Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

Autor: Harald

  • Weinernte 2010: Großkampftag, Nachbarschaftshilfe und anderes

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    Gestern war Großkampftag.  Angesichts des für heute und die nächsten Tage gemeldeten regnerischen Wetters wurden sämtliche verfügbaren Erntehelfer mobilisiert.

    Fahren war angesagt! Zuerst die leeren Kisten mit dem Kettenschlepper im Weinberg verteilen, dann gefüllt aufsammeln und rasend schnell mit Traktor und Anhänger zur Weinpresse, da die im Weinberg verbliebenen Kisten binnen kürzester Zeit gefüllt waren und die Erntemannschaft die frisch entleerten Kisten dringend benötigte. Keine Gelegenheit für mich auch nur eine einzige Traube zu ernten.

    Unsere Freunde und Kollegen, die wir bei der Ernte der früher reifenden Rebsorten unterstützen, halfen uns wie immer im Rahmen der Nachbarschaftshilfe. Kollege Thomas entleerte mit affenartiger Geschwindigkeit die Erntekisten bevor es wieder zurück in den Weinberg ging.

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    Bisher gab es noch keine größeren Pannen. Einige Erntekisten zeigen deutliche Alterungserscheinungen und werden wegen erhöhter Verletzungsgefahr ausgemustert, bei meiner Weinpumpe brannte der Motor durch und ich kann das ganze Teil wegwerfen. Na ja, hat schon fast dreissig Jahre auf dem Buckel und sein Geld verdient. Gottseidank hatte ich noch eine ähnliche Pumpe von meinem Onkel geerbt, die nach einer kurzen Reinigung einsatzbereit war.

    Mir geht es blendend bis auf die allgemeine herbstliche Mattigkeit und den chronischen Schlafmangel, die neuen Weine gären gemütlich vor sich hin, werden täglich verkostet und schmecken. Bin fast zufrieden.

  • Auf kleiner Flamme eindicken

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    Unser Neues Projekt Riesling-Balsamessig ist gestartet.  Seit Beginn der Rieslingernte wird Traubensaft bei niedriger Temperatur auf weniger als ein Drittel seines ursprünglichen Volumens konzentriert. Der dabei entstehende Sirup ist sehr zuckerreich und intensiv aromatisch, die Farbe durch Wärmeeinwirkung und Oxidation ins dunkelbraune verfärbt.

    Bis jetzt läuft es sehr gut. Die Aufkonzentration geht bis an die Löslichkeitsgrenze des im Most enthaltenen Zuckers, die Temperatur habe ich mit einer selbst gebastelten Steuerung im Griff, so das bisher noch nichts anbrennen konnte und mein Bauchgefühl sagt mir, das ich auf dem richtigen Weg bin.

    Noch einige Tage köcheln und die für den nächsten Produktionsschritt benötigte Menge Balsam ist vorhanden.

  • Weinernte 2010: 1/2 Freude?

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    Freude bereitet das alltägliche Weinbergsessen.

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    Jeden Tag etwas anderes, sehr leckeres, aus der schnellen Küche um die Erntemannschaft zu motivieren. Freude bereiten die sehr gesunden Trauben. Ebenso sind wir über die Qualitäten erfreut.

    1/2 Freude bereitet lediglich die Erntemenge. Es gibt wenig, ganz wenig!  Wie überall in Deutschland und in weiteren Weinbauländern hat das kalte Blütewetter zu einer geringen Bestäubung geführt, der heiße  trockene Julig verringerte nochmals die Quantitäten und einiges faulte uns in den letzten Wochen auch noch weg.

    Getreu dem alten Winzerspruch  „Wenn man annimmt, es gibt weniger, dann gibt es noch weniger!“ wird der 2010er sehr knapp werden. Eine kleine Weinernte wie seit Jahrzehnten nicht mehr, wie auch Thomas Lippert und Bernhard Fiedler berichten.

