Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

Autor: Harald

  • Hoffnung in den Zeiten der Dürre

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    Hoffnung in den Zeiten der Dürre gibt mir die heutige Wetterprognose der uns am nächsten liegenden Wetterstation Briedel. Nachdem ich schon zum zweiten mal die diesjährig neu gepflanzten Weinberge gewässert habe und etliche Weinberge schon massiv unter Trockenheit leiden, ist diese Prognose sehr erfreulich. Hoffentlich kommt der gemeldete Regen in der prognostizierten Menge und hoffentlich ist es für die am ärgsten betroffenen Weinberge nicht zu spät, damit wir qualitativ hochwertige Weine in einer ausreichenden Menge produzieren können.

  • Der Videotipp: Lingo Vino


    Schöne Bilder, schräge Dialoge, klasse Darsteller und viel Moselwein. Das muß man sehen!

    Die Tragikkomödie “Lingo Vino” wurde im Jahr 2007 unter der Regie von Daniel Texter gedreht und spielt größtenteils in den Luxemburger Weinbergen, die an der Mosel liegen.

    „LEO und JAKOB sind zwei Winzer. Leo schwört auf seinen Weißwein, den er beinahe streng wissenschaftlich anbaut. Jakob ist in seinen Rotwein verliebt und vertraut vom Schneiden der Reben bis zum Keltern rein auf sein Gefühl. Jeder hält seinen Wein für den besseren, und so zechen sie jeden Abend miteinander, um ihre Winzerkunst schon fanatisch zu messen. Es sind zwei alte kauzige Knacker, verschroben, einander Spinnefeind und doch die besten Freunde. Sie brauchen insgeheim auch einander, weil sie sonst niemanden mehr haben, mit dem sie sich kabbeln könnten. Eigentlich leben sie ganz glücklich hier oben in den Weinbergen miteinander, wenn da nicht die Wunden der Vergangenheit und die zerrütteten Familienverhältnisse wären.“

    so der Anfang der Kurzzusammenfassung der Produktionsfirma dieses Filmes.

  • Kein Regen in Sicht

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    Die Lage in den Weinbergen spitzt sich zu. Durch die lange anhaltende Trockenheit leiden immer mehr Weinberge unter Wassermangel. Insbesondere in jüngeren Weinbergen findet man die typischen Trockenstreßsymtome häufig. In einem, in diesem Jahr gepflanzten Weinberg sind die ersten Reben schon vertrocknet.

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    Noch etwas Leben drin, aber massiv durch Wassermangel geschädigt. Die Triebspitze ist abgestorben, die Blätter von der Sonne weggedreht und beginnende Blattvergilbung.

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    Unsere neu gepflanzten Reben sehen dagegen sehr gut aus. Die Wassergabe vor einigen Tagen hat den Reben sichtlich gut getan. Keinerlei Wassermangelsymtome, sattes Grün und die Triebspitze  signalisiert, das die Pflanze wachsen will. Ein gestriges Gewitter brachte leider sehr wenig Wasser und die Wettermeldungen lassen nicht viel positives hoffen. Aber wie ich schon schrieb, ich werde sicherlich nochmals Wasser in den Weinberg fahren müssen.

  • innovativer Gummilappen

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    Auf Anregung meines Ökoberaters ziert nun ein Gummilappen unser Mähgerät. Der mechanisch ein- und ausschwenkende Unterstockmähteller hat leider die Eigenschaft nicht nur beim Rebstock einzuschwenken um ihn nicht zu beschädigen, sondern auch einige robustere Wildkräuter widerstanden ihm und Handarbeit war angesagt. Nun ist besagter Gummilappen aus Förderbandgummi vor dem Unterstockmulcher angebaut. Verstärkt mit Schrauben als „Reißzähne“ werden nun die Pflanzen im Unterstockbereich umgedrückt und der Mäher kann sie kürzen. Der heutige, erste,  Einsatz verlief sehr zufriedenstellend und die Nacharbeit per Hand wird stark verringert.

  • Wasser fahren

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    Wasserlanze in den Boden stechen, warten bis die benötigten 5 Liter Wasser in den Wurzelbereich der Reben gepumpt sind und zum nächsten Rebstock weiterfahren.

    Ich sehe schon kommen, das es nicht das letzte mal sein wird, dass ich in die einjährigen Rebanlagen Wasser fahren muß. Wie ich hier berichtete wurden wir bisher von Niederschlägen verschont und gestern abend das gleiche Spiel. Viel Donner, noch mehr Blitze und fast kein Regen. Den gabs wieder bei den Kollegen in Brauneberg, die schon vor einer Woche reichlich bedacht wurden.

