Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

Weinernte 2026: Wein vom glücklichen Winzer

Während der goldene Oktober das Moseltal inzwischen verlassen hat, ist es Zeit für ein vorläufiges Resümee zur Weinernte 2026.

 

 

Die Geschichte einer Weinernte fängt nicht mit der Lese an und hört auch nicht damit auf. Die Ernte ist letztlich das Ergebnis der Arbeit des Winzers im vergangenen Jahr – und natürlich der Witterung.

 
 

Klimawandelbedingt ergrünten die Rieslingweinberge bereits Mitte April. Reichliche Niederschläge im Mai füllten die Bodenwasservorräte auf und ließen die Reben kräftig wachsen. Die für einen Mai ungewöhnlich hohen Temperaturen von zeitweise über 30 Grad ließen das Rebwachstum förmlich explodieren. Innerhalb weniger Tage legten die Triebe enorm an Länge zu, und die Rebblüte setzte außergewöhnlich früh ein.

 

 

Die Maiwärme war nur der Anfang von mehreren Hitzewellen mit Temperaturen bis zu 40 Grad. Regen gab es so gut wie nicht und eine massive Trockenheit machte sich breit. Interessanterweise haben die Reben die Kombination aus Hitze und Trockenheit besser überstanden als im Jahr 2022.

 

 

Erst Ende August gab es etwas Regen, der die Situation etwas entspannte und die Trauben weiter reifen ließ.

 

 

Noch nie hat die Traubenernte bei uns so früh begonnen. Am 19. September fiel bei hochsommerlichem Wetter der Startschuss. Ausschließlich gesunde und reife Trauben fanden ihren Weg in die Weinpresse. Im Gegensatz zu den Vorjahren gab es keinerlei Fäulnis und dementsprechend auch keinen Selektionsbedarf.

Bei den hohen Temperaturen war die Lese teilweise schweißtreibend und anstrengend. T-Shirt und kurze Hose waren die Standardkleidung. Es gab auch schon Zeiten, in denen unsere Erntekisten, noch feucht von der abendlichen Reinigung, im Stapel festgefroren waren. In diesem Jahr war es genau umgekehrt. Die sehr hohen Safttemperaturen erforderten einen erheblichen Kühlaufwand im Weinkeller. Schließlich sollten sich die Hefen nicht zu schnell vermehren und die Gärung kontrolliert und langsamer ablaufen. Nur an einem einzigen Tag machte leichter Regen eine Pause bei der Lese erforderlich.

 

 

Die Traubenqualitäten waren ausgezeichnet. Vom Sektgrundwein bis hin zu fetten Auslesen war alles dabei. Die Erntemenge blieb allerdings etwas unter dem Durchschnitt. Der fehlende Regen hatte das Dickenwachstum der Beeren behindert.

Ein Kollege hatte sogar noch bis vor zwei Tagen Trauben in seinen Weinbergen hängen. Durch die trockene Witterung waren diese bereits rosinenartig am Eintrocknen und zeigten einen leichten Befall mit dem Edelfäulepilz. Damit waren in diesem Jahr auch reichliche Mengen an Beerenauslesen und Trockenbeerenauslesen möglich – vorausgesetzt natürlich, man hat das nötige Absatzpotenzial für diese edelsüßen Spezialitäten.

 

 

Ein außergewöhnliches Weinbaujahr liegt hinter uns. Jetzt darf der 2026er im Keller zeigen, was in ihm steckt. Die ersten vergorenen Weine schmecken schon sehr gut, die noch in der Gärung befindlichen Weine lassen auch schon ihr Potenzial erkennen. Sozusagen Wein vom glücklichen Winzer!

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