Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

Autor: Harald

  • Das war es gewesen

    Das war es gewesen, das mit dem Winter. Hoffentlich. Heute wurde erstmalig die 10 Grad Marke geknackt. An der uns am nächsten liegenden Wetterstation der Agrarwetterfrösche gab es in 2 m Höhe exakt 10 Grad, in 20 cm sogar 12,7 Grad. Mein Minimum-Maximum-Thermometer zeigte noch links die kalten Minimaltemperaturen der letzten Nächte an und rechts den Frühling.

    Die nächsten Tage soll es so bleiben und weiter wärmer werden. Der Frühling kommt mit Gewissheit und in einigen Tagen wird die Natur sicherlich explodieren. Endlich wieder eine farbige Landschaft. Das tut der Seele und dem Körper gut. Das Arbeiten im Weinberg macht dann viel mehr spaß, wenn man sich der Winterkleidung entledigen kann und die Sonne vom Firmament scheint.

  • Reben roden

    Das Reben roden sollte schon längst erledigt sein. Feuchter Boden behinderte diese Arbeit zuerst, dann wurde die Neue Weinliste verschickt und etikettieren, Kartons packen usw. standen auf dem Programm. Heute morgen, ich hatte mich schon richtig auf die Weinbergsarbeit gefreut, sollte es soweit sein. Leider war Frust schieben angesagt: Die Batterie des Traktors hatte den Geist aufgegeben. Mit Neuer Batterie ging es dann heute Mittag in den Weinberg.

    Da jetzt, ganz neu,  im Weingut eine sogenannte „Äktschen“ Kamera vorhanden ist, nun hier das erste damit gedrehte Video. Rechts in den Kategorien, eine Neue, mit dem Namen Video, für die Filme, die jetzt vermehrt gedreht werden.

  • Ab sofort verfügbar!

    Gestern wurden Preislisten gedruckt und gefalzt. Heute wurden diese eingetütet kuvertiert und mit einer echten Briefmarke versehen. Morgen gehen sie auf die Reise.

    Ebenfalls heute kamen die Etiketten um morgen auf die Flaschen geklebt zu werden. Unser Onlineshop ist auch schon auf dem aktuellen Stand und als ob unsere Kunden darauf gelauert hätten, hatte ich fünf Minuten später  schon die ersten zwei Bestellungen.

    Die ersten Weinkunden haben sich für die nächsten Tage angekündigt. Ich freue mich darauf auch den neuen Jahrgang erstmalig präsentieren zu dürfen und hoffe auf eine positive Resonanz.

  • Abräumen

    Der erste Einsatz letzte Woche war desaströs. Nach dem Nachbessern mit Winkelschleifer und Schweißgerät funktionierte der selbst konstruierte Drahtaufwickler wie es eigentlich sein sollte.

    Vorbereitungen für eine Neuanpflanzung, dass Abräumen der alten Rebanlage. Zuerst die Drähte des Drahtrahmens aus den Haken der Weinbergspfosten heben, am entgegengesetzten Weinbergsende vor den Drahtspannern den Draht abschneiden und aufwickeln. Die Weinbergspfosten sind schon per Hand aus dem Boden gezogen worden und morgen werden die Rebstämme mit der Rodezange aus dem Boden gezogen. Dann die Fläche noch abräumen und die Reste sortieren. Der alte Draht kommt zum Schrotthändler, die Pfähle werden bei der Neuanpflanzung wieder verwendet und die alten Reben bekommt mein Nachbar, um darauf Winzersteaks zu grillen.

  • Abgefüllt

    Das Wetter hat sich seit meinem letzten Eintrag hier im Blog stark verbessert, so Richtung Frühling. Es wird wieder wärmer und hoffentlich können wir dem Winter endlich ade sagen.  Nach dem massivem Schneetreiben am Dienstag, lachte am Mittwoch die Sonne wieder vom Himmel und die Mosellandschaft war winterlich weiß. Leider konnte ich den Schnee, der mittlerweile gänzlich weg getaut ist,  nur von der Kellertüre aus anschauen, da wir in den letzten Tagen unsere 2012er Ökorieslinge abfüllten.

