Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

Autor: Harald

  • Urkunden und kleine Häppchen

    Fast wie jedes Jahr – wird aber nicht langweilig – war heute die Siegerehrung für die deutschen Teilnehmer der 20. internationalen Bergweinverkostung. Ich berichtete hier schon einmal darüber.

    Arno Simonis, der die deutschen Steillagenweinbaugebiete bei CERVIM, dem Forschungs- und Studienzentrum zur Wertschätzung des Weinbaus in den Bergregionen (Centro di Ricerca, Studi, Salvaguardia, Coordinamento e Valorizzazione per la Viticoltura Montana), vertritt, hatte wieder zu einer netten Prämierungfeier eingeladen. Immer an anderen Orten, andere Rahmenprogramme, die Häppchen wie immer lecker und mein Grund der Teilnahme war mal wieder eine Urkunde. Logisch, denn sonst wäre ich heute nicht dabei gewesen. Wie im letzten Jahr in Gold! Bin stolz darauf und das gibt für die kommende Weinernte die Motivation, das Gleiche bei der 21. Bergweinverkostung erreichen zu wollen.

  • Bürgerpflicht

    Eine der letzten Arbeiten in der diesjährigen Vegetationsperiode: Wege und Mauern säubern. Als Grundstücksbesitzer hat man die Bürgerflicht, das Gemeinschaftseigentum sauber und intakt zu halten. Wird nicht von allen Kollegen als Pflicht gesehen, eher als Belastung, die die Gemeinden  anmahnen müssen.

    Die Mauerkrone ist von Geröll freizuhalten damit es nicht zu Abstürzen kommt. Am Mauerfuß ist die Wasserführung von Pflanzen und Geröll zu befreien. Wichtig ist es, die Pflanzen zu entfernen, da sie Mauern und Wege auf die Dauer massiv schädigen können.  Dauert nicht lange, da wir seit Jahren darauf eingestellt sind und entsprechendes Werkzeug haben. Für die Feinarbeit Besen und Schippe, fürs grobe ein kräftiges Planierschild an der Raupe, das den gröbsten Dreck zusammenschiebt  und die Pflanzen mit Wurzeln aus den Fugen reisst.

  • Nachdem

    Nachdem ich gut erholt aus dem Urlaub zurück gekommen bin, in dem ich erstklassige Fischabteilungen in den Supermärkten gesehen habe,

    den Fisch dann selbst gekauft und zubereitet, dazu natürlich gut gekühlten Moselriesling getrunken hatte,

    bin ich diese Woche wieder voll im Einsatz. Das Los der Selbstständigen! Immer selbst und ständig im Einsatz. Die Arbeit musste erledigt werden,  die sich in der Urlaubswoche angesammelt hatte.

    Heute morgen kam dann die Ökokontrolle. Seit dem es die EU Bioverordnung gibt, unterliegen biologisch arbeitende Betriebe einer zwangsweisen jährlichen Kontrolle. Zuerst wurde mit der Kontrolleurin eine Menge Papierkram gewälzt. Die Dokumentation der Arbeiten im Weinberg, Lieferantenlisten, Kundenlisten, Finanzbuchhaltung, Kellerbuchführung, Flaschen im Keller zählen usw. um nur einige Kontrollpunkte zu nennen. Dazu noch Überprüfung der Betriebsmittel und zum Schluß natürlich noch einige Weinberge besichtigen.

    Kurz nach Beginn der Kontrolle dann die Überraschung! Die Kontrolle wurde kontrolliert*! So saß ich dann einer zweiten Kontrolleurin am Tisch gegenüber und wurde natürlich von dieser auch noch kritisch beäugt und befragt. Aber alles wie immer, keine, noch nicht einmal kleinste Mängel wurden in meiner ökologischen Bewirtschaftung und Dokumentation gefunden bzw. bemängelt. Bin halt ein Unschuldslamm! Bis auf das ich die Rechnung für die Kontrolle selbst bezahlen muss, war es sehr angenehm mit den beiden Damen und es floß zusätzlich noch viel Information. Nun habe ich wieder ein Jahr Ruhe, falls nicht noch eine unangekündigte Zwischenkontrolle kommt.  Hoffentlich nicht!

    *Die Ökokontrolle wird von privaten Kontrollinstituten durchgeführt, die vom Staat zertifiziert sind. Diese wiederum werden dann in Rheinland-Pfalz von der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in Trier überprüft.

