Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

Autor: Harald

  • Sorgen

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    Während es sich bei dem derzeit herrschenden Hochdruckwetter mit Sonnenschein und blauem Himmel herrlich auf der Terasse bei einem Glas Moselriesling sitzen läßt, mache ich mir große Sorgen.

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    In einigen Weinbergen fängt die Begrünung schon an zu welken. Die Begrünungen sehen mickrig aus. Das Bodenwasser wird so langsam knapp und die Reben haben erst gerade begonnen zu wachsen. Die letzte Woche gemeldeten Gewitter sind ausgeblieben, morgen soll es sogar Bodenfrost geben, der in tieferen und weniger guten Weinlagen vielleicht zu Schäden führen kann.

    Gegenüber dem langjährigen Mittel sind ca. 70% weniger Niederschläge in diesem Jahr gefallen. Da wünscht man sich, das das diesjährige Januarhochwasser gleichmässiger übers Jahr verteilt wäre.

    Das Vegetationsjahr fängt mal wieder spannend an.

    Nachtrag 04.05.2011:

    Heute morgen gab es einen Spätfrost, der zu bedeutenden Schäden führte, siehe Kommentare zu diesem Artikel und ein Bericht von Dirk Würtz zu diesem Schadensereigniss.

  • Ausbrechen

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    Die ersten Laubarbeiten, das Ausbrechen der unerwünschten Triebe am Rebstamm, haben begonnen. Nachdem im jungen Alter der Reben der Rebstamm formiert wurde, mein Kollege Bernhard berichtet hier darüber, sind nun Stammaustriebe unerwünscht. Der Stamm hat die Aufgabe als Leitungs- und Speicherorgan zu dienen und zudem würden Stammtriebe, die nach oben wachsen, die Laubwand verdichten und Pilzkrankheiten fördern. Zeitgleich wird das unterste Heftdrahtpaar auf den Boden abgelegt. Wenn die Rebtriebe lang genug sind, werden diese wieder nach oben gehängt und die Reben zwischen den Drähten fixiert.

    Nicht besonders rückenfreundlich diese Arbeit, da in gebückter Stellung  die Triebe per Hand entfernt werden.

  • …dem ist Arbeit auch Gebet!

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    Die Reben wachsen bei den derzeitigen Temperaturen sehr zügig. Sollte noch ein ergiebiger Niederschlag dazukommen, wird  sich das Wachstum beschleunigen. Die Natur wird unsere Arbeitsgeschwindigkeit und den Arbeitsumfang in den Weinbergen vorgeben. Schon die alten Winzer wussten, dass dann fürs Beten keine Zeit bleibt, wie an der Tafel im Pündericher Fährhaus zu lesen ist.

    Bis jetzt sind wir frohen Mutes, der Austrieb der Reben ging sehr schnell voran und dadurch hatten Knospenschädlinge keine Chance Schaden anzurichten. Die derzeitige Sorge ist der Wassermangel. Es wäre schön, wenn die in dieser Woche gemeldeten Niederschläge kämen. Doch leider sind das in der Regel Starkregenereignisse, die auch das Risiko des Hagels beinhalten oder im anderen Fall, dass man gar nichts abbekommt, da Gewitter sehr oft regional entstehen. Da rechte mass wäre ideal!

  • Schluß mit lustig

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    Die Reiler Goldlay, das Burger Hahnenschrittchen und das Burger Wendelstück wurden diese Woche mit Dispensern abgehangen.

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    Fast dreissig Winzer und Helfer liefen die Weinberge bergab und alle 20 qm wurde ein Dispenser aufgehangen. Bergauf ging es dann mit den Kleinbus.

    In diesen Kunststoffampullen sind Sexualduftstoffe (Pheromone), die langsam ausdünsten und die Männchen des Traubenwicklers, einer Mottenart, dermaßen verwirren, dass sie die Weibchen nicht finden. So ist Schluß mit Sex lustig und es gibt keine Nachkommenschaft.

    Die Raupen des Traubenwicklers können immense Schäden duch die sogenannte Sauerfäule (Grauschimmelfäule)  hervorrufen und durch diese elegante ökologische Methode wird die Vermehrung behindert und es gibt keine Schäden für uns Winzer.

  • Knochenarbeit

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    Einer unserer beiden Rivanerweinberge wurde gerodet. Die Rebstöcke waren abgängig und der Drahtrahmen äusserst morbide. Eine Neuanpflanzung mit Reben ist nicht vorgesehen. Da wir uns auf den Rieslinganbau in der südorientierten Steillage konzentrieren, wird aus dieser ehemaligen Rebfläche eine Obstwiese.

    Da ich die Rodezange noch nicht an den neuen Kettenschlepper angepasst hatte,  wurde klassisch gerodet. Meine Azubine hielt das Rodeeisen, eine V-förmige Eisenplatte mit Handgriff, hinter den Rebstamm in Bodennähe und ich zog mit den Traktor die Rebe nebst Wurzeln aus dem Boden.

