Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

Autor: Harald

  • Weinernte 2011: Murphys Gesetz

    Murphys Gesetz in Vollendung:  „Alles, was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen.“

    Hier berichtete ich über meine Weinpresse, die nicht mehr so wollte wie ich. Wird teuer. Aber nun mal von Anfang an, der im Herbst letzten Jahres beginnt. Ein pneumatisches Ventil blieb des öfteren hängen. Vor drei Wochen die Presse zum Kellereifachhandel gebracht und ein neues Ventil mit Stellmotor wurde eingebaut (Blau im Bild). Beim Keltern der Rivanertrauben versagte die Automatik und ich musste per Hand steuern.

    Nach der telefonischen Diagnose des Elektrofachmannes lag das Problem an einer der vier eingebauten Zeitschaltuhren (links über den roten Schalter im Bild). Die Monteure wechselten die Uhr, der Kelter lief wieder im Automatikmodus.  Nach kurzer Zeit eine Störungsmeldung und es  qualmte und stank aus dem Schaltschrank. Der Transformator für die Steuerspannung hatte den Geist aufgegeben. Nachdem dieser auch ausgetauscht war, lief die Presse. Bis die zweite Zeitschaltuhr weitere Steueraufgaben erledigen sollte. Und? Klar, auch kaputt! Eine weitere neue Schaltuhr wurde eingebaut. Kelter lief, die erste erledigte ihre Aufgabe, gab dann an die zweite Uhr weiter, lief auch, aber dann die dritte….

    Natürlich: „Alles, was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen.“  Muss bestellt werden und wenn diese dann eingebaut ist, hätten wir noch die vierte Zeitschaltuhr…

    Ich wette, das diese dann auch noch ihren Geist aufgibt.

  • Weinernte 2011: Dinge, die der Winzer gar nicht braucht

    Heute bei der Rivanerernte:  Dinge, die der Winzer gar nicht braucht. Das schwül warme Wetter mit Regen in den letzten Tagen, hatte dem Rivaner gar nicht gut getan. Sämtliche, mir bekannten Schaderreger konnte ich auf den Trauben bewundern: Grauschimmel, Penicillium, Rosaschimmel, Blauschimmel, Schwarzfäule, Essigfäule und so weiter. Daneben noch etwas Vogelfraß, Stöcke ganz ohne Trauben durch den Maifrost und als kleinstes Übel der Hagelschlag von vor drei Wochen.

    Fleissige Hände haben die erkrankten Beeren gänzlich aussortiert und aus den gesunden Trauben ist dann ein wohlschmeckender Saft ins Gärfass gelaufen. Die Erntemenge war größer als erwartet, leider auf einem geringen Niveau.

    Gott sei dank ist der Riesling noch sehr gesund!

    Die Krönung dann beim Keltern, die Automatik der Weinpresse versagte. Also daneben gestanden und per Hand die Presse bedient. Eine Eieruhr informierte mich, wann der Presskuchen gelockert werden sollte und der Pressdruck erhöht werden musste. Nun warte ich auf  den Monteur…

     

  • Weinernte 2011: Nachbarschaftshilfe

    Nach einem üppigen Frühstück haben wir heute morgen unserem Kollegen Thomas bei der Weinernte geholfen. Rechtzeitig vor dem mittäglichem Gewitter waren die Trauben geerntet und die Vogelschutznetze  entfernt.

    Als fast reines Rieslingweingut haben wir zur Zeit Arbeitskapazitäten frei und haben schon einige Tage bei Freunden frühreife Traubensorten geerntet. Unsere Freunde helfen uns dann im Rahmen der Nachbarschaftshilfe bei der Rieslingernte zurück. Neben unserer festen Erntemannschaft haben wir dann eine sehr flexible Einsatztruppe aus lauter Fachkräften.

     

  • Weinernte 2011: Generalreinigung

    Die herbstlichen Vorbereitungen sind weit gediehen. Anfang der Woche wurde das die Holzfässer konservierende Wasser abgelassen und die Fässer mittels Hochdruckreiniger und Heißdampf außen und innen gereinigt. Die Edelstahltanks und die in der Weinlese benötigten Gerätschaften  sind nun ebenfalls gereinigt.

    Bis zur Rieslingernte sind es noch einige Wochen. Die frühen Vorbereitungen dienen unserer kleinen Rivanerparzelle,  die im Mai einen Frostschaden erlitten hat und in der sich leider Fäulnis breit macht. Die Erntemenge wird sehr dürftig sein.  Nächste Woche ist Ernte.

  • Gestern Abend: Wolkenmalerei und Regenbogen

    Immer wieder schön: Akzentreiche Licht- und Wolkenzeichnungen am Himmel.  Leider für uns als Talbewohner mit einem eingeschränkten Horizont sehr selten.

     

  • 19. internationale Bergweinverkostung

    CERVIM, das Forschungs- und Studienzentrum zur Wertschätzung des Weinbaus in den Bergregionen, hatte zur Preisverleihung für die deutschen Teilnehmer geladen. Bei der internationalen 19. Bergweinverkostung, gab es für die deutschen Steillagenwinzer jede Menge Medaillen abzuholen.

