Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

  • Mitten in der Nacht…

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    Mitten in der Nacht klingelte das Telefon. Wir waren zwar vorgewarnt, aber das Aufstehen war doch schwer. Eisweinernte war angesagt. Die Nacht wurde doch kälter als wir dachten und so halfen wir unserem Kollegen Thorsten die gefrorenen Trauben zu ernten um Eiswein daraus zu keltern.

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    Menge und Qualität des Mostes waren sehr zufriedenstellend und wir lassen uns überraschen, wie der 2007er Eiswein wird.

  • Innenarbeiten

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    Kältebedingt können wir keine Aussenarbeiten erledigen und so ist Innenarbeit angesagt. Die Stahlkette unseres Raupenschleppers ist abgenutzt und muß durch eine Neue ersetzt werden. Nun ist schweißen angesagt. Auf die neue Kette werden Stege aufgeschweißt, damit im Steilhang der Grip gewährleistet ist. Praktikantin Kerstin wurde heute morgen ins Elektrodenschweißen eingewiesen und erledigt jetzt die Arbeit alleine. Die Schweißnähte sehen zwar nicht schön aus, aber es hält.

  • Weinrallye 6: Schaumwein zu Sylvester

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    Lars Breidenbach hat zur sechsten Weinrallye eingeladen. Das Thema: Mit welchem Schaumwein wird das Jahr 2008 begrüßt.
    Gar nicht so einfach das Thema, wenn ich mir meinen ungefähren Sylvesterablauf anschaue: Mittags fängt der Jahreswechsel mit dem Sylvesterlauf der Lauffreunde Reil an. Nicht, dass ich unter die Läufer gegangen bin, aber der Glühweinstand muß „betreut“ werden. Im Anschluß noch gemütliches Zusammensein bei Bier und Würstchen. Und wenn der Winzer das überlebt, wird kurz vor zwölf auf die Reil gegenüberliegende Moselseite gewechselt um das Feuerwerk in Reil und umliegenden Nachbarorten zu bewundern. Natürlich wird dort auch schon Sekt mit Freunden und anderen Feuerwerkzuschauern getrunken, aber das eigentliche Jahr wird erst nach dem Feuerwerk zu Hause im beisein der Familie begrüßt.

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    In den letzten Tagen entdeckte in in meiner Schatzkammer noch ein Gefach mit Sektflaschen. Total verschmutzt durch Hochwasserschlamm und die lange Lagerzeit. Mußte natürlich probiert werden!

    Der Kork wollte nicht so richtig aus der Flasche, dann doch ein leichtes Zischen. Im Glas nicht mehr so stark moussierend wie ein junger Sekt, die Farbe schon etwas goldiger. Beim anschließendem Verkosten gab es ein AHA-Erlebnisss: Gereift, jedoch noch überaus spritzig, keine Spur von Alterung oder gar Firne. Reife volle Rieslingaromatik und jede Menge Spaßfaktor. Die ultimative Begrüßung für das Neue Jahr!

    Nur welcher Jahrgang war es? Nach dem Durchwühlen meiner Aufzeichnungen stellte sich heraus, dass es ein 1994er Riesling-Sekt war. Erstaunlich, das er sich trotz des für einen Sekt sehr hohen Alters in einem so guten Zustand befand.

    Aber warum bis Sylvester warten um die nächste Flasche zu öffnen. Weihnachten wäre für die nächste Flasche schon Anlaß genug…

  • Halali

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    Halali
    hieß es heute morgen. Als geländegängiger geländekundiger Treiber wurde ich einer Hundemeute zugeteilt, um in den aufgegebenen und stark verbuschten Steillagenweinbergen oberhalb des Pündericher Eisenbahnviadukts die Wildschweine den Jägern vor die Flinte zu treiben. Sosehr die Hunde sich abmühten, es waren nur 4 Wildschweine, die erlegt wurden. Ein etwas mageres Ergebniss bei der hohen Wildschweinpopulation und den vielen Jägern. Die Schweine werden mittlerweile schon im Dorf gesehen und die Schäden in den Weinbergen immer größer.
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    Der Hundeführer, dem ich zugeteilt war, hatte eine sehr interessante Waffe dabei: Sauspieß oder Saufeder genannt. Im Mittelalter die Waffe um Wildschweine oder Bären zu jagen. Damals herrschte noch Chancengleichheit zwischen Jäger und Wild. Der Sauspieß dient dem Hundeführer auch heute noch als „Nahkampfwaffe“, um seine Hunde evtl. vor angreifenden Sauen zu retten.

  • Analyse

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    Die ersten Weinanalysen sind die Tage gekommen. Neben den wichtigen Parametern wie Alkohol, Restzucker und Säure wird der Extrakt, das spez. Gewicht und andere chemische Parameter erfasst. Aber eigentlich braucht man die meisten Analysedaten nicht. Aus der Analyse kann man schon gar nicht ersehen, wie der Wein schmeckt. Der Alkohol ist evtl. wichtig als Trunkenheitsfaktor, steht aber später auf dem Weinetikett, beim süßen oder milden Wein wäre die Restsüße noch als Orientierungspunkt wichtig und der Säuregehalt sagt relativ wenig über den Geschmack aus.

