Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

Autor: Harald

  • WtasO

    „Einfach guten Wein einpacken und mit netten Menschen auf öffentlichen, schönen Plätzen trinken. Nicht verkosten, einfach trinken, nippen, probieren, bereden, genießen und darüber schreiben! Du kannst gerne auch hier über deine Weingenusserfahrungen an schönen Orten erzählen, nutze dazu einfach die Funktion Notizen. „

    so die Aufforderung von Thomas Lippert auf der Facebookseite „Wein trinken an schönen Orten“ (WtasO).

    Ganz einfach nach dem Motto: Wein als alltägliches Getränk –  ist sowieso besser als Bier -, raus aus der elitären Ecke! Wein für alle, macht spaß, ist schick und hip!

    Machen Sie mit! Stellen Sie Bilder ein, wie ich es schon gemacht habe und schreiben Sie darüber, welchen Wein Sie trinken und wo!

  • Endlich!

    Das World Wide Web und sein Vorgänger Btx war schon immer bei uns im Einsatz. Zuerst reichte bei den abrufbaren Inhalten und Datenmengen das analoge Telefonnetz. Dann kam ISDN und seit einigen Jahren DSL. DSl war ein Meilenstein, endlich eine Flatrate ohne dauernd auf die Kosten schauen zu müssen. Sagenhafte 384 Kilobit Daten  in der Sekunde konnten auf den Rechner herunter geladen werden. Und das war es dann, mehr ging nicht!

    Schnellere Internetverbindungen gab es nicht bei uns auf dem Dorf. Während andere Internetseiten immer datenintensiver wurden – ich verzichtete  mir solche Seiten zeitaufwändig auf den Rechner zu laden – optimierte ich diese Seite für langsame Internetverbindungen.

    Letztes Jahr wurde auf der anderen Moselseite ein Glasfaserkabel verbuddelt. Rasend schnelles Internet? Weit gefehlt, ausschließlich für die Moselkraftwerke. Nix für den Dorfbewohner. Das gleiche geplant für die Bahnstrecke in Reil, aber ebenfalls nix für den Dörfler. Internet via Satelit  gabs, aber zu teuer. Dann lieber vorn Rechner warten. Alternativ die Netzwerkstecker zu den anderen PC´s im Haus ziehen, wenn die Kinder mal wieder in Internet waren. Dann hatte man 10 Sekunden, bis die Bürotüre sich öffnete und der Schrei ertönte „Ich hab kein Internet“. Auch an das Mobilfunknetz war nicht zu denken. Geringste Datenübertragung bei uns im Ort.

    Doch jetzt, seit einigen Wochen in Reil verfügbar, seit gestern in unserem Hausnetzwerk: LTE. Dieser neue Mobilfunkstandard bringt nun endlich schnelles Internet ins Dorf. Da macht das Internet noch mehr Spaß. Binnen ganz kurzer Zeit hat das halbe Dorf auf diese schnelle Technologie umgestellt.

    Jetzt könnte ich diese Seite so richtig aufblasen. Technische Futures einbauen, hochauflösende Videos und Bilder einstellen und und und. Wird aber nicht geschehen! Viele Nutzer, insbesondere die, die wenig ins Netz gehen, haben noch langsame Verbindungen . Auch Vielnutzer, die immer und überall ins Netz gehen, haben ihr Mobiles Internet in Form eines Smartphones oder Tablet-PC dabei und entsprechend langsame Internetverbindungen.

     

     

  • Pünktlich

    Pünktlich, genau im langjährigen Durchschnitt, der Austrieb der Reben.  Die vergangenen warmen Tage haben das Wachstum stark beschleunigt.

    Die Frostnacht vom 17. April mit minus 5,4 Grad haben die Rebknospen überraschenderweise fast ohne Schäden überstanden, Fraßschäden durch den Rhombenspanner halten sich in Grenzen und Regen gab es mittlerweile auch reichlich.

    Beste Bedingungen jetzt am Anfang des Rebenwachstums. Der Winzer ist momentan wunschlos glücklich.

