Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

Autor: Harald

  • Schon wieder Regen oder immer noch?

    Der Regen will einfach nicht aufhören. Gestern wieder versucht die Laubarbeiten im Weinberg für die erste Runde abzuschließen, aber nein, der tägliche Regen kam wieder mächtig vom Himmel. „Sofort ins Auto“ zum Lehrling gerufen, der aufs Wort hörte. Kurze Zeit auf das Aufhören des Regens gewartet und dann ins Weingut gefahren.

    Heute wieder wetterbedingt Kellerarbeit. Gut, das noch einige größere Weinbestellungen vorliegen, die erledigt werden können. Ich hoffe, dass es morgen vielleicht etwas trocken bleibt, damit in den beiden letzten Weinbergen die Rebtriebe in den Drahtrahmen geschlauft werden können. Oder besser noch, das endlich ein stabiles Hoch ohne Regen kommt. Aber wenn ich mir die Wettervorhersage für die nächsten Tage anschaue, wird noch spannend. Immer noch feucht, dazu wärmer. Die Pilzkrankheiten lassen grüßen…

  • Will ich auch haben

    So einen Pokal will ich auch! Bei meinem Lieblingsmetzger stehen diese Pokale massenhaft im Verkaufsraum. Zum Blutwurstritter geschlagen, Europameister in der Wurstherstellung, Großer Preis für die besten Würstchen, Gewinner des Fleischwurstpokals, um nur einige seiner Ehrungen zu nennen, die mit einem Pokal geehrt wurden.

    So etwas gibt es leider im Weinbereich nicht. Keine schönen Pokale, aus denen man Wein trinken könnte, bestenfalls eine Münze zum umhängen und die obligatorische Urkunde. Mit diesen könnte ich mittlerweile Probierstube und Flur tapezieren.

    Trotzdem freue ich mich, wenn wieder eine Urkunde ins Haus flattert. Wir machen nur bei wenigen Weinwettbewerben mit. Ich schrieb hier schon einmal über diese Wettbewerbe. Aber es gibt einige Pflichtveranstaltungen. Da muss ich mitmachen! Z. B. bei ECOVIN, unser Anbauverband, der jährlich  die EcoWinner Verkostung durchführt.

    Meistens bei den trockenen Rieslingen immer vorne dabei, mehrfach schon die ersten Plätze belegt. So auch dieses Jahr. In der Kategorie kräftige Rieslinge belegten wir mit unserer 2011er Reiler Goldlay Auslese trocken den ersten Platz. Das schmeichelt unserem Ego, zeigt, dass unsere Weine nicht so schlecht sein können und hilft natürlich beim Weinverkauf.

  • Seien Sie geschäftstüchtig

    Seien Sie geschäftstüchtig, ein kleines Kapitel aus dem Buch „Die Kunst der Weltklugheit“ von Christoph Schulte-Richtering.

    In diesem Kapitel geht es um die immer wieder kehrende Frage, wie groß denn ein Weinkarton ist! 6 Flaschen oder mit 12 Flaschen. Der Winzer versteht darunter die mit 12 Flaschen Inhalt, der Kunde in der Regel die kleineren Kartons mit 6 Fl.

    Um den Text zu lesen, klicken Sie bitte auf das Bild. Ein PDF (1,2 MB) öffnet sich dann in einem neuen Fenster.

    Übrigens: Christoph Schulte-Richtering ist Kunde unseres Weingutes.

  • Regen satt!

    Zu jeder anderen Jahreszeit hätte man sich eine Pause gegönnt bis der Regen aufhört, aber…

    Die Laubarbeiten, dass Einschlaufen der jungen Rebtriebe in den Drahtrahmen,  müssen innerhalb einer gewissen Zeitspanne erledigt sein. Die Natur gibt jetzt das Arbeitstempo vor. Mir blieb nichts anderes übrig, als in Gummi gehüllt die Arbeit zu verrichten. Die Hose war heute dicht, die Jacke, nach 10 Litern Regen durchnässt, nun im Mülleimer. Eine andere Jacke wird die nächsten Tage auf ihre Regenfestigkeit geprüft.

