Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

Kategorie: Allgemein

  • Es gärt

    Die Berliner Theatergruppe Weinkörper war gestern Gast im alten Casino in Trarbach.

    „Die Theatertruppe inszeniert in dem Stück, deutsche Weine auf völlig neue Art. Die Schauspieler von WEINKÖRPER performen Weine, sie verwandeln sich in Rebsorten, reißen das Publikum in die rauschende Gärung aus Kultur und Genuss. In einem Roadmovie durch die deutschen Weinprovinzen entfalten sich skurrile Geschichten über wahllose Geschmäcker und eine neue Lust zu genießen. … Die Weine entdecken Verwandtschaften, Anknüpfungen, Inspirationen. Sie gären, verwandeln sich im Rausch der Erzählungen; in rasanter Geschwindigkeit entfalten sich Szenen deutscher Weinkultur über Eisweine im Klimawandel, Schlägereien mit Weinkritikern in Düsseldorf und Riesling-Ekstasen in Berliner Szene-Clubs, bis eine neue Genusskultur aufscheint und die Sinne des Publikums provoziert – der Theaterraum wird zum Gärtank.“

    So ein Auszug aus der Pressemitteilung der Trarbacher Tourisstinformation.

    Und so war es: Wir wurden in den Rausch der Gärung mit hinein gerissen und in rasanter Geschwindigkeit erzählten die Akteure auf der Bühne mit Ihren Körpern, Mimik und Sprache Weingeschichten!

    Für alle Weinlienhaber ein muss! Leider gibt es dieses Jahr nur noch eine einzige Show, heute abend, im alten Casino in Trarbach. Termine für die nächste Saison können sie demnächst der Homepage von Weinkörper entnehmen.

  • Bois noir

    Bois noir, allgemein als Schwarzholzkrankheit bekannt. Die einjährigen Triebe verholzen nicht oder nur unvollständig. Diese sterben langsam im Winter ab und färben sich schwarz. Verursacher sind Bakterien, die durch die Glasflügelzikade auf die Rebe übertragen werden.

    Die Glasflügelzikaden  haben als Wirtspflanze die  Große Brennnessel.  Das erwachsene Tier bleibt in der Regel am selben Brennnesselhorst und fliegt sehr wenig umher. Wird jedoch die Brennnessel in der Flugphase beseitigt oder gemäht, so sucht sie intensiv nach neuen Wirtspflanzen. Bei diesen Suchstichen wird irrtümlich oft eine Rebpflanze angestochen und dabei infiziert.

    Als jetzt mögliche alleinige Maßnahme bleibt mir nur der Weg, die Rebe bis auf einen kleine Stammrest zurück zu schneiden. Sozusagen das von Bakterien befallene Rebholz komplett zu entfernen. Aus den im kommenden Frühjahr sich neu bildenden Trieben kann der Rebstock dann wieder aufgebaut werden. Leider gibt es ein Jahr keine Ernte von diesem Rebstock und es waren in der heute geschnittenen Rebanlage viele Stöcke, die stark zurück geschnitten werden mußten.

    Nächstes Frühjahr wird der Lehrling die wenigen Brennesselhorste mit der Hacke in Handarbeit beseitigen müssen. Die Larven der Zikade verhungern, da ihnen ihre Nahrungsgrundlage entzogen wird und es wird keine umherfliegende Grasflügelzikaden geben (hoffentlich!), die meine Reben schädigen und zu Ertragsausfällen führen.

    Leider ist die zunehmende Verbreitung dieser Zikadenart ein Nebeneffekt der Klimaerwärmung. Wärme Standorte mit schottrigen Böden, also unsere Schiefersteillagen,  sind vermehrt betroffen und der von uns angebaute Riesling ist auch noch anfälliger gegen diese Bakterien. Passt wieder alles…

  • 19. internationale Bergweinverkostung

    CERVIM, das Forschungs- und Studienzentrum zur Wertschätzung des Weinbaus in den Bergregionen, hatte zur Preisverleihung für die deutschen Teilnehmer geladen. Bei der internationalen 19. Bergweinverkostung, gab es für die deutschen Steillagenwinzer jede Menge Medaillen abzuholen.