  • „Brandenburg meets Moselwein“

    Der Winzer winzert nicht nur im Weinkeller und Weinberg. Der Rebensaft muß  auch verkauft werden. So war ich in den letzten Tagen in der Hauptstadt unterwegs. Neben einigen Präsentationen am „point of  sale“  schaute ich mir natürlich Berlin an. Glaspaläste, in denen auch meine Steuergelder stecken, die hoffentlich weiter fließen werden, wenn die Präsentationen in den Biomärkten erfolgreich waren und Bestellungen erfolgen.

    Unter dem Motto „Brandenburg meets Moselwein“ kommentierte ich am Samstag im Klosterhof Töplitz ein Vier-Gänge-Menue. Jeweils ein eigener Riesling und ein Wein des Klosterhofes begleiteten das Essen.

    Der Klosterhof, in der Nähe von Potsdam gelegen, gehört zum nördlichsten Weinanbaugebiet Saale-Unstrut. Die um Werder gelegenen Weinberge sind bei der EU für die Produktion von Qualitätsweinen zugelassen und sind somit z.Zt. die nördlichsten Weinberge, die für den Anbau von Qualitätswein eines bestimmten Anbaugebietes in Europa registriert ist.

    Da mein Berliner Weinhändler das Weingut seit einigen Monaten übernommen hat und es natürlich ökologisch gewirtschaftet wird, gab es für den neuen Betriebsleiter noch einen Crashkurs in Weinbergsbewirtschaftung und Weinbereitung. Viele Fragen wurden gestellt, viele beantwortet und sicherlich werden noch etliche weitere Fragen kommen, die ich gerne per Mail oder Telefon beantworte.

    In der weingutseigenen Besenwirtschaft kann man sich bei brandenburgischen Spezialitäten und guten Weinen stärken und die Natur genießen. Ideal für den Tagesausflügler aus dem Raum Berlin,  und mit dem Fahrrad zu erreichbar. Eeine Oase mitten im Naturschutzgebiet.

  • Schippchen

    Trotz modernster Technologie gibt es in unserem Weingut noch richtige Low-Tech Werkzeuge. Hier das berühmte Schippchen, eine Handschaufel. Nicht zu verwechseln mit dem Kinderspielzeug im Sandkasten. Dient dazu den Fledermausguano, über den ich hier berichtete, im Weinberg zu verteilen.

    Da dieser wertvolle Humusdünger klebrig und feucht ist, lässt er sich nicht mit dem vorhandenen Schleuderstreuer  oder Kastenstreuer ausbringen. Also den Fledermausmist in die Transportpritsche des Kettenschleppers füllen, ich sitze mit Schippchen in der Hand auf der Fledermauskacke und Lehrling fährt die Raupe. Den Dünger mit einer geschickten Handbewegung flächig zu verteilen klappt gut. Ich habe ja lange Jahre Erfahrung darin. Dem Lehrling gleichzeitig Fahruntericht zu geben und die eigene Angst zu unterdrücken ist eine andere Geschichte.

    Als altgedienter Steillagenwinzer gibt es immer noch Momente, in denen man doch etwas Muffensausen hat und die Hoffnung, dass der Azubi, entgegen seinem sonstigen Verhalten, die Anweisungen lückenlos versteht und auch fehlerfrei in die Tat umsetzt.

  • 5,4 Grad, Minus

    Heute morgen ein Schreck! Die Dachflächen der Geräteschuppen dick vereist.  Die Meßwerte der Wetterstation im dicken Minusbereich.

    Ich berichtete hier schon über den kommenden Austrieb und über eine evtl. Spätfrostgefahr. Gott sei Dank hat das seitdem kühle Wetter das Rebwachstum stark verlangsamt. Die größtenteils im Knospenausbruch stehenden Reben sind noch nicht so empfindlich gegenüber Frost. Wäre der Austrieb erfolgt, hätten wir sicherlich einen Totalschaden.

