Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

Autor: Harald

  • Weinernte 2010: Die Weinbergstasse

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    Heute haben wir Freunden bei der Ernte geholfen. Als der Nebel sich heute morgen langsam verflüchtigte, war es Zeit für das zweite Frühstück mit einer Tasse Kaffee.

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    Äusserst interessant sind dabei immer die Kaffetassen.

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    In der Regel sind es ausgemusterte Exemplare oder Einzelstücke die den Weg aus der Küche in den Weinberg geschafft haben. Motive vergangener Modewellen, Werbetassen oder die ihnen sicherlich von den eigenen Kindern bekannte „Die will ich haben Tasse“.

    Im Weinberg sehr praktisch. Da Spülmaschine, bzw. ein Abwaschbecken nicht verfügbar sind, merkt man sich seine Tasse, die dann den ganzen Tag verwendet werden kann.

  • Weinernte 2010: Überraschung

     

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    Der Anfang ist gemacht. Unseren beiden Miniweinberge mit Rivaner haben wir heute abgeerntet. Der Gesundheitszustand der Trauben überraschte uns.

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    Es waren viel weniger mit Fäulniss befallene Trauben in den Rebanlagen,  die konsequenterweise auf dem Boden landeten, wie wir erwarteten. Unsere Weinbergspflege im Sommer hat sich bezahlt gemacht. Entblätterung der Traubenzone, Dauerbegrünung, Spritzungen mit Backpulver und viele andere Maßnahmen haben die Fäulnissgefahr verringert.

    Die Frostschäden in letzten Winter und die weggeworfenen faulen Trauben haben die Erntemenge um über 30 % nach unten gedrückt. Jetzt ist vorerst wieder Pause, bis es mit der Rieslingernte weitergeht.

  • Samstags, drittes Septemberwochenende

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    In Reil haben wir Winzer unsere Weinwanderprobe  seit einigen Jahren fest etabliert. Unter dem Motto „2009 Wandert“ ging es gestern 2009er Riesling probierent durch die Weinberge.  Die Weine wurden an verschiedenene Stationen ausgeschenkt und vom jeweiligen Winzer kommentiert.

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    An einem der schönsten Plätze, hoch über dem Moseltal auf einer Felsnase, gab es dann Wingertsessen: Moselländisches Gräwes mit Rieslingbraten.

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    Viele der daran teilnehmenden Touristen hatten schon mehrfach an dieser Weinwanderung teilgenommen und hatten zum wiederholten Mal einen schönen Tag in den Reiler Weinbergen.

    Bitte vormerken: Samstags, drittes Septemberwochenende eines jeden Jahres, Wanderweinprobe in Reil!

  • Weinernte 2010: Planänderung

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    Während wir im Keller mit der Generalreinigung der Geräte beschäftigt sind, habe ich unsere vorgestrigen Planspiele über den Haufen geschmissen. Der Rivaner wird das beabsichtigte Erntedatum in zwei Wochen auf gar keinen Fall erleben. Die Fäulniss ist schnell auf dem Vormarsch. Anfang nächster Woche werden wir ernten und auf jeden Fall selektiv. Wie bei Aschenputtel, die guten ins Kistchen und die schlechten auf den Boden.

  • Weinernte 2010: Ein kleines Prognöschen

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    Beim Riesling ist schon eine leichte Gelbfärbung der Beeren zu sehen und die Beeren schmecken schon. Reif sind Sie noch nicht, es dauert noch einige Wochen.

    Während der Riesling sich guter Gesundheit erfreut, sieht es bei anderen Rebsorten anders aus. Der Rivaner und andere frühe Sorten sind stellenweise stark am faulen und es wird sicherlich bei vielen Kollegen vorzeitig geerntet werden müssen. Wir hoffen, dass unsere Rivanertrauben noch bis in die letzte Septemberwoche durchhalten, damit ein Maximum an Aroma eingelagert werden kann. Die Rieslingernte ist für Mitte Oktober geplant.

    Bis jetzt sind es jedoch reine Planspiele. Da mir die Beerenhäute sehr dünn vorkommen und die Wetterfrösche nichts gutes für die nächsten Tage melden,  habe ich die Befürchtung, dass vorzeitige Fäulniss die Weinlese schneller als erwartet einläutet. Vielleicht wieder eine Turboernte wie 2006, als wir binnen kürzester Zeit die Trauben ernteten oder das genaue Gegenteil? Ich weiss es noch nicht, aber es wird wie jedes Jahr spannend und bei uns herrscht trotzdem Vorfreude auf die Früchte der diesjährigenWeinbergsarbeit.

  • Der Herbst naht

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    Der Herbst kommt mit mächtigen Schritten. Während am letzten Sonntag noch Baden in der Mosel angesagt war, ist dies mittlerweile nur noch für abgehärtete Schwimmer empfehlenswert.

