Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

Autor: Harald

  • Nachpflanzen

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    Heute konnte in den letztjährig angepflanzten Weinbergen endlich der Lückenschluß gemacht werden. Etliche Reben waren durch die letztjährige Julitrockenheit, trotz wässern meinerseits, so geschädigt, dass sie das Wachstum dieses Jahr einstellten.

    Normalerweise werden im Frühjahr Stecklinge gepflanzt. Da bei der extremen Fühjahrstrockenheit diese Stecklinge nicht überlebt hätten, wurden  sogenannte Topfreben gepflanzt. Dazu gab es noch ausreichend Wasser in der Hoffnung, das alle frisch gepflanzten Reben anwachsen.

    Da die Reben händisch gepflanzt wurden, – mit der Hacke ein Loch graben, die Reben einsetzen, das Loch halb verfüllen, Wasser geben, das Loch ganz verfüllen und dann die grünen Triebe festbinden – brauchte das Nachpflanzen einiges mehr an Zeit wie die eigentliche Pflanzung im letzten Jahr mit dem Lohnunternehmer.

  • Bis zum Horizont

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    Weinberge bis zum Horizont. Und alles uns. Fast! Es wäre unser größter Rieslingweinberg geworden, wenn denn ein älterer Winzer, dessen Weinberg wir umzingelt haben, uns seine Parzelle verpachtet oder verkauft hätte. Er wollte aber nicht, bzw. setzte den Preis derart hoch an, daß uns die Lust auf „Ist alles uns“ verging.

    Nun haben wir eine Weinbergsbrache umzingelt. Gnädigerweise habe ich die Erlaubnis des Besitzers bei aufkommendem Busch- oder Baumbewuchs zu mähen, damit Fraßschäden durch Vögel verhindert werden, bzw. Wildschweine sich dort nicht einnisten.

  • Überraschung

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    Überraschung! Eine, die man nicht gebrauchen kann. Die Steigeisenkette des Raupenschleppers ist gestern gerissen. Vermutlich immer noch eine Kette aus einer fehlerhaften Produktionsreihe. Schon im letzten Jahr riss mir an der alten Weinbergsraupe eine neue Kette nach wenigen Betriebsstunden. Das gleiche berichtete ein Kollege aus dem Nachbardorf. Wird zwar über Garantie abgewickelt, kostet aber Zeit und Nerven.

    An ein Weiterarbeiten ist nicht zu denken, denn die Kette könnte vollständig reissen und dann würde es sicherlich spannend im Steilhang. Mal abgesehen von nicht kontrollierbaren Fahrverhalten der Raupe, habe ich keine Lust am Hang eine Raupenkette aufziehen.

    Nun heißt es auf die Spedition warten, die hoffentlich heute noch Ersatz bringt.

  • Reichlich!

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    Der Riesling ist mittlerweile erbsendick und reichlich vorhanden. Zur Zeit ist alles im optimalen Bereich. Bodenfeuchtigkeit ist reichlich da, der Vegetationsvorsprung liegt immer noch bei drei Wochen, Pilzkrankheiten habe ich in meinen Weinbergen noch nicht gesichtet und die Temperaturen sind für den Moselriesling auch im optimalen Bereich.

    Man soll ja den Tag nicht vor dem Abend loben, aber trotzdem ein kleines Prognöschen: Es könnte eine gute Ernte geben, quantitativ und qualitativ. An Hagel und andere Unbilden der Natur, die mir noch einen Strich durch die Rechnung machen könnten, mag ich natürlich gar nicht denken.

  • Urlaubswetter

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    Der Sommer ist wieder zurück. Zeit, um die Mosel aus einer anderen Perspektive zu erleben, denn ausser Riesling hat die Mosel noch einiges mehr zu bieten.

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    Viele Badestrände an der Mosel laden z.B. zum schwimmen und relaxen ein.

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    Für die, die anstatt zu relaxen, aktiver sein möchten, ist eine Kanufahrt auf der Mosel bestens zu empfehlen. Langsam die Mosel runter paddeln und die Landschaft aus einer ganz anderen Perspektive erleben wie es von den Wegen am Moselufer oder hoch am Weinbergshang möglich ist. Sogar für mich, der schon immer hier lebt, immer wieder eine Überraschung.

    Verleihstationen gibt es überall an der Mosel, ich empfehle natürlich die Kanus von meinen Freund Karl-Heinz, der auch sehr schöne Ferienwohnungen zu vermieten hat.

  • Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt

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    Minutiös war letzte Woche alles geplant: Weinbergsarbeit, Weinflaschen etikettieren, Kundenbesuche im Weingut usw. Der Nasse Boden machte des öfteren einen Strich durch die Rechnung und dann, als logische Konsequenz, kam es dann ganz anders und zweitens als man denkt.

