Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

  • Kleine Details

    Wir sind mit dem Rebschnitt gut fortgeschritten und gönnen wir uns ab und zu eine Pause. Interessante, kleine Details werden sichtbar, wenn man sich umschaut.

    Flechten, Moose, Dickblattgewächse und andere Pflanzen sind an den Weinbergsmauern oder auf alten Rebstöcken zu sehen. Mein eigener, persönlicher Mikrokosmos. Jeden Tag etwas Neues in diesem zu entdecken.

  • Frohe Weihnachten – Merry Christmas – Buon Natale

    Wir wünschen ein fröhliches Weihnachtsfest – Wishing you a wonderful Christmas – Vi auguriamo un sereno Natale

    Harald Steffens, Marita Keß und Familie

  • Ham wa nicht, ist aus…

    „Ham wa nicht, ist aus“ hören wir immer öfters. Wir haben Lieferengpässe bei einigen Vorprodukten, die wir für unser Weingut benötigen.

    Zitronensäure, die wir für die Konservierung unserer Holzfässer benötigen, ist knapp und teuer. Wird meistens in China produziert. Stichwort: Corona, Lockdown, Lieferketten. Ein großes Problem sind Weinflaschen. Ich berichtete hier schon einmal darüber. Glücklicherweise haben wir etliche Paletten Flaschen rechtzeitig geordert und auf Lager stehen. Auch Altglas, das nach Reinigung wieder gefüllt werden kann, ist auf Lager. Kartonagen sind extrem teuer geworden. Etikettenpapier ist ebenfalls ein Problem. Der bisherige Hersteller bankrott, andere Papiere mittlerweile in der Auswahl sehr beschränkt.

    Diese Liste ist beliebig erweiterbar. Kohlensäure, Ersatzteile, Weinbergspfähle, Filtrationsmaterial, usw. usf.

    Die damit verbundenen Preiserhöhungen sind nicht von Pappe. Bei energieintensiven Vorprodukten locker 20 % mehr. Dazu noch die Mindestlohnerhöhung – gönne ich meinen Helfern gerne🙂 -, änderungen der Besteuerung bei der Umsatzsteuer (Mwst.) in der Landwirtschaft usw. Die Inflation ist zurzeit immens.

    Just-in-time Lieferung war gestern. Bislang konnten wir durch eine aufgestockte Vorratshaltung und geschicktes Einkaufen diese Auswirkungen etwas begrenzen und in die Zukunft schieben.

    Gut, dass wir den Spruch: „…kommt auch nich wieda rein!“ bisher noch nicht gehört haben. Es ist eine spannende Zeit, in der wir leben. Viele Unsicherheiten und niemand, der vorhersagen kann, was die Zukunft bringt. Leider keine heile Welt.

  • Fasswechsel

    In den letzten Tagen wurden die jungen Weine von der Grobhefe, die sich am Fassboden abgesetzt hat, abgezogen. Der Bodensatz im Fass, allgemein als Hefe bezeichnet, besteht nicht nur aus reiner Weinhefe. Restliche Fruchtfleischteilchen und Trubstoffe, die bei der Mostklärung nicht erfasst wurden, sind neben Weinstein ebenfalls in diesem Sediment zu finden. Diese könnten evtl. zu mikrobiologischen Problemen führen.

    Auch nach dem Grobabstich verbleibt noch genug Feinhefe im Wein.  Die jungen Weine können so noch von den positiven Geschmacksstoffen der Hefen profitieren.

    Beachtenswert war der sehr hohe Weinsteinausfall im neuen Wein. In einem Jahr als feine längliche Gebilde, in anderen als filigrane Kristallformation. Meistens jedoch als grobkörnige Kristallablagerung, wie in diesem Jahr.

    Weinsteinausfall heißt auch immer Säureminderung. Die Weinsäure des Weines verbindet sich mit dem im Wein vorhandenem Kalium und fällt aus. Chemisch gesehen Kaliumhydrogentartrat (Summenformel KC4H5O6). Ein begehrtes Produkt, z. B. für die Backmittelindustrie als Backpulver. Sehr wichtig für die Kellerarbeiter in großen Weinkellereien, die ihn auf eigene Rechnung verkaufen können. Dann heißt er Küfergold. Diese Geschichte können hier nachlesen.