     

  • Propeller

    Powerblade nennt das der Hersteller. Für mich ein innovatives Mähmesser für den Freischneider. In früheren Jahren habe ich mit dem Freischneider die ganze Rebfläche gemäht. Jetzt dient der Freischneider nur noch zum Mähen der Böschungen an den Vorgewenden der Weinberge. Das dort stehende verfilzte Gras und Gestrüpp kann nicht mit dem Nylonfaden, sondern nur mit einem Dickichtmesser gemäht werden. Leider sehr aufwendig, da das Messer nur 25 cm im Durchmesser hatte. Aber jetzt gibt es ja den Propeller. Satte 40 cm im Durchmesser, durch die Propellerform auf einem Luftkissen sanft über dem Boden schwebend und, ganz wichtig, es werden viel weniger Pflanzenteile oder Steine durch die Gegend geschleudert.

    Da das Abmähen der Böschungen eine der letzten Arbeiten im Weinberg vor der Ernte ist, diese noch in etwas fernerer Zukunft liegt, wird der Winzer mal einige Tage weg sein. Gekühlten Wein wird es dann auch geben, der Strand jedoch mit feinem Sand bedeckt sein und die Aussicht etliche Kilometer weiter. Also fast genau so, wie an der Mosel letzten Sonntag. Aber nur fast so…

  • In trockenen Tüchern?

    In trockenen Tüchern? Noch nicht ganz, aber fast! Ich berichtete unter anderem hier über den extrem nassen Sommer und über die dadurch bedingten Widerwärtigkeiten hier und hier. Mittlerweile sind wir der Ernte um einiges näher gerückt und die Ernte fast in trockenen Tüchern. Die Trauben sind nicht mehr anfällig gegen die vor Wochen allgegenwärtigen Pilzkrankheiten. Die jetzt herrschenden hochsommerlichen Temperaturen von über 30 Grad dämmen z.B. den Infektionsdruck des falschen Mehltaues stark ein. Etliche nachwachsende junge Rebblätter sind zwar teilweise von diesem Pilz befallen, werden aber weiterhin Assimilate, also Zucker und Geschmack, für die Rieslingbeeren bilden können. Nur noch Hagel oder Traubenfäule wie in den letzten Jahren kann die Erntemenge verringern.

    Nun könnte man schon an eine Ernteschätzung wagen, aber da bin ich ganz schlecht und ich möchte den Tag nicht vor dem Abend loben. Da halte ich es lieber so wie Dirk Würtz, der die Erntemenge so einschätzt: „Mehr als 2010, weniger als 2011 – oder vereinfacht ausgedrückt – der Keller wird wohl nicht ganz voll.“ Zwei in der Erntemenge total gegensätzliche Jahre und in dieser Spanne werden wir sicherlich liegen. Ich hoffe in Richtung des 2011er, der doch eine sehr gute Quantität brachte. Weniger glücklich wäre ich natürlich bei Annäherung an den 2010er.

  • Feste feiern!

    Hoch her geht es an diesem Wochenende in Reil. Das alljährliche Weinfest! Die Weinmajestäten eröffneten am Freitag nach ihrer Krönung das Weinfest. Dieses Mal war es aber anders als sonst.

    Unsere Tochter Sophie – rechts im Bild –  durfte neben der Weinkönigin Verena als Weinprinzessin zusammen mit Caroline den Reiler  Wein präsentieren.

    Die Weinprinzessinnenmutter ist mächtig stolz auf unsere Tochter,

    der Prinzessinnenvater bastelte noch ein Sonderetikett für den auf dem Weinfest ausgeschenkten Prinzessinnenwein. Ich möchte Ihnen diesen nicht vorenthalten und darum ist er auch hier käuflich zu  erwerben.

    Neben Wein präsentieren zeichnen sich Weinköniginnen und Weinprinzessinnen durch ihre Multitaskingfähigkeiten aus. Wer kann denn ausser den Weinhoheiten drei Weingläser gleichzeitig bedienen?

    Die anwesenden Jungwinzer probierten  zu später Stunde noch die Weine der Festweinkarte mit „unserer“ Prinzessin und nun folgt bis zum nächsten Weinfest die reguläre Amtszeit unserer Tochter.

  • Über den Berg

    Mal gerade über den Berg nach Trarbach gehen. Eine kurze Wanderung bei bestem Sommerwetter. Bei gemütlichem Aufstieg schon die ersten schönen Ausblicke auf die Weinberge von oben.

    Dann, ganz oben, der Blick über die Steilkante der Felsen ins Moseltal.   Auf dem Mont Royal, ein empfehlenswerter Hochseilklettergarten und die sehenswerte Festungsruine Mont Royal.

    Der Wein durfte natürlich nicht fehlen. Ein eisgekühlter Sauvignon blanc, den Thomas Lippert vom Weingut Clauer mir bei seinem Besuch als Gastgeschenk mitgebracht hatte, wurde während einer Rast probiert. Passte genau! Mit 11,5 % nicht zu alkoholisch, das Aroma betörend und bestens temperiert.