    Gestern waren die Böden soweit abgetrocknet, das ich wieder problemloser mit dem Raupenschlepper den Laubschnitt fortführen konnte. Eine Leckage an einem der Hydraulischen Antriebsmotoren des Laubschneiders ließ mich anhalten um der Sache auf den Grund zu gehen. Durch Festziehen einer Reduzierhülse wollte ich den Ölverlust verhindern. Die Hülse saß schon fest – durch einen Haariss leckte es – und nach fest kommt bekanntlich ab und ich hatte den Salat als ich den Schraubenschlüssel ansetzte. War natürlich Samstag und keine Ersatzteile zu bekommen.

  • Wühlschäden

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    Kaum ist man aller Probleme durch durch die Frühjahrstrockenheit enthoben, tauchen schon die nächsten auf. Dieses Mal sind es nicht die Wildschweine, die den Boden aufwühlen. Das war ich selbst.

    Fast täglicher Regen lässt den Boden aufweichen und bei den unbedingt nötigen Fahrten mit dem Kettenschlepper gibt es Probleme. Die Begrünung wird durch die durchdrehenden Ketten beschädigt. Wenn es bei über 60% Steigung richtig steil wird, buddelt sich die Raupe ein und nix geht mehr. Den Berg wieder runter fahren und in der nächsten Rebzeile auf neue das Glück herausfordern.

    Ganz schlimm ist es in den Weinbergen, in denen ich mir vom Bauunternehmer Erde aufs Bankett anfahren gelassen habe. Hätte ich besser sein gelassen. Ist purer Lehm und extrem schmierig bei Feuchtigkeit. Bei der Einfahrt in die Rebzeile schmiert man ab und es geht bergab wie Schmidts Katze. Bei der Bergfahrt hingegen, so ganz kurz vor der waagerechten am Weg, hilft dann weder ein Vater unser noch ein Ave Maria damit man die letzten Zentimeter schafft.

    Sollte der Boden mal wieder richtig abgetrocknet sein, werde ich die Wühlschäden mit der Kreiselegge  einebnen. Ich vermute jedoch, das Handarbeit angesagt ist um den Boden zu glätten.

  • Aus der virtuellen in die reale Welt

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    Man kannte sich schon lange aus dem Netz. Am letzten Wochenende haben wir uns nun in der realen Welt kennen gelernt. In der Weinuni in Geisenheim am Rhein trafen wir uns zum ersten deutschen VinoCamp.

    „Das VinoCamp ist also ein BarCamp – und ein BarCamp ist eine Unkonferenz, d.h. eine Konferenz ohne festen Ablaufplan. Es gibt demnach nicht die klassische Aufteilung zwischen Referenten und Zuhörern. Jeder der möchte, kann einen Vortrag, eine sogenannte „Session”, zum Thema anbieten. Wer keinen Vortrag halten möchte, kann auch einfach nur zuhören.

    Das Thema des VinoCamps ist, wie der Name schon sagt, der Wein und alles was damit zusammenhängt.

    Beim VinoCamp treffen sich Menschen aus der gesamten Weinszene, die eine hohe Affinität zum Internet haben, um sich auszutauschen und virtuelle und reale Netzwerke zu pflegen.

    Ziel des VinoCamps ist es, das Thema Wein in die Breite des Web 2.0 zu tragen, zu lernen, sich weiter zu entwickeln und Strategien und Sprachweisen für die Zukunft zu finden.“

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    Der Freitag abend starte mit einer Afterworkparty im Garten der Sektkekellerei Bardong. Die ersten virtuellen Freundschaften bekamen Gesichter und die Netzfreundschaften wurden bei sehr guten Sekten und Weinen vertieft.

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    Das VinoCamp startete am Samstag mit der Begrüßung der Teilnehmer und Festlegung der einzelnen Vorträge, bzw. Sessions. Neben vielen Vorträgen, die sich um das Internet und die Netzwelt drehten, interessierte mich der Vortrag von Matthias Düsi vom Duesiblog.

    „Rechtliche & Theologische Grundlage des Abendmahlsweins/Messweins. Messwein als Absatzchance für Weinproduzenten?“ lautete das Thema und Matthias, von zu Hause aus Rechtsanwalt, erläutere dieses interessante Thema sehr spannend.

    Bei den jährlich ca. 10 Millionen Teilnehmern am Abendmahl der ev. Kirche kam die Diskussion auf, wie groß denn dieser „Schluck“ ist, damit das gesamte Absatzpotential genauer geschätzt werden konnte.

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    Im stündlichen Rhythmus gab es immer zeitgleich drei Vorträge in verschiedenen  Hörsälen und die Auswahl des für mich interessantesten Vortrages viel mir schwer.

    Die Auswahl war sehr groß, wie ein Auszug aus dem Angebot zeigt:

      • Eu-Weinmarktreform, Chance oder Untergang?

      • Traffic und Statistikauswertung im Blog.

      • Wie mache ich einen sexy Weinblog?

      • Wie werde ich reich und berühmt?

