Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

Autor: Harald

  • Hagelunwetter

    Vor nicht einmal zwei Stunden wurde es dunkel über dem Moseltal.

    Starkregen mit Hagel!

    Schäden an den Reben! Wieviel kann ich noch nicht abschätzen. Hoffentlich sind wir mit einen blauen Auge davon gekommen.

    Die Straßen überflutet, stellenweise der Asphalt aufgerissen.

    Nur in unserer Junganlage kam es zu leichten Erosionsschäden. Die Anderen Weinberge haben dank Begrünung keine Bodenabschwemmungen. Also heute Nachmittag die Erde von der Straße schippen.

  • rasend schnell

    Rasend schnell wachsen zur Zeit die Reben. Wasser ist genügend im Boden und der Hochsommer mit Temperaturen von über 30 Grad beschleunigt das Rebwachstum dermassen, dass wir uns beeilen müssen um die Rebtriebe in den Drahtrahmen einzuschlaufen.

    Morgens macht es noch Spaß, aber sobald die Sonne höher steigt, gibt es immer öfter Pausen bei den Sprudelflaschen und die Arbeit geht langsamer vonstatten. Heute Nachmittag gab es sogar hitzefrei, da ich mich vorher in einem unserer steilsten Weinberge abgearbeitet hatte. Aber die Reben nehmen mit ihrem Wachstum darauf keine Rücksicht und so werde ich morgen Mittag in meinen „flachen“ Steillagen die Laubarbeiten durchführen, so meine Planung. Etwas langsamer arbeiten und jede Menge Wasser zum Trinken dabei haben.

    Der Vegetationsrückstand durch den kalten Mai ist bis auf wenige Tage geschrumpft und die Rebblüte steht kurz bevor. Zeitlich fast genau wie im langjährigen Mittel.

  • Etikettieren

    In den nächsten Tagen beginnen die Laubarbeiten, die unsere Arbeitszeit fast gänzlich in Anspruch nehmen werden. Daher wurde gestern ausreichend Wein etikettiert, damit in den nächsten Wochen genügend Wein für den Verkauf zur Verfügung steht.

    Für die Technikinteressierten obiges Video in dem man erkennen kann (hoffentlich), wie eine Etikettiermaschine funktioniert.

  • Adalia 4-punctata

    Im Gegensatz zu dem allgegenwärtigen coccinella-septempunctata, dem Siebenpunktmarienkäfer, ist der  Adalia 4-punctata, der Vierpunktmarienkäfer, ein weiterer Vertreter der überaus großen Familie der Marienkäfer. Bis auf wenige Ausnahmen in dieser Insektenfamilie sind es alles Nützlinge, die z.B. Läuse vertilgen. Gibt es sogar zu kaufen, um der Läuseplage im Blumentopf Herr zu werden, falls die Marienkäfer nicht entschwinden um Nachbars Läuse zu fressen.

  • Seit einer Woche

    Seit einer Woche haben wir den Sommer. Dazu strahlend blauer Himmel. Mir macht das Arbeiten im Weinberg noch mehr Spaß und den Reben sieht man es auch an. Die Blattfarbe hat sich von gelb wieder ins grüne verfärbt und die Reben fangen, nach dem Stillstand in den letzten Wochen, wieder an zu wachsen. In einigen Tagen werden wir sicherlich mit den Laubarbeiten beginnen und die jungen Triebe in den Drahtrahmen einschlaufen.

  • Gestern! Heute! Morgen?

    Gestern bei einer Maschinenvorführung die neuesten Entwicklungen im Bereich der Unterstockpflege gesehen. Ein Bereich, der ohne Herbizide und noch dazu im Steilhang sehr schwer zu pflegen ist. Neben der Rollhacke kam gestern auch der Unterstockmulcher der Fa. Braun zum Einsatz, der zwischen die Rebstöcke einschwenkt und bei Kontakt des  Führungsbügels am Rebstamm diesen umfährt. Hat richtig gut funktioniert und ist auch eine Lösung für unsere steilen Weinberge.