    Der Abstieg durch Weinberge mit Blick auf die Kröver Moselschleife nach Traben-Trarbach. Einkehr im Restaurant „Die Graifen“ um bei einem leckeren Abendessen den Tag zu beschließen. Die Rückkehr nach Reil erfolgte mit der Moselweinbahn. Alternativ hätten wir auch den Moselhöhenweg über Starkenburg und Enkirch zurück gehen können, aber es war nur diese kleinere Wanderung mit Freunden geplant.

    Kurze 12 km in kurzer Zeit. Aber wie erwähnt, der Besuch der Festungsruine nebst Kletterpark können daraus einen Tagesausflug machen.


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  • Gastgeschenke, Tauschpakete und ähnliches

    Voll, fast randvoll: Mein privater Weinkühlschrank wurde in den letzten Tagen gut gefüllt. Gefüllt mit  Gastgeschenken, Tauschpaketen und ähnlichen wohltätigen Gaben.

    Winzertauschpakete sind ja bekannt. So unter dem Motto tausche meinen Wein gegen Deinen. Nun bin ich bestens sortiert mit Weinen von Bernhard Fiedler, Reinhard Schäfer und anderen Kollegen.

    Die Weine von Thomas Lippert sind als Gastgeschenk seines Besuches vor drei Wochen als Gastgeschenk in meinem Kühlschrank gelandet. Es gibt sogar Weinkunden, die zum Weineinkauf beim Winzer ein Fläschchen als Geschenk mitbringen. Ich freue mich immer auf Herrn Baum aus Thionville in Frankreich, der mir so manch gutes Tröpfchen in die Hand drückte.

    Mit freundlichen Grüßen schickte mir gestern Herr Hoffman von VinArTours, ein Veranstalter von Weinerlebnissreisen, gestern eine Bouteille Sangiovese aus Italien. Er hatte den Wein auf einer Weinreise kennengelernt, findet ihn sehr gut – nein, er schrieb : Der Wein hat mich begeistert! – und will mich mit seiner Begeisterung anstecken. Wird in den nächsten Tagen verkostet.

    Auch Weine von Frank Brohl sind es öfteren in meinem Bestand. Maschine verliehen, einige Tage später sauber und geschmiert zurück, als Miete ein Riesling aus der Nachbargemeinde daneben stehend.

    Sogar ein Gewinn eines Preisauschreibend hat sich angesammelt. Vin et Vie, ein Weingroßhandel aus Koblenz schickte mir ein sechserkistchen französischer Weine, die auch bald degustiert werden.

    Jetzt einfach mal ein Dankeschön an alle, auch die, die  hier nicht genannt sind. Danke für die leckeren Weine, die mein Weinverstand, meinen Weinhorizont erweitern und die den Fundus bilden, aus denen ich die Weine für die Weinrallye auswähle.

  • Normalerweise

    Normalerweise werden durch Alter und Krankheiten abgestorbene Rebstöcke bei uns durch Topfreben ersetzt. Stecklingspflanzung wie bei einer Neuanlage ist weniger gut, da durch Begrünung und die normalerweise vorhandene Frühjahrtrockenheit die jungen Pflänzchen keine sehr gute Überlebenschance haben.

    Normalerweise haben wir natürliche, wild wachsende Begrünungen in unseren Weinbergen. Die in der Regel herrschende Frühjahrstrockenheit und unsere leichten, schiefergeröllhaltigen Böden verhindern (be-) das optimale Keimen von Einsaaten.

    Dieses Jahr ist alles anders:

    Die Arbeit mit der Aufzucht der Topfreben hätte ich mir sparen können, es war ja genug Wasser im Boden.

    Auch wäre eine Bgrünungseinsaat sehr gut gelungen. Ein Rest einer älteren Samenmischung wurde auf die Böschung des Weinbergsvorgewendes ausgebracht und jedes Samenkorn keimte. Da freuen sich die Bienen, da es sich um Bienentrachtpflanzen  handelt.

    Wie gesagt, normalerweise ist es bei uns anders….

  • Goldlay

    Die Reiler Goldlay in der Abendsonne, das restliche Tal schon im Schatten. Gold wie die Sonne, Lay, die Klippe, der Fels, das Gestein. Unseren Häuser sind ja auch mit Layen von Layendecker gedeckt. Der Schiefer ist gemeint. Am Mittelrhein mit „e“ geschrieben, z.B. die Loreley.

    So einfach kommen Weinlagennamen zustande. Bei der Reiler Goldlay einfach zu erklären. Aber bitte fragen Sie mich bitte nicht, woher der Name Burger Hahnenschrittchen oder Wendelstück herkommt. Ich weiß es schlicht und einfach nicht. Da ist sprachlich sicherlich einiges von unseren Vorfahren in diesen Lagenbezeichnungen. Etwas keltisch und fränkisch, die Franzosen waren auch schon des öfteren an der Mosel und die deutsche Sprache hat sich auch in den letzten Jahrhunderten gewandelt.