    Empfang vor dem Steillagenkompetenzzentrum in  Bernkastel-Kues mit Trommelwirbel (Weltklasse!), dann die Begrüßung durch deren Leiter Hubert Friedrich, eine Laudatio des scheidenden Präsidenten  der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion Trier, Herrn Dr. Peter Mertes, danach die Politiker, die das übliche Nichtssagende als Laudatio von sich gaben. Unsere Blicke richteten sich währenddessen durch die Innenfenster zum Weinprobenraum – die Probenweine wurden so langsam warm – aber die Laudatoren bemerkten nicht unsere sehnsüchtigen Blicke. Kurz und schnell die Verleihung der Urkunden und die Siegerweine konnten im Anschluss verkostet werden.

    Auch ich konnte mir eine Goldene Medaille umhängen. Die dazu gehörende Urkunde wird neben vielen anderen nun unsere Probierstube schmücken. Wieder eine Bestätigung für uns, das unsere Weine nicht zu den schlechtesten gehören, egal, was man über solche Weinwettbewerbe denken mag.

  • Weinernte 2011: Der „Neue“

    Der „Neue“ ist da. Nein, nicht schon neuer 2011er Wein, sondern unser neuer Lehrling. Macht sich bisher gut: Hört aufs Wort, ist willig und lernbereit. Den Besen kann er schon perfekt bedienen. Er wird uns sicherlich eine gute Hilfe sein.

    So langsam fangen wir mit den Erntevorbereitungen an. Generalreinigung aller benötigten Gerätschaften und Behältnisse für die Weinernte. Mit der Generalreinigung des Hofes hat es angefangen, nächste Woche ist der Weinkeller dran. Erntebeginn, falls das Wetter mitspielt, ist Anfang Oktober.

    Die verhagelten Trauben von letzter Woche schrumpfen weiter ein und die Fäulnisgefahr vermindert sich mit jedem Tag. Mengenmäßig ist der Traubenverlust gering. Lediglich der Selektionsaufwand bei der Ernte wird viel höher sein.

  • Vorläufige Schadensbilanz?

    Nun, einige Tage nach dem Hagelunwetter vom 26. August, kann ich die erste Schadensbilanz ziehen. Das verbeulte Autodach und die Fensterscheibe sind versichert, die Weinberge leider nicht. Die durch den  Hagel direkt beschädigten und aufgeplatzten Beeren sind durch nachfolgenden Regen ausgewaschen worden und sind am eintrocknen. Kein Problem!

    Etliche Trauben verfärben sich ins bräunliche. Durch den Hagelschlag sind die Zellen der Beeren geschädigt und diese  stirbt ab. Dort dauert das vertrockenen ungemein länger wie bei den direkt geschädigten Beeren. Sollte es wieder schwülwarmes Wetter mit Niederschägen kommen, können sich dort Schadpilze ansiedeln. Die eine Beere tut mir zwar nicht weh, aber direkt daneben liegende Trauben können infiziert werden und das gibt natürlich Probleme. Wenn das Wetter mitspielt (kühl und trocken) ist noch alles im grünen Bereich. Hoffentlich!

    Ganz anders der Anblick der Rebanlanlagen einige Kilometer Moselaufwärts bei Kröv/Kinheim. Das Unwetter hat massiv die Blätter der Rebstöcke beschädigt.

    Der Boden ist grün von abgeschlagenen Blättern und Trauben.

    Die Trauben zeigen massive Verletzungen und starke, beginnende Braunfärbung der scheinbar nicht vom Hagel getroffenen Beeren. Obige Bilder sind vom Samstag, die jetzige Situation dürfte um einige dramatischer aussehen.

    In der Ortschaft Veldenz, ein weiterer Schwerpunkt des Unwetters vom vergangenen Freitag, sind 100% der Wohnhäuser beschädigt. Zum Teil massivst beschädigt! Wie unsere Lokalzeitung heute berichtete, sollen die schwersten Eisbrocken 800 Gramm gewogen haben! Die Wucht dieser „Hagelkörner“ können sie diesem Bild entnehmen. Durchlöcherte Rollladen, kaputte Dächer mit anschließend massiven Wasserschaden, Riesenschäden an Vordächern, Autos, null Ertrag Weinbergen und und und.

     

     

  • Mit einem blauen Auge…

    Mit einem blauen Auge sind wir beim heutigen Hagelunwetter davongekommen. Neben den Traubenschäden hat es eine Fensterscheibe erwischt und das  Autodach hat Dellen.Die Schäden an den Trauben sind nach dem heutigen Hagelunwetter bei uns vorerst eher gering. Der Hagel hat etliche Beeren geschädigt. Grob geschätzt haben ca. 5 % der Trauben verletzte Beeren. Den genauen Ausmaß der Schäden kann ich erst in den nächsten Tagen sehen, wenn nur leicht vom Hagel getroffene Beeren sich braun verfärben.

    Wenn es in den nächsten Tagen trocken bleibt, am liebsten mit kalten Temperaturen, vertrocknen die beschädigten Beeren. Wenn nicht, ist Fäulniss mit seinen ganzen negativen Auswirkungen angesagt, aber daran denke ich im Moment noch nicht.

    Andere hat es wesentlich heftiger erwischt. Es wird nicht von Hagel, sondern von Eisbrocken geredet! In Kröv und im Bernkasteler Raum gibt es starke Schäden in den Weinbergen. Erste Nachrichten sprechen von über 50% Ertragsausfall. Massivste Schäden an Autos, Dächern und Solaranlagen sind entstanden. In Veldenz sollen 80% der Dächer beschädigt sein.  In Traben-Trarbach sind Jahrmarktstände vom Sturm in die Mosel gefegt worden.

  • Eben, vor ein paar Minuten

    Eben, vor ein paar Minuten. Wenn es aufhört zu regnen gehe ich mal meine Weinberge besichtigen.