    Heute dann das klassische Werkzeug in der Hand gehabt, die Sense mit kurzem Blatt. Mein Unterstockmähteller an der Raupe lässt mehr oder weniger Pflanzeninseln am Rebstamm stehen. Die Pflanzen wachsen dann in die Laubwand der Rebe. Das verringert die Durchlüftung und Pilzkrankheiten werden gefördert.  Also händisch die restlichen Pflanzen schweißtreibend und anstrengend gemäht.

    Morgen, oder übermorgen, oder überübermorgen, ganz sicher noch dieses Jahr, werde ich mich mit der Agrartechnik der Raiffeisen in Verbindung setzen. Ich will auch so ein Teil haben. Es muß nur an meinen Kettenschlepper und an die Bedingungen im Steilhang angepasst werden.

  • Ereignissreich

    Ereignisreiche Tage liegen hinter mir. Interessanter Besuch hatte sich dieses Wochenende angekündigt. Caroline Henry vom Blog missinwine, Frankreich, und Gabriel Dvoskin von vinicast, Argentinien, besuchten mich und weitere Winzerkollegen. Nach der Ankunft am Freitag zuerst ein kräftiges Abendessen, danach den Sonnenuntergang vom Aussichtturm auf dem Pündericher Prinzenkopf genossen, über den ich hier und hier schon einmal berichtet hatte. Ach ja, zwischendurch ging es natürlich noch in die Weinberge.

    Abendlich, bis mitten in die Nacht, eine ausgedehnte Weinprobe. Als Krönung zwei Sekte. Der eine von mir, ein 1993er Riesling, der andere vom Vorbesitzer unseres Hauses. Zwar kein Jahrgang auf dem Etikett, aber da die vor uns im Haus residierende Weinhandlung mit den Tod des Besitzers 1975 erloschen war, ist das Alter dieses Sektes mind. 38 Jahre. Ich berichtete hier schon einmal über diesen Sekt, von dem ich mehrere Flaschen hatte. Bitte dort die Geschmacksnotizen lesen.

    Samstag dann der nächste Besuch. Ralf Scholze kam zum Fotografieren. Eine Auftragsarbeit für eine Zeitschrift. Zuerst natürlich das Sonnenlicht ausnutzend um das übliche Glas mit Wein zu fotografieren. Jahreszeitengemäß mit Spargel dekoriert.

    Dann die eigentliche Auftragsarbeit im Holzfasskeller. Für einen Bericht über einen Weinkrimi und seinen Autor mußte die Krone der Weinkönigin Model stehen. Der Titel des Weinkrimi soll „Der Tod der Weinkönigin“  oder so ähnlich sein. Die Weinkönigin selbst war leider nicht da und aufs Tomatenketchup als Blutersatz hat Ralf auch verzichtet.

    Der Start heute morgen war auch nicht schlecht. Champagnerfrühstück beraumte Caroline Henry heute spontan auf unserer Terrasse an. Eine von ihr mitgebrachte Magnumflasche Tarland Brut nature wurde zügig ihrer Bestimmung zugeführt.

    Und da Caroline heute zufälligerweise auch noch Geburtstag hat, durfte sie das Königinnenkrönchen auch einmal auf ihr Haupt setzen. Leider verneinte sie meine Frage, ob sie denn für die kommende Saison Reiler Weinkönigin werden möchte.

    Nebenbei noch etwas, sie haben es sicherlich an den Bildern gesehen. Wolkenfreier Himmel mit viel Sonnenschein. Der Sommer kommt an die Mosel! Endlich!

  • Schöner Trinken

    Schöner Trinken, das Motto der Berliner Weinhandlung Suff. Zusammen mit foodiesquare einem Startup, das handwerkliche Spitzenprodukte aus dem Lebensmittelbereich sucht und hier verkauft, hatte ich am vergangenen Sonntag die Gelegenheit, unsere Weine auf dem Gemeinschaftsstand der Next Organic in Berlin zu präsentieren.

