Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

  • Weinernte 2013: Es schmeckt

    2013-11-19 Jungwein

    Es fängt nicht mit der Ernte an und hört auch nicht damit auf.

    Hört sich ganz einfach an, ist es aber nicht. Zumindest für den Winzer. Die zentrale Frage nach der Ernte ist die, ob denn der „Neue“ geraten ist. Die zentrale Frage! Ich habe, trotz gewisser Erfahrung, immer noch meine Unsicherheiten während des Gärungsprozesses den jungen Wein zu beurteilen.

    Mittlerweile sind die meisten Weine am Ende der Gärung angelangt und erste Aussagen, soweit es die Jugendlichkeit und die starke Hefetrübung erlaubt, können gemacht werden. Die Neuen Rieslinge zeigen sich momentan von der besten Seite. Delikate Rieslingaromatik und eine frische Säure, die sehr gut eingebunden ist. Ich denke, dass ich im Weinberg und im Weinkeller alles richtig gemacht habe, um das Maximum an Qualität auch in diesem Jahr in die Fässer zu bekommen.

    Einfach gesagt: Es schmeckt!

  • Weinernte 2013: Bin zufrieden, Ziel erreicht

     2013-11-09 Dichte

    Bin zufrieden und habe das Ziel erreicht, zumindest was die Mosto Cotto Produktion angeht. So dick hatte wir das Rieslingtraubensaftkonzentrat bisher noch nicht hinbekommen. Sage und schreibe 355 Grad Mostgewicht! Damit wäre ich wieder einmal Öchslekönig!  Zudem weitere Analyseparameter, die für den Geschmack und für die Weiterverarbeitung zu Riesling-Balsamessig ideal sind.2013-11-11 Abfüllen

    Gestern wurde die erste Charge des Mosto Cottos abgefüllt. Da wir mittlerweile größere Mengen produzieren, musste natürlich ein spezielles Füllgerät her. Im letzten Jahr noch mittels Glasballon und Auslaufgarnitur gefüllt, kam gestern ein spezieller Abfüller für dickflüssige Medien zum Einsatz. Im Sommer das erste Mal getestet, die elektronische Zeitsteuerung benötigte 11 sec um eine Flasche zu füllen. Nun, beim Neuen Mosto Cotto und kühlem Abfüllraum, musste die Abfüllzeit schnell nach oben korrigiert werden. 18 Sekunden je Flasche waren es dann am Ende. Beim nächsten Mal werde ich das Konzentrat etwas erwärmen, damit das Abfüllen schneller geht.

    Ab sofort wieder hier erhältlich.

  • Weinernte 2013: Randgeschehen

    2013-10-28 KinderDer Kleinste immer im Tragetuch oder im Kinderwagen dabei, die beiden Größeren, die abends beim Kistenreinigen halfen, kamen mit dem Mittagessen in den Weinberg. Das bei Kleinkindern übliche „kann ich mal auf der Raupe mitfahren“ und natürlich am Wegesrand spielen, dabei Figuren aus Matsch formend, der dieses Jahr überaus reichlich vorhanden war.…………………………………………………………………2013-10-24 RaupeZwischendurch musste den Kindern noch die heimische Fauna erklärt werden.

    2013-05-21 DreckSpaß mit dem Matsch hatte auch unser Praktikant beim Reinigen des Kettenschleppers. Erst nach mühseligem Hochdruckreinigereinsatz war die Raupe sauber, der Praktikant von oben bis unten bespritzt und an der Waschstelle lag einiges an Erde.

    2013-10-28 Eidechse

    Ich kämpfte mit dieser Weinbergseidechse, die ich in einer Erntekiste entdeckt hatte. Erst nach dreimaligem umfüllen der Trauben wurde ich des Tieres habhaft und konnte es in die Freiheit entlassen, bevor es auf der Weinpresse sein Leben gelassen hätte.2013-10-26 KellerIm Weinkeller sind alle Moste am Gären. Bei der täglichen Gärkontrolle wird natürlich probiert und wir sind zufrieden, zumindest qualitativ. Die Menge ist sehr bescheiden. Das zweite Erntejahr mit wenig Ertrag in Folge. Die gärenden Weine schmecken alle sehr sauber und reintönig. Keinerlei negative Einflüsse durch vergammelte Trauben, da wir diese im Weinberg hängen gelassen haben. Ich denke, dass wir auch in diesem Jahr alles richtig gemacht haben.

    Jetzt noch in Ruhe die Gärung der jungen Weine abwarten und dann wir können mehr zu den 2013er Weinqualitäten sagen.

  • Weinernte 2013: Wir haben fertig

    2013-10-27 Erntehelfer Pünktlich zum Wetterumschwung beendeten wir die Weinernte. Nun ist ideales Erntewetter, kühl und trocken, leider drei Wochen zu spät, aber so ist das halt, wenn man mit der Natur arbeitet.