    Empfang vor dem Steillagenkompetenzzentrum in  Bernkastel-Kues mit Trommelwirbel (Weltklasse!), dann die Begrüßung durch deren Leiter Hubert Friedrich, eine Laudatio des scheidenden Präsidenten  der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion Trier, Herrn Dr. Peter Mertes, danach die Politiker, die das übliche Nichtssagende als Laudatio von sich gaben. Unsere Blicke richteten sich währenddessen durch die Innenfenster zum Weinprobenraum – die Probenweine wurden so langsam warm – aber die Laudatoren bemerkten nicht unsere sehnsüchtigen Blicke. Kurz und schnell die Verleihung der Urkunden und die Siegerweine konnten im Anschluss verkostet werden.

    Auch ich konnte mir eine Goldene Medaille umhängen. Die dazu gehörende Urkunde wird neben vielen anderen nun unsere Probierstube schmücken. Wieder eine Bestätigung für uns, das unsere Weine nicht zu den schlechtesten gehören, egal, was man über solche Weinwettbewerbe denken mag.

  • Winzertreffen

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    Viele kamen zum heutigen Weinbergsrundgang mit Erfahrungsaustausch, zu dem Peter Gänz, unser Ökoberater und ich geladen hatten. Sehr erfreulich war, dass sehr viele konventionell arbeitende Winzer sich informieren wollten. Weinberge besichtigend und diskutierend gingen wir von der Reiler Brücke aus in die höher gelegenen Weinberge der Reiler Goldlay. Sehr interessant an der Reiler Goldlay ist, das es dort viele Weinberge von verschiedenen Biowinzern gibt und daraus natürlich Diskussionen über die unterschiedlichen Weinbergspflegemöglichkeiten entstanden.

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    Von allen Winzern natürlich spannend erwartet, die Maschinenvorführung einer Spatenrollegge. Ein Arbeitsgerät zur Bodenlockerung mit geringen Zugkraftbedarf, das leicht ist und als Gebrauchtgerät fast nichts kostet. In der Landwirtschaft vor allen zur Bearbeitung steiniger Böden eingesetzt, hat Peter Gänz dieses Gerät für den Weinbau entdeckt. Um eine gute Arbeitsqualität zu erreichen muß mit hoher Geschwindigkeit gefahren werden, was natürlich sehr rationell  ist.

    Das normalerweise an einem großen Traktor im elterlichen Weingut unseres Bioberaters angebaute Gerät sah an meinem „kleinen“ Kettenschlepper monströs aus.

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    Da die Dreipunktanhängung der Spatenrollegge eine andere ist als an meiner Raupe, musste winzertypisch mit einen Weinbergsdraht nachgeholfen werden, was Belustigung unter den Winzern hervorrief. Für die eine Rebzeile bei der Vorführung reichte diese Befestigungsart aus.

    Die Vorführung klappte sehr gut. Es war sehr interessant, wie bei dem jetzt sehr trockenen und harten Boden eine zehnjährige Begrünung umgebrochen werden konnte. Auch die Arbeitstiefe war beachtlich. Das hatten alle anwesenden Winzer diesem Gerät nicht zugetraut. Das Ergebniss dieser Maschinenvorführung beeindruckte einige Kollegen so sehr, das sie über ein Anschaffung laut nachdachten.

  • Nachpflanzen

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    Heute konnte in den letztjährig angepflanzten Weinbergen endlich der Lückenschluß gemacht werden. Etliche Reben waren durch die letztjährige Julitrockenheit, trotz wässern meinerseits, so geschädigt, dass sie das Wachstum dieses Jahr einstellten.

    Normalerweise werden im Frühjahr Stecklinge gepflanzt. Da bei der extremen Fühjahrstrockenheit diese Stecklinge nicht überlebt hätten, wurden  sogenannte Topfreben gepflanzt. Dazu gab es noch ausreichend Wasser in der Hoffnung, das alle frisch gepflanzten Reben anwachsen.

    Da die Reben händisch gepflanzt wurden, – mit der Hacke ein Loch graben, die Reben einsetzen, das Loch halb verfüllen, Wasser geben, das Loch ganz verfüllen und dann die grünen Triebe festbinden – brauchte das Nachpflanzen einiges mehr an Zeit wie die eigentliche Pflanzung im letzten Jahr mit dem Lohnunternehmer.

