Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

  • Nicht perfekt, aber optimiert

    Die Unterstockpflege ist im Steilhang ein schwieriges Thema. Herbizide kommen bei uns als Ökobetrieb selbstredend nicht in Frage. Die mechanischen Geräte sind alle für die Ebene konzipiert und funktionieren dort gut. Ich hatte schon einmal im Blogeintrag  „Gestern! Heute! Morgen?“ über mechanische Möglichkeiten  berichtet. Der Lösungsansatz ist gut, aber das Preisschildchen, das natürlicherweise auf diesen Maschinen klebt, sagte mir etwas anderes.

    Also die bekannte und im Betrieb vorhandene Technik verbessern und optimieren. Den ersten Ansatz hatte ich schon vor zwei Jahren gemacht. Ein innovativer Gummilappen, mit Schrauben als Reißzähne bewehrt, soll die Wildkräuter zur Seite drücken, damit der Unterstockmulcher diese erfassen kann und abmäht.

    Mittlerweile ist der Gummilappen noch etwas optimiert worden, eine Gasdruckfeder sorgt für zusätzliche Kraft am Ausleger, weitere Verbesserungen sind angedacht und werden in arbeitsruhigeren Zeiten am Mähgerät umgesetzt.

    Das ganze ohne große Kosten. Es fällt nur noch minimal Handarbeit an. Einige Kräuter sind noch stärker wie Gummilappen und Mähteller und müssen händisch beseitigt werden. Zu Fuß mit der gekröpften japanischen Sichel geht es diesen an den Kragen. Die große Sense mit dem kurzen Blatt, hat, bis auf einige Spezialanwendungen, für diese Arbeit ausgedient.

    Die Kosten sind um einiges geringer wie bei einer vollständigen mechanischen Lösung. Die Sense kann aus der Portokasse bezahlt werden und die Mehrarbeit des hindurchlaufens der Rebanlage liegt unter 5 Stunden pro Hektar und kann durch eine entsprechendes Begrünungsmanagement noch weiter verringert werden, bzw. mit einer etwas toleranteren Einstellung zu Wildwuchs im Unterstockbereich gegen null geführt werden.

  • Mal kurz übern Berg…

    2013-09-07 KunstMal kurz über den Berg und dann mal richtig wandern gehen, so die Verabredung mit Freunden. Vorgestern, am späteren Nachmittag, der Start am Bahnhof in Reil und mit den Zug nach Bullay gefahren. Der Aufstieg in den Hunsrück mit voll gepackten Rucksack war in der Hitze etwas beschwerlich, wurde aber bei den letzten Häusern in Bullay durch den optischen Reiz von Kunst im Garten gelindert.2013-09-07 CaminoÜber den Mosel Camino und den Moselhöhenweg ging es in Richtung Beilstein.2012-09-07 Grenderich

    Gemächlich, der Hitze wegen mit einigen Pausen, größtenteils im Wald gehend, erreichten wir unser Etappenziel, die Waldhütte Waldeslust oberhalb von Briedern.2013-09-07 Beilstein2

    Ein herrlicher Ausblick auf Beilstein und die links der Mosel gelegenen Eifelhöhen bot sich von diesem hoch gelegenen Aussichtspunkt. 2013-09-07 Beilstein

    Am nächsten Morgen zuerst talwärts nach Beilstein, ganz bequem und gemütlich, noch nicht ahnend, was auf uns zukommen würde.2013-09-07 Breva Pfad2Über schmale Pfade stiegen wir hinter Beilstein in den steilen Hang hinauf. Der Wanderweg „Erlebnis Moselkrampen“ in Richtung Fankel war etwas „gemütlicher“ zu laufen. Einmal den Berg hoch und wieder runter um es einfach auszudrücken. Wobei das hoch und runter grobe 250 Höhenmeter ausmachte. Die Temperaturen und die Sonnenstrahlung gegenüber dem Vortag deutlich geringer, jedoch sehr schwül.

    In Bruttig-Fankel schauten wir uns zuerst die Mittelalterlichen Häuser an, dann eine ausgiebigere Rast mit Imbiss und auffüllen der Wasservorräte im Rucksack und Körper.

