Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

Autor: Harald

  • Jungweinproben

    2011-01-05-adventskranz.jpg

    Nicht nur in meinem Weinkeller sind die Weine probierfähig. Auch unsere Kollegen denken ans Abfüllen und laden Freunde ein um den neuen Jahrgang zu verkosten.  Heute abend geht es per pedes auf den Weg zu Frank und Jutta Brohl ins Nachbardorf Pünderich um 2010er zu verkosten.

    Das es Wein gibt, weiß ich, aber gibt es dazu was zu Essen? Einen Imbiss? Ich lasse mich überraschen. Vor einigen Wochen gab es bei einer Winzerverkostung obigen essbaren Adventskranz, der gemeinhin als Reiler Gemüse oder Gehacks bekannt ist und über den ich hier schon einmal berichtete.

  • Es gibt Sachen, die gibt es einfach nicht

    2011-02-16-paket.jpg

    Endlich da! Hat zehn Monate gebraucht! Wenn es gestern nicht gekommen wäre, hätte ich in einigen Tagen einen bitterbösen Blogeintrag nebst Links hier getätigt.

    Ich wollte nur eine Weinbergsmaschine updaten.  Ein Teil, welches die Arbeitsweise verbessert, austauschen. Auf der Weinbauausstellung Intervitis, vor fast einen Jahr, wies mich der Hersteller auf Verbesserungen hin. Eine Woche später bestellte ich. Das war Anfang April. Im September rief ich an, es gab irgendwelche Ausflüchte. Im Januar dieses Jahres bei den Agrartagen in Niederolm wurde ich persönlich vorstellig. Sollte sofort abgeschickt werden, beschied man mich. Zwei Wochen später wurde ich etwas stinkig am Telefon.

    Hat geholfen, das Austauschteil kam.

    „Ein unzufriedener Kunde erzählt sein negatives Erlebnis im Schnitt an bis zu 10 Personen weiter, ein zufriedener Kunde nur an 3 Personen!“ 

    Meine Kundenzufriedenheit ist gegen null gesunken. Was wäre gewesen, wenn ich ein Ersatzteil schnell benötigt hätte? Ich wage gar nicht daran zu denken.

  • Finalprobe Zwanzigzehner

    2011-02-16-probe.jpg

    Gestern wurden die 2010er Rieslinge mit Freunden verkostet und bewertet. Sehr gut! Ich bin sehr zufrieden.  Frische Frucht, Eleganz und saftig. Die Säure harmonisch und durch die hohen Extraktgehalte sehr gut abgepuffert.  Noch extrem jung. Der sehr kalte Winter und der als Folge ebenfalls sehr kalte Weinkeller hat den Wein ganz langsam reifen gelassen.

    Genau das Gegenteil von dem, was noch vor einigen Monaten  allerorten prophezeit, herbeigeredet oder mies gemacht wurde. Ich berichtete hier ausführlich darüber.

    Anfang März soll abgefüllt werden.

    2011-02-16-rechnen.jpg

    Mit der Abfüllplanung  habe ich heute begonnen. Und da waren sie wieder : Meine Probleme! Die Mengen reichen nicht aus. Da wir nur eine 60% Ernte im Keller liegen haben, wird es von den einzelnen Weinen viel zu wenig geben. Das könnte heißen, dass wir den Mangel verwalten müssen. Es sind zwar noch einige Gitterboxen Flaschen mit vorangegangen Jahrgängen im Keller, aber leider auch nicht mehr so viele. Nun ja, die nächsten Weinernte ist ja schon in ein paar Monaten…

  • Pfeifende Weinfässer

    2011-02-07-fassvollpfeife.jpg

    Auf die Frage von Gästen, wie ich merke, das die Weinfässer voll werden, sage ich immer nur, das sie anfangen zu Pfeifen.

    Vor etlichen Jahren entdeckte ich auf einer Weinbaumesse die Faßvollpfeife. Seitdem ist sie mir eine wertvolle Hilfe beim Füllen der Weinfässer. Rechtzeitig pfeift das kleine graue Kästchen, ich kann die Pumpe ausschalten und nichts wird verschlabbert. Richtigerweise müsste ich sagen, dass die Pfeife schon fast eine ausgewachsene Sirene ist: Laut, nervig und nicht zu überhören.

