Die ersten hefetrüben Jungweine wurden grob von der Hefe getrennt. Der Bodensatz im Faß, allgemein als Hefe bezeichnet, besteht nicht nur aus reiner Weinhefe. Restliche Fruchtfleischteilchen und Trubstoffe, die bei der Mostklärung nicht erfasst wurden, sind neben Weinstein ebenfalls in diesem Sediment zu finden und könnten evtl. zu mikrobiologischen Problemen führen.
Auch nach dem Grobabstich verbleibt noch genug Hefe im Wein und die jungen Weine können von den positiven Geschmacksstoffen der Hefen profitieren.
Die Rieslinge zeigen sich mommentan von der besten Seite. Delikate Rieslingaromatik, für dieses junge Entwicklungsstadium sehr fruchtig und durch den hohen Weinsteinausfall weicher als sonst in der Säure. Ich habe das Gefühl, dass ich bis jetzt alles richtig gemacht habe um einen leckeren Riesling zu produzieren. Das dürfte wieder eine Punktlandung werden, mit richtig guten, sehr guten Weinen.
Wie ich hier schon des öfterenberichtet hatte, wird die Reiler Kirche einmal jährlich von mir und einem Naturschutzbeauftragten entmistet. Dieses Jahr waren die Fledermäuse, die im Kirchendach eine sehr große Kolonie haben, sehr fleißig. Eimer für Eimer Fledermausguano rieselte durch das dicke Rohr auf unseren Anhänger: Wertvoller Humusdünger für die Vitalität der Rieslingreben im nächsten Jahr.
Im Gegensatz zu früheren Jahren waren wir mit der Reinigung des Dachbodens etwas früher und einige Fledermäuse, die noch nicht in ihre Winterquartiere geflogenen waren, machten sich durch Laute bemerkbar.
Eigentlich gibt es nur einen Goldenen Oktober, dieses Jahr zusätzlich noch einen Goldenen November.
Die Landschaft präsentiert sich noch in den schönsten Farben, bevor der Winter kommt und damit die graue Jahreszeit. Frühlingshafte Temperaturen laden ein, die Landschaft noch zu genießen.
So schön wie sich das bunte Herbstlaub in den Weinbergen präsentiert, so arbeitsintensiv ist es die Blätter im Weingut zusammen zu kehren. Der Anhänger wird in den nächsten Tagen sicherlich voll und die alten Blätter werden als Dünger in die Weinberge verbracht.
Astrid Paul, die in Deutschland bekannteste Food Bloggerin, hatte eine super Idee:
“Arthurs Tochter gibt den Löffel ab!” So lautete der Schlagruf vor zwei Wochen bei facebook. Zu meinem Geburtstag hat P. mir einen ganzen Schwung dieser Löffel machen lassen, die als kleines Geschenk für mich und meine Gäste auf der Geburtstagsparty gedacht waren. Die Freude war bei mir und allen anderen groß! Die Löffel, die die Party überlebt haben wurden von mir über facebook spontan unter dem o. g. Aufruf verschenkt. Und so reisten ca. 20 Löffel durch ganz Deutschand und ein paar sogar nach Österreich. Das hat mir und auch denen, die den Löffel bekommen haben, einen riesengroßen Spaß gemacht. Vor allem die Bilder, die mir von den Löffelempfängern geschickt wurden haben mich so gefreut, dass alsbald eine neue Idee geboren wurde: Das Löffel-Blogevent!
Ich verschenke ab heute über den Blog 30 weitere Löffel. Und dann bitte ich Dich, Deinen erhaltenen Löffel zu fotografieren. Um dem Ganzen mehr Würze zu geben, sollte das Bild eine der folgenden Kategorien erfüllen:
1. Der Löffel muss in einer für ihn völlig untypischen verrückten Situation fotografiert werden. Losgelöst von allem, was mit Essen zu tun hat.
2. Der Löffel muss an einem weltbekannten Ort fotografiert werden. Die Definition für weltbekannt bedeutet in diesem Fall mindestens ein Eintrag bei Wikipedia
3. Eine prominente Person muss mit dem Löffel posieren. Prominent bedeutet, allgemein bekannt. Im Zweifel entscheidet die Jury über den Grad der Prominenz…
Das Photo muss bis zum 31.10.2011 bei mir eintreffen oder in Deinem Blog veröffentlicht sein. In jeder Kategorie wird nach dem Einsendeschluss das verrückteste, weltberühmteste, prominenteste Photo ausgewählt und ein Sieger pro Kategorie gewählt. Um mich selbst nicht der Befangenheit auszusetzen habe ich eine Eins-A-Jury für Dich zusammengestellt. …Selbstverständlich erhält jeder Sieger pro Kategorie einen Preis!