    Natürlich wurden auch alle Weine probiert. Wir können zufrieden sein. Die Rieslingweine machen schon viel Spaß. Würzige, frische Fruchtaromatik und die typische Leichtigkeit des Moselweines bei jeder Menge Trinkspaß.

  • Alle Jahre wieder

    Alle Jahre wieder: Das Ausmisten der Reiler Kirche! Die Fledermauskolonie in der Reiler Pfarrkirche, ich berichtete hier und hier, ist ihr Winterquartier übergesiedelt. Der Weg war frei, um den Dachstuhl vom Fledermausguano zu befreien. Die Menge an Guano war gering. Durch verschiedene Umwelteinflüsse, wie z.B. der heiße Sommer, war die Fledermauskolonie klein geblieben. Für den Biowinzer fiel nicht viel vom wertvollen Humusdünger an. Dafür war der Transport der Säcke durch das dunkle Kirchendach weniger aufwändig. Durch den engen Durchschlupf im Dachboden in den kleinen Dachboden, dann in den Glockenturm. Der Transport eine Etage tiefer problemlos. Die mit Dünger gefüllten Säcke erledigten das im freien Flug.

    Die letzten Meter anstrengend. Nochmals eine Etage tiefer durch eine nur mannbreite Wendeltreppe, incl. einer Türe, die zur falschen Seite aufging. Dann in die Sakristei und endlich der Anhänger zum Abtransport.

    Etwas anstrengend, aber seit Jahren bewährt, nachdem sich die erste Fledermaustransporteinrichtung als nicht praktikabel erwiesen hatte und der Einsatz der darauffolgenden Transporteinrichtung in einem riesigen Desaster geendet hatte.

  • Moselimpressionen

    Bevor die graue Jahreszeit von der Mosel Besitz ergreift, noch einige Bilder der vergangenen Tage mit Herbst- und Nebelimpressionen der Mosellandschaft.

    2016-10-30-reiler-schlange

  • Dickes Lob!

    Wir freuen wir uns immer wieder, wenn wir bei Weinverkostungen sehr gut abschneiden und ein dickes Lob bekommen. Sehr großes Lob gab es dieses Jahr wieder beim Eichelmann Weinführer. Auch der VINUM Weinführers zählt uns zu den besten Weingütern.

    Gerhard Eichelmann vom gleichnamigen Weinführer fand dieses Jahr sehr schöne Worte für unsere Rieslinge: „Wie fast immer, so wurden auch diesmal ausschließlich trockene Rieslinge vorgestellt. Das Weingut nimmt mit dieser Politik eine Ausnahmestellung an der Mosel ein – und das schon seit vielen Jahren. Der Goldlay-Riesling ohne Prädikat zeigt eine offene, fast süße Frucht, wie sie bei den Weinen dieser Lage und bei diesem Weingut so oft zu beobachten ist: ein straffer, saftiger Einstieg. Beim Goldlay-Kabinett ist die Frucht etwas kräuteriger, der Wein ist saftig und würzig, gefällt ausgezeichnet. Der Wein aus dem Wendelstück ist frisch, mit Kräuter- und Mirabellenanklängen, auch etwas Apfel ist zu spüren, im Mund handelt es sich um einen festen, saftigen Wein mit viel Spiel, während die Goldlay-Spätlese offener ist, etwas reifer wirkt, im Mund zupackend mit Schmelz und enormer Saftigkeit.“

  • Weinernte 2022: Musik in den Ohren des Winzers

    Die Rieslingweine sind an Gären. (Bitte die Lautstärke etwas erhöhen!)

    Das Blubbern der einzelnen Fässer summiert sich im Weinkeller. Für den Winzer ist es Musik in den Ohren.

