Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

  • Das Reiler Goldlayschwein hat wieder zugeschlagen

    Die Wühlschäden werden immer mehr und die Wildschweine sind mittlerweile eine Landplage. In einem Weinberg gehen mittlerweile zwei Wildwechsel durch, ein Jahr vorher war es nur einer. Das Vorhandensein eines mobilen Jägerhochsitzes bei einem unserer Weinberge im letzten Herbst war für die Schweine abschreckend und der Anlass, dort keine Trauben zu naschen und keine Wühlschäden zu verursachen. Ich berichtete hier.

    Statt dessen großflächige Wühlarbeiten in einem entfernteren Rieslingweinberg. Das Mähgerät wird sich freuen, wenn die Mulchmesser mit dem Boden in Kontakt kommen und der Verschleiß zunimmt. Ich denke, dass ich beim Jäger mal wieder ein Reiler Goldlayschwein bestellen muss, denn diese Spezies habe ich lieber im Backofen als im Weinberg.

    Ich lasse mich überraschen, was die Zukunft bringt. Die Wildschweinpopulation ist seit Jahren am steigen. Veränderungen in der Landwirtschaft mit erhöhtem Maisanbau oder die Verbuschung nicht mehr genutzter Land- bzw. Weinbaufläche, die mehr Rückzugsräume für die Tiere schafft, ein erhöhtes Nahrungsangebot und auch die Klimaänderung sind neben weiteren Faktoren dafür verantwortlich.

  • Frühlingsgefühle

    Immer öfter wärmenden Sonnenschein beim Rebschnitt, die Tage werden auch länger und

    erste Korbblüter, die irritiert durch den bisher warmen Winter, schon oder immer noch ihre Blütenpracht zeigen. Vorboten des Frühlings, wären da nicht die Meterologen, die einen Kälteeinbruch für die nächsten Tagen vorhersagen.

    Es wird nächste Woche frühmorgens beim Rebschnitt eiskalte Finger geben, die hoffentlich durch die aufgehende Sonne wieder gewärmt werden.

  • Reben schneiden

     Wir sind fleissig am Reben schneiden. Diese Woche kam auch endlich der Winter mit kalten Temperaturen und ein wenig Schnee. Was uns am meisten erfreute, war die Sonne, die sich endlich am Himmel zeigte. Schon beim Rebschnitt sieht man die Klimaänderung. Immer mehr Rebstöcke sind mit der Viruskrankheit Esca oder der Schwarzholzkrankheit befallen. Klimaerwärmung und Klimastreß, insbesondere die beiden letzten Jahre mit ihrer extremen Witterung (Trockenheits- und Nässephasen), fördern diese Schaderreger.

    Als  alleinige Maßnahme bleibt nur der Weg, die Rebe bis auf einen kleinen Stammrest zurück zu schneiden. Sozusagen das von Schaderregern befallene Rebholz komplett zu entfernen. Aus den im kommenden Frühjahr sich neu bildenden Trieben kann der Rebstock dann wieder aufgebaut werden. Leider gibt es ein Jahr keine Ernte von diesen Rebstöcken und es sind viele Reben, die stark zurück geschnitten werden.

  • Abfüllplanungen

    Dieser Tage standen wie jedes Jahr alle Jungweine zum Probieren auf den Tisch. Die jährliche Jungweinprobe mit Freunden und Winzerkollegen, um der eigenen Betriebsblindheit vorzubeugen und um unser neues Weinsortiment zu gestalten. Wie jedes Jahr Diskussionen, ob der Wein in der qualitativen Reihenfolge richtig eingereiht war oder nicht und ob er der vorgesehenen Qualitätseinstufung meinerseits entspricht.  Bis auf kleine Abweichungen, die meine Freunde anders sahen als ich, passte es.

    Die Qualität sehr gut, frische Frucht, Eleganz und saftig. Die Alkoholgehalte, bis auf die beiden hochwertigsten Rieslingauslesen, wie immer moderat, so dass diese wieder als Spaßweine bezeichnet werden können.

