Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

  • Ein neues Projekt

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    Das Wissen habe ich mir mühsam beschafft. Sogar Google gab nichts her und Wikipedia hatte auch nur Ammenmärchen und wirre Ausssagen parat. Ich mußte mir sogar mit einigen Flaschen Riesling Auskünfte erkaufen.

    Das Pilotprojekt wurde vor etlichen Wochen erfolgreich beendet und jetzt soll es während der Weinernte zur Sache gehen. Zwei Holzfässer, eines davon aus Maulbeerbaum welches gestern geliefert wurde, liegen bereit. Jetzt fehlen noch Rieslingtrauben, die den Saft für den Rohstoff liefern.

    Riesling-Balsamessig ist das Ziel. So einen richtig guten, nicht so einen geschmacksglobalisierten Billigfusel der aus billigsten Zutaten rasent schnell produziert wird und mit Zuckercoleur gefärbt wird. Es wird aber noch dauern, bis der Riesling-Balsam in den Verkauf kommt. Er muß einige lange Zeit ins Holzfass. Wasser verdunstet durch die Faßdauben und der restliche Inhalt kann sich konzentrieren, eindicken, so ähnlich wie bei der Bratensoße. Dauert nur länger, braucht halt seine Zeit…

    Ich werde über den Fortschritt unseres neues Projektes berichten.

  • Bufo bufo

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    Eine Erdkröte, (lat. Bufo bufo), die es bis in unseren Weinkeller geschafft hatte. Meine Azubine hatte das Tierchen im Eimer gefangen und es wurde nach dem Fotografieren im Garten ausgesetzt.

    Wenn es denn nun ein Frosch gewesen wäre, hätte man ihn vielleicht küssen können, bemerkte ich an. – Sie kennen doch die Geschichte mit dem verwunschenen Prinzen? – Jedoch verneinte meine Azubine auf diese Frage meinerseits und aus der Mimik konnte ich erkennen, dass sie lieber auf Märchenschloß und Prinzen verzichtet, als einen Frosch zu küssen.

  • Kollegenbesuch

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    Eine kurze Weinreise hatten diese Kollegen von der unteren Mosel hinter sich, als Sie mich heute aufsuchten und ich Rede und Antwort stehen musste. Im Vergleich zu dem türkischen Winzer, der uns am letzten Wochenende besuchte, nur einen Katzensprung entfernt.

    Die Themen waren jedoch die gleichen.  Ökologischer Steillagenweinbau nebst Kellerwirtschaft und Weinverkostung, aktuelle Probleme und regionale Besonderheiten.

    Als Demonstrationsbetrieb für den ökologischen Landbau habe ich des öfteren Besuch von Winzerkollegen und es macht eine Menge Spaß mit anderen Kollegen zu diskutieren und Wissen auszutauschen. Als schöner Nebeneffekt ist die unter Winzern übliche Sitte, als Gastgeschenk einige Flaschen Wein mitzubringen. Nun ist mein Weinkühlschrank wieder bestens gefüllt und ich freue mich über die zu verkostenden Weine.

  • Spaßwein?

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    Eine kleine Etikettenschau. Leider immer öfter anzutreffen: Explodierende Alkoholgehalte. Dicke, fette Weine mit Schmelz, die natürlich in Weinwettbewerben immer öfter die vorderen Plätze belegen.  Geben halt was her…

    Beim Trinken gibt es dann Probleme. Riecht gut, läuft wie Öl die Kehle runter und sättigt ungemein.  Spätestens nach dem zweiten Glas ist Schluß. Es fehlt das animierende, das Mineralische und Lebendige, welches zu einem zweiten oder dritten oder…  Gläschen verführt. Der Spaßfaktor kommt zu kurz!

    Als Duftträger ist der Alkoholgehalt zwar wichtig, aber sehr oft ist des Guten auch zuviel. Insbesondere beim Riesling verlieren die Weine bei höheren Alkoholgehalten sehr oft ihre fruchtigkeit, werden breit und langweilig einsilbig. Wohlgemerkt, ich spreche hier über normale Trinkweine, die Weine die man jeden Tag genießt.

    Da wir uns als „Spaßweinproduzenten“ verstehen, unsere Rieslinge fruchtbetont und spritzig durch die eigene Gährungskohlensäure sein sollen, haben wir beim normalen Alltagswein gerade so um die 11 % bis 11.5%. Das sind reife und gesunde Rieslingtrauben mit der maximalen Assimilationsleistung an Fruchtzucker, ohne Aufkonzentration durch die Edelfäule oder einschrumpeln. Mehr braucht man nicht für jeden Tag.

  • Bis jetzt zufrieden

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    Nach einigen Tagen mit reichlich Regen und typischem, kühlem Herbstwetter, geht es jetzt in die diesjährige Endrunde. Die Reifephase der Trauben bis zu Ernte ist für uns die wichtigste Zeit im Vegetationsjahr. Wünschenswert wären kühle Nächte und warme Tage, damit die Aromaausprägung optimiert wird. Regen und Nebel sind dagegen unerwünscht, um die Trauben möglichst lange in einem gesunden Zustand weiter reifen zu lassen.