    Und wie jedes Jahr ein Dankeschön an unsere Erntehelfer. Ganz besonderen Dank an Sören unser Schulpraktikant und an Tristan, der sein Vorpraktikum fürs Weinbaustudium bei uns ableistet. Beide waren uns eine große Hilfe bei der Ernte und abends im Weinkeller. Immer gut drauf und jede Menge Überstunden erbringend. Marita, Felix, Alice, die auch die Kinderbetreuung übernommen hatte, Opa Reinhard, Margot, Piet und Felicitas (v.l.n.r.) und die nicht im Bild dabei gewesenen: Angelina, Sebastian, Schorsch, Walter, Daniel, Margit, Uli, Willem, Vigen, Hennes, Luis, Rainer, Leon, Barbara und Rosi,

    Wie immer: Rasend schnell, einsame Spitze im Selektieren, immer gut drauf und alle Neuigkeiten aus dem Dorf wissend.

  • Weinernte 2013: Schwarzriesling

    2013-10-28 Schwarzriesling

    Die Aufgabe: Das Beste daraus zu machen und zu selektieren.

    2013-10-28 Botrytis

    Der Müll bleibt im Weinberg hängen: Schwarzriesling! Riesling, schwarz durch Fäulnis verfärbt und ein Paradies für sämtliche Mikroben, die bei der Weinbereitung nichts zu suchen haben.

    2013 zählt zu den vier „besonderen Weinjahren“ in meiner Winzerkarriere. Ich meine nicht das Endergebnis, den Wein, sondern die besonderen Vorkommnisse, Erschwerlichkeiten und das Leben schwermachende Erntevorkommnisse. Da wäre der 1980er, jeder Erntetag erfolgte bei Frost, die Säure fast so hoch wie das Mostgewicht. Der 1982er, jeden Tag, ohne Ausnahme, Regen während der Ernte. Dabei so viel, das die Winzer nicht wussten wohin mit dem Traubensaft. Es gab Schwimmbäder, die mit Most befüllt wurden. Der 2000er, der mir zum ersten mal die vielfarbigkeit unerwünschter Mikroben auf den Trauben zeigte. Rosa-, Weiß-, Blau-, Grünschimmel und weitere waren zu sehen. Es wurde selektiert wie der Teufel, ein Weinberg nicht abgeerntet und unsere Weine hatten keine Probleme mit Medizinal-, Champignon- oder Bittertönen. Der 2006er, rasend schnell um sich greifende Fäulnis, jedoch tiefere Temperaturen und trockenes Wetter, die weiteren Verderb hemmte. Eine rasend schnelle Ernte sicherte damals den Ertrag und die Qualität.

    Verglichen mit den Missernten vergangener Zeiten geht es uns im Vergleich richtig gut. Nächstes Jahr wird bestimmt besser!😉

  • Weinernte 2013: Bild des Grauens

     2013-10-24 SchneckeWährend sich die Bänderschnecken bei dem feucht/warmen Wetter sehr wohl fühlen, leiden die Rieslingtrauben ungemein.2013-10-26 Botrytis3Nicht mehr verwerfen, wie in meinem letzten Artikel, sondern einfach hängen lassen. Retten was noch zu retten ist! Man sieht die Trauben förmlich wegfaulen. Eilig die gesunden und verwertbaren Trauben ernten, die mies aussehenden und schon teilweise stark muffig stinkenden hängen lassen. Können wir für unsere Weine nicht gebrauchen.

    Die Regenspiele der vergangenen Wochen waren einfach zu viel für die Trauben. Massive Regenfälle, tagsüber die 20 Grad Marke überschreitend und nachts nicht wirklich abkühlend, dazu die Luftfeuchtigkeit nahe bei 100% und der Winzer steht Ende Oktober noch mit dem T-shirt im Weinberg. Dann lieber Langeunterhosenwetter, aber für dieses Jahr zu spät.

  • Weinernte 2013: Goldener Oktober?

    2013-10-24 Herbstfarben

    Tagsüber herrliches Oktoberwetter mit Sonnenschein und Blattverfärbung der Reben. Der Winzer arbeitet bei fast sommerlichen Temperaturen im T-shirt, dazu fast jeden Abend Regen und eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit.2013-10-24 FaulIdeale Bedingungen für die Dinge, die der Winzer nicht braucht. Zum Glück hatten wir bisher nur frisch von Fäulnis befallene Trauben, welche keine geschmacklichen Probleme im Wein bereiten. Nur einige, ganz wenige, wurden verworfen.2013-10-24 Riesling

    Gestern hatten wir sogar einen Weinberg, in dem ohne Vorselektion fast ausschließlich gesunde reife Trauben gehangen hatten.

    2013-10-24 Botrytis

    Seit heute wird viel weggeworfen. Solche Trauben sind nicht für unsere Weine geeignet! Mufftöne, Bitternoten usw. wären die Folgen auf den Geschmack. Das tut weh, insbesondere da die Erntemenge klein, sehr klein ist.

    Die Witterungsbedingungen sind alles andere als gut zu bezeichnen. Die Rieslingtrauben sind überall am kollabieren. Über Nacht  mazeriert die Traubenschale und die Mikroben freuen sich. Ein Schreckgespenst für viele Winzer.