    Das ganze, also die Arbeit, erinnerte mich an die Echternacher Springprozession: Da der Boden  extrem durchfeuchtet und rutschig war, ging es zwei Schritte vorwärts, danach wieder einen zurück, natürlich gerutscht. Momente in denen der Steillagenwinzer sind wünscht, flachere Weinberge zu besitzen.

  • In den nächsten Tagen

    In den nächsten Tagen dürfte die Rebblüte bei uns an der Mosel beginnen. Die Blütenansätze, oder das Geschein, wie der Winzer sagt, sind voll entwickelt. Sie werden sich noch etwas spreizen, bevor – ich denke nächstes Wochenende – die Rebblüte beginnt.

    Regen gab es gestern reichlich, so dass die Wasservorräte im Boden wieder aufgefüllt sind. Den ganzen Tag war das Moseltal wolkenverhangen und diesiges Wetter. Genau das Gegenteil von letztem Jahr, als der Wassermangel uns große Sorgen bereitet hatte, wie jetzt unserem Kollegen Bernhard Fiedler am Neusiedler See in Österreich, der darüber in seinem Blog berichtet: Es ist sehr, sehr, sehr trocken.

    Diese Woche sind, nun leider, wieder Niederschläge gemeldet. Da werden sich die Pilzkrankheiten freuen. Ich hoffe nicht, das es wieder eine Zitterpartie wie vor drei Jahren wird, als wir mit einem blauen Auge von einen massiven Pilzbefall verschont blieben. Verschiedene Kollegen verfallen schon in Schwarzmalerei. Aber noch ist es nicht soweit. Zumindest bei mir nicht. Aber Aufpassen ist trotzdem angesagt. Diese Pilzkrankheiten sind heimtückisch und halten sich manchmal nicht an die Spielregeln, wie Armin Kobler aus Südtirol es in den letzten Tagen bitterböse erfahren musste.

  • Krummes und Bast

    Auch heute noch ein wichtiges Arbeitsgerät: Das Krummes. Kommt von krummes Messer. In anderen Dialekten als Sesel, im hochdeutschen als Winzerhippe oder Gärtnermesser bekannt. Ist immer in der Tasche und einsatzbereit, denn zu schneiden gibt es immer mal was und wenn es nur ein hartnäckiges Unkraut ist, dass vom Mähgerät verschont wurde.

    Dieser Tage als alleiniges Werkzeug mit dem Bast und dem Winzer im Weinberg unterwegs gewesen.

    Der Naturbast, der von der Raphia Palme gewonnen wird, dient dazu,  junge Reben fest zu binden.  Besser und ökologischer als moderne Plastikbindematerialien oder Kunstbast, die nicht verrotten oder sich beim Rebschnitt nicht durchschneiden lassen.

    Krummes, Naturbast, flinke Finger und die jungen Reben sind schnell an den Pflanzstäben festgebunden.

    Eine noch älteres Bindematerial war das Langstroh, dass, als neben den Reben es noch Vieh auf den Weingütern gab, verwendet wurde. Ich selbst kenne es nicht mehr, aber mein Kollege Bernhard Fiedler aus Österreich verwendet es noch und beherrscht die Verarbeitungsweise.

  • Der Winzer ist wieder zurück

    Der Winzer ist wieder von seiner kleinen Weinreise zurück und kann nun berichten. Mit Freunden vom Steffens-Keß Verkosterteam reisten wir nach Südtirol zum Wandern und um Wein zu trinken probieren. Herrliche Blicke auf die steilen Weinberge bei Bozen boten sich uns, wenn wir von unserer Unterkunft auf dem Berg ins Tal fuhren.…………………………………………………………………………………………………

    Wie immer, wenn wir per pedes unterwegs sind, gab es etwas zu trinken. Höhenrekordverdächtig obiger Riesling. Geleert bei 2000 m über Meeresspiegel bei den „Stoanerne Mandln“, einer alten Kultstätte. Vielleicht ein Kultwein?Natürlich beim Abstieg auf der Berghütte  wieder Wein, ein Südtiroler Weissburgunder.