    2013-09-07 Breva PfadDer BREVA Weg zwischen Bruttig und Valwig wurde in Angriff genommen. Alle bisherigen Wanderungen an der Mosel, auch der Calmont Klettersteig, waren im Vergleich nicht so anstrengend wie dieser Weg. Ca. 285 Höhenmeter wurden bewältigt. 2013-09-07 BrevaAls Entschädigung gab es spannende Blicke ins Tal, Buchsbaumwälder im oberen Hangbereich und ein sehr spannender Wanderweg. Übrigens, der BREVA Wanderweg wurde von einigen Winzern initiiert, die als Gemeinschaftsprojekt auch einen BREVA Wein gemeinsam keltern. Mit den Kauf dieses Weines wird unter anderem die Pflege dieses Weges finanziert.

    Im Tal bei Valwig angekommen, ging es wieder bergauf in die Höhenregionen der Moselberge. Die letzte Etappe führte über den Apolloweg. Der Wegabschnitt von Valwig  nach Cochem gehörte zum einfacheren Teil dieses Wanderweges. Ermattet vom anspruchsvollem BREVA Weg waren wir dankbar für den Weinbergsweg auf halber Berghöhe, der uns ohne weitere Steigungen  zu unserem Endpunkt führte. Kurz nachdem wir das Naturschutzgebiet Brauselay verlassen hatten, erreichten wir Cochem. Mit der Bahn wurde wieder nach Hause gefahren.

    In den beiden Tagen wurden ca. 28 km gewandert und ca. 1000 Höhenmeter bewältigt. Dazu noch eine kurze Übernachtung im Schlafsack auf harten Untergrund. Jederzeit wieder, auch in Teiletappen!

  • Kaiserwetter

    2013-9-05 Himmel

    Fast wie im Hochsommer! In den letzten Tagen und Wochen gab es fast ausschließlich Kaiserwetter. Strahlend blauer Himmel und hochsommerliche Temperaturen. Das Optimum für die Entwicklung der Trauben. Es soll in den nächsten Tagen etwas kühler werden. Danach habe ich die Hoffnung auf einen schönen Altweibersommer, den die Meteorologen noch nicht in ihren Prognosen haben.

    Die Weinberge sehen sehr gut aus. Die Mitte August gefallenen Niederschläge hatten den Reben sehr gut getan. Das meiste davon ist aber wieder verbraucht, so dass es meiner Meinung nach noch etwas regnen könnte. Aber der soll ja in den nächsten Tagen evtl. kommen. Die Weinernte rückt näher und wir sind nun auf der Zielgeraden.

  • arte, Teil 3: Rein und raus

    2013-08-30 Marita FaßKlappe die Erste, die Zweite, die Dritte…

    Wie sollte es auch anders sein. Rein ins Fass, raus aus dem Fass. Holzfassreinigen mit der Bürste war gestern geplant.  Bis es jedoch dazu kam, musste meine Frau gefühlte 10mal ins Fass klettern, bis alle zufrieden waren.2013-08-30 Faß

    Zuerst wurde durch das Fasstürchen die Reinigung gefilmt,2013-08-30 Philip Faß

    dann musste der Kameramann auch noch ins Fass, um das ganze aus der Nähe zu filmen. Beim Rauskrabbeln machte er einen glücklichen Eindruck. Der Enge entflohen? Gute Filmaufnahmen? Nette Winzerin?2013-08-30 Interview

    Das Interview mit meinem Töchterchen, die als Weinprinzessin gerade das an diesem Wochenende stattfindende Straßenweinfest mit der Weinkönigin eröffnet hatte, ging sogar ohne Wiederholung über die Bühne. Filmproduzent Thomas war sehr zufrieden mit den an diesen beiden Drehtagen aufgenommenen Aufnahmen.

    In einigen Wochen noch ein Drehtermin. Es wird der unspektakulärste sein. Für mich auf jeden Fall. Im Film wird er sicherlich das Highlight.

  • arte, Teil 2: Wagemutig

    2013-08-29 KranDas gestern für den heutigen Drehtag bestellte Sommerwetter kam heute morgen pünktlich zum Drehbeginn der arte Dokumentation. Die Profis der Produktionsgesellschaft bauten zuerst das Equipment auf, bevor es ans Filmen ging.