    Gut, das wir das mit der Seneszenz begriffen haben und unsere Weinbergsbewirtschaftung danach ausrichten, denn sonst wäre der Schaden noch viel größer. Auch Kollegin Martina Arns kennt diese Problematik und berichtet auf Ihrer Homepage.

    Die Weinernte macht aber trotzdem Spaß, alle sind guter Dinge, der frische Traubenmost schmeckt sehr gut und ist von der Fäulnis unbeeinflusst und die analytischen Eckdaten sind ebenfalls im grünen Bereich.

  • Weinernte 2013: Es läuft rund!

    2013-10-21 Bellenau

    Gestern noch eine Rundmail an Freunde geschickt, nachdem mir drei Erntehelfer abgesagt hatten und uns Helfer fehlten.  Heute morgen um acht die erste Reaktion und Zusage für nächste Woche, um zehn stand der Zweite schon im Weinberg, um elf meldete sich der Dritte mit morgigem Arbeitsanfang, der Vierte kam um eins, um vier bekam ich von einem Kollegen, der schon am Mittwoch mit der Weinlese fertig wird, seine ganze Mannschaft angeboten. Zwischendurch…

    Es läuft rund!2013-10-21 Kisten reinigen

    Auch abends läuft es rund. Die beiden Praktikanten reinigen die Kisten, und die ganz Kleinen stapeln diese wieder auf dem Anhänger.2013-10-19 Kinderwagen

    Der Allerkleinste schaut nur zu. Entweder vom Tragetuch seiner Mutter aus, oder vom Kinderwagen, der mit dem Kettenschlepper an den gewünschten Standort gebracht wird. Natürlich ohne Kind.

     

  • Weinernte 2013: Es könnte alles so schön sein!

    2013-10-19 MutterKind

    Es könnte alles so schön sein! Gestern Kaiserwetter, eine hoch motivierte Ernte- mannschaft, der kleinste im Tragetuch ganz friedlich und die ältesten Helfer noch immer geländegängig.2013-10-19 Riesling

    Wären da nicht die Trauben. Der Regen hat den Rieslingtrauben übel mitgespielt. Die Beerenhäute sind ganz dünn, teilweise mazeriert und aufgeplatzt. Fäulnis macht sich rasend schnell breit. Das ist noch nicht das große Problem, könnte es aber in den nächsten Tagen werden. Die warmen Temperaturen und die hohe Luftfeuchtigkeit werden den Trauben weiter zusetzten. Zudem befürchte ich, dass sich weitere Schaderreger in den Trauben breit machen. Grauschimmel, Penicillium, Rosaschimmel, Blauschimmel, Grünfäule, Essigfäule und so weiter. Alles Dinge, die der Winzer nicht brauchen kann.

    Noch ist es nicht so weit! Bis dahin werden wir sehr zügig ernten und wenn uns diese Widerwärtigkeiten begegnen, werden die befallenen Trauben auf den Boden geworfen. Ich rechne mit vielen Trauben, die nicht den Weg in den Weinkeller finden.

    Falls noch jemand Lust hat, uns bei der Ernte zu helfen: Wir würden uns über jede helfende Hand freuen! Es eilt!

    Nachtrag 22.10.2013

    Heute berichtete der Trierische Volksfreund über die Fäulnisgefahr beim Riesling. Darin wurde obiger Blogeintrag teilweise zitiert. Weitere Erntehelfer haben sich aufgrund dieses Zeitungsartikels bei uns gemeldet.

  • Weinernte 2013: Tag eins der Rieslingernte

    2013-10-16 ErntebeginnTag eins der Rieslingernte. Die Regenfälle der vergangenen Tage haben den Trauben nicht gut getan. Nach zwei Jahren, in denen fast nichts, bzw. ganz wenig selektiert werden musste, ist jetzt sortieren nötig. Die durch die Regenfälle angeschlagenen Trauben, die schon erste Anzeichen von Fäulnis zeigen, werden in den nächsten Tagen geerntet, damit die gesunden weiter reifen können. Stärker von Fäulnis betroffene Trauben und Beeren werden verworfen. So war das eigentlich gedacht.

    Ich habe das Gefühl, das das mit dem Selektieren dieses Jahr nicht in allen Weinbergen möglich sein wird. Die Beerenhaut der gesunden Beeren ist sehr dünn, so dass bei weiteren pilzgünstigen Bedingungen eine weitere Fäulnisentwicklung zu erwarten ist. Der anstehende gemeldete Temperaturanstieg und Regen zum Ende der Woche wird die Situation verschärfen.

    Morgen werde ich mir einen Überblick über die Gesamtsituation in den Weinbergen machen und dann weitere Ernteplanungen anstellen. Ich gehe davon aus, das wir zügig ernten werden. Sehr zügig, jedoch nicht so panisch wie im Fäulnisjahr 2006, wo wir binnen weniger Tage alle Rebflächen abernten mussten.

    Trotz dieser etwas düsteren Prognose ist die Erntemannschaft vergnügt und freut sich über das gemeinsame Mittagessen im Weinberg.