Natürlich habe ich auch einen Kochlöffel angefordert. Bei so einem verrückten Blogevent muss man natürlich dabei sein. Sogar Zeit-Online hat schon darüber geschrieben.
Nur welche Reise lasse ich dem Kochlöffel angedeihen? Nach einigem Grübeln dann die Idee: Kennen Sie Felix den kleinen Stoffhasen? Das Kinderbuch vom Coppenrath Verlag, dass vom kleinen Stoffhasen Felix handelt, der auf einer Reise seiner Besitzerin, dem Mädchen Sophie, verloren geht. Sie ist über diesen Verlust sehr traurig. Eines Tages liegt ein Brief von Felix in ihrem Briefkasten – und später folgen weitere, jeder aus einer anderen Stadt, den Stationen seiner weiteren Reise. Im Buch sind die Briefe in einem Briefumschlag enthalten, was das Lesen spannender macht. Sophie und der Leser reisen mit dem Hasen um die Welt und hoffen, dass Sophie ihren Felix wiederbekommt. In den Briefen sind Bilder enthalten, so dass auch Kindergartenkinder mitmachen und die Briefe verstehen können.
Das war die Idee!
Moselabwärts wurde nach Koblenz geradelt und der Kochlöffel durfte mit. Im Stil dieses Kinderbuches habe ich versucht zu schreiben und das ganze dann per klassischer Briefpost an Astrid geschickt.
Ich hoffe, das ich nun mindestens die ersten beiden Kategorien des Wettbewerbes erfülle und ein Kochbuch gewinne!
Die Geschichte zum nachlesen gibt es hier als jpg Datei:
Wie ich hier berichtete wurde unsere Weinpresse hart vom Murphys Gesetz getroffen: „Alles, was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen.“ Und die Geschichte ging noch weiter.
Kurz nachdem die Elektrik wieder funktionierte, hatte sich die Packung einer Stopfbuchse fest gefressen und musste erneuert werden. Eine Traubenpressung später, Murphys Gesetz sei dank, schaltete die Weinpresse nicht mehr vom Vorentsaften auf Pressen um. Der Monteur kam umgehend und, wie der Teufel so will, die Presse funktionierte wieder einwandfrei. Aber nur bis zur allerletzten Pressung. Das gleiche Problem! Gut, das ich in weiser Voraussicht Ersatz für den Übeltäter, ein pneumatisch/elektrischer Mikroschalter, in den Schaltschrank gelegt hatte, der dann doch noch getauscht werden musste. Die Rechnungen der diversen Ersatzteile sind mittlerweile alle gekommen…
Bild: Alexander Thomas
Wellness beim Winzer wurde den beiden anwesenden Weinhändlerinnen anlässlich der Weinhändlerbespaßung Anfang Oktober geboten. Wie ich hier berichtete, müssen für eine saubere Gärung, die im Traubensaft vorhandenen Trubstoffe vom Most abgetrennt werden. Dieser Trub wird dann landbaulich verwertet. Ein bei der Ernte mithelfender Arzt dachte vor Jahren über eine weitere Verwertung nach und wagte den Selbstversuch mit einer Gesichtsmaske. Das war es! Sozusagen unter ärztlicher Aufsicht getestet.
Die Durchblutung der Gesichtshaut wird durch diese Trubstoffe immens gefördert, Falten verschwinden, die Haut wird jung und prall, und und und… Besser als jede Anti-Age-Creme! Leider nicht konservierbar und daher nur während der Weinernte im Winzerkeller frisch erhältlich. Schade, dass ich an diesem Abend meine Kamera nicht im Keller dabei hatte, denn sonst hätte ich mit vorher/nachher Fotos die Wirkung demonstrieren können. Eine Geschäftsidee für die nächste Weinernte. Vielleicht noch zusätzlich Sitzbäder anbieten?
Nicht nur eigene Trauben wurden bei uns verarbeitet. Leon, ein junger Weinbaustudent, der mir dankenswerter Weise eine Übernachtungsgelegenheit in seiner Studentenbude für das erste deutsche Vinocamp überlassen hatte, kelterte, mangels eigener Weinpresse, seine Trauben in unserem Weingut. In der Weinuni Geisenheim theoretisch lernen und das gelernte im eigenen kleinen Weinberg und Keller umsetzen. Dieses theoretische und praktische Lernen hat er bei seinem letztjährigen Wein, der während der Kelterung probiert wurde, schon sehr gut umgesetzt.
