Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

Kategorie: Allgemein

  • Krummes und Bast

    Auch heute noch ein wichtiges Arbeitsgerät: Das Krummes. Kommt von krummes Messer. In anderen Dialekten als Sesel, im hochdeutschen als Winzerhippe oder Gärtnermesser bekannt. Ist immer in der Tasche und einsatzbereit, denn zu schneiden gibt es immer mal was und wenn es nur ein hartnäckiges Unkraut ist, dass vom Mähgerät verschont wurde.

    Dieser Tage als alleiniges Werkzeug mit dem Bast und dem Winzer im Weinberg unterwegs gewesen.

    Der Naturbast, der von der Raphia Palme gewonnen wird, dient dazu,  junge Reben fest zu binden.  Besser und ökologischer als moderne Plastikbindematerialien oder Kunstbast, die nicht verrotten oder sich beim Rebschnitt nicht durchschneiden lassen.

    Krummes, Naturbast, flinke Finger und die jungen Reben sind schnell an den Pflanzstäben festgebunden.

    Eine noch älteres Bindematerial war das Langstroh, dass, als neben den Reben es noch Vieh auf den Weingütern gab, verwendet wurde. Ich selbst kenne es nicht mehr, aber mein Kollege Bernhard Fiedler aus Österreich verwendet es noch und beherrscht die Verarbeitungsweise.

  • Blasenbildung

    Des Steillagenwinzers Los. Die Arbeitshandschuhe natürlich nicht angezogen und nun hat man die Bescherung.

    Die Handhacke ist schuld. Per Hand sind wir dabei, im Unterstockbereich die Brennesseln zu entfernen. Die Brennessel ist die Wirtspflanze der Glasflügelzikade, die die Reben mit der Schwarzholzkrankheit (Bois noir) infiziert. Ich berichtete hier über diese Rebkrankheit und deren Bekämpfung. Das ganze nennt man biologischen Pflanzenschutz.

    In flachen Weinbergen gibt es für den Bereich unter dem Rebstock an den Schlepper anbaubare Technik,  im weniger mechanisierbaren Steilhang ist Handarbeit angesagt.

    Der Regen hat in den letzten Tagen den Boden dermassen durchfeuchtet, das das herausziehen der Brennesseln nebst Wurzeln „relativ“ einfach vonstatten geht, von der Blasenbildung an den Händen einmal abgesehen.

  • Pünktlich

    Pünktlich, genau im langjährigen Durchschnitt, der Austrieb der Reben.  Die vergangenen warmen Tage haben das Wachstum stark beschleunigt.

    Die Frostnacht vom 17. April mit minus 5,4 Grad haben die Rebknospen überraschenderweise fast ohne Schäden überstanden, Fraßschäden durch den Rhombenspanner halten sich in Grenzen und Regen gab es mittlerweile auch reichlich.

    Beste Bedingungen jetzt am Anfang des Rebenwachstums. Der Winzer ist momentan wunschlos glücklich.

  • Schippchen

    Trotz modernster Technologie gibt es in unserem Weingut noch richtige Low-Tech Werkzeuge. Hier das berühmte Schippchen, eine Handschaufel. Nicht zu verwechseln mit dem Kinderspielzeug im Sandkasten. Dient dazu den Fledermausguano, über den ich hier berichtete, im Weinberg zu verteilen.

    Da dieser wertvolle Humusdünger klebrig und feucht ist, lässt er sich nicht mit dem vorhandenen Schleuderstreuer  oder Kastenstreuer ausbringen. Also den Fledermausmist in die Transportpritsche des Kettenschleppers füllen, ich sitze mit Schippchen in der Hand auf der Fledermauskacke und Lehrling fährt die Raupe. Den Dünger mit einer geschickten Handbewegung flächig zu verteilen klappt gut. Ich habe ja lange Jahre Erfahrung darin. Dem Lehrling gleichzeitig Fahruntericht zu geben und die eigene Angst zu unterdrücken ist eine andere Geschichte.

    Als altgedienter Steillagenwinzer gibt es immer noch Momente, in denen man doch etwas Muffensausen hat und die Hoffnung, dass der Azubi, entgegen seinem sonstigen Verhalten, die Anweisungen lückenlos versteht und auch fehlerfrei in die Tat umsetzt.