    Interessanterweise scheinen etliche Weintrinker ausschließlich nach Analysedaten einkaufen zu wollen. Was jedoch noch interessanter ist, dass diese potentiellen Neukunden, die diese Daten anfordern, zu fast 95 Prozent keinen Wein ordern! Ich würde gerne wissen, wie denn die Eckdaten eines Weines aussehen müssen, damit diese Weintrinker eine Probebestellung tätigen.

    Wie ich schon öfter berichtet habe: Sehen, riechen und schmecken! Das ist die beste Analysemethode und nur damit kann beurteilt werden ob ein Wein gut oder nicht gut ist.

  • Bio-Glühwei(h)n-Nacht, Teil 2

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    Die Bio-Glühwei(h)n-Nacht, die am Freitag und Samstag in unserem Weingut stattfand, war ein voller Erfolg. Im Keller hatten wir die „Bildergeschichten aus dem Weingut Steffens-Keß“ in Papierform auf eine Schnur geklammert. Recht spannend, ein ganz anderer Blickwinkel wie beim Computer. Überrascht war ich beim Aufbau, was und wieviel ich innerhalb eines Jahres im Blog geschrieben habe.

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    Im Verkaufslager kam bei Rieslingglühwein und Weihnachtsgebäck vorweihnachtliche Stimmung auf. Trotz recht warmen Wetters floss der Glühwein in Strömen. Da alles umsonst war, wurde auf die Spendendose für die Villa Kunterbunt, ein Nachsorgezentrum für chronisch- und schwerstkranke Kinder in Trier, hingewiesen, die anschließend gut gefüllt war.
    Noch an Dankeschön an Dirk Burg der uns kurzfristig seinen beamer für unsere Diashow geliehen hatte.

  • Just in time…

    Weil es so klasse ist, hier noch einmal. Via Schreiberswein und Markus Jostock. Der wohl nächste Schritt bei der Vermarktung unserer Weine. Wäre einfacher als abfüllen, etikettieren, verpacken und versenden. Just in time Lieferung im wahrsten Sinne des Wortes: Direkt aus dem Computer.

  • Ist der gut…

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    Heute habe ich den neuen Tresterbrand von der Destille geholt. Zu Hause musste ich natürlich sofort probieren. Die nahtlose Fortsetzung der 2007er Qualitäten: Super Trauben, Wein in dem man baden könnte und nun auch der Tresterbrand eine Punktlandung.

  • Abstich

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    In den letzten Tagen wurden die Jungweine von der groben Hefe getrennt oder abgestochen, wie der Winzer sagt. Aufwändig ist nach dem Umpumpen das Reinigen der Holzfässer. Da das klassische Moselholzfaß nur über ein Spund- und Zapfenloch verfügt, ich berichtete hier, wird das Faß mittels einer Faßwinde hinten angehoben und mit dem Hochdruckreiniger über das obere Spundloch gereinigt. Das Reinigungswasser läuft über das Zapfenloch nach aussen. Als kleines Helferlein gibt es noch ein speziell geformtes Röhrchen, welches auch den letzten Rest Reinigungswasser zwischen Faßboden und Faßdauben nach aussen ablaufen läßt.

  • Der ganz normale Irrsinn

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    Der ganz normale Irrsinn, denke ich, wenn ich bei einem Glas jungem Riesling über die Nebenkriegsschauplätze eines Weingutes nachdenke. In der Agrarwirtschaft sind wir von EU Vorschriften und deren Umsetzung gepeinigt: Vorschriften, Formulare und Dokumentationspflichten. Sei es die Weinmarktordnung, die Weinverordnung, die Bioverordnung oder andere EU Verordnungen. Dazu kommen die einzelnen Länder, die diese EU Verordnungen umsetzen. Und davon haben wir schon in Deutschland 16 (!!), die nicht immer einheitlich diese Vorlagen umsetzen. Eine Regelungswut, die den Wein nicht besser, die Welt nicht gerechter und dem Winzer viel Arbeit macht.
    Bernhard Fiedler hat einen interessanten Artikel in seinem blog darüber geschrieben. Treffend fand ich folgende Aussage:

    Besonders nachdenklich macht das von Fischler zitierte geflügelte Wort aus Brüssel. Dort heißt es offenbar:
    Wenn eine neue EU-Richtlinie beschlossen wird,

    • protestiert der französische Präsident,
    • wird sie von Deutschland zu 120 Prozent umgesetzt (Zusatz Fischler: und von Österreich zu 150 Prozent),
    • und in Italien muß man froh sein, wenn man jemanden findet, der sie liest.