  • Weinernte 2010: Winzerfreundliches Langeunterhosenwetter

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    Es wird endlich kühler, richtig kühl kalt. Morgen soll es in die Nähe des Gefrierpunktes gehen. Endlich die ersehnten Temperaturen, die die Fäulniss aufhalten können. Ist uns aber mittlerweile fast egal. Nachdem wir einige Tage in unseren Weinbergen vorsortiert hatten, leider ist viel verworfen worden, hängen nur noch gesunde Rieslingtrauben in den verbliebenen Weinbergen.

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    Nachdem sich in den letzten Tagen der talfüllende Nebel gelichtet hatte,

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    hatte man die schönsten Ausblicke auf die Mosel und das vergilbende Reblaub der Weinberge.

  • Weinernte 2010: Botrytis cinera

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    Wir hatten heute herrliches Erntewetter in der Reiler Goldlay.

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    In der Goldlay sind zwei Weinberge komplett geerntet, die anderen vorgelesen und nur noch gute Trauben hängen an den Rebstöcken.

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    Das diesjährige Problem heißt Botrytis cinera, der Grauschimmel. Durchaus erwünscht, bzw. ein absolutes Muss  zur Herstellung hochwertiger Auslesen, Süßweine und Dessertweine. Dann wird sie als Edelfäule bezeichnet.

    Bei weniger reifen Trauben und/oder frühzeitigen Auftreten gibt es massive Probleme. Durch die Niederschläge in den beiden vergangenen Monaten waren die Beeren bis zum Platzen mit Saft gefüllt. Die Beerenhäute wurden zeitgleich mürbe. Die hohe Luftfeuchtigkeit der letzten Wochen beschleunigte das dünn werden der Beerenhaut und führte zum Aufplatzen der Beeren.

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    Rasend schnell machte sich Botrytis breit. Dieser perforiert normalerweise die Beerenhaut, Wasser verdunstet und der Beereninhalt konzentriert sich. Bei hohen Temperaturen und der gerissenen Beerenhaut kommen noch andere Schadpilze zum Zuge, die äusserst unangenehme Nebenwirkungen auf den Wein haben. Zu einen wird die Weinqualität sehr stark vermindert, zum anderen sind Stoffwechselprodukte einiger dieser Pilze nicht gerade gesundheitsfördernd.

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    Wir müssen noch einen Erntetag in unseren Burger Weinbergen vorlesen: Die schlechten auf den Boden, die Aufgeplatzten und frisch vom Botrytispilz befallenen Trauben in die Erntekiste und dann haben wir hoffentlich noch viele gesunde Trauben an den Rebstöcken hängen, die noch weiter reifen können. Vielleicht gibt es dann ja frische Edelfäule, die, in Verbindung mit kühlem Wetter, uns eine Auslese aufkonzentriert.

    Ein Pilz, der eine gute Seite und eine schlechte Seite hat. Eine Hassliebe wie Winzerkollege Armin Kobler in seinen Blog schreibt.

  • Weinernte 2010: Der Most schmeckt!

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    Während gestern die ersten Trauben gepresst wurden, fand ich noch Zeit meine Holzfässer richtig aufs Fasslager zu legen und auszurichten. Trotz Herbsthektik wurden sie wie immer sorgfältig  mit Hilfe einer Schnur in Reih und Glied ausgerichtet.

    Die ersten beiden Weinberge sind abgeerntet. Die mürben Trauben hätten die nächsten Tage nicht gesund überstanden. Die derzeit sehr hohe Luftfeuchtigkeit bei hohen Temperaturen fördert Schadpilze, die äussert negativ für den späteren Weingeschmack sind. Die analytischen Eckwerte sind bis auf die knackige Säure sehr gut, und ganz wichtig, der Most schmeckt! Fruchtig, klar und aromatisch, was auf eine gute Weinqualität schließen lässt.