  • Innovativ

    Endlich da, der Traubenvollernter für den Steilhang. Nicht der, über den ich schon vor Jahren berichtet hatte, der nur Forschungsgelder gekostet hat und der falsche Lösungsansatz war. Ein Versuch Technologie der Flachlage an den Steilhang zu adaptieren. Einsatzgewicht von ca. 4 Tonnen, Bergauf mittels zweier Seilwinden gezogen und oben auf dem Weg entsprechende Gegengewichte. Das konnte nicht klappen, ich schrieb ich schon damals darüber. Über dieses Groschengrab redet mittlerweile keiner mehr.

    Ein neuer Lösungsansatz wurde von einen Landmaschinenhändler ersonnen und vor einigen Tagen der Öffentlichkeit vorgestellt. Aufgebaut auf eine große Weinbergsraupe, mit einer sehr leichten Bauweise und einem innovativem Erntesystem, wurden im letzten Herbst die ersten Versuche mit dem Prototyp durchgeführt. Die Ergebnisse sind vielversprechend. Der Traubentransport innerhalb der Erntemaschine ist noch zu verbessern und die Konstruktion sollte noch von einem Maschinenbauingenieur optimiert werden. Steigfähigkeit bis 70% ist richtig gut und ich hoffe, das diese Maschine einsatzfähig wird.

    Wenn in Jahren wie 2006 und 2010 fäulnissbedingt schnell abgeerntet werden muß, oder noch viele Trauben hängen und eine Schlechtwetterfront sich ankündigt und die Handlese zu zeitaufwendig ist, auch eine qualitativ positive Maßnahme. Natürlich nur in Verbindung der vorhergegangenen selektiven Handlese.

  • Lachrymae Vitis

    Die Rebe weint Tränen, auch Aqua Vitis oder Lachryma Vitis von den alten Gelehrten genannt. Die Rebwurzeln drücken Wasser und Nährstoffe in die Leitbahnen, welches an der Schnittstelle austropft bis die Leitbahnen verstopft sind. Für uns der Beginn der neuen Vegetationsperiode und eines Neuen Lebenszyklusses. Der Frühling ist da!

    In früheren Zeiten sogar als Heilmittel verwendet:

    • Gegen Warzen aber für die Schwangere,
    • Für Kopf, Magen, Darm, Niere und Blase
    • Ein Antialkoholicum?
    • Gegen Brechreiz
    • Gegen Sommersprossen und nicht bewältigte Schrecken
    • Gegen Zahnschmerz
    • Für Haut, Augen und Ohren aber gegen die Haare

    Wobei letzteres mich auf eine Idee bringt. Da hatte ich doch schon mal vor ein paar Monaten über Wellness beim Winzer und Anti-Age-Creme in einem Newsletter geschrieben.

    Liebe Leser: Ab sofort nehme ich Bestellungen entgegen. Nur kurz lieferbar für den sofortigen Verbrauch. Lachryma Vitis gegen alles und jedes, für die zarte Haut, besseres sehen und hören und gegen Damenbärte und Nasenhaare.

  • Der Tote im Hochwasser

    Trier Krimis gibt es, Koblenz Krimis gibt es ebenfalls, aber dazwischen, an der Mittelmosel bei uns, da gab es bis jetzt gar nichts. Bisher eine heile, friedvolle Welt ohne Erpressung, Mord, Todschlag und vergiftete Hunde. Das hat sich nun geändert, seit dem sich Peter Friesenhahn, Musiker aus unserem Nachbarort Pünderich, dem Schreiben gewidmet hat.

    Spannend die Texte, die er gestern abend bei der Autorenlesung vorlas. Da ich Peter Friesenhan schon seit langer Zeit kenne, gehe ich davon aus, dass die vier Kurzkrimis in seinem Buch mich begeistern werden. Daher, bevor ich das Buch gelesen habe, schon meine Leseempfehlung:

    Der Tote im Hochwasser von Peter Friesenhahn, erschienen im Rhein-Mosel-Verlag ISBN Nummer 978-3-89801-050-4.