    Im Quartier, nach den Wanderungen und als abendlicher Begleiter ebenso Weissburgunder. Der Spaßwein für alle Tage, der nur ab und zu von anderen abgelöst wurde.……………………………………….. ………….………………………………………..

    Als Höhepunkt unserer Reise, der Besuch bei Armin Kobler. Mir schon lange bekannt, da er auch Weinblogger ist. Sehenswert der Weinraum, eine stylistische „Weinprobierstube“, die ganz in weiß gehalten ist.

    Hochgelobte und gefeierte moderne Weinarchitektur.

    Aber wichtiger als der Weinraum war natürlich der Mensch und der Wein, der dahinter steckt. Uns wurde das Weingut gezeigt, bevor es zum Probieren ging. Bei verschiedenen Weinen wurden ausgiebigst Erfahrungen getauscht. Als ehemaliger Leiter der kellerwirtschaftlichen Forschung der Fachschule Laimburg hat Armin gewaltiges Wissen, was bei seiner Arbeit in Weinberg und Weinkeller einfließt. 

    Deutlich schmeckbar ist dieses Wissen und das Engagement im Weinberg und Keller. Die Weinbezeichnung auf obigem Etikett suggeriert vielleicht etwas anderes, aber alle verkosteten Weine waren brillant. Das Beste was wir auf unserer Reise bekamen. Der totale Gegensatz zu unseren Moselrieslingen. Kräftig im Alkohol, jedoch nicht alkoholisch schmeckend, Rebsortentypisch und und und…

    Ach was, probieren Sie einfach selbst, ich mag es nicht beschreiben, dass muß jeder selbst verkosten und erfahren. Unser Favorit war der Gewürtztraminer, einfach Genial!

  • Winzer ist mal weg…

    Der Biowinzer ist mal weg. Die Reben wachsen von alleine und bedürfen keiner Betreuung. Die Eisheiligen lassen uns in den nächsten Tagen hoffentlich in Ruhe und der Moselwinzer macht eine Auszeit. Ganz kurz und auf Weinreise. Bestellungen müssen dann in Gegensatz zu sonst einige Tage ruhen und ich werde hoffentlich erholt und ausgeruht in einigen Tage wieder  zurück sein.

  • Asparagus officinalis

    Heute Mittag, beim Zubereiten des regional gewachsenen grünen Spargels, erinnerte ich mich. Bisher hatte ich noch nicht über das königliche Gemüse geschrieben. Brauche ich aber auch nicht, da alle Medien in der Spargelzeit darüber berichten.

    Aber eine Weinempfehlung werde ich trotzdem geben: Riesling! 2011er und trocken wie diese hier. Für die, die nicht genug Riesling bekommen können, sei der Spargel in Riesling-Schaum oder Spargel mit Rieslingsoße  zu empfehlen. Natürlich kann man die Spargelcremsuppe auch mit Riesling verfeinern. Weitere Rezepte gibt es hier.

     

  • Blasenbildung

    Des Steillagenwinzers Los. Die Arbeitshandschuhe natürlich nicht angezogen und nun hat man die Bescherung.

    Die Handhacke ist schuld. Per Hand sind wir dabei, im Unterstockbereich die Brennesseln zu entfernen. Die Brennessel ist die Wirtspflanze der Glasflügelzikade, die die Reben mit der Schwarzholzkrankheit (Bois noir) infiziert. Ich berichtete hier über diese Rebkrankheit und deren Bekämpfung. Das ganze nennt man biologischen Pflanzenschutz.

    In flachen Weinbergen gibt es für den Bereich unter dem Rebstock an den Schlepper anbaubare Technik,  im weniger mechanisierbaren Steilhang ist Handarbeit angesagt.

    Der Regen hat in den letzten Tagen den Boden dermassen durchfeuchtet, das das herausziehen der Brennesseln nebst Wurzeln „relativ“ einfach vonstatten geht, von der Blasenbildung an den Händen einmal abgesehen.