der örtlichen Politprominenz, dann ganz launig und lustig der Redebeitrag der Reiler Weinkönigin Verena mit ihren Prinzessinnen Caroline und Sophie, die alle Drei mangels Nachfolger nun in ihr zweites Amtsjahr gehen.

    2013-08-10 Feuerwerk3

    Danach konnte dann das Feiern beginnen, welches durch ein Feuerwerk in der Reiler Goldlay kurz unterbrochen wurde.

  • Interesannterweise

    2013-08-09 Laubschnitt

    Interesannterweise haben die meisten Reben die lange Trockenperiode und heißen Sommertemperaturen der letzten Wochen sehr gut überstanden. Stellenweise hatte der Laubschneider heute mächtig Arbeit, die aus dem Drahtrahmen überstehenden Triebe abzuschneiden.2013-08-09 Trockenschäden

    Nur wenige Rebstöcke, bzw. Weinberge leiden unter Trockenstress. Eine kleine 4-jährige Junganlage ist an meisten betroffen. Das Wachstum gänzlich eingestellt, die Rebbläter von der Sonnne weggedreht und beginnende Gelbfärbung. Die im Hintergrund stehende 8-jährige Rebanlage ist noch ausreichend mit Wasser versorgt, da die Wurzeln schon tiefer in den Boden reichen.

    Stellenweise, dort wo die Bodenmächtigkeit durch den hoch anstehenden Fels gering ist, ist das Wachstum schon geringer. Besorgniss haben wir noch nicht, aber es ist leider kein ausgiebiger Regen in Sicht. Da könnten aus kleinen Sorgen große werden.

    Ich hatte schon ans Wasser fahren gedacht, aber unsere diesjährig gepflanzten Reben sehen immer noch vital aus und kommen noch ohne zusätzliche Wassergabe aus.

    Anders sieht es bei Kollegen aus. Bernhard Fiedler aus Österreich will zwar nicht jammern, aber das Bild in seinem Blogeintrag spricht Bände. Die täglich neuen Temperaturrekorde in unserem Nachbarland haben den Reben sehr stark zugesetzt und die ersten Blätter vergilben durch den Wassermangel.

  • Da oben

    2013-08-03 Sonnenuntergang

    Da oben ist das, was wir brauchen: Regen! Die Trockenheit nimmt zu. Es gab in den letzten Tagen etwas Regen, aber der half eher den Weinbergsbegrünungen beim Überleben, als das er den Rebstöcken genutzt hat. Das Wachstum ist mittlerweile stark zurück gegangen. Wassermangelsymtome gibt es noch nicht, aber es dürfte nicht mehr lange dauern, bis sie sichtbar werden.

    Unser diesjährig gepflanzter Weinberg sieht noch gut aus. Ich überlege jedoch täglich, wann ich  anfangen soll, Wasser  zu geben. Für Mitte kommender Woche sind Niederschläge angekündigt. Ich hoffe, dass diese reichhaltig ausfallen. Wenn nicht, ist Wasser fahren geplant.

  • verloren

    2013-07-29 MulcherNicht das erste mal, aber das erste mal beim Mulchgerät. Schlicht und einfach im Weinberg verloren! Mit den Jahren wird das Material schwach. Materialermüdung, bzw. Ermüdungsbruch  nach 16 Jahren Einsatz.

    Mit etwas Glück, Kraft und Nachdenken schaffte ich es, das Gerät aus dem Weinberg und auf den Anhänger zu bekommen.

    Mittlerweile, nach zwei Stunden brutzeln und braten, geschätzten 15 Schweißelektroden und einigen Kilo Verstärkungsstahl ist der Mulcher wieder einsatzbereit. Sieht zwar nicht hübsch aus, müsste aber halten und seinem Zweck dienen.

  • kleine Sorgen

    2013-07-26 Böschung

    Seit über drei Wochen hat es keinen Tropfen Regen gegeben. Der Hochsommer mit hohen Temperaturen und trockener Luft hat die Oberkrume der Böden ausgetrocknet.

    Während die älteren Weinreben im Untergrund noch genügend Wasser finden, wird es so langsam knapp für die Begünungen. An Böschungen  und Straßenrändern  sind die Pflanzen schon am verdorren.2013-07-26 vertrocknet

    Zu meinem Leidwesen sind leider etliche der im  letzten Jahr nachgepflanzten Reben verdorrt. Sie hatten keine Chance in den begrünten alten Rebanlagen. Die Wasserkonkurrenz der Begrünung war zu stark. Also beginnt das Spiel von vorne. Sollte es, was ich hoffe, bald regnen, kann ich die im Weingut zum Nachpflanzen stehenden Topfreben pflanzen. Anschließend hoffen, dass diese nicht in diesem Jahr, auch nicht im nächsten Jahr verdorren und gut anwachsen.

  • Umweltschweine

    2013-06-15 Schuh

    Leider wird die Landschaft immer wieder zur Müllverklappung verwendet. Seien es ausrangierte Schuhe, Matratzen oder alte Autoreifen. Von den Plastiktüten, Wein-, Bierflaschen und mittlerweile wieder Getränkedosen ganz abgesehen. Wird von den Winzern oder der Gemeinde eingesammelt und in die eigene Mülltonne geworfen. Ich berichtete hier schon einmal über dieses Problem.2012-07-15 Öl

    Dieser Tage eine richtige Ökosauerei. Auslaufendes Öl aus einem defekten Laubschneider! Der Kollege unfähig und nicht willens, die Hydraulik des Laubschneiders abzudichten. Lieber laufend das Öl im Traktor ergänzen als den Schraubenschlüssel zu bewegen. Und keiner kann mir sagen, das er den Ölverlust nicht gemerkt hat, denn bei diesem Mengenverlusten muss laufend Öl nachgefüllt werden, damit es nicht zu Maschinenbruch kommt.

    Nachtrag 23.07.2013:

    Obige Ölspuren wurden heute mit Ölbindemittel abgestreut. Bei anderen Weinbergen mit den gleichen Ölspuren ist nichts geschehen.