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    Das letzte Großweinfest an der Mosel ist dieses Wochenende in Bullay.  Das dazu gehörende Feuerwerk schauten wir uns gestern, mit einem Glas Riesling in der Hand, vom Aussichtturm bei der Marienburg an. Fast unmerklich geht die Touristensaison in den nächsten Wochen zu Ende.

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    Die Mauereidechse ist wie der Mensch auf der Suche nach den wärmenden Sonnenstrahlen des Altweibersommers, der hoffentlich lange anhält, damit unser Riesling optimal reifen kann.

  • Ein neues Projekt

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    Das Wissen habe ich mir mühsam beschafft. Sogar Google gab nichts her und Wikipedia hatte auch nur Ammenmärchen und wirre Ausssagen parat. Ich mußte mir sogar mit einigen Flaschen Riesling Auskünfte erkaufen.

    Das Pilotprojekt wurde vor etlichen Wochen erfolgreich beendet und jetzt soll es während der Weinernte zur Sache gehen. Zwei Holzfässer, eines davon aus Maulbeerbaum welches gestern geliefert wurde, liegen bereit. Jetzt fehlen noch Rieslingtrauben, die den Saft für den Rohstoff liefern.

    Riesling-Balsamessig ist das Ziel. So einen richtig guten, nicht so einen geschmacksglobalisierten Billigfusel der aus billigsten Zutaten rasent schnell produziert wird und mit Zuckercoleur gefärbt wird. Es wird aber noch dauern, bis der Riesling-Balsam in den Verkauf kommt. Er muß einige lange Zeit ins Holzfass. Wasser verdunstet durch die Faßdauben und der restliche Inhalt kann sich konzentrieren, eindicken, so ähnlich wie bei der Bratensoße. Dauert nur länger, braucht halt seine Zeit…

    Ich werde über den Fortschritt unseres neues Projektes berichten.

  • Bufo bufo

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    Eine Erdkröte, (lat. Bufo bufo), die es bis in unseren Weinkeller geschafft hatte. Meine Azubine hatte das Tierchen im Eimer gefangen und es wurde nach dem Fotografieren im Garten ausgesetzt.

    Wenn es denn nun ein Frosch gewesen wäre, hätte man ihn vielleicht küssen können, bemerkte ich an. – Sie kennen doch die Geschichte mit dem verwunschenen Prinzen? – Jedoch verneinte meine Azubine auf diese Frage meinerseits und aus der Mimik konnte ich erkennen, dass sie lieber auf Märchenschloß und Prinzen verzichtet, als einen Frosch zu küssen.

  • Kollegenbesuch

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    Eine kurze Weinreise hatten diese Kollegen von der unteren Mosel hinter sich, als Sie mich heute aufsuchten und ich Rede und Antwort stehen musste. Im Vergleich zu dem türkischen Winzer, der uns am letzten Wochenende besuchte, nur einen Katzensprung entfernt.

    Die Themen waren jedoch die gleichen.  Ökologischer Steillagenweinbau nebst Kellerwirtschaft und Weinverkostung, aktuelle Probleme und regionale Besonderheiten.

    Als Demonstrationsbetrieb für den ökologischen Landbau habe ich des öfteren Besuch von Winzerkollegen und es macht eine Menge Spaß mit anderen Kollegen zu diskutieren und Wissen auszutauschen. Als schöner Nebeneffekt ist die unter Winzern übliche Sitte, als Gastgeschenk einige Flaschen Wein mitzubringen. Nun ist mein Weinkühlschrank wieder bestens gefüllt und ich freue mich über die zu verkostenden Weine.

  • Spaßwein?

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    Eine kleine Etikettenschau. Leider immer öfter anzutreffen: Explodierende Alkoholgehalte. Dicke, fette Weine mit Schmelz, die natürlich in Weinwettbewerben immer öfter die vorderen Plätze belegen.  Geben halt was her…

    Beim Trinken gibt es dann Probleme. Riecht gut, läuft wie Öl die Kehle runter und sättigt ungemein.  Spätestens nach dem zweiten Glas ist Schluß. Es fehlt das animierende, das Mineralische und Lebendige, welches zu einem zweiten oder dritten oder…  Gläschen verführt. Der Spaßfaktor kommt zu kurz!

    Als Duftträger ist der Alkoholgehalt zwar wichtig, aber sehr oft ist des Guten auch zuviel. Insbesondere beim Riesling verlieren die Weine bei höheren Alkoholgehalten sehr oft ihre fruchtigkeit, werden breit und langweilig einsilbig. Wohlgemerkt, ich spreche hier über normale Trinkweine, die Weine die man jeden Tag genießt.

    Da wir uns als „Spaßweinproduzenten“ verstehen, unsere Rieslinge fruchtbetont und spritzig durch die eigene Gährungskohlensäure sein sollen, haben wir beim normalen Alltagswein gerade so um die 11 % bis 11.5%. Das sind reife und gesunde Rieslingtrauben mit der maximalen Assimilationsleistung an Fruchtzucker, ohne Aufkonzentration durch die Edelfäule oder einschrumpeln. Mehr braucht man nicht für jeden Tag.