Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

  • Entlasten

    Erwartungsgemäß sehen wir seit einigen Tagen die ersten stärkeren Trockenstresssymptome. Vertrocknete Triebspitzen, Rebblätter, die sich von der Sonne wegdrehen und beginnende Blattaufhellungen sind fast überall zu sehen. Baldiger Regen ist dringend notwendig, aber leider nicht in Sicht.

    Die Reben schaffen es bei jüngeren Weinbergen oder wenn der Fels hoch ansteht, nicht mehr genügend Wasser aus dem Boden zu ziehen. Wir haben in den betroffenen Weinbergen reagiert und ganze Fruchtruten mit Blättern und Trauben abgeschnitten. Dieses Entlasten bewahrt die Stöcke vor dem Kollabieren bzw. schützt vor längerfristigen Schädigungen.

     

    Ich habe dieses Jahr das ungute Gefühl, dass wir diese Entlastung in weiteren Weinbergen durchführen müssen.

  • Food Pairing

    Ein Themenbereich, den ich hier im Blog bislang etwas vernachlässigt habe: Wein und Essen! Zu einem guten Essen, einem edlen Menü oder zu kleinen Snacks passt eigentlich immer ein Glas Wein. Im Idealfall ergänzen sich Wein und Essen. Man kann es auf die Spitze treiben und versuchen, zu jeder Speise den passenden Wein zu finden. Nennt man Food Pairing.

    Die Frage „Welcher Wein zu welchem Essen?“ lässt sich aber auch ganz unkompliziert beantworten: jeder, der dir zu diesem speziellen Essen schmeckt. Erlaubt ist, was gefällt!

    Die wichtigste Regel, die unbedingt zu beachten ist: kein Bier zum Essen! Aber nicht nur zum Trinken ist Wein da. Zum Kochen sehr gut verwendbar. Z. B. Braten, drei Tage in unserem Riesling-Weinessig und einer Flasche Reiler Goldlay gebadet. Verfeinert mit den üblichen Zutaten von Zwiebeln, Möhren, Lorbeer und einigem mehr. Scharf angebraten und bei Niedertemperatur gegart. Fisch kann man unter Zuhilfenahme von Wein und Essig dünsten. Als Beispiel die Forelle blau oder der Aal grün. Eine weitere Variante der Weinverwendung in der Küche ist das beizen oder marinieren. Ideal für diese Küchenverwendung ist unser Riesling bzw. der daraus hergestellte Rieslingessig. Der Fischgeschmack wird durch die elegante Rieslingaromatik unterstützt.

    Man könnte die Aufzählung noch seitenlang fortsetzen und ergänzen. Die Möglichkeiten sind fast unendlich…

    Zum Thema Wein und Essen noch eine weitere, letzte, sehr wichtige Regel: Man muss nicht essen, wenn man trinken will!😉

  • Reichlich

    Die jungen Beeren sind nach der Rebblüte gut gewachsen. Reichlich Trauben hängen in den Rebstöcken.

    Aus jeder Rebknospe kam ein Trieb, da die Knospenschädlinge keine Zeit hatten, diese zu schädigen. Der Blütenansatz war sehr gut und die Blüte ist, bis auf einige Ausnahmen, gut verlaufen. Die Mengenaussichten für den 2022er Jahrgang sind bis jetzt hervorragend.

    Die Weinberge sehen zurzeit vital und saftig grün aus. Der Vegetationsvorsprung liegt bei ca. zwei Wochen. Die bisherigen, wenigen Sommerregenfälle kamen an unserer Moselschleife immer im letzten Moment. So langsam dürfte muss es wieder regnen. Das chronische Wasserdefizit kann man an den Triebspitzen sehen. Normalerweise gekrümmt und Wachstum anzeigend, richten sie sich zurzeit auf und hören mit dem Wachsen auf. Der Wassermangel wird immer sichtbarer.

    Ich rechne damit, dass nächste Woche die ersten Trockenstresssymptome auftreten. Die Temperaturen sollen ansteigen und damit die Verdunstung. Es ist kein weiterer Regen in Sicht. Durch die UV Strahlung aufgehellte Blätter, diese dann noch durch den Wassermangel von der Sonne weggedreht und verkümmerte Triebspitzen dürften dann zu sehen sein.