Die immer extremeren Wetterverhältnisse, die mit zunehmender Klimaänderung auftreten, spüren wir nicht nur im Weinberg. Ein typisches Beispiel ist die Fasstürdichte, die zum Abdichten der Weinfässer benötigt wird. Davon gibt es zwei Sorten: Rita und Wino. Ein Scherzkeks – meine Kinder? – hat auf den Vornamen meiner Frau ergänzt.
In früheren Jahren habe ich die Wino bevorzugt, war auch bei kalten Kellertemperaturen sehr gut verarbeitbar, Faßtürdichte Rita dagegen steinhart. Durch die immer wärmer werdenden Weinkeller bekam die Wino eine Konsistenz von Vaseline und wurde zu weich um sie als Dichtmittel für Faßtürchen zu verwenden.
Erfreulich an der Klimaänderung ist das Erntewetter. Während es in meiner Jugend jeden Morgen kalte Finger bei der Ernte gab, die Tage kühl und diesig waren, konnte ich diesem Herbst fast durchgängig im T-shirt oder hemdsärmelig die Trauben ernten. Zudem Kaiserwetter um schönste Fotos zu machen.
Bild: Ralf Scholze
Bild: Ralf Scholze
Ralf Scholze, Reisejournalist und Fotograf, war bei obiger Weinhändlerbespaßung auch dabei und fotografierte. Er hat ein Faible für die Mosel und macht wunderschöne Moselbilder. Seine Alben finden Sie hier, Facebookmitglieder können sich noch mehr Bilder hier anschauen. Bemerkenswerte Bilder! Persönlich finde ich die Pin-up Bilder für ältere Winzer sehr gelungen.
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Der Keller ist Randvoll. Eine mengenmäßig sehr gute Ernte, die noch im Optimum des Menge-Güte-Gesetzes liegt.
Die Hauptaussage des Menge-Güte-Gesetzes ist, dass man von einer bestimmten Fläche keine beliebige Menge von Trauben in hochwertiger Qualität gewinnen kann. Das heißt, dass ein hoher Ertrag zu einem niedrigeren Gehalt der Trauben an wichtigen Geschmacksstoffen führt. Daher hat das Menge-Güte-Gesetz starken Einfluss auf die Qualität eines Weines. Sozusagen, je mehr Trauben, desto dünner der Wein. Aber wie gesagt, wir haben das Optimum erreicht: Einiges mehr wie in den Vorjahren und trotzdem noch weit von den Ertragshöhen entfernt, die der Gesetzgeber als Höchsterntemenge vorgibt.
Die Traubenmoste gären zügig und die ersten Rieslinge sind schon vergoren. Schmecken sehr gut, ich hatte ja auch nichts anderes erwartet, nachdem ausschließlich goldgelbe reife Rieslingtrauben in unserer Weinpresse gelandet sind.
„Wenn ich die Jungweine probiere entdecke ich momentan ganz außergewöhnliche Aromen, die ich so bisher nicht kannte. Alles schmeckt extrem klar und balanciert. Fast schon zu gut zum jetzigen Zeitpunkt. Ich bin in der Einschätzung eines Jahrganges ja immer eher zurückhaltend und weiss beim besten Willen nicht, ob 2011 ein ganz großes Jahr wird. Es wird aber sicherlich ein sehr gutes, dass kann man jetzt schon ohne Übertreibung und mit Sicherheit sagen. Besonders erfreulich ist die Tatsache, dass die Menge stimmt. „
So beschreibt Dirk Würtz den 2011er, dem ich voll und ganz zustimmen kann. Und ganz wichtig, er schreibt, dass er noch nicht weiss ob der 2011er ein ganz großer Jahrgang wird. Das wissen wir erst in einigen Monaten, wenn die Weine vergoren und probierfähig sind, frühestens.
Eigentlich könnte ich die diesjährige Weinernte noch ein bis zwei Wochen hier in den Bildergeschichten vom Weingut Steffens-Keß fortführen. Reichlich Bilder schlummern noch im Computer. Jedoch sind nun alle unsere Weinberge abgeerntet. Die Mostsäure baute in den letzten Tagen stark ab und um die Typizität unserer Moselrieslinge zu erhalten, wurde rasch geerntet bei sehr guten Qualitäten. Bericht folgt.
