Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

  • Extrem heimtükisch

    Man denkt an nichts Schlimmes: Bestes Sommerwetter, warm, fast keine Luftfeuchtigkeit, kein Tau und sehr wenig Regen. Und dann das: Extrem heimtückisch zeigt sich dieses Jahr der Peronosporapilz. Am vergangenen Montag staunte ich ungläubig, als ich die gelblichen Flecken auf der Blattoberseite sah. Aus der Inkubationszeit konnte ich das Datum der Infektion berechnen. Das kleine Gewitter an Fronleichnam hatte zu Infektion geführt. Trotz Pflanzenschutzmaßnahmen mit unseren ökologischen Pflanzenpflegemitteln einen Tag vorher wurden die Reben infiziert. Ein größerer Weinberg im Burger Hahnenschrittchen war stärker betroffen. Andere nur leicht oder gar nicht. Infektionen sind überall in der Gemarkung zu finden. Konventionell oder ökologisch arbeitend spielt keine Rolle. Der eine etwas mehr, der andere Weinberg weniger.

    Einen Tag später, es hatte etwas über Nacht geregnet, sah man den Pilzrasen auf der Unterseite der Blätter. Der Pilz hatte durch die Feuchtigkeit begonnen zu sporulieren, d.h. seine Sporen in die Reben zu schleudern.

    Jetzt haben wir ein kleines Problem. Normalerweise reifen die Pilzsporen auf dem Boden, wenn es feucht genug ist . Sie werden dann durch Regen und Wind auf die Blätter geweht und der Infektionszyklus beginnt. Mit jeden Zyklus ohne Bekämpfung steigt das Gefahrenpotential. Jetzt haben wir die Sporenbildner in den Reben, die bei Feuchtigkeit, Blattnässe, Dunkelheit und anderen Faktoren den Vermehrungszyklus massiv forcieren. Dort sind dann nach der Rebblüte der vergangenen Tage, die jungen, sehr empfindlichen Träubchen. Jetzt heißt es aufpassen mit den Pflanzenschutzmaßnahmen. In kurzen Abständen müssen unsere ökologischen Präparate nun auf die Beerchen aufgebracht werden. Bei dem schnellen Beerenwachstum muss immer eine Schutzschicht auf der Beerenhaut und den Blättern sein, damit der Pilz nicht eindringen kann. Das angekündigte trockene Wetter spielt uns dabei in die Hände. Niedrige Luftfeuchtigkeit und kein Regen in den nächsten Tagen ist für uns vorteilhaft. Wir werden uns heftig wehren! In den Peronosporajahren 2009 und 2016 haben wir es auch geschafft und die Lage war weitaus schlimmer als dieses Jahr.

  • Rebblüte

    Eine der ganz wenigen Ereignisse über die ich mit schöner Regelmäßigkeit berichte, ist neben dem obligatorischen Weihnachtsgruß die Rebblüte. Die sommerlichen Temperaturen beschleunigen die Blüte rasant. Die Rahmenbedingen sind hervorragend. Wir erwarten eine hohe Bestäubungsrate.

    Rasend schnell ist auch das Wachstum der Reben. Im Unterboden ist noch genügend Wasser vorhanden, um das Triebwachstum der Rieslingreben zu beschleunigen. Das Einschlaufen der schnell wachsenden Rieslingtriebe hält uns im Weinberg auf Trab.

    Gänzlich anders sieht es bei den Weinbergsbegrünungen aus. Hier macht sich der Wassermangel im Oberboden bemerkbar. Am Wegesrand sind die Begrünungspflanzen bereits vertrocknet und gelb. Sommerliche Temperaturen, niedrige Luftfeuchtigkeit und ein ständig wehender Wind haben an der Feuchte gezehrt. Vor nicht einmal vier Wochen hatten wir große Probleme mit den nassen Böden. Jetzt warten wir sehnsüchtig auf Regen. Mitte nächster Woche soll er kommen, sagen die Wetterfrösche. Gewitter sind angesagt! Die Gefahr dabei ist, vor allem wegen des Klimawandels, dass zu viel in kurzer Zeit und im schlimmsten Fall in fester Form als Hagel fällt.