    Wie das Teil funktioniert können sie aus den folgendenPressetext des Hersteller entnehmen:

    „Die Fassvollpfeife entstand aus dem Bedarf, daß beim Befüllen z.B. eines Weinfasses die ständige Kontrolle durch eine Person notwendig war, um das etwaige überlaufen des Fasses zu verhindern. Diese Kontrolle ist bei modernen Tanks, die mit Standglas ausgerüstet sind, kein Problem jedoch bei Holzfässern und vor allem Barriquefässern nur sehr mühsam zu bewerkstelligen. Diese Aufgabe wird gelöst durch ein System, das einen pneumatischen Druckschalter besitzt. Am Druckschalter, der im Gehäuse sitzt, ist ein dünner Schlauch angebracht, welcher allein in den Behälter eingeführt wird und allein mit der Flüssigkeit in Kontakt kommt. Steigt die Flüssigkeit im Behälter .über das Schlauchende hinaus, so wird die im Schlauch enthaltene Luft komprimiert. Der dadurch entstehende Druck schließt den Druckschalter. Ist der Stromkreis geschlossen so erzeugt der mit einer 9V-Blockbatterie betriebene Signalgeber den Warnton.“

  • zeitnahe Rückmeldung

    2011-02-07-arbeitsamt.jpg

    Ich hatte Anfang Dezember meine offene Lehrstelle bei der Jobbörse des Arbeitsamtes gemeldet, damit diese in das Internetverzeichniss der offenen Stellen aufgenommen wird. Nun kam ein Brief an, in dem mir mitgeteilt wurde, dass die offene Stelle noch nicht im Internet veröffentlicht ist. Ich wurde aufgefordert, dem Arbeitsamt mitzuteilen, ob mein Personalbedarf immer noch gegeben ist.

    Zudem wurde um eine zeitnahe Rückmeldung gebeten. Im Gegensatz zum Arbeitsamt habe ich mir nicht 9 Wochen Zeit gelassen, sondern zeitnah, innerhalb eines halben Tages, auf den Brief geantwortet. Im Antwortfax an das Arbeitsamt bat ich darum, in Zukunft meine Stellenangebote ebenfalls zeitnah zu bearbeiten. Das sollte im Zeitalter von Internet und E-Mail eigentlich selbstverständlich sein. Oder ist das Web 2.0 bei dieser Verwaltungsbehörde noch nicht angekommen?

    Der Ausbildungsplatz ist noch nicht besetzt. Wer Interesse hat kann sich noch bewerben. Die Stellenaus-schreibung  ist hier zu finden.

  • Newsletter No. 1: Eine Sau durchs Internet treiben, Hintergründe und ein Riesenschwanzvergleich

    Nun ist er da, der erste Newsletter aus dem Weingut Steffens-Kess. Nachdem etliche Leser dieses Blogs mir Ihre Meinung zu einem Newsletter kundgetan haben,  habe ich mich entschieden, ihn in unregelmässigen Zeitabständen zu veröffentlichen und ihn über den Newsverteiler den angemeldeten Lesern zu senden. Inhaltlich soll er über vergangene Blogeinträge zusammenfassend informieren, Hintergründe beleuchten und andere interesannte Begebenheiten aufgreifen.

    Wer sich noch nicht angemeldet hat, kann es in der linken Menüleiste nachholen.

    2010-12-26-wildschwein.jpg

    Eine Sau durchs Internet treiben:

    Eine Riesenresonanz im Internet gab es im Dezember für unsere Berichterstattung über den Schneewinter an der Mosel. Schnee an der Mosel in Mengen, wie alte Leute es noch nicht erlebt hatten. Das Nächtliche Treiben in der Reiler Goldlay war der erste Höhepunkt, der Knüller das Video vom Snowboardfahren zwischen den Rebstöcken im Burger Hahnenschrittchen und in der Reiler Goldlay. Die Idee schon Tage vorher ausgebrütet, ich war als Kameramann geplant, leider Gottes im Weinkeller als ich telefonisch abgerufen werden sollte, und so setzten Kollege Thorsten und Reece diese Idee alleine in die Tat um und Praktikantin Beate filmte. Eine gigantische Verlinkungswelle und Berichterstattung im Web war die Folge. Dank Iris fand auch eine schnelle Verbreitung im französischsprachigem Raum statt. Ein Bericht über dieses Treiben im Weinberg bei einem französischen Weinblogger wurde über 12 000 mal angesehen.