    Quasi ein Symphoniekonzert!😀😀

  • Weinernte 2022: Ein kleiner Rückblick

    Ein trockenes Frühjahr und extremer, trockener Sommer prägten das Jahr 2022. Nur im Juni gab es durchschnittliche Niederschläge.
    Die Rieslingreben zeigten im Juli die ersten, stärkeren Trockenstresssymptome. In den ersten Weinbergen wurde ganze Fruchtruten mit Trauben abgeschnitten, damit durch dieses Entlasten die Reben nicht kollabierten und/oder langfristige Schädigungen unterblieben. Diese Arbeit wurde im August in weiteren Weinbergen durchgeführt. Es betraf einige junge Rebflächen.  Die Reben wurzeln noch nicht so tief im Untergrund und eine Fläche, in der Fels hoch ansteht.
    Die ersten Reifemessungen der Agrarberatung waren zuversichtlich. Endlich fiel Mitte September der sehnlichst erwartete Regen. Reichlich! Die durstigen Rieslingreben saugten sich mit Wasser voll und an eine weitere Geschmackskonzentration war nicht zu denken. Trauben, die „gut“ mit Wasser versorgt waren und kompakte Trauben gebildet hatten, bereiteten leichte Probleme. In den kompakten Trauben platzen die mit Wasser gesättigten Beeren. Beginnende Fäulnis war die Folge.
    Sehr früh starteten wir mit der Weinlese. In der ersten Woche wurde selektiv geerntet. Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen auf den Boden. Es waren wenige Trauben, die verworfen werden mussten.
    Es machte viel Spaß, die reichlich am Rebstock hängenden, gesunden Trauben zu ernten. Bei ruhigem und schönem Oktoberwetter nahm die Reife der Trauben nur sehr langsam wieder Fahrt auf. Nach zwei Erntewochen wieder reichlich Regen. Es war etwas zu viel. Leider wurde das Stielgerüst der Trauben bröselig. Viele Trauben und Beeren fielen auf den Boden. Ganze Trauben haben wir natürlich aufgehoben, aber einzelne Beeren?
    So wichtig wie in diesem Jahr habe ich das Probieren der Trauben noch nie empfunden. Bei der selektiven Ernte war das Traubenessen ein extrem wichtiges analytisches Instrument. Offensichtlich unter Trockenstress leidende Reben oder Rieslingtrauben, die gräulich bis hin zu opalisierend violett/blau aussahen, wurden probiert.
    Die Rieslingtrauben, die minderwertig schmeckten, blieben hängen. Es waren Trauben, die einen pelzigen Geschmack mit wenig Zuckergehalt und noch weniger Geschmack hatten. Die Pelzigkeit wurde durch die Trockenheit mit starker UV Bestrahlung durch die Sonne verursacht. Dadurch wurden sehr viele Bitterstoffe (Phenole) in die Traube eingelagert. Diese Phenole wirken konservierend auf die Trauben. Da geht noch nicht mal der Botrytispilz dran, mit dem ich in einer Hassliebe verbunden bin.  Obige Traube, heute Morgen im Nebel fotografiert, ist noch gesund.  Beim Probieren extrem pelzig und bitter. Dazu wenig Süße und gar kein Aroma. Gut, dass wir diese Trauben nicht zu Wein verarbeitet haben.
    Der Weinkeller ist gut gefüllt. Wir sind zufrieden. Wie die Weine schmecken, kann ich noch nicht abschließend beurteilen. Die meisten sind noch in der Gärung.
  • Weinernte 2022: Wir haben fertig!

    Die Weinernte 2022 ist beendet. Gestern ernteten wir bei ruhigem Herbstwetter mit kleiner Erntemannschaft die letzten Rieslingtrauben.

    Wie jedes Jahr ein dickes Lob und ein Dankeschön an unsere Erntemannschaft, die wie immer ihr bestes beim Ernten gab. Rasant schnell, einsame Spitze im Selektieren und immer gut drauf: Azubi Nils, Timothy (hinten), Paul, Chefin Marita und Ferdinand mit Ewen (v.l.n.r.), sowie die heute nicht dabei gewesenen Ken, Hunter, Elke, Alexander, Margit, Michael, Felix, Vani, Sophie, Lino, Charlotte, Nora, Hannah, Marlene, Pia, Sanne, Hans, Peter, Susanna, Georg, Stefan, Jessi, Maxi, Niels, Vali, Rosi, und eine 12. Klasse des Landesmusikgymnasiums in Montabauer.