Ein goldener Oktober wie er im Buche steht: Morgendlicher Nebel,
Nur an zwei Erntetagen morgens klamme Finger, mittags schönster Sonnenschein
und den ganzen Tag über herrlichste Rieslingtrauben.
An dieser Stelle nochmals ein Danke an unsere Lesemannschaft:
Felix, Chefin Marita, Felicitas, Elke, Valentin und meinem Kollegen Reinhard Schäfer aus Würtemberg, der mal an der Mosle Riesling ernten wollte.(v.l.nr.) und die heute nicht dabei gewesenen: Alice, Sophie, Margit, Opa Reinhard, Kerstin, Lisa, Sascha, Ludolf, Alex, Wolfgang, Susanne, Jana, Kevin
Wie immer: Rasant schnell, einsame Spitze im Selektieren, immer gut drauf und alle Neuigkeiten aus dem Dorf wissend.
Auch ein Dankeschön an Thomas, der verletzungsbedingt nicht mit ernten konnte, aber trotzdem am letzten Tag für uns den Grill bediente.
„Eines ist klar in punkto Mostgewichte hat der Jahrgang 2011 bereits jetzt den Sprung in die Annalen und in die Rekordlisten geschafft. Mit 340 ° Oechsle…“
Mostgewichte für Trockenbeerenauslesen, also rosinenartig eingeschrumpfte Beeren, die anschließend zu Wein vergären sollen.
Dabei wird völlig außer acht gelassen, das diese Rekordverdächtigen, hochkonzentrierten Moste, sich niemals zu Wein vergären lassen, da der extrem hohe Zuckergehalt konservierend wirkt und durch den osmotischen Druck keine Mikroben überleben können. Mehr Augenwischerei als reale Möglichkeit einen hochwertigen Dessertwein zu produzieren.
Aber dessen ungeachtet: Kann ich auch! Ca. 300 Öchsle, die sich mit unserer normalen Mostwaage nicht mehr messen lassen, bei einer respektablen Menge. Werde ich mir wohl als Marmeladenersatz aufs Brot schmieren.
Zwei Tage habe ich die Weinberge nur aus der Kellertüre betrachtet. Eine Ruhepause, zumindest im Weinberg, war angesagt um sich zu erholen. Steillagenweinbau ist anstrengend, ich werde nicht jünger und es ist dieses Jahr, im Gegensatz zum vorherigen, keine Eile angesagt.
Heute ging es mit verkleinerter Erntemannschaft weiter. Die Schüler, die uns in den beiden letzten Wochen in den Herbstferien geholfen hatten, sind jetzt wieder in der Schule. Unsere Freunde helfen jetzt bei der Ernte. Wie ich hier berichtete, halfen wir den Freunden bei den frühen Rebsorten und nun wird zurück geholfen. Das Durchschnittsalter der Helfer ist schlagartig um etliche Jahre, wenn nicht Jahrzehnte angestiegen.
Der für die letzten Nächte angekündigte Frost blieb aus und weitere Qualitätssteigerungen sind noch möglich.
Das heutige Resultat der Vorselektion von vor zwei Wochen: Es hingen nur noch gesunde und richtig vollreife, aromatische Rieslingtrauben an den Rebstöcken.
Bis jetzt ist alles Perfekt. Es stimmt einfach alles, vom Wetter angefangen, den Traubenqualitäten und -quantitäten, die Erntemannschaft und und und…
Kurz vor Perfekt, die heute geernteten Trauben aus der Reiler Goldlay. Die Qualitäten sind sehr gut, die Quantitäten noch besser. Die analytischen Eckdaten optimal, der Geschmack ebenfalls. Wir sind bis jetzt zufrieden, sehr zufrieden.
Traumhaftes Wetter mit den lange vermissten kalten Morgenstunden. Die nächsten Tagen soll es kühl bleiben. Nachtfröste sind am Wochenende gemeldet. Leider. Die Rebblätter sterben dann ab und es werden keine Assimilate mehr gebildet, die den Trauben zugute kämen. Eine weitere Qualitätssteigerung ist dann nur durch Wasserverdunstung über die Beerenhaut möglich oder durch Befall mit der Edelfäule, die die Beerenhaut porös macht ,damit sich der Beereninhalt aufkonzentrieren kann.
Ich hoffe, dass die Wetterfrösche, wie so oft dieses Jahr, mit ihren Prognosen daneben liegen.