    Bis auf den noch im Keller lagernden Sektgrundwein sind alle Holzfässer und Stahltanks leer und warten auf die nächste Ernte. Nun noch die Weinliste schreiben, eine Menge Briefmarken auf Kuverts kleben, den Shop auf der Homepage aktualisieren und der Druckerei Dampf machen, damit die Etiketten gedruckt werden. Dann kann der 2012er in den Verkauf gehen.

  • Zipfelmützenwetter

    Gestern während dem Abfüllen ein Anruf: „Es soll morgen schneien, können wir die Flaschen noch heute vorbei bringen?“. Kein Problem, eine Stunde später waren die für heute georderten Flaschen geliefert. Gut, dass im Büro meines Flaschenlieferanten ein Hobbymeterologe sitzt, der auch während der Arbeit auf die Wettervorhersage schaut. Heute massivstes Schneetreiben beim Blick aus dem Weinkeller, die andere Moselseite nicht zu sehen.

    Wären die Bouteillen gestern nicht geliefert worden, heute wäre für den Lieferwagen kein durchkommen gewesen, zumindest in unseren steilen Hof. So kann nun morgen abgefüllt werden.

    Letzte Woche hatten wir warmes und schönes Frühlingswetter, aber im Weinkeller sind immer noch eisige Temperaturen.

    Für den Wein ist das sehr gut! So können wir aromaschonend Abfüllen.

    Als Bekleidungsstück ist die Zipfelmütze zum Wärmen obligatorisch. Chefin Marita mit einem modischen und schicken Mützchen stellt die leeren Flaschen auf die Abfüllmaschine und beaufsichtigt diese.

    Unser Sohn entnimmt die gefüllten Flaschen vom Band und legt sie in Gitterboxen. Der Winzer selbst führt die Aufsicht, ist für Flaschenzufuhr und -abfuhr zuständig, schaut nach den Weinfässern und macht nebenbei noch Fotos für die Bildergeschichten aus dem Weingut Steffens-Keß.

  • Da wird es einem warm ums Herz

    Am Samstag der Anfang, am Sonntag der Rückschlag, aber seit heute Morgen: Der Frühling kommt! Die Gewissheit brachten die Kraniche mit, die heute Mittag über die Reiler Goldlay flogen. Endlich wärmere Temperaturen und ganz wichtig, die Sonne lacht vom Himmel, so dass es einem ganz warm ums Herz wird. Nach den letzen trüben Wintermonaten eine Wohltat. Es war der bisher sonnenscheinärmste Winter seit seit Beginn flächendeckender Messungen im Jahr 1951.

    Heute ein Gewimmel in den Weinbergen. Fast alle Winzerkollegen waren draussen zum arbeiten und viele Spaziergänger genossen die Sonne. Und alle hatten ein Lächeln im Gesicht 🙂

  • Den Mangel verwalten

    Da standen sie am letzten Sonntag zum Probieren, die 2012er Weine. Wenig im Vergleich zum Vorjahr. Die Freunde probierten mit, um der Betriebsblindheit vorzubeugen. Die Qualitätserwartungen, die ich schon während der Weinernte geäussert hatte, sind  eingetroffen.  Die Qualität sehr gut, frische Frucht, Eleganz und saftig. Die Alkoholgehalte  bei den Basisweinen wie immer  moderat, so das diese wieder als Spaßweine bezeichnet werden können.

    Wenn da nur die kleine Ernte nicht wäre. Ich kann es drehen und wenden wie ich will, es ist zu wenig da. Viel zu wenig! Das dürfte kann hinten und vorne nicht bis zur nächsten Ernte reichen. Von den Basisweinen aus 2012 ist, durch die größe Erntemenge 2011  zwar noch einiges da, aber den 2012er Nachfolger gibt es nur in bescheidenen Mengen. Zudem haben wir für einige Weine größere Vorbestellungen, die dann erst gar nicht in den allgemeinen Verkauf kommen oder in solch geringen Mengen vorhanden sind, dass sie nur einige Wochen zum Kauf zur Verfügung stehen.