  • Sixpack?

    Falsch sitzende Sixpacks? Kampfanzug á la Batman, Superman oder ähnlicher Comic Superhelden?

     

    Weit gefehlt! Zwar auch eine Art „Kampfanzug“, aber für den Winzer und gegen hohe Temperaturen. Kühlbekleidung heißt das Zauberwort. Die tragbare Klimaanlage für Berufe, die bei hohen Außentemperaturen arbeiten müssen. Vor längerer Zeit bin ich über die landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft darauf aufmerksam geworden. Da die Arbeitsleistung bei hohen Temperaturen abnimmt, kam uns diese „mobile“ Kühlanlage genau recht, damit die Arbeitsleistung und das persönliche Wohlempfinden gesteigert wird.

     

    Bei der Klimaanlage zum Anziehen sind in den sogenannten Sixpacks spezielle Kunststofffasern eingenäht. Das Shirt wird unter dem Wasserhahn gut durchnässt und anschließend das überschüssige Wasser ausgedrückt. Das Shirt ist innerhalb von Sekunden trocken und einsatzbereit. Nun sind etwas über einem halben Liter Wasser im Gewebe gespeichert. Durch langsames (!) Verdunsten über viele Stunden wird die Haut darunter um bis zu 12 Grad abkühlt.

     

    Durch den körpernahen Schnitt, und die gute Passform auch gut unter dem Hemd oder T-Shirt tragbar. Aber dann gibt es den Batmaneffekt mit breiten Schultern und großen Brustkorb. 😉

     

    Mehr Information gibt es unter https://www.e-cooline.de/technologie/ und Nein, ich wurde nicht vom Hersteller bezahlt oder gesponsort. Also unbezahlte Werbung, weil ich das Produkt sehr gut und innovativ finde.

  • mehr oder weniger vital

    Die Triebspitzen des Rieslings sind größtenteils noch etwas gekrümmt und zeigen an, dass die Reben noch mehr oder weniger vital und langsam am Wachsen sind. Der Wassermangel macht sich bemerkbar. Das bislang kühlere Wetter schonte zwar noch das Bodenwasser, die kommende Hitze wird jedoch kräftig daran zehren.

    Wir benötigen richtig viel Regen, damit dieser die Rebwurzeln in der Tiefe erreicht. Vom Regen würden auch die jungen Rieslingträubchen profitieren, die dieses Jahr nach der sehr gut verlaufenen Blüte reichlich in den Weinbergen hängen. Vermehrtes Dickenwachstum wäre die Folge und damit auch höhere Erträge, die nach dem mageren letzten Jahr die Fässer im Keller füllen würden.

  • Rieslingblüte

    Alle Jahre wieder, so sicher wie das Amen in der Kirche: Der Riesling ist am Blühen. Auf dem Bild sieht man die Details. Sobald das Blütenkäppchen abgeworfen ist, erscheint der Fruchtknoten mit Narbe und die Staubgefäße. Und dann ist es auch schon passiert und die Bestäubung ist erfolgt.

    Das Rebwachstum ist im Moment verhalten durch die kühlen Temperaturen der letzten Tage und dem sich abzeichnenden Wassermangel. Bei der letzten Regenfront, die über die Mosel zog, gingen wir fast leer aus. Wir hoffen, dass am kommenden Wochenende doch der eine oder andere kräftige Regenschauer – bitte ohne Unwetter – das beginnende Wasserdefizit verringert.

    Entspannt laufen die Arbeiten im Weinberg. Wir kommen beim Einschlaufen der Rieslingreben in den Drahtrahmen gut mit der Arbeit voran. Eine positive Nebenwirkung des verlangsamten Wachstums und der kühlen Temperaturen, die unsere Arbeitsgeschwindigkeit auf einem hohen Level hält. Kein Vergleich zu den Vorjahren mit schnellem Rebwachstum, als bei hohen Temperaturen und schwülem Wetter noch Helfer gebraucht wurden.

  • Mickrig

    Mickrig, wie sich zurzeit die Begrünungen in unseren Weinbergen präsentieren. Schwach wachsend, durch die Trockenheit schon aufgehellt und gelblich werdend.  Seit  Wochen gab es keinerlei Regen. Dazu sehr trockene, teils windige Luft, die dem Boden weiteres Wasser entzieht.

