Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

  • Hoffnung in den Zeiten der Dürre

    2014-06-28 Regen

    Der Transporter war sauber gewaschen, die Fenster am Haus auch und die Meteorologen hatten ausnahmsweise auch recht. Regen! Zwar nicht reichlich, aber immerhin soviel, das uns vorerst geholfen ist. Die für morgen geplante Bewässerung unserer zweijährigen Junganlage ist somit abgesagt und der Winzer ist seiner Sorgen enthoben, vorerst zumindest.

  • der Druck ist raus

    2014-06-25 FertigDie sommerlichen Hauptarbeiten sind erledigt. Die Rebtriebe sind geheftet, oder wie es in Österreich bei meinem Kollegen Berhard Fiedler heißt, eingestrickt. Die Traubenzone wurde entblättert und der erste Laubschnitt ist auch schon erledigt.

    Die Weinberge sehen jetzt akkurat wie nach einem Frisörbesuch aus. Etwas Ruhe kehrt nun ein. Nicht, das wir arbeitslos wären, aber, wie sagt man so schön, der Druck ist raus.

    Wenn denn jetzt das akute Problem der extremen Trockenheit noch gelöst würde, wären wir sehr zufrieden. Dann könnten die kleinen Beerchen zügig wachsen und uns volle Fässer bescheren.  Regen ist für das Wochenende gemeldet, der Praktikant hat den Transporter gewaschen und die Chefin die Fenster – Sie kennen das doch mit dem Auto und Fenster waschen und meistens regnet es direkt danach -.  Müsste Muss einfach klappen, dass mit dem Regen.

  • Aus kleinen Sorgen können große werden

     

    2014-06-21 verdorrtes Gras

    Aus kleinen Sorgen können große werden. Die zur Zeit herrschende Trockenheit macht sich zunehmend bemerkbar. Seit über sechs Wochen ist kein Regen gefallen. Das bisschen Regen, das Pfingsten gefallen war, war schneller verdunstet als von Himmel geregnet. Etliche Begrünungen sind, je nach Pflanzenart, schon komplett verdorrt, mindestens stark leidend.  …………..2014-06-21 Triebspitze

    Den Reben kann man die Trockenheit, bis auf wenige Ausnahmen, noch nicht ansehen. Die Triebspitzen sind noch gekrümmt und die Pflanze ist von der Wasserversorgung her noch auf Wachstum eingestellt. ………………………………………..2014-06-21 TrockenstressIn jüngeren Weinbergen, in denen die Rebe noch nicht tief genug wurzelt und an Stellen, an denen der Fels hoch ansteht, bietet sich schon ein anderes Bild. Das Längenwachstum der Triebe hat sich verlangsamt bis zum Stillstand, die Triebspitze ist gestreckt. In den nächsten Tagen werden sich sicherlich die Blätter von der Sonne weg drehen, um weniger Wasser zu verdunsten.

    Etliche nachgepflanzte junge Reben sind schon verdorrt.

    Gut, dass in den letzten Tagen die Temperaturen nicht so hoch waren, denn sonst würde es anders aussehen. Es wird Zeit, das es ausgiebigst regnet, um eine mengenmäßig und qualitativ gute Ernte einzufahren.

  • Wir sind nominiert und die wahre Geschichte dahinter

    2014-06-18 nominiert

    Wir sind für den Social Media Preis der deutschen Weinbranche  „Wein-Online-Award 2014“ nominiert. Und das direkt zwei mal!

    Zum ersten in der Kategorie Fotografie mit einem Champagner ausschenkenden Mundschenk und zum zweiten in der Kategorie Text über den Besuch von Kurt Tucholsky in Reil.

    Preisverleihung ist am 28. Juni. Drücken Sie uns die Daumen!

    Aber nun die Geschichte dahinter:

    Mein Freund Schorsch Huesgen schrieb diesen Text anlässlich eines Geburtstagsvortrages im Schreibstil von Kurt Tucholsky. Zusätzlich schrieb er diesen Text mit einer alten Schreibmaschine nieder. Bei mir alterte das Papier via Photoshop um etliche Jahrzehnte. In Laufe der letzten Jahre wurde diese Geschichte hier regional immer weiter verbreitet. Unter anderem auch bei der Bio-Glühwei(h)nacht in unserem Keller. Sogar alte Reiler Einwohner konnten sich nicht an den Besuch von Tucholsky erinnern – ich auch nicht – und die Frage tauchte  auf, wo das Bild in Reil denn gemacht wurde.