  • Weinrallye 35: Stein und Wein

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    „…Es geht um vielerlei … In letzter Zeit hat der Weinfreak seine freie Zeit mit dem Trinken (oder verharmlosend: Verkosten) von überwiegend deutschen Rieslingen und Spätburgunder zugebracht. Und sehr oft war auf dem Etikett ein “Stein” im Namen zu finden. Schieferstein, Rotschiefer, Weißer Stein, Porphyr, Steinzeiler, Urgestein, vom Stein …

    Und in der Tat: Man schnuppert am Wein, er riecht nach nassem Stein. Man trinkt den Wein, er schmeckt nach Salz. Der Weinprofi spricht von Mineralität, der Chemiker winkt müde lächelnd ab und verweist darauf, dass diese sich im Wein nicht nachweisen lasse. Geschenkt.

    Der alte Winzer, kauzig, mit von Sonne und Wind ledrig gewordener Haut, faselt von Terroir, verweist auf die Bodenbeschaffenheit und darauf, dass nur ein Wein vom Ufer der Loire so schmecken kann, weil die Rebe nur dort den idealen Boden vorfindet.

    All das schwirrt im Kopf des Weinfreak herum und sucht nach Erklärung….“

    So der Aufruf vom weinfreak zur Juliweinrallye. Ein interessantes Thema und sehr vielschichtig. Im Moment ein Modethema. Da werden die Weine nach dem Schiefer benannt: Rotschiefer, Blauschiefer, Devonschiefer usw. Da wird z.B. mit der Bezeichnung Rotschiefer geworben und in den Weinbergen ist weit und breit kein roter Schiefer zu finden oder der Devonschieferriesling ist im Sumpfland der Moselauen auf Sand und Lehm gewachsen.

    Wenn ich Dirk Würtz zitieren darf, der seinen Artikel zum Weinrallyethema vor mir veröffentlicht hat:

    „Hin und wieder beschleicht mich der Eindruck, dass es nur noch Weine mit ausgeprägter Mineralität gibt, selbst wenn die Trauben auf Böden gewachsen sind, die so mineralisch sind wie der Sandkasten meiner Tochter. Überhaupt habe ich langsam das Gefühl, dass einige “Verkoster” überhaupt nicht wissen, was Mineralität ist und wie sie schmeckt. Manche verwechseln das übrigens nur allzugern mit hefigen Noten im Wein. Zugesetzte Kohlensäure hilft da manchmal auch…

    Mindestens genauso nervig finde ich diese expressive Herausstellung und Betonung der Mineralität. Ganz besonders auf dem Etikett. Da heißen dann die Weine “Basalt”, “Schiefer”, “Granit” oder “Porphyr”. Ich weiss gar nicht, wer sich so was ausdenkt, ich persönlich finde das wenig animierend. Ich will ja schließlich Wein trinken und nicht an Steinen lutschen. Natürlich ist das eine Hilfestellung…damit jeder gleich weiß: “Achtung, der Wein ist mineralisch”…

    …Ich persönlich kann übrigens nicht unterscheiden zwischen Granit und Balsalt. Jedenfalls nicht mal ansatzweise im Geschmack. Selbst nach mehrmaligem Lecken am Stein nicht. Außer einer gewissen Form der Salzigkeit kann ich selten etwas feststellen. Kurzum, ich halte das alles für Kokolores. Nicht immer, aber immer öfter. Ein netter Markentinggag, schwer überprüfbar, deswegen klappt er ja auch so gut.“

    Kokolores? Eigentlich nicht, denn der Boden, das Gestein, ist mit prägend für den Wein. Er teilt sich dem Wein mit. Nicht so ausgeprägt wie es manche gerne hätten, sondern als ein mehr oder weniger wichtiger Bestandteil der Terroirs, was ich als Summe der weinbaulichen und kellerwirtschaftlichen Faktoren betrachte. Also z. B. die Rebsorte, das Alter der Reben, Klima, Sonneneinstrahlung, die Hangneigung usw. Ganz wichtig und stark den späteren Weingeschmack beeinflussend ist der Winzer, der mittels Kulturmaßnahmen versuchen muss, ein Maximum an Qualität/Geschmack in die Traube zu bekommen und schließlich der Kellermeister, der dieses Maximum verlustfrei in die Weinflasche abfüllen soll.

    Betrachten wir doch einmal die in der Reiler Goldlay vorhandenen Steine, die ausnahmslos als Schiefer, genauer gesagt als Devonschiefer, vorliegen:

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    Mal bläulich,

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    stellenweise rötlich,

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    häufig als harte Moselgrauwacke, teilweise mit Quarzeinschlüssen

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    oder als spaltbarer Stein, der an der Mosel Lay, am Mittelrhein Ley, heißt. Übrigens, die Dächer sind bei uns mit Layen gedeckt, also Schiefer und die Reiler Goldlay kann man getrost übersetzen mit Gold= Sonne und warm und Lay=Schiefergestein.