    „Die NEXT ORGANIC BERLIN ist eine erlebnis- und genussorientierte Plattform für Menschen, die ökosozial zukunftsweisende Produkte herstellen, vermarkten und verarbeiten sowie für alle, die diese entdecken wollen.“

    so die Selbstbesschreibung der Messebetreiber.

    Hat auf jeden Fall Spaß gemacht. Am Vorabend die Aussteller Party, bei der man bei  Wein und einem fünf Gänge Menü die anderen Aussteller kennen lernen konnte. Ich saß bei den Mitarbeitern von edelmond, einer kleinen, aber feinen Schokoladenmanufaktur und der Abend verging wie im Fluge.

    Auf der Messe selbst ein hochkarätiges Angebot an Lebensmitteln. Ich kann sie hier nicht alle aufzählen. Ich hatte sehr viel zu tun und konnte nur kurz einige Aussteller besuchen, wie hier einen südtiroler Käsehersteller

    oder einen Metzger, der sein Rindfleisch der Naßreifung unterzieht, indem er es in Rinderfett einhüllt und reifen lässt.

    Bei den anderen anwesenden Winzerkollegen am Gemeinschaftsstand wurde reichlich probiert und in ruhigeren Minuten auch Erfahrungsaustausch betrieben.

    Besonderes Interesse fanden bei mir die Nebenprodukte der Weinbereitung: Riesling-Weinessig, Riesling-Balsamessig und Mosto Cotto vom Riesling, der der einzigste weltweit ist. Die Messebesucher fanden es äußerst spannend, wie Essige probiert werden: Einen Tropfen mit der Pipette auf den Handrücken, etwas verreiben, riechen und ablecken. Wurstsack aka Hendrik Haase, ein bekannter Foodblogger, war auch an meinen Produkten interessiert. Wieder jemand aus meinen sozialen Netzwerken, den man persönlich kennen gelernt hat.

  • Es könnte so langsam anders werden

    Es könnte so langsam anders werden, das mit dem Wetter. Die kühlen kalten Temperaturen haben das Rebwachstum stoppen gelassen. Zudem werden die Rebblätter gelblich, da kältebedingt die Nährstoffausnahme behindert/verhindert wird.

    Weitere ergiebige Regenfälle haben das Sommerhochwasser der Mosel nicht wesentlich abschwellen lassen. Etliche Nebenstraßen sind immer noch überschwemmt und nicht passierbar.

    Ich will endlich Sommer! Wenn man morgendlich im Weinberg mit eiskalten Fingern am arbeiten ist und nächtens von langen Unterhosen am träumen ist, dann passt die Jahreszeit nicht.

    Achso, bevor ich es vergesse, – die ersten haben schon danach gefragt – die jetzige Kälte-/Regenperiode hat keinerlei Einfluss auf die Qualität des kommenden Weinjahrganges. Wasser haben wir jetzt genug im Boden und falls es denn mal wärmer wird, der jetzige kleine Entwicklungsrückstand der Reben wird binnen weniger Tage aufgeholt sein. Falls es denn wärmer wird…

    Es ist noch lange hin bis zur Ernte, da kann wetterbedingt noch viel geschehen und wir wissen doch alle: Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben!

  • so um die sieben Meter

    Reichlich Regen gab es am vergangenen Pfingstwochenende. Binnen kürzester Zeit lief die Mosel über. Ein Hochwässerchen mit einem Pegelstand so um die sieben Meter. Das Moselvorgelände in Reil ist komplett überschwemmt. Ärgerlich für die Personenschifffahrt, die keine Fahrgäste aufnehmen kann, ärgerlich für die Kinder, deren Spielplatz abgesoffen ist und viel Arbeit für die Gemeindearbeiter, die nach dem Hochwasser wieder alles säubern müssen.

    Heute wieder schwarz gefärbte Wolken über dem Moseltal. Der Regen blieb in diesen und lässt mich hoffen, dass ich morgen, ohne eine Rutschpartie hinlegen zu müssen, mit dem Kettenschlepper in unseren steilen Weinbergen fahren kann. Morgen noch trocken, das wäre ein Wunsch, das der Sommer endlich zum Sommer wird, der andere.