      • Wie objektiv sind Weinführer?

      • Wein, Tourismus und Web 2.0 – wie passt das zusammen!

      • Diskussion rechtlicher Themen wie Urheberrecht (Bilder- und Textnutzung), Abmahnung, Impressum usw…

      • Rechtliche & Theologische Grundlage des Abendmahlsweins/Messweins. Messwein als Absatzchance für Weinproduzenten?

      • Was ist in Frankreich so anders? Das französische Wein-Web vorgestellt.

      • Spontanvergärung und Wurzelecht. Nur Winzerblala oder ist was dran?

    Mit meinem Kollegen Karl-Josef gestaltete ich zwei Sessions zum Thema Weinbau, Weinkeller und Ökologie. Machte mächtig Spaß!
    Zu Gast war auch die amtierende Deutsche Weinkönigin, wie man unschwer auf obigem Bild erkennen kann.

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    Natürlich durfte der Wein auch nicht zu kurz kommen. Am späten Nachmittag standen fast dreihundert Weine, die von den Teilnehmern mitgebracht wurden,  in der Mensa zum probieren auf den Tischen.

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    Die Abendveranstaltung fand dann in der wineBANK in Hattenheim statt. Ähnlich einer Bank mit Schließfächern. Aber nur  für edle Weine, anstatt Wertpapiere.

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    Das ganze in einem Weingut und direkt daneben der „Partyraum“.

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    Trotz der abendlichen Party fanden sich alle am Sonntag pünktlich wieder in den Vortagssälen ein. Iris, deutsche Winzerin in Frankreich, berichtete für ihre französischen Kollegen live vom deutschen Vinocamp in ihrem Blog, auf Facebook und auf Twitter.

    Hier an dieser Stelle noch ein großes Dankeschön an das Organisationsteam und die Sponsoren. Weitere Informationen über das Vinocamp finden Sie im VinoCamp Blog hier, die Facebookseite ist hier.

    Nachtrag:

    Per Facebook wurde ich darauf aufmerksam gemacht.

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    Wir sind am Samstag (-nacht) natürlich noch versumpft. Einen Absacker trinken. Einen klasse Rieslingsekt aus einem Arbeitsprojekt eines Weinbaustudenten und dazu gab es eine Gitarrensession.

  • Im Land der Riesenweingläser

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    Mit Freunden wurde in den letzten Tagen ein kleine Wanderreise an die südliche Weinstraße unternommen. Bemerkenswert die Trinkgefässe, bzw. Weingläser die zum Einsatz kamen. Während wir bei den Wanderungen durch den Pfälzer Wald und die Weinberge stets darauf bedacht waren, stilvolle Weingläser zu benutzen und auch sicher zu transportieren, gab es abends beim Vesper die regionaltypischen, traditionellen Trinkgefäße.

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    Das sogenannte Dubbeglas, ein Schoppenglas mit einem halben Liter Fassungsvermögen. Der Innbegriff für die Verzahnung von Trink- und Lebenskultur. Wein als alltägliches Getränk und nicht als abgehobener Luxus. Heutzutage vornehmlich für Weinschorle gebraucht, wobei dann am Mineralwasser gespart wird.

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    Die Krönung ist der Rhodter Piff, ein Weinglas mit sage und schreibe einem Liter Inhalt. Wird natürlich nicht alleine getrunken sondern in der Gruppe geleert. Wird auch als Trollschoppen bezeichnet. Der letzte Schluck oder Schoppen in der Runde bevor man sich nach Hause „trollt“, falls man noch gehen kann.

  • Aller Probleme enthoben

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    Reichlich Regen von mehreren Gewittern gab es am letzten Wochenende. Weitere Niederschläge sind gemeldet und kommen hoffentlich. Auf jeden Fall ist unser größtes Problem, die Trockenheit, vorerst nicht mehr relevant.

    Anlass für mich in einigen Weinbergen Bodenbearbeitung zu machen damit Stickstoff aus dem Humus freigesetzt wird. Zwei Weinberge sind durch die Trockenheit richtig gelb geworden und benötigen diesen wichtigen Nährstoff dringendst. Das rechte Maß bei der Bodenbearbeitung ist nötig. Zuviel Stickstoff veranlasst die Rebe zum Luxuskonsum mit entsprechend negativen Folgen wie z.B. vorzeitige Traubenfäulniss oder das Nitrat wird ins Grundwasser ausgewaschen. Also heute entsprechend dem Zustand der Rebanlagen nur jede zweite Rebzeile gefahre, die Bodenbearbeitungswerkzeuge angepasst und auf die optimale Arbeitstiefe geachtet.

    Das kleinere Problem, das unser Ausbildungsplatz bisher noch nicht besetzt ist, hat sich auch mit heutigen Datum erledigt. Ein junger Mann wird ab August seine Winzerausbildung in unserem Weingut absolvieren. Wir freuen uns schon auf den neuen Mitarbeiter.