    Wie immer, kurz vorm reich werden, es reisst immer wieder ab. Entweder geht irgend etwas ungeplant kaputt und Ersatzinvestitionen müssen getätigt werden oder die Weinernte ist klein. Und wenn man es dann doch bis kurz vors reich werden geschafft hat, meldet sich das Finanzamt. Ich gebe es so langsam auf… 😉

  • Mäander abkürzen

    Warm angezogen starteten wir gestern zu Fuß in Richtung Bernkastel. Über den Berg, um die Moselmäander abzukürzen.

    Der erste Aussichtspunkt, das Birkensteinchen mit seinem Panoramablick auf die Mosel, war schnell erreicht. Nach kurzer Rast mit einem Glas Riesling wanderten wir weiter, bis wir oberhalb von Kröv die Mosel wieder sahen.

    Die erste Moselschleife hatten wir hinter uns gelassen. Durch die Weinberge, am alten jüdischen Friedhof vorbei, hinunter ins Tal nach Kinheim. Nach der Moselüberquerung wieder den Berg hinauf um die nächste Moselschleife abzukürzen.

    Unterwegs die ersten Vorboten des Frühlings, die mutig ihre Blüten durch den Schnee reckten.

    Oberhalb von Graach erblickten wir wieder die Mosel. Leider war durch das mittlerweile eingesetzte Schneetreiben die Aussicht auf die Wehlener Brücke und Weinberge eingetrübt. 

    In Bernkastel angekommen machten wir uns auf die Suche nach einem Restaurant. Im Winter nicht so einfach, da in dem Touristenstädtchen mangels Wintertouristen auch die meisten gastronomischen Betriebe geschlossen sind. Als wir fündig wurden, fiel uns die Speisekarte auf. Wann war das noch mal? Vierstellige Postleitzahlen? Anstatt aufgrund der vierstelligen Postleitzahl vorsichtig zu sein, bestellten wir. Ich will ja nicht ablästern, aber als ich die Frikadelle biß, die beim sogenannten Winzerschmaus mit auf dem Teller war, sagten mir meine Geschmacksnerven, das diese ein ähnlich hohes Alter hatte. Zum ersten mal in meinem Leben hörte ich sofort zu essen auf und beschied die Nachfrage des Kellner ob es geschmeckt hat mit einem klaren Nein. Meinen Mitwanderern erging es ähnlich. Wörter wie Touristennepp fielen… Wären wir doch besser in den alten Moselbahnhof eingekehrt. Einfache Bürgerliche Küche, empfehlenswert der legendäre Spießbraten.

    Der Kaffee und Kuchen im Cafe K – ich berichtete hier schon einmal über das Cafe – den es anschließend gab und der danach in der Station Cues degustierte Riesling versöhnte uns wieder mit der Bernkasteler Gastronomie, bevor es mit dem Taxi in Richtung Heimat ging.


    Größere Kartenansicht

    Zum Nachwandern die Streckenführung bei Google Maps. Im Sommer kann die Rückfahrt per Schiff bis Trarbach und dann mit der Bahn bis Reil erfolgen. Alternativ zu Fuß über die eiserne Weinkarte nach Trarbach und dann mit der Bahn nach Reil. Je nach Lust, Laune und körperlicher Kondition.

  • Mein persönlicher Mikrokosmos

    Man muss nur genauer hinschauen. Einfach beobachten. Es gibt viele schöne Dinge im Weinberg zu entdecken. Kleine Details, wie diese Flechte an einem alten Rebstock.

    Oder die jungen Sporenkapseln der ebenfalls auf alten Reben wachsenden Moose.

    Hier noch einmal mit ausgebildeter Sporenkapsel.

    Besonders farbenprächtig diese Flechte,

    die intensiv gelb leuchtet.

    Kleine Details, die, wenn man beobachten kann, das Auge erfreuen. Mein eigener persönlicher Mikrokosmos. Jeden Tag etwas neues in diesem entdecken.  Heute Glück gehabt, dass die Fotos gelungen sind und für einen kurzen Moment die Sonne das richtige Licht zum Knipsen brachte.