  • Bis zum Horizont

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    Weinberge bis zum Horizont. Und alles uns. Fast! Es wäre unser größter Rieslingweinberg geworden, wenn denn ein älterer Winzer, dessen Weinberg wir umzingelt haben, uns seine Parzelle verpachtet oder verkauft hätte. Er wollte aber nicht, bzw. setzte den Preis derart hoch an, daß uns die Lust auf „Ist alles uns“ verging.

    Nun haben wir eine Weinbergsbrache umzingelt. Gnädigerweise habe ich die Erlaubnis des Besitzers bei aufkommendem Busch- oder Baumbewuchs zu mähen, damit Fraßschäden durch Vögel verhindert werden, bzw. Wildschweine sich dort nicht einnisten.

  • Überraschung

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    Überraschung! Eine, die man nicht gebrauchen kann. Die Steigeisenkette des Raupenschleppers ist gestern gerissen. Vermutlich immer noch eine Kette aus einer fehlerhaften Produktionsreihe. Schon im letzten Jahr riss mir an der alten Weinbergsraupe eine neue Kette nach wenigen Betriebsstunden. Das gleiche berichtete ein Kollege aus dem Nachbardorf. Wird zwar über Garantie abgewickelt, kostet aber Zeit und Nerven.

    An ein Weiterarbeiten ist nicht zu denken, denn die Kette könnte vollständig reissen und dann würde es sicherlich spannend im Steilhang. Mal abgesehen von nicht kontrollierbaren Fahrverhalten der Raupe, habe ich keine Lust am Hang eine Raupenkette aufziehen.

    Nun heißt es auf die Spedition warten, die hoffentlich heute noch Ersatz bringt.

  • Reichlich!

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    Der Riesling ist mittlerweile erbsendick und reichlich vorhanden. Zur Zeit ist alles im optimalen Bereich. Bodenfeuchtigkeit ist reichlich da, der Vegetationsvorsprung liegt immer noch bei drei Wochen, Pilzkrankheiten habe ich in meinen Weinbergen noch nicht gesichtet und die Temperaturen sind für den Moselriesling auch im optimalen Bereich.

    Man soll ja den Tag nicht vor dem Abend loben, aber trotzdem ein kleines Prognöschen: Es könnte eine gute Ernte geben, quantitativ und qualitativ. An Hagel und andere Unbilden der Natur, die mir noch einen Strich durch die Rechnung machen könnten, mag ich natürlich gar nicht denken.

  • Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt

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    Minutiös war letzte Woche alles geplant: Weinbergsarbeit, Weinflaschen etikettieren, Kundenbesuche im Weingut usw. Der Nasse Boden machte des öfteren einen Strich durch die Rechnung und dann, als logische Konsequenz, kam es dann ganz anders und zweitens als man denkt.

    Gestern waren die Böden soweit abgetrocknet, das ich wieder problemloser mit dem Raupenschlepper den Laubschnitt fortführen konnte. Eine Leckage an einem der Hydraulischen Antriebsmotoren des Laubschneiders ließ mich anhalten um der Sache auf den Grund zu gehen. Durch Festziehen einer Reduzierhülse wollte ich den Ölverlust verhindern. Die Hülse saß schon fest – durch einen Haariss leckte es – und nach fest kommt bekanntlich ab und ich hatte den Salat als ich den Schraubenschlüssel ansetzte. War natürlich Samstag und keine Ersatzteile zu bekommen.

  • Rebblüte

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    Die Rieslingblüte hat eingesetzt. Dies ist der früheste Blütebeginn seit es Aufzeichnungen gibt. Der Entwicklungsvorsprung zum langjährigen Mittel beträgt etwa 20 Tage.

    Das ist nicht unbedingt gut. Für die Aromaausbildung der cool climate Pflanze Riesling sind kühle Nächte während der Reifephase wichtig. Je früher die Blüte, desto wahrscheinlicher ist es, das die Reifezeit in den August mit warmen Nächten fällt. Aber was jammere ich: Jahre mit einer frühen Blüte waren immer gute Weinjahre.

    Wichtig sind jetzt warme Temperaturen damit die Trauben gut verblühen und danach Regen für alle Winzer, damit die Trauben an Größe zulegen können.