    In den nächsten Tagen werden angeschlagene, mürbe Trauben vorgelesen und selektiert. Dann dürften nur noch gesunde Trauben in den Weinbergen hängen die noch weiter reifen können. Die Wetterlangzeitprognose verheißt kühles Wetter mit niedriger Luftfeuchte. Genau das, was ich in meinem vorgestrigen Blogeintrag als winzerfreundlich bezeichnet hatte. Hoffentlich trifft die Prognose zu, denn sonst könnte es ein Turboernte wie 2006 werden, als wir durch die drohende Fäulnissgefahr binnen weniger Tage alles abernten mussten.

  • Weinernte 2010: Mürbe

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    Die letzten Tage waren nicht gut für unseren Riesling.  Hohe Temperaturen bei Tag und Nacht mit extremer Luftfeuchtigkeit haben den Riesling mürbe und porös gemacht. Fast über Nacht. Etliche Beeren bzw. ganze Trauben sind betroffen. Die ideale Eintrittsforte für Fäulniserreger. Morgen werden wir losschlagen. Zwei Weinberge müssen sofort abgeerntet werden bevor Verderb, Ernte- und Qualitätsverluste drohen. Danach wird selektiv gelesen. Die mürben Trauben werden geerntet und die Gesunden können noch Sonne tanken.

    Größtenteils sind unsere Trauben noch in einem guten Zustand aber leider kann es, wird es ganz sicherlich, morgen anders sein. Ich lasse mich vom Wettergott überraschen, ob in den nächsten Tagen winzerfreundliches Wetter kommt.

  • Collis Turm

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    Gestern sind wir mit unseren Freunden auf Schusters Rappen unterwegs gewesen. Bei sommerlichen Temperaturen war das Ziel der Collis Turm mit dem dazugehörigen Steilpfad in Zell/Mosel. Die Aussicht vom hoch gelegenen Aussichtsplateau war berauschend.

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    Die Dächerlandschaft von Zell und die Mosel im gleissenden Sonnenlicht,

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    und der Runde Turm, das Wahrzeichen der Stadt Zell.

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    Die Zwischenrast beim Aufstieg gab es bei Petra. Sie hat vor einigen Jahren einen kleinen verwilderten Weinberg nebst einer schnuckeligen Weinbergshütte erworben, den Weinberg rekultiviert und das Weinbergshäuschen renoviert.

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    Gestern war die Hütte bewirtet und neben Riesling gab es noch regionale Spezialitäten, z.B.  Kartoffelsuppe mit Aal oder eine Wurst von der wilden Sau.

     


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  • Weinernte 2010: Ruhe vor dem Sturm

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    Zur Zeit genießen wir noch die Ruhe vor der Ernte. Die Vorbereitungen für die Rieslingernte sind größtenteils abgeschlossen.

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    Während andere Kollegen schon in der letzten Phase der Ernte sind, haben wir noch Zeit und Muße um vor der Hektik des Herbstes ausgiebigst kulinarischen Genüssen nachzugehen.

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    Unsere Rieslingtrauben sehen zur Zeit sehr gut aus. Lt. den Reifemessungen der Agrarberatung ist das Mostgewicht vergleichbar mit dem des letzten Jahres zum gleichen Termin, lediglich die Säure ist etwas höher. Das lässt auf gute, wenn nicht sogar sehr gute Qualität hoffen. Das Wetter muß nur noch mitspielen. Die Temperatur ist fast egal. Der Riesling ist an das kühle Klima in unseren Regionen angepasst und lässt sich durch niedrige Temperaturen nicht davon abhalten, Geschmack in die Trauben einzulagern.  Nur noch Regen kann uns den Spaß noch verderben. Fäulniss könte das Resultat sein und uns zum vorzeitigen Ernten wie beim Rivaner zwingen. Es wird spannend…

  • Junges Leben

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    Heute war ich zum letzten mal einige Weinberge mähen, damit meine Erntehelfer nicht kniehoch in der Begrünung stehen müssen. Da ich beim letzten mal vergessen hatte den Mulcher zu säubern, wuchs schon junges Leben auf den Resten vom letzten Mähgang. Morgen noch Generalreinigung und dann geht es auch für den Mulcher in die Winterpause.