    Mittlerweile wird diese Geschichte sogar von einem örtlichen Historiker als wahr weiter verbreitet und die Datierung des nominierten Artikels auf den 1. April hat auch keinen nachdenklich werden lassen. Aber jetzt wissen Sie es, nur ein Fake, ein großer Spaß für Schorsch und mich .

    Den Tucholskyartikel „Panter, Tiger und Co“ nebst dem „Originalskript“ finden Sie hier: https://www.steffens-kess.de/cms1/2014/04/01/panter-tiger-und-co-3/

    Der Text von Schorsch fängt im kursiv gedruckten Text ab dem vierten Absatz an. Viel Spaß beim lesen!

     

  • Handschmeichler

     2014-05-23 Kunst1Ein Kunstwerk ziert seit einigen Monaten unseren Hof. Ein sogenannter Handschmeichler. Jeder der an ihm vorbeikommt streichelt ihn.

    Auch einer der Wissenschaftler, die Anfang April ihr Forschungsprojekt in unseren Weinbergen fortgesetzt hatten, streichelte ihn. Beim Abschiedstrunk mit dem Zehnköpfigen Wissensschaftlerteam im Weingut, berührte dieser Wissenschaftler –  ein bekennender Junggeselle –  gedankenverloren den Stein und murmelte „kommt mir bekannt vor“. Gelächter der anderen, insbesondere der weiblichen Umtrunkteilnehmer, folgte postwendent.

    Scherz beiseite, lassen wir die Künstlerin, die aus Reil stammende Maria Hill,  über ihren „Landschaftskörper“ sprechen:

    „Ich bin Bildhauerin und Moselanerin. Eigentlich reicht das als Erklärung für die Entstehung meiner „Landschaftskörper“ aus, denn die Begeisterung für die Wirksamkeit des Wassers in seiner mäandernden Bewegung prägt seit Jahren meine Arbeit.

    Die Formel panta rhei – alles fließt  – braucht hier nicht nur auf den Riesling bezogen zu werden, denn sie ist hier als formgebendes Prinzip in der Landschaft unmittelbar zu begreifen.

    Für mich ist die Mosellandschaft eine überdimensionale begehbare Skulptur, ein riesiges plastisches Gebilde aus konkaven und konvexen Flächen, die das Wasser geformt hat. Und immer wieder drängen sich dazwischen figurative Aspekte auf, so dass Körperhaftes mit der Landschaft verschmilzt.

    Ich nehme Landschaft auf, spüre den bildenden Kräften des Wassers nach und gebe sie – nach einem Prozess innerer Umwandlung – in Steinskulpturen wider.

    In den vergangenen Jahren sind ganze Reihen von „Landschaftskörpern“ entstanden, in denen ich konkav und konvex angelegte Flächen mit Vorstellungen liegender weiblicher Körper verbinde. Dabei entstehen durchweg abstrahierte bis völlig gegenstandslose anthropomorphe Objekte, die Geschmeidigkeit ebenso wie entschlossene Klarheit und Strenge zeigen.

    Der „Landschaftskörper“ für Marita und Harald ist aus einem Muschelkalk aus der Nähe von Metz (Mosel). Auf dem sonnigen Muschelkalk fließt das Licht besonders weich und moduliert so die plastische Form.“

  • optimal

     

    2014-06-08 BlüteAlles läuft im Moment optimal. In den letzten Tagen wurden gemütlich bei kühlerem Wetter, ohne allzu viel zu schwitzen, die erste Runde bei den Laubarbeiten erledigt. Das jetzt heiße Sommerwetter hat die Rebblüte ungemein beschleunigt, das Längenwachstum auch. ………………………………………………..2014-06-08 Blütenkäppchen

    Sobald das Blütenkäppchen  abgeworfen ist, erscheint der Fruchtknoten mit Narbe und die Staubgefäße. Und dann ist es auch schon passiert und die Bestäubung ist erfolgt. Da die Reben Selbstbestäuber sind, werden keine Insekten benötigt. Die Blütenkäppchen sind größtenteils abgeworfen und sammeln sich im obigen Bild auf einem Blatt unter dem Blütenstand.

    Ich rechne mit einem guten Blühverlauf und sehr vielen bestäubten Fruchtknoten. Die frühe Blüte lässt auf eine qualitativ sehr gute Ernte hoffen.  In den nächsten Tagen sollen die Temperaturen wieder sinken, und der dann anstehende zweite Durchgang bei den Laubarbeiten wird hoffentlich bei angenehmeren Temperaturen erfolgen.