  • Alle Jahre wieder

    Alle Jahre wieder: Das Entmisten der Reiler Kirche! Das Zusammenkehren der Fledermauskacke im Dachboden der Reiler Kirche ist die leichteste Übung. Der Abtransport eine andere. Sämtliche Lösungen, durch die kleine Dachgaube mittels eines Rohres den Fledermausguano nach unten zu transportieren, waren sehr mühsam. Vor zwei Jahren endete die Entmistungsaktion desaströs. Letztes Jahr wurde der für uns wichtige Dünger in Säcke gepackt und mit Manpower durch den Kirchturm nach unten getragen. Die bisher beste Lösung.

    Dieses Jahr war der Abtransport paradiesisch einfach. Ein Gerüst steht an der Kirche und zum Materialtransport ist ein Dachdeckeraufzug vorhanden. Ratzfatz war der Rebendünger auf dem Anhänger. Leider nur dieses Jahr, denn die Bodenkonstruktion im Dach – Querlattung, Schaltafeln und die darauf liegende Kunststofffolie – wird in den nächsten Tagen vom Naturschutzbund (Nabu) Südeifel erneuert, bzw. renoviert und es muss einiges an Material rauf und runter transportiert werden.

    Das mit dem Aufzug würde mir für die nächsten Jahre gefallen. Aber leider aus Kostengründen nicht machbar. Dann wird der Winzer die Säcke schleppen und seine Muskeln trainieren.

  • Heute im Weinfilter: Nur die allerbesten

    Diese Woche filtrierten wir die jungen Rieslinge schonend mittels Kieselgurfiltration. Die vor der Filtration noch vorhandene leichte Hefetrübung behinderte das Freisetzen des Bouquets. Erst jetzt, nach der Filtration kann man die ganze Bandbreite der Aromen riechen und schmecken.  Die Jungweine präsentieren sich nun viel klarer und bedeutend fruchtiger.

    Mit den „einfachen“ Basisweinen haben wir begonnen. Gestern haben wir die sehr guten Weine geklärt. Egal ob es die Lagenweine, Kabinette oder Spätlesen waren, aus dem Burger Hahnenschrittchen oder der Reiler Goldlay, wir waren begeistert, als wir die frisch filtrierten Weine direkt aus dem Filter probierten.

    Heute waren die Allerbesten Rieslingqualitäten dran. Freude kam auf, als das Rieslingbouquet in meiner Nase zu riechen war. Die ganze Bandbreite an Aromen wie reife Birne, Pfirsich, Maracuja und weitere Tropenfrüchte, die typisch für den Moselriesling sind, waren zu riechen. Einige glänzten zusätzlich mit dezentem Bouquet nach Kräuterhonig und kräftigem Körper mit Schmelz.

    Wir freuen uns, Ihnen in einigen Wochen den neuen Jahrgang präsentieren zu dürfen.

  • Hochwasser 2018, Teil 4: Wir sind wieder betriebsbereit

    Wieder haben wir ein Moselhochwasser verabschiedet. Der Weinkeller ist generalgereinigt, ordentlich aufgeräumt, und wieder betriebsbereit.  Nur die Zurrgurte, die die Holzfässer auf dem Fasslager sichern, erinnern noch an den lästigen Besuch der Mosel in unserem Keller.

    Wie ich schon in einem früheren Beitrag schrieb: Ein kleines Hochwasser, nur einmal kurz ärgern, mehr war dieses Mal nicht. Wir konnten noch nicht einmal einen Strich zu den bisherigen Hochwassermarken im Treppenhaus ziehen.

  • Hochwasser 2018, Teil 3: Lästiger Besucher

    Schaurig schön, das Moselhochwasser vor unserem Weingut in der nächtlichen Dunkelheit. Nach den gestrigen Prognosen waren wir sehr entspannt. Heute stieg die Anspannung nach den morgendlichen Hochwasserprognosen wieder. Ein Wiederanstieg über den bisherigen Höchststand wurde für morgen vorhergesagt. Mit der Tendenz weiter zu steigen.  Meine persönliche Schmerzschwelle war damit überschritten.