    Es sind auf jeden Fall Knospen erfroren, wie viele es sind, ist schwer zu sagen. Nach einer ersten Abschätzung hält es sich in Grenzen. Erst in den nächsten Tagen wird sich beim Austrieb zeigen, ob, überhaupt und wie viele Schäden entstanden sind.

    Die regionalen Wetterstationen meldeten unterschiedlich hohe Minusgrade heute morgen. Unsere Station in Briedel (ca. 2km Luftlinie Entfernung) war letzte Nacht der Rekordhalter in Rheinland-Pfalz, die übrigen Stationen an der Mosel lagen so bei ca. minus 3 Grad, am Rhein entlang war es etwas wärmer, jedoch sind die dortigen Reben schon weiter gewachsen und empfindlicher gegen Frost. Die ersten Berichte gab es schon heute morgen bei Facebook. Ich hoffe für alle Winzer, das keine größeren Frostschäden entstanden sind.

  • Serviceverbesserung

    Endlich eine lang ersehnte Verbesserung unseres Lieferservices. Leider nicht von uns gestaltbar. Sie, als Weinkunde, müssen es in Angriff nehmen.

    Bisher konnten wir nur den Hinweis „Bitte Samstag anliefern!“ oder ähnliches auf dem Weinkarton vermerken und hoffen, dass der Postbote dies auch berücksichtigte. Eine genaue terminliche Abstimmung der Lieferung war fast nicht möglich. Nun soll sich das ändern. „DHL versucht im Rahmen der möglichen Zustellprozesse die Sendung an dem von Ihnen angegebenen Wunschtag zuzustellen.“ so die Aussage zum neuen Service von DHL.

    Man muss sich nur bei DHL registrieren und bekommen eine PostNummer. Nachdem das Paket von der Post in das elektronische System aufgenommen wurde, wird der Empfänger per SMS oder e-mail benachrichtigt und man kann dann die Zustellung um bis zu 4 Tage auf seinen Wunschtag verschieben. Es soll sogar möglich sein einen Ersatzempfänger zu bestimmen.

    Nach Registrierung bei DHL ist nur noch die PostNummer in das Feld Adresszusatz bei uns in der Bestellmaske einzugeben und dann sollte es klappen, hoffe ich doch!

     

     

  • „Geh ich nicht ran“

    Wieder Festtage überstanden. Neben Weihnachten sind auch die Ostertage mit reichlich Essen und trinken verbunden. Natürlich Lamm, gehört einfach zum Osterfest und wurde in Form einer Haxe in meinem Lieblingsrestaurant genossen. Schneller weggegessen wie fotografiert.

    Natürlich war auch selber kochen angesagt. Der Rotwein wanderte ausschließlich in die Soße für die Keule. Für mich beim Kochen noch eine angebrochene Flasche Chardonnay aus Kalifornien im Kühlschrank gefunden. Aus der Rubrick „Geh ich nicht ran“. Mein Sohn hatte diese Flasche geschenkt bekommen. Einfachste Ware aus dem Supermarkt.  In der Aromatik an Fisch  erinnernd. Geruchlich Richtung Miesmuschel beim Kochen. Nach der Probe wieder zurück in den Kühlschrank, wo sie jetzt noch steht und wahrscheinlich bald entsorgt wird.

    Die Kategorie „Geh ich nicht ran“ wird z.B. durch Reste der Partys meiner Kinder immer wieder in meinem Weinkühlschrank aufgefüllt.  Am Etikett teilweise schon anzusehen, das es sich um dürftigste und für das körperliche Wohlbefinden gefährliche Weine handelt. Wie dieser Riesling aus Brasilien, der vor einigen Monaten verkostet wurde. Mehr als zehn Freunde verkosteten, geschmacklich fast wie Jauche, der Rest fand den Weg zur Kläranlage.