    2013-08-29 Pigott

    Als Gast durfte ich heute Morgen den bekannten Weinjournalisten Stuart Pigott begrüßen, den ich schon seit langer Zeit kenne. Zuerst eine gemeinsame Weinbergsbegehung mit Stuart, danach erfolgten etliche Interviews mit uns beiden, bzw. mit jedem einzeln. Das ganze im Weinberg, später im Weingut auf der Terasse, vor, während und nach dem gemeinsamen Mittagessen. Dazu noch das übliche zuprosten, und das natürlich mehrfach, wie ich schon im ersten Teil meiner Berichterstattung über diese arte Produktion berichtet hatte. Nebenbei stellte ich Stuart noch unsere aktuelle Weinkollektion vor und das Kamerateam probte während der Mittagspause ebenfalls unsere Weine.2013-08-29 Raupe

    Wagemutig ging es gesättigt weiter: Aufnahmen im steilsten Weinberg! Tags vorher hatte ich eine provisorische Transportpritsche gebaut. Der Kameramann sollte eigentlich sitzen. Relativ ungefährlich. Falls er Angst hätte, hätte ich ihn noch mit einem Zurrgurt festschnallen können, aber nein!

    2013-08-29 Raupe steilFast freihändig mußte ich mit ihm bei ca. 60% Steigung in den Weinberg einfahren, Rebzeile runter- und wieder rauffahren. Und als ob das nicht ausgereicht hätte – wie beim ersten Dreh: Klappe die Erste, die Zweite. die Dritte….

  • Projekttreffen

    2013-08-27 Biodiversität

    Ich berichtete hier schon einmal über das Projekt der Bodenseestiftung und des Global Nature Fund zur Biodiversität. Untersucht werden die direkten ökologischen Auswirkungen eines Betriebs, für die der Winzer direkt verantwortlich ist und die er beeinflussen kann, als auch die indirekten, die durch den Dialog mit seinen Partnern/Zulieferern zustande kommen.

    15 ECOVIN Weingüter, darunter auch wir, wurden bisher eingehend auf die ökologischen Auswirkungen untersucht. Heute gab es die erste Zwischenbilanz bei einem Treffen im Weingut Klaus und Susanne Rummel in der Pfalz. Nicht nur der CO2 Fußabdruck, den ein Weingut hinterlässt, sondern auch die Wiederverwendbarkeit und Verwertbarkeit von Betriebsmitteln stand im Focus der Diskussionen. Zudem wurde auch die Reccourchenschonung intensiv betrachtet.2013-08-27 Glasrecycling

    Das Weinbehältniss, die Weinflasche, war ein Schwerpunkt des heutigen Tages. Interesannterweise kann die von uns verwendete Grünglasflasche zu 100% aus Altglas gewonnen werden, während Braun- oder Weißglas nur bis max 70% aus Altglas gewonnen wird und immer wieder neue Primärrohstoffe verwendet werden müssen. Natürlich ist das Wiederbefüllen gereinigter Weinflaschen ökologisch noch wertvoller, jedoch nicht immer machbar.

    Auch die Flaschenverschlüsse kamen auf den Prüfstand. Ökologisch der geringste CO2 Fußabdruck, allerbeste Umweltverträglichkeit bei der Produktion und der späteren Verwertung wurde dem Korken bescheinigt. Als extremer Gegensatz der Anrollverschluss aus Aluminium, der bei erstmaliger Verhüttung von Aluminiumerz mit extrem hohem Energieaufwand produziert wird und der bei der Produktion die Umwelt und den Menschen durch den dabei entstehenden Rotschlamm stark gefährdet.

    Sogar kleinste Details, wie der Klebstoff der Etiketten, wurden angesprochen. Die für Veganer vielleicht wichtige Frage, ob es Knochenleim sein darf, wurde nur am Rande erörtert, da dies nicht Umweltrelevant ist.

    Weitere Auswirkungen unseres Tun und Handelns auf die Umwelt kamen ebenfalls zur Sprache. Erste Maßnahmen zur Verringerung dieser Auswirkungen wurden auch schon besprochen. Ein weiteres Jahr wollen die Spezialisten der Bodenseestiftung und des Global Nature Fund die Weingüter analysieren und dann einen Maßnahmenkatalog erstellen, mit dem diese Auswirkungen nochmals minimiert werden können.

  • arte, Teil 1: Drehbeginn

    2013-08-14 Monorack

    „Entstehen werden drei Hochglanz-Dokumentationen a 45 Minuten, die beeindruckende Landschafts- und Luftaufnahmen mit spannenden Geschichten rund um Land und Leute verbinden sollen; Sendetermin ist in der Primetime um 19:30 Uhr im Jahr 2014.“

    so der Produzent in einer mail an mich.

