Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

Schlipsbauer

Die erste Runde der Laubarbeiten – also das Einschlaufen der Rebtriebe in den Drahtrahmen – wurde letzte Woche abgeschlossen. Damit der zweite Durchgang arbeitstechnisch optimierter ablaufen kann, gab es zunächst eine theoretische Unterweisung meiner Nachfolger. Ziel war es, sowohl die Arbeitsqualität als auch die Arbeitsgeschwindigkeit bei diesem Arbeitsschritt weiter zu verbessern. Für die Winzer, die hier mitlesen: Wir arbeiten mit zwei Wanderdrahtpaaren.

 

Zunächst wurde beobachtet, wie ich diese Arbeit ausführe. Anschließend wurden unter meiner Aufsicht einige Rebzeilen geheftet. Schlussendlich stand ich – ganz wie ein Schlipsbauer – am oberen Wegrand, schaute zu und freute mich darüber, dass die Wissensvermittlung erfolgreich war.

 

Apropos Schlipsbauer: Im Maifeld und den angrenzenden Regionen von Eifel und Mosel ist dies die regionaltypische Bezeichnung für einen wohlhabenden beziehungsweise großen Bauern. Der Begriff geht historisch darauf zurück, dass die Großbauern auf dem fruchtbaren Maifeld mit seinen Lössböden so wohlhabend waren, dass sie die körperliche Arbeit auf dem Feld nicht mehr selbst verrichten mussten. Stattdessen ließen sie andere für sich arbeiten und konnten es sich leisten, ihren Hof im „guten Sonntagsstaat“ – also mit Schlips und Kragen – zu verwalten.

 

Das mittlerweile kühlere Sommerwetter hat das Rebwachstum etwas ausgebremst und diese Arbeit kann etwas gemütlicher vonstattengehen. Auch das Ende der Rebblüte wird sich etwas verzögern.

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