    Das Anfang Januar kommende Moselhochwasser nahm ich zum Anlass, fast live aus dem Weinkeller zu berichten, sozusagen den eigenen Untergang zu dokumentieren. Die Resonanz auf meine Artikelserie topte noch die Berichterstattung über den Schnee an der Mosel. Großen Anklang fand das Video mit der Bootsfahrt im Weinkeller. Neben einer intensiven Berichterstattung  in französischen MedienIris verbreitete meine Berichte und übersetzte sogar (tausend Dank nochmals) – gab es auch Lob über meinen Bürgerjournalismus von Manfred Klimek bei Captaincork und viele andere Weinblogs berichteten ebenfalls.

    Auf folgenden Blogeintrag und einen Kommentar von mir zum Thema Moselhochwasser möchte ich noch verweisen:

    Hochwasser 2011: 7371 Tage

    „Lieber Dirk,es ist nicht tragisch, die Mosel im Keller zu haben. Es gehört einfach zum Leben dazu wenn man direkt am Moselufer wohnt. Dieses Schicksal habe ich selbst gewählt. Tragisch ist es, wenn es in der Wohnung steht. Das kommt durch die Klimaänderung leider öfter vor. In den neunzigern des letzten Jahrhunderts gab es fast jedes Jahr ein Jahrhunderthochwasser – natürlich sind mir Jahrhundertjahrgänge beim Wein viel lieber – und die hatten es alle in sich. Dagegen ist das jetzige fast harmlos, noch zumindestens. Viele Grüße von einem entspannten Moselwinzer“

    Es ist halt einfach etwas ganz normales für einen Moselbewohner…

     Wikio - Top Blog - Wein

    Ein Freund machte mich darauf aufmerksam, das ich im Dezember Blogranking von wikio auf Platz 8 aufgerückt sein. Nun ja, nimmt man zur Kenntniss. Im Januar Blogranking, welches erst am 5. Februar veröffentlicht wird und schon vorab den betroffenen Blogs heute mitgeteilt wurde, bin ich auf Rang 9 abgesunken, obwohl ich durch die Hochwasserberichterstattung bedeutend mehr Links zu meinen Seiten erhalten habe. Ist mir aber auch egal. Meine Seiten werden gelesen und die Resonanz ist sehr gut.

    Passenderweise gab es heute wieder Riesenschwanzvergleiche. Wer hat den größten, den dicksten usw.  Sind halt kleine Jungen Spiele…

    Verhalten die Diskussion bei Dirk Würtz,  der Riesenschwanzvergleich bei Michael Liebert ist ein Witz. Platz Nr. 1 bei Michael ist das Pressemitteilungs- verteilungsportal nikos-weinwelten, dass anhand eigener Mediadaten bewertet wird – Ich würde auch meine Zahlen nach oben korrigieren, wenn ich Werbung hier auf diesem Blog verkaufen würde – der Brüller ist Platz 2  Captaincork dessen Zugriffzahlen einfach erwürfelt geschätzt wurden.

    Lieber Herr Liebert, könnten Sie mein Blog, die Bildergeschichten aus dem Weingut Steffens-Keß, auch einmal schätzen?

    Vor etlichen Jahren gab es diese Hitlisten nebst erregten Diskusionen schon einmal. Es wiederholt sich. Ich brauche das nicht. Meine Zugriffzahlen gehen nur mich etwas an und sagen nichts über die Qualität meines Blogs aus. Aber wenn ich ehrlich bin, ich hab gerade nachgeschaut, ich habe ihn, den größten und…..

  • Aromaschonung

    2011-02-01-thermometer.jpg

    Schweinekalt war es heute im Weinkeller. Seit Tagen läuft schon der Ventilator und schaufelt kalte Aussenluft in den Keller um die vom Hochwasser schon gut gekühlten Weine noch weiter abzukühlen.

    Aromaschonung ist das Stichwort. Jede Maßnahme am Wein, sei es einfaches umpumpen oder filtrieren,  führt zwangsläufig zu Aroma- und Gärungskohlensäureverlusten.  Um diese Verluste zu minimieren kommt neben dem handwerklichen Geschick auch die winterliche Kälte hinzu.

    Daher hieß es heute beim filtrieren: Frieren für die bessere Weinqualität und für spritzige Moselrieslinge.

  • Weinrallye 41: Sandwichweine

     weinrallye_140.jpg

    „Die meisten Weine der Welt werden jung auf den Markt gebracht, und bald danach auch getrunken. Nicht nur ausgesprochenen Primeur-Weinen, die schon vor dem Ende des Erntejahres abgefüllt werden, sondern auch mittleren und gehobenen Qualitäten wird selten mehr als ein Jahr in der Flasche vergönnt.