    Da lobe ich mir Gastgeschenke von Kunden, Winzerkollegen oder die berühmten Winzertauschpakete. So dieser Trollinger aus Württemberg, den ich nebst anderen Weinen gegen ein Rieslingpaket von uns getauscht hatte.  Typisch helle Farbe, sehr erfrischend mit guten Trinkfluss. Für einen Rotwein sehr hell, aber das sogenannte Schwabenblut sollte man als eigene Kategorie verstehen. Es muss nicht immer ein tiefroter, marmeladig und holzbetont schmeckender Rotwein sein. Darf auch mal leichter schmecken mit weniger Alkohol. Passte auf jeden Fall sehr gut zur Keule.

  • Wollestadium

    Das warme Wetter der vergangenen Wochen hat sein Spuren in der Natur hinterlassen. Der Weinbergspfirsich ist in der Vollblüte.

    Bei den Rieslingreben sind die Knospen in den weniger guten Lagen im Wollestadium, kurz vor dem Austrieb. Drei Wochen vor der Zeit! Wieder Zeit sich Sorgen zu machen. Die Gefahr der Spätfröste ich noch nicht vorbei. In unseren Steillagen ist die Gefahr zwar etwas geringer als in flachen Weinbergen, aber einiges Unwohlsein habe ich trotzdem. Letztes Jahr gab es schon empfindlichen Ausfälle durch den Nachtfrost zum 04. Mai, wie ich hier berichtete. Gut, das es die nächsten Tage kühler werden soll und der Austrieb sich dann etwas verzögert.

    Oder auch nicht! Im Wollestadium kann der  Rhombenspanner, die Raupe einer Schmetterlingsart, die Knospen ausfressen. Bei längerem Wachstumsstillstand durch kühles Wetter hat er jede Menge Zeit dazu und für den Winzer bleibt weniger übrig.

    Ebenfalls wie letztes Jahr, die derzeit herrschende Trockenheit. Seit zwei Monaten gab es nur minimalste Niederschläge. Unser Kollege Bernhard Fiedler hat schon vor einigen Tagen darüber berichtet.

    Ich hätte da einige Wünsche, aber…

    Das ist halt die Arbeit und das Leben des Winzers, mit der Natur zu arbeiten und auch von ihr abhängig zu sein. Mit allen Vorteilen, Nachteilen und Risiken. Das macht ja diesen Beruf so ungeheuer spannend und abwechslungsreich. Jeden Tag, jeden Monat, jedes Jahr was anderes, und immer neue Herausforderungen auf die man Lösungen finden muß.

  • Innovativ

    Endlich da, der Traubenvollernter für den Steilhang. Nicht der, über den ich schon vor Jahren berichtet hatte, der nur Forschungsgelder gekostet hat und der falsche Lösungsansatz war. Ein Versuch Technologie der Flachlage an den Steilhang zu adaptieren. Einsatzgewicht von ca. 4 Tonnen, Bergauf mittels zweier Seilwinden gezogen und oben auf dem Weg entsprechende Gegengewichte. Das konnte nicht klappen, ich schrieb ich schon damals darüber. Über dieses Groschengrab redet mittlerweile keiner mehr.

    Ein neuer Lösungsansatz wurde von einen Landmaschinenhändler ersonnen und vor einigen Tagen der Öffentlichkeit vorgestellt. Aufgebaut auf eine große Weinbergsraupe, mit einer sehr leichten Bauweise und einem innovativem Erntesystem, wurden im letzten Herbst die ersten Versuche mit dem Prototyp durchgeführt. Die Ergebnisse sind vielversprechend. Der Traubentransport innerhalb der Erntemaschine ist noch zu verbessern und die Konstruktion sollte noch von einem Maschinenbauingenieur optimiert werden. Steigfähigkeit bis 70% ist richtig gut und ich hoffe, das diese Maschine einsatzfähig wird.

    Wenn in Jahren wie 2006 und 2010 fäulnissbedingt schnell abgeerntet werden muß, oder noch viele Trauben hängen und eine Schlechtwetterfront sich ankündigt und die Handlese zu zeitaufwendig ist, auch eine qualitativ positive Maßnahme. Natürlich nur in Verbindung der vorhergegangenen selektiven Handlese.