    Jetzt noch etwas Regen, dann wäre es perfekt, aber leider kommen die Niederschläge in den Sommermonaten meistens als Gewitterregen zu Boden und ganz aktuell, soeben vor einigen Minuten schon wieder eine Unwetterwarnung des Deutschen Wetterdienstes:

    „VORABINFORMATION UNWETTER
    vor SCHWEREN GEWITTERN

    für Kreis Bernkastel-Wittlich

    gültig von: Montag, 09.06.2014 19:00 Uhr
    bis: Dienstag, 10.06.2014 06:00 Uhr

    ausgegeben vom Deutschen Wetterdienst
    am: Montag, 09.06.2014 18:05 Uhr

    Von Frankreich ziehen heftige Gewitter auf. Dabei geht die
    Hauptgefahr von Hagel mit Korngrößen von loakal um 4 cm aus. Auch
    schwere Sturmböen, sowie heftiger Starkregen mit Niederschlagsmengen
    um 30 mm sind möglich.“

    Den Regen hätte ich gerne, aber nur die flüssige Form. Es wird spannend!

  • Das Reiler Goldlayschwein

     

      2014-06-01 Schwein1Fressen und gefressen werden, das Grundprinzip in der Natur. Jetzt bin ich beim Fressen dran! Das Reiler Goldlayschwein, zumindest ein Exemplar der Wildschweine die mir des öfteren den Boden aufwühlen, wurde letzte Woche vom Jäger erwischt.…………………………………………..

    Mit Hilfe eines Freundes wurde es gestern zerlegt. …………………………………………..2014-06-01 Soße

    Heute die Weiterverarbeitung, also Fleisch parieren, portionieren und einfrieren. Die braune Sauce aus den Knochen und Fleischresten, nebst Verwendung von Wurzelgemüse, Zwiebeln, Kräutern und reichlich Rotwein, köchelt momentan noch auf dem Herd.

    Jetzt noch genügend Mitesser finden – die halbe Familie isst vegetarisch und fällt daher aus -, eine der beiden Keulen aus der Tiefkühltruhe nehmen, diese drei Tage in unserem Riesling-Weinessig und einer Flasche Reiler Goldlay beizen baden. Das Bad mit den üblichen Zutaten von Zwiebeln, Möhren, Lorbeer und einigem mehr verfeinern. Scharf anbraten und bei Niedertemperatur garen.

  • gemütlich

    2014-05-29 heften2

    Die Rebtriebe werden zur Zeit in den Drahtrahmen eingeschlauft damit kein Windbruch entsteht und die Reben eine optimale Belichtung und Besonnung bekommen. Das ganze dazu noch ganz gemütlich und stressfrei.

    Das Rebwachstum ist bei den jetzigen Temperaturen bei so knapp über 20 Grad etwas ruhiger und wir kommen mit der Arbeit gut nach. Es ist bei diesen Temperaturen auch viel angenehmer im Steilhang zu Arbeiten als bei hochsommerlichem Wetter wie im letzten Jahr. Auch arbeitet unser Praktikant schnell und selbstständig, was eine enorme Beschleunigung der Arbeit bedeutet.

    Für das Festbinden von Trieben nachgepflanzter Rebstöcke, die nicht in den Drahtrahmen eingeschlauft werden können, hängt ein Bündel Naturbast am Gürtel. Einfach zu verarbeiten und ökologisch absolut korrekt!

  • Die Details wahrnehmen

    2014-05-23

    Die Details wahrnehmen, das, was sonst noch im Weinberg drumherum passiert. Sei es nur ein Marienkäfer (Coccinella septempunctata), seine Larven oder2014-05-23 Erdbeerendie Walderdbeeren Weinbergserdbeeren (Fragaria vesca), die vor zwei Wochen trockenheitsbedingt klitzeklein, mittlerweile, nach ausreichenden Nieder- schlägen, normal groß sind, jedoch kleiner als im letzten Jahr.…………………………….2014-04-29 KäferOder die verschiedenen Insekten an der Rebe oder im Weinberg. Man muss einfach nur die Augen offen halten, es gibt viele Dinge im Kleinen zu entdecken. Ich berichtete schon einmal: Mein persönlicher Mikrokosmos

  • Eine Handvoll

    2014-05-17 Kräuter

    Eine Handvoll Kräuter aus dem Kräutergarten, alternativ ergänzt durch im Weinberg wachsende Kräuter wie Allium vineale, Pfefferminze, Oregano oder Zitronenmelisse. Nach Belieben Knoblauch. Das ganze mit einem scharfen Messer klein hacken. Kräftig Salz und Pfeffer dazu, mit Riesling-Weinessig ansäuern. Mit einem halben Pfund Butter vermischen und fertig ist die Kräuterbutter.

    Auf ein frisches Baguette gestrichen, ein Glas Riesling dazu und der Sommer kann kommen, behaupten zumindest die Meteorologen für nächste Woche.