    Neben der dominierenden Masse der Jungweinliebhaber gibt es aber auch eine kleine Gruppe von Weinfreunden, die gereifte Weine hochhält. Jahre- und jahrzehntealte Spitzengewächse werden zu schier unglaublichen Preisen gehandelt.

    Was ist aber mit den Weinen dazwischen? Der soliden Mittelklasse, die zwar nicht für Jahrzehnte gemacht ist, der aber zwei, drei, vier Jahre in der Flasche auch sehr gut tun können?

    Wie schmecken solche “Sandwich-Weine” zwischen unbändigem Jugendcharme und der noblen Größe des Alters? Welche Sorten und/oder Weinstile präsentieren sich in dieser Entwicklungsphase besonders schön? Und welche weniger?“

    So das Thema der Weinrallye die von meinem Kollegen Bernhard Fiedler aus Österreich ausgerufen wurde.

    2011-01-27-brohl.jpg

    Im Kühlschrank wie so oft wieder fündig geworden. Ich habe den Eindruck, das der, der jeweils die Weinrallye veranstaltet vorher einen Blick auf meine Weinbestände geworfen hat. Bisher mußte ich mir erst zwei mal Weine für diese Verkostungen extra besorgen.

    Goldgelb im Glas, sehr schmelzig mit leichter Botrytisnote, dezente Süße: 2005er Pündericher Marienburg Riesling feinherb. Eine sehr große Spätlese von meine Freund und Kollegen Frank Brohl.  Die Süße nicht überbordend wie man sie sehr oft bei Dessertweine hat, eher perfekt dezent, die Säure für einen Moselriesling etwas weich und eine wunderbare Opulenz. Machte noch sehr viel Spaß beim zweiten Glas. Mit einen Alkoholgehaltvon 13% ein richtig dickes Schiff, bei dem Frank sehr tief gestapelt hat. Die Bezeichnung Auslese würde dem Wein eher gerecht. Perfekt gereift und hat sicherlich noch weiteres Reifepotential welches ich leider nicht mehr erforschen kann, da es sich um eine Einzelflasche handelte.

    Schade, daß man Wein nicht streicheln kann, sagte Kurt Tucholsky. Diesen Wein würde ich gerne streicheln.

  • Eimerträger

    2011-01-27-eimer.jpg

    Heute haben wir die Agrar- und Weinbautage Rheinhessen in Nieder-Olm bei Mainz besucht. Eine Messe der kurzen Wege. Klein und fein, regionale Anbieter, man kennt sich, trifft viele Kollegen und eine Maschinenausstellung fürs normale Weingut. Auch kleinere Aussteller mit interesannten Produkten waren vertreten, da die Standmieten viel günstiger sind wie auf großen Messen. Natürlich lag der Schwerpunkt auf der Weinbautechnik für tellerebene Weinberge, wie sie in Rheinhessen vorherrschend sind. Vielleicht ist in den nächsten Jahren vermehrt Steillagentechnik zu sehen, da immer mehr Winzer aus den deutschen Steillagenweinbaugebieten diese Messe besuchen.

    Der eigene Lehrling und der eines Kollegen wurden zwecks Weiterbildung mitgenommen. Ob die beiden etwas gelernt haben weiß ich nicht, aber der als Werbegeschenk vom Lehrling mitgenommene Eimer war auf jeden Fall praktisch für mich. Mein Prospektmaterial fand darin Platz und ich hatte die Hände frei, da ich ja zwei Eimerträger dabei hatte.

  • Rankpflanzen

    2011-01-20-ranken.jpg

    Die letzen kalten Wochen und das Moselhochwasser ließen die Arbeit im Weinberg ruhen. Seit einigen Tagen sind wir wieder im Weinberg aktiv und haben mit dem Rebschnitt begonnen. Endlich wieder an der frischen Luft und viel Bewegung!

    Der Rebschnitt, die arbeitsintensivste Arbeit an der Weinrebe und noch dazu bei einer der arbeitsintensivsten Rebsorten. Der Riesling bildet bedeutend mehr Ranken aus als andere Sorten. Gegenüber dem Silvaner werden ca 50% mehr an Arbeitszeit benötigt um das nicht mehr benötigte festgerankte einjährige Rebholz aus dem Drahtrahmen zu entfernen. Aber wir machen das ja gerne für unseren Riesling, der uns mit seinem Wein mehr als genug dafür entschädigt.