    Die derzeit herrschende Trockenheit, seit fast zwei Monaten gab es keine nennenswerten Niederschläge, machte aus dieser nicht unbedingt leichten Arbeit einen Knochenjob. Die Reben wollten nicht aus dem Boden. Das Rodeeisen rutschte des öfteren ab, die Differentialsperre des Traktors musste mehr wie einmal eingerückt werden und meistens bäumte sich dann der Trakor auf wie beim Tractorpulling.

    Die Rebstämme wird ein Freund entsorgen abholen um darauf leckere Winzersteaks zu grillen und ich warte nun auf die Einladung zum Mitessen.

  • Eisenmenschen

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    Anläßlich des 100jährigen Firmenjubiläums meines Weinbau- und Kellereimaschinenhändlers Kessler am letzten Wochenende, stellte die Kunst AG der Integrierten Gesamtschule Zell Ihre Werke aus.

    Fast ausschließlich Weinbau- und Kellergerätschaften wurden für diese Figuren verwendet. Hacken, Traubenkiepen, Schubkarren, alte Rückenspritzen und andere Winzergeräte wurden zu Eisenmenschen verwandelt, die selbstredend Weinbergsarbeiter darstellten.

    Dazu gab es leckeren Wein, gutes Essen vom Buffet und Livemusik. Fast wie auf einer richtigen Vernissage, jedoch nur auf dem Betriebsgelände der Fa. Kessler  zwischen Weinpressen und Weintanks.

  • Winzerdank

    Hier berichtete ich schon einmal über den Ziehmax.  Wurde auch Winzerdank genannt. Eine gewaltige Innovation vor einem halben Jahrhundert, die das mühsame Arbeiten mit der Hacke im Weinberg ersparte. Daher auch der Name Winzerdank: Danke für diese technische Revolution.

    Heute noch im Einsatz in Weinbergen die nicht durch Wege erschlossen sind. Der Winzerdank wird  an den Ort des Geschehens getragen und verankert.

  • Rasend schnell

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    Rasend schnell entwickelt sich die Natur bei den vorherrschenden warmen Temperaturen. Die Reben stehen kurz vor dem Austrieb. Die Knospen sind alle schon angeschwollen und im Wollestadium. Der Austrieb dürfte nächste Woche erfolgen. An Wärmeinseln, z.B. an Weinbergsmauern sind die ersten Blättchen bereits erkennbar.

    Im langjährigen Mittel (1967 – 2000) ist der Austrieb am 30. April. Sehr gut! Etliche Tage Vegetationsvorsprung und das Weinjahr 2011 legt einen Bilderbuchstart hin.

  • VitiMeteo

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    Weiterbildung war angesagt. Als Vorsitzender von ECOVIN Mosel-Saar-Ahr e.v. hatte ich zu einem Vortrag mit Herrn Dr. Zipse von der Agrarberatung geladen.

    Seit etlichen Jahren versucht man die aktuellen Wetterbedingungen mit der Wettervorhersage, die Wachstumbedingungen der Rebe und den Vermehrungsrythmus unserer Pilzerreger (echter und falscher Mehltau)  mit komplizierten Computerberechnungen zu verbinden. Herausgekommen ist VitiMeteo Peronospora (falscher Mehltau) und Oidium (echter Mehltau). Durch ein enges Netz von Wetterstationen an der Mosel können wir nun auch an diesem Warnsystem teilnehmen.

    Neben grundsätzlichen Erläuterungen zu diesen Pilzkrankheiten erklärte Herr Dr. Zispe VitiMeteo. Anhand verschiedener Grafiken mit diversen Kurvenverläufen (im obiger Grafik alleine 11 unterschiedliche Parameter)  erklärte er an einzelnen Parameter wie Temperatur, Regenereignisse, Dunkelheit, Blattfeuchte, Sporangiendichte, Rebwachstum usw. wie dieses Prognosemodell funktioniert und wie und wann wir Ökowinzer unsere Gegenmaßnahmen ergreifen können. Wobei uns die Computertechnik nur grobe Details anhand gibt. Das Feintuning muß immer noch der Mensch  übernehmen, der aus Erfahrung und Risikobereitschaft den tatsächlichen Einsatzpunkt unserer ökologischen Pfanzenpflegemittel bestimmt.

  • Ferrari-Rot

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    Endlich da, die neue Raupe in Ferrari-Rot.  Neuer, teurer, stärker und vor allem frauenfreundlich durch die Servounterstützung beim Lenken. Ich berichtete hier schon darüber. Stylistisch die Motorraumabdeckung, darunter größtenteils bekannte Technik, die ich im Fall eines Falles selbst reparieren kann. Das neue Hydrauliksysthem scheint erste Sahne zu sein. Auf das neue Kettenlaufwerk und die Federung des Fahrerstandes bin ich besonders gespannt.

    Die alten Anbaugeräte müssen noch an die Raupe angepasst werden. Das mitgelieferte Dreipunkt Hebewerk bereitet mir noch etwas Kopfzerbrechen.  Ich werde sicherlich noch einige Stunden in unserer Werkstatt mit flexen, schweißen, bohren und schrauben verbringen müssen bis alles wunschgemäß passt.

    Der erste Einsatz ist für morgen geplant. Wäre das Gerät noch nicht bezahlt, könnte die Finanzierung über ein Geschäftsmodell erfolgen, über das ich hier schon einmal berichtet hatte.