    Azubi Ken war sofort zur Stelle, als ich Ihn anrief. Übrigens das erste Mal, dass bei einem Hochwasser der Lehrling oder Praktikant erreichbar war und mithalf. Alles, was nicht niet- und nagelfest war, oder durch Wasser beschädigt werden kann, kam in Gitterboxen und wurde ins Trockene gebracht. Die Holzfässer wurden mittels Gurten am Fasslager festgezurrt.

    Der ganze Flaschenkeller wurde umgestapelt. Unter die gefüllten Gitterboxen kam eine leere Box. Moselschlammverkrustete Weinflaschen sind vor dem etikettieren nicht so leicht zu reinigen. Nun sind die Weinflaschen bis zu einem Pegelstand von knapp über 9 m gesichert.

    Zu guter Letzt entfernten wir die gestern angebrachte Abdichtung, die verhinderte, dass die Mosel über die Regenwasserkanalisation in den Keller kam. Da wir ja einiges unter dem Wasserstand der Mosel lagen, schoß das Wasser mit Kraft in den Weinkeller.

    Ich lasse mich einmal überraschen, wie lange sich dieser lästige Besucher in unserem Weinkeller aufhält.

  • Hochwasser 2018, Teil 2: Die Sache mit der Decke

    Als ich heute Morgen in den Keller kam, lief die Mosel schon in diesen. Das Hochwasser war stärker gestiegen als prognostiziert. Die Hochwasserwarnungen heute Morgen gingen von einem weiteren Steigen der Mosel aus. Ein Ende war nicht absehbar.

    Wichtigstes Arbeitsmaterial, und auch sofort eingesetzt, war daher heute Morgen eine alte Decke und ein Hochdruckfass. Die Decke wurde exakt (!) viermal gefaltet und auf den Schacht, aus dem über die Regenwasserkanalisation die Mosel in den Keller strömte, gelegt. Dann kam die Schachtabdeckung auf die Decke, die mit dem Drucktank beschwert wurde. Und dicht war das Ganze. Die Mosel war vorerst ausgesperrt.

    In aller Ruhe wurde dann mit dem Sichern des Weinkellers begonnen. Da das Hochwasser nicht allzu hoch kommen würde, wurde nur das kleine Programm durchgeführt: Weinpumpe, Kleckerkram, der auf dem Kellerboden stand und einige Paletten mit Spezialtanks wurden eine Etage höher gebracht.

    Zwischendurch immer wieder der Blick ins Internet mit den aktuellen Hochwasserprognosen. Heute Mittag dann schon darüber nachgedacht, dass der Keller doch noch geflutet werden müsste. Also das ganz große Programm des Weinkellers aufräumen. Ab dem späten Vormittag dann die Entwarnung. Jetzt, wo ich diese Zeilen schreibe, fällt die Mosel wieder. Laut aktueller Prognose soll in 24 Stunden unser Kellerfußboden wieder oberhalb der Wasserlinie unseres Flusses sein.

    Nur einmal kurz ärgern, mehr war dieses Mal nicht. Wir konnten noch nicht einmal einen Strich zu den bisherigen Hochwassermarken im Treppenhaus ziehen.

    Das bisher „angenehmste“ Moselhochwasser!

  • Hochwasser 2018: Hoch und runter

    Die Regenfälle der letzten Tage im Einzugsgebiet der Mosel, haben unser ansonsten friedliches Flüsschen in den letzten Tagen stark anschwellen lassen. Mal hoch, mal runter mit dem Wasserstand. Heute Morgen war der Moselpegel wieder sehr hoch und beim Runtergehen hinterließ der Fluss einiges an Treibgut direkt in der Hofeinfahrt.

    Ab Morgen wird es spannend! Am Nachmittag soll lt. Vorhersage des Hochwasserzentrums in Trier, der Wasserstand der Mosel in gleicher Höhe wie unser Kellerfußboden sein, mit der Tendenz noch weiter zu steigen.

    Wir hatten sie seit sieben Jahren nicht mehr zu Gast in unserem Weinkeller. Ich berichtete hier. Wir haben sie schon fast vermisst, aber man kann auch darauf verzichten.

    Wir werden ab morgen früh die ersten Vorbereitungen treffen, um den Keller hochwassersicher zu machen.