    Während die Landwirtschaft stark am Klagen ist, haben ältere Rieslingreben im Untergrund noch genügend Wasser. Nachgepflanzten Reben sieht man den Wassermangel schon an. Nachschub von oben ist baldigst willkommen.

    In den vergangenen Tagen gab es die Chance, Regen zu bekommen. Die Unwetterwarnungen des Deutschen Wetterdienstes füllten das E-Mailpostfach. Beim Blick auf das Regenradar jedoch Enttäuschung. Die Regenwolken streiften nur unsere Gemarkung und das bisschen, was an Regen fiel, hatte nur den Staub abgebunden.

    Am morgigen Montag haben wir laut den Wetterfröschen noch einmal eine Chance auf Regen. Dann ist wieder Trockenheit bei kühlen Temperaturen gemeldet. Wir hoffen auf reichlich Niederschläge. Am liebsten in Form eines langanhaltenden Landregens.

     

  • Eine Handvoll…

    Eine Handvoll Kräuter aus dem Kräutergarten, alternativ ergänzt durch im Weinberg wachsende Kräuter wie Allium vineale, Pfefferminze, Oregano oder Zitronenmelisse. Nach Belieben Knoblauch. Das Ganze mit einem scharfen Messer klein hacken, kräftig Salz und Pfeffer dazu, mit Riesling-Weinessig ansäuern. Mit einem halben Pfund Butter vermischen und fertig ist die Kräuterbutter.

    Auf ein frisches Baguette gestrichen, ein Glas Riesling dazu und der Sommer kann kommen.

  • „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“

    „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“ schrieb Hermann Hesse in einem Gedicht. Auch für uns Winzer hat der Beginn des Rebwachstums immer noch etwas Zauberhaftes in sich.

    Die Knospen der Reben sind angeschwollen. In den guten Lagen entfalten sich die ersten Blättchen. Nicht zu früh und nicht zu spät fängt das Wachstum an. Auf jeden Fall zügig und das ist gut so! Fraßschädlinge wie der Rhombenspanner, über den ich hier berichtete, haben keine Chance, längere Zeit an den geschwollenen Knospen zu fressen. Die Reben wachsen ihm aus dem Maul, wie der Winzer sagt.

    Wir sind gespannt, was uns die kommende Vegetationsperiode bringt. Dürre oder Dauerregen mit nie dagewesenem Hochwasser und Pilzbefall wie im letzten Jahr, oder vielleicht doch ein normaler Sommer ohne Wetterextreme wie in den vergangenen Jahren.

    Wünsche an das Wetter hätten wir genug.

  • Frühstückswein

    Der Morgentrunk, später reduziert auf den Frühschoppen: Ernährungsgewohnheiten, die uns heute befremdlich vorkommen. Im edlen Metropolitan Hotel in New York 1859 als Frühstückswein im Angebot. (Auf das Bild klicken, um die ganze Frühstückskarte zu sehen). Aber auch der einfache Mensch startete durchaus mit Wein in den Tag:

    „Zum ersten Frühstück wurde Malzkaffee oder Milch getrunken, bei den Männern häufig Wein… Zum zweiten Frühstück und zu allen übrigen Mahlzeiten, auch zur Jause trank man ebenfalls Wein. Es stand aber auch immer ein Krug mit frischem Brunnenwasser auf dem Tisch….Wenn man durchgefroren oder erkältet war, trank man einen Glühwein oder „russischen“ Tee mit Rum.“
    Wendelin Hambuch – Ida Husznai-Hambuch – Franziska Keidl – Alois Strigens, Ungarndeutsche Studien 5.

    In Deutschland war der Frühstückswein weniger bekannt. Als Biertrinkerland mit wenig entwickelter Weinkultur waren/sind die Frühstücksgetränke anderer Natur. Dafür gibt es aber heute noch das Hüttenfrühstück. Leider mit Bier… 😉 (gesehen im Café der Völklinger Hütte).

    Ich berichtete schon einmal über die geänderten Trinkmuster im Wandel der Zeit. Hier zum Nachlesen.