    So, wenn es gleich draussen etwas abgekühlt ist, werde ich mich mit einer Flasche Reiler Goldlay Riesling auf die Terasse begeben, mir die Schiefersteine betrachten, vielleicht etwas daran lecken und grübeln, welcher der obigen Schiefersteine sich dem Wein am meisten mitgeteilt hat.

  • Trockenheit

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    Die Laubarbeiten im Weinberg sind größtenteils getan. Nach dem Laubschnitt sehen die Rebzeilen wie gestriegelt und gekämmt aus.

    Sorgen bereitet uns momentan die Trockenheit. Etliche jüngere Weinberge oder Reben die auf dem Felsen stehen zeigen schon Trockenstreß: Das Wachstum ist eingestellt, die Blätter sind von der Sonne weggedreht, die normalerweise leicht gebogenen Triebstpitze ist gerade und bald dürften auch schon die ersten gelben Blätter zu sehen sein. Auch das jetzt beginnende Dickenwachstum der Trauben könnte beeinträchtigt werden und zu geringeren Erträgen führen.

    Das Gewitter am letzten Samstag brachte bei uns  nur 6 mm Niederschlag, die sofort verdunstet waren. Mehr Glück hatten Kollegen einige Kilometer Moselaufwärts. Dort kann wieder aus dem vollen geschöpft werden. In Brauneberg fielen 58,8 l Regen je Quadratmeter! Schön sanft, ohne Erosionsschäden zu hinterlassen. Man könnte neidisch werden.

    Wenns der Wettergott nicht richtet muss nun der Winzer selbst ran. Zwar nicht alle notleidenden Weinberge, aber die neu gepflanzten Reben bekommen in den nächsten Tagen Wasser, damit die jungen Pflanzen nicht verdorren.

  • Sommerhitze

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    Die Hitze der vergangenen Tage machte zu schaffen. Gestern morgen, bevor ein sehr kleines Gewitter für Abkühlung sorgte, brauchte ich beim Laubsaugen mehr Sprudel wie die Raupe Diesel.

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    Als Entschädigung für die schweißtreibende Arbeit tagsüber, das abendliche Beobachten der Nilgans an der Mosel und herrlichstes Abendrot in der Dämmerung.

  • Weiterbildung

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    Wie jedes Jahr im Juni/Juli wurden wir Ökowinzer an der Mosel heute von unseren Ökoberatern Beate Fader und Peter Gänz besucht. Bei unserem Kollegen Markus Boor im Kirchengut in Traben-Trarbach/Wolf fand das Treffen statt. Beim Weinbergsrundgang wurde über die aktuellen Situation in den Weinbergen diskutiert.

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    Die Rebanlagen von Markus Boor waren bis auf kleinere Befallsherde der Schwarzfäule in einem sehr gesunden Zustand. Durch phytosanitäre Maßnahmen, wie das Absammeln der befallenenen Blätter, dürfte dieser leichte Befall in den Griff zu bekommen sein. Gravierender waren die Winterfrostschäden in einer besichtigten Burgunderanlage. Kümmerwuchs und absterbende Rebstöcke ließen keine Freude bei Markus aufkommen.

    Die beiden Berater berichteten auch über die Situation in den anderen Weinbaugebieten. Z. B. hat das  Hagelunwetter vor einigen Wochen  in der Pfalz massivste Schäden hinterlassen. Ca. 3000 ha Rebfläche sollen gänzlich vernichtet sein. Zudem sind in der Pfalz und in Rheinhessen heftige Infektionen mit zu erwartenden Ertragsminderungen durch die Rebkrankheit Peronospora aufgetreten.

    Wichtige Tipps zur Unterstockbodenbearbeitung, bzw. -pflege und Bodenbearbeitung mit sehr leichtzügigen Geräten wie die Spatenrollegge gabs noch obendrein. Auch einige Kollegen berichteten über eigene Entwicklungen, die ich mir in den nächsten Tagen anschauen werde

    Nebenbei gab es auch noch Informationen über aktuelle Diskussionen zu Verordnungen/Gesetzen, die den ökologischen Landbau betreffen. Aber wie immer, wenn die Politik an etwas rumwerkelt wovon Sie keine Ahnung hat, hatten wir den Eindruck, dass dort wieder sehr viel sinnfreies gemacht wird und auf uns Winzer wieder einiges an Paperkram zukommen wird und weitere Regularien geschaffen werden.

  • Von hinten

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    Von hinten, auf der Flucht aus meinem Weinberg, der mir liebste Anblick eines Hasen. Die direkt daneben gelegene, frisch gepflanzte Junganlage ist bisher von den Hasen in Ruhe gelassen worden und es sind noch keinerlei Verbisschäden entstanden, so das wir auf den Einsatz von Pflanzhüllen, bzw. Wildverbissnetzten bisher verzichten konnten.