  • Capreolus capreolus

    Capreolus capreolus, das europäische Reh. Eine eher seltene Begegnung im Weinberg. Fuchs, Hase, Wildschwein und weitere Tiere sind im Weinberg häufiger zu sehen. Ein Rehkitz ist da schon seltener. Unterwegs mit dem Raupenschlepper erschrak ich, als aus der benachbarten Rebzeile lautes Fiepen zu hören war. Es war der Angstschrei eines Kitzes.

    Als ich es fotografierte, verwechselte es mich wohl mit seiner Mutter und lief mir hinterher. Ich machte mich „aus dem Staub“, damit das Kitz keinen Menschengeruch annehmen konnte. Es kann passieren, dass die Ricke ihr Kitz bei ihrer Rückkehr verstößt, da der menschliche Geruch den Eigengeruch des Jungtieres überdeckt und das Muttertier ihr „Kind“ nicht mehr erkennt.

  • prächtig

    Besser geht’s nicht! Wassergefüllte Böden, fast alle Rebknospen sind ausgetrieben und an den jungen Reben hängen große, gut ausgebildete Blütenstände. Diese so genannten Gescheine sind voll entwickelt und die einzelnen Blüten werden sich in den nächsten Tagen auseinander spreizen. Und dann beginnt in wenigen Tagen die Rebblüte.

    Die Weinbergsböden sind in den Steillagen wieder gut befahrbar. Inzwischen hat der Sommer mit angenehmen Temperaturen Einzug gehalten und die angekündigten sommerlichen Temperaturen werden das Wachstum der Reben weiter beschleunigen. Zudem haben Pilzkrankheiten (echter und falscher Mehltau) bei dieser trockenen Witterung keine Chance, die Reben zu schädigen. Nächste Woche können wir dann mit der Laubarbeit, d.h. das Einflechten der Rebtriebe in die Drahtrahmen, beginnen.

    Bis jetzt sieht alles prächtig aus!

  • Den Berg runter helfen alle Heilige, den Berg rauf kein Teufel

    Durch die maximal gefüllten Bodenwasservorräte sind unsere Weinbergsbegrünungen extrem üppig gewachsen. Stellenweise hüfthoch. Das Mulchgerät hatte Schwierigkeiten, den dichten Bewuchs zu mähen.

    Morgendlicher Tau und leichte Regenfälle in den letzten Tagen sorgten für ein angespanntes Fahren im Steilhang. Des Öfteren rutschte ich, verschärft durch die nasse Begrünung, auf den feuchten Böden mit dem Raupenschlepper ab. Allerdings war das relativ ungefährlich, da der Schwerpunkt sehr tief liegt und die Kippgefahr gering ist.

    Trotz meiner Fahrkünste und jahrzehntelanger Erfahrung gab es dann aber doch noch ein größeres Problem. In einer Rebzeile rutschte ich zur Seite und landete im Drahtrahmen. Bergauf ging nichts mehr. Bergab auch nicht, der Unterstockmulcher hatte sich hinter einem Rebstock verhakt.

    Den Berg runter helfen alle Heilige, den Berg rauf kein Teufel. Daher musste ich einen Kollegen anrufen, der nach kurzer Zeit erschien und mich mit der Seilwinde aus meiner misslichen Lage befreite.

  • Felssturz

    Foto: Rudi Bucher

    Das mit dem respektablen Mittelgebirge hatte ich schon hier geschrieben. Gestern die Überraschung als ich im Weinberg am Mähen war. Der Gemeindearbeiter sperrte sämtlich Weinbergswege. Gegenüber von Reil, oberhalb der Burger Weinberge, hatten sich große Felsbrocken gelöst. Sie waren zum Glück auf einem Weg liegen geblieben. Ein wenig weiter und sie hätten zunehmend Schwung bekommen. Der Weg bis in die Mosel wäre ein Klacks gewesen. Nicht auszudenken, was beim Runterrollen durch die Weinberge, der Überquerung von vier Wirtschaftswegen und der Bundesstraße hätte alles passieren können. Aus eigenen Erfahrungen weiß ich, dass rollende Steine, auch wenn sie nur Faust- oder Pflastersteingroß sind, gravierende Wirkungen auf Autos und Scheunentüren haben. Von Menschen ganz zu schweigen

    Der alarmierte Bauunternehmer zerkleinerte die Felsen in kurzer Zeit und die Gefahr war gebannt.