    Ebenfalls zu empfehlen ist das Verlagsprogramm der Rhein-Mosel-Verlages, der sich auf Literatur von Rhein, Mosel, Eifel und Hunsrück spezialisiert hat und nebenbei auch ein Faible für die Autorin Clara Viebig hat.

  • „Flaschenpost“ oder „In Gottes Frieden“

    Schon etwas länger her, bei einem mittelprächtigen Moselhochwasser. Meine Kinder kamen aufgeregt in den Weinkeller zu mir, den ich hochwassersicher machte. Eine Flaschenpost wäre die Mosel hinuntergeschwommen, sagten die Kiddies und weg waren sie wieder. Aber nur kurz, denn mit dem Ruf: Da kommen noch mehr Flaschen die Mosel runter geschwommen, kamen sie kurz darauf wieder zurück. Als ich selbst nach der Flaschenpost schaute, waren diese abgelöst von gelben Säcken, die die Mosel hinuntertrieben. Der Nachbar, einige Häuser weiter, war die Ursache….

    Man hat das Gefühl, das es immer noch an Umweltbewußtsein mangelt. Einfach alles in die Landschaft werfen, entsorgen. Aus den Augen aus dem Sinn, soll sich jemand anderes drum kümmern.

    Darum war heute Dreck-weg-Tag in Reil. In der Natur entsorgter Abfall wurde mühsam wieder aufgesammelt. In einzelnen Gruppen wurde heute die Gemarkung Reil durchkämmt. Mit meiner Gruppe suchten wir das Moselufer, einige Feldwege und einen Bachlauf ab, man kennt ja die Ecken.

    Plastikverpackungen, Glasflaschen, Computer, volle Müllsäcke, Einzelteile eines Kühlschrankes und vieles mehr wurde aufgesammelt. Obigen Grabstein haben wir jedoch am Moselufer liegen gelassen. Zu schwer! Da hatte sich einer die Mühe gemacht, den Stein sehr weit vom Friedhof zu entsorgen. Wahrscheinlich vor längerer Zeit, denn bei dem heutigen Umweltbewußtsein und Strafen bei illegaler Entsorgung, wäre die Grabinschrift so gut wie eine Visitenkarte des Umweltfrevlers.

    Am Ende war ein großer Abfallcontainer gefüllt, es gab ein gemeinsames Helferessen und Reil, zumindest die Gemeindeeigenen Flächen, sind nun müllfrei.

    Es blieben nur die privaten Schandflecke…

  • Ökologische Weinkultur – über Winzer, Bioweine und Neues von ECOVIN

    Ganz Neu im Netz! Unser Ökoverband ECOVIN ist in den Internetnetzwerken angekommen. Seit zwei Wochen gibt es einen Blog: Ökologische Weinkultur – über Winzer, Bioweine und Neues von ECOVIN, seit gestern dazu passend die Facebookseite.

    Noch jung und neu, hoffe ich, daß sich dort in Zukunft einiges tut. Das meinige werde ich dazu beitragen, denn ich bin einer der Administratoren und Redakteur dieser Seiten.

    Zeitgleich läuft auch schon die erste Blogger-Aktion: Zeit für Biowein!  Infos und weiterführende Links gibt es bei Dirk Würtz, der die Betreung dieser Aktion übernommen hat.

  • Eiszeit

    Die kalten Temperaturen hinterlassen nun auch auf der Mosel ihre Spuren. Während durch die starke Wasserströmung bei Reil die Mosel noch Eisfrei ist, hat man bei Zell schon eine geschlossene Eisdecke. Zwei Tage sind noch tiefe Frosttemperaturen gemeldet, dann soll es wärmer werden.

    Das lässt mich an den verheerenden Eisgang von 1997 denken. Binnen weniger Minuten stieg durch einen Eisstau die Mosel um mehrere Meter und der vor unserem Haus gelegene Moselparkplatz war mehrere Wochen meterhoch mit Eisschollen bedeckt. Alf, einige Kilometer Moselabwärts gelegen, wurde durch den Eisgang damals überschwemmt. Hier gibt es ein Video darüber, ab der 8. Minute wird es spannend.