    Dieser Tage war Drehbeginn. Im Auftrag von arte wird von ThoRa Film ein dreiteiliger Film über die Mosel gedreht. Einmal die französische, einmal luxemburger und einmal deutsche Mosel. Für den Moselteil habe ich als Statist eine der Hauptrollen (?). Der erste Auftritt war bei Kilian Franzen und Angelina Lenz in Bremm. Ich traf das Filmteam am Bremmer Calmont, dem steilsten Weinberg Europas. Da kein Weg und Steg in diesem steilen Gelände ist, sind die Weinberge mit der Monorackbahn erschlossen.  Ein wahres Paradies für Filmer, um Videos zu drehen. Zwei Beispiele finden Sie hier und hier.2013-08-14 KameramannIm Weingut von Kilian dann natürlich auch Riesling trinken und zuprosten, nebenbei mit Kilian und Angelina noch ein Interview. Und da, wie beim öffentlich-rechtlichem TV in der Regel üblich, der Qualitätsgedanke ganz oben steht, natürlich Klappe die Erste, die Zweite. die Dritte….

    Selten, dass ich so oft meinen Mittrinkern zuprosten und mit den Gläsern anstoßen musste, zeitgleich aber sehr wenig Riesling getrunken wurde.

    Mein Statistendasein wird noch für zwei weitere Drehtage andauern. Die „Dramaturgie“  ist mir grob bekannt, spontane Ideen werden kreativ umgesetzt. Man merkt, das Profis die ihr Handwerk verstehen am Werk sind.

  • Bargeld

    2013-08-12 Regen

    Bargeld kam soeben vom Himmel. Reichlich Regen und er hat noch nicht aufgehört während ich diese Zeilen schreibe. Wir sind den Sorgen der vergangenen Tage enthoben. Da werden sich die Reben freuen und natürlich freut der Winzer sich auch. Kurz bevor sich aus kleinen Sorgen, große Sorgen entwickeln konnten, ist dieser Landregen ein Segen für uns, damit die kommende Ernte qualitativ und quantitativ ein Erfolg wird.

  • In Reil steppt der Bär

    2013-08-10 Tröte

    Wie jedes Jahr: In Reil steppt der Bär! Weinfestzeit. Gestern war Weinköniginnenabholung mit Blasmusik und Empfang im Elternhaus der Weinkönigin.2013-08-10 Königinnen

    Mit dabei die trinkfesten, gekrönten Häupter der umliegenden Gemeinden. 2013-08-10 Umzug

    Mit einem Festumzug ging es dann zum Festgelände.2013-08-10 Weinköniging

    Zuerst die üblichen Reden der örtlichen Politprominenz, dann ganz launig und lustig der Redebeitrag der Reiler Weinkönigin Verena mit ihren Prinzessinnen Caroline und Sophie, die alle Drei mangels Nachfolger nun in ihr zweites Amtsjahr gehen.

    2013-08-10 Feuerwerk3

    Danach konnte dann das Feiern beginnen, welches durch ein Feuerwerk in der Reiler Goldlay kurz unterbrochen wurde.

  • Interesannterweise

    2013-08-09 Laubschnitt

    Interesannterweise haben die meisten Reben die lange Trockenperiode und heißen Sommertemperaturen der letzten Wochen sehr gut überstanden. Stellenweise hatte der Laubschneider heute mächtig Arbeit, die aus dem Drahtrahmen überstehenden Triebe abzuschneiden.2013-08-09 Trockenschäden

    Nur wenige Rebstöcke, bzw. Weinberge leiden unter Trockenstress. Eine kleine 4-jährige Junganlage ist an meisten betroffen. Das Wachstum gänzlich eingestellt, die Rebbläter von der Sonnne weggedreht und beginnende Gelbfärbung. Die im Hintergrund stehende 8-jährige Rebanlage ist noch ausreichend mit Wasser versorgt, da die Wurzeln schon tiefer in den Boden reichen.

    Stellenweise, dort wo die Bodenmächtigkeit durch den hoch anstehenden Fels gering ist, ist das Wachstum schon geringer. Besorgniss haben wir noch nicht, aber es ist leider kein ausgiebiger Regen in Sicht. Da könnten aus kleinen Sorgen große werden.

    Ich hatte schon ans Wasser fahren gedacht, aber unsere diesjährig gepflanzten Reben sehen immer noch vital aus und kommen noch ohne zusätzliche Wassergabe aus.

    Anders sieht es bei Kollegen aus. Bernhard Fiedler aus Österreich will zwar nicht jammern, aber das Bild in seinem Blogeintrag spricht Bände. Die täglich neuen Temperaturrekorde in unserem Nachbarland haben den Reben sehr stark zugesetzt und die ersten Blätter vergilben durch den Wassermangel.