  • startklar

    Wie jedes Jahr vor beginn der Sommerarbeiten im Weinberg, werden die Außenanlagen in unserem Weingut auf Vordermann gebracht. Baum- und Heckenrückschnitt, kehren, fegen und aufräumen. Das Verbundpflaster kärchern, Fenster, Türen und Tore abwaschen und einiges mehr. Die Kübelpflanzen wie Oleander, Lorbeer, Zitronenbaum und andere sind schon länger aus dem Winterquartier geholt und mittlerweile verteilt. Dazu kommen noch viele Topfpflanzen zur Verschönerung unseres Innenhofes. Beliebt sind bei uns die Hauswurzen, die pflegeleicht sind. Vorteilhaft bei diesen Dickblattgewächsen ist der geringe Wasserverbrauch. Sie brauchen fast nicht gegossen zu werden und ersparen dem Winzer das tägliche Gießen. Ein Blickfang, wenn sie am Blühen sind. Die ideale Topfpflanze in den Zeiten des Klimawandels mit vermehrt trockenen Vegetationsperioden.

    Wir sind startklar für den Sommer! Die Terrassensaison ist hiermit eröffnet.

  • Bilderbuchstart

    Die Rebknospen sind dick und der Austrieb steht kurz bevor. Zuerst dachten wir, dass der Austrieb der Rieslingreben früher erfolgen würde. Kalte Tage bremsten den Austrieb etwas.

    Reichliche Niederschläge haben in den vergangenen Tagen und Wochen die Bodenwasservorräte aufgefüllt. Es gibt fast keine Verluste durch Austriebsschädlinge, die die Knospen ausfressen. Es ist auch kein Frost in Sicht, der die jungen Rebtriebe schädigen könnte.

    Ein Bilderbuchstart in die neue Vegetationsperiode. Die spannendste Zeit des Winzerjahres fängt an: Mit der Natur arbeiten, täglich von dieser abhängig zu sein, allen Wetterkapriolen strotzend und in einigen Monaten, wenn alles klappt, wie ich es mir vorstelle, gesunde, vollreife Rieslingtrauben ernten.

  • Aqua Vitis

    Die Rebe weint Tränen, auch Aqua Vitis oder Lachryma Vitis von den alten Gelehrten genannt. Die Rebwurzeln drücken Wasser und Nährstoffe in die Leitbahnen, welches an der Schnittstelle austropft bis die Leitbahnen verstopft sind. Für uns der Beginn der neuen Vegetationsperiode und eines Neuen Lebenszyklusses. Der Frühling ist da!

    In früheren Zeiten sogar als Heilmittel verwendet:

    • Gegen Warzen aber für die Schwangere,
    • Für Kopf, Magen, Darm, Niere und Blase
    • Ein Antialkoholicum?
    • Gegen Brechreiz
    • Gegen Sommersprossen und nicht bewältigte Schrecken
    • Gegen Zahnschmerz
    • Für Haut, Augen und Ohren aber gegen die Haare

    Wobei letzteres mich auf eine Idee bringt: Ab sofort nehme ich Bestellungen entgegen. Nur kurz lieferbar für den sofortigen Verbrauch. Lachryma Vitis gegen alles und jedes, für die zarte Haut, besseres sehen und hören und gegen Damenbärte und Nasenhaare.

  • Frühlingsstimmung

    Jetzt kommt Schwung in die Natur. Der Frühling ist da. Der Weinbergpfirsich ist in der Vollblüte, die anderen Obstbäume werden sicherlich binnen weniger Tagen folgen. Die Traubenhyazinthen zeigen sich trotz Morgenfrost in voller Pracht. Mit der Purpurnen Taubnessel und weiteren Blütenpflanzen sind es die ersten Farbtupfer in der Weinbergsbegrünung. Die Rieslingreben bereiten sich auf den Austrieb vor. Die Rebknospen fangen an zu „schieben“ und kommen bald in das sogenannte Wollestadium. Durch den warmen Winter etwas früher als im langjährigen Schnitt.

    Die Startbedingungen für das Rebwachstum sind bis jetzt hervorragend. Der in den letzten Tagen reichlich gefallene Regen hat die Bodenwasservorräte bis zum Überlaufen gefüllt. Der Rebschnitt ist beendet. Noch einige Tage müssen wir die Fruchtruten festbinden, dann sind die sogenannten Winterarbeiten im Weinberg erledigt.

    In einigen Tagen wird die Natur sicherlich explodieren. Endlich wieder eine grüne, farbige Landschaft. Nach dem grauen Winter tut das der Seele und dem Körper gut.