    Die Trauben präsentieren sich zur Zeit, bis auf kleine Ausnahmen, sehr gesund. Beim Rivaner findet man hin und wieder einige faule Beerchen in sehr kompakten Trauben.

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    Unsere gefiederten Freunde sind sehr zutraulich. Solange wir mit den fast handzahmen Meisen um die Nudeln in der Pfanne konkurrieren, ist das kein Problem.

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    Kleine Fraßschäden durch Vögel habe ich auch schon in einem Weinberg gesehen. Neben den Ernteverlusten steigt dadurch die Gefahr der Essigfäule, die eine extreme Lesedisziplin erfordert, um die kranken Beeren auszusondern, damit der Wein keinen Schaden nimmt.

    Bis jetzt sind wir zufrieden und sind gespannt auf die kommenden Tage und Wochen bis zur Weinernte.

  • Nur für richtige Männer

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    Letztes Wochenende fand in Kröv/Mosel das alljährliche Schleppertreffen statt. Jede Menge alte Traktoren konnte man bewundern. Viele davon habe ich in meinem Winzerleben schon fahren dürfen.

    Neben uralten Kleinschleppern mit weit unter 10 PS bis hin zu Schlüter Großtraktoren war eine große Bandbreite alter Traktoren vertreten. Bei den Großtraktoren gab es  süffisante Warnhinweise auf der riesigen Motorhaube.

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    Am faszinierensten finde ich die ganz alten Lanz Traktoren.  Zuerst minutenlang den Glühkopf des riesigen 10 Liter Einzylinderzweitaktmotores vorheizen, dann mittels Lenkrad den Motor anwerfen (Bilder und weitere Information gibt es hier.), dann ein Sound der seinesgleichen sucht, wenn  der Motor seine Höchstdrehzahl von 750 U/min erreicht.

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    Fahrzeuge für richtige Männer: Der  45 PS Lanz Eilbulldog. Keinerlei Elektronik, Elektrik nur fürs Licht, Servolenkung und Sychrongetriebe unbekannt und die Unwucht des Einzylinders schüttelt zudem den Traktoristen energisch durch.

  • Weinrallye 36: Wein und Musik

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    Die Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH hat auf ihren Blog die aktuelle Weinrallye ausgerufen:

    „Wein & Musik. Zwei Genusswelten, die aufeinandertreffen und dann vielleicht miteinander verschmelzen (?), so stellen wir uns die Rallye vor.

    Vor einiger Zeit sind wir über eine äußerst spannende Studie gestolpert, in der u.a. formuliert wird: „Rotwein schmeckt besser zur Musik von Jimi Hendrix oder den Rolling Stones.“ Oder „Der Geschmack von Cabernet Sauvignon wird von den Weintrinkern stärker mit ‚mächtiger und schwerer Musik’ empfunden. Chardonnay hingegen habe bei ‚schwungvollen und erfrischenden’ Melodien deutlich besser gemundet.“

    Oder hier ein Marketing-Beispiel: In der Weinabteilung eines Supermarkts wurde über zwei Wochen entweder deutsche Blas- oder französische Akkordeonmusik gespielt. Es stellte sich heraus, dass die Käufer bei der französischen Musik etwa dreimal häufiger zu französischen Weinen griffen und bei der Blas-Musik zu den deutschen.

    Naja, Studie hin oder her – wir hören bei Weitem keine Blasmusik und lieben die modernen deutschen Weine ;-)

    • Schreibt uns, zu welchen Weinen Ihr bei welcher Art von Musik greift oder ist es eher umgekehrt? Ihr freut Euch auf Eure Lieblingsmusik nach Feierabend und wählt dazu – ja genau, welchen Wein?
    • Oder gibt es ein besonderes Lied, in dem es um den „edlen Tropfen“ geht? Dann bloggt einfach dazu.“

    Leider muß ich aus zeitlichen kreativen Gründen passen. Mir fällt einfach nichts ein… Halb so schlimm.

    Bereits letztes Jahr zur Weinrallye 25: Wein in Literatur und Film, wurde das Thema Wein & Musik bei einem Gastbeitrag behandelt. Der Brüller schlechthin.  Das Video unten nochmals zum anschauen, das „Making of“ gibt es hier.

    Die Zusammenfassung der jetzigen Weinrallye gibt es in einigen Tagen hier bei WeinReich Blog.

     

  • Jeden Tag werden die Karten neu gemischt!

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    Den ganzen Sommer über war ich über die extreme Trockenheit am jammern. Im Nachhinein vielleicht ein Glücksfall, wenn man die Situation in anderen Deutschen Weinbaugebieten oder in anderen teilen der Mosel betrachtet:

    „…wir hatten fast 40 Liter. Die angeschlagenen Beeren sind ständig eingeweicht. Das Laub ist (noch) gesund. Bin mal gespannt, wie´s weitergeht…“
    so Kollege Reinhard Schäfer aus Württemberg.

    Auch Beate Fader, unsere Ökoberaterin, berichtet in ihren Weinbauinformationsbriefen aus Rheinhessen und der Rheinpfalz wie folgt:

    „In der letzten Woche kam es zum Teil zu ergiebigen Niederschlägen. Nach einer kurzen Trockenphase am Freitag und Samstag regnet es seit Sonntag. Bis einschließlich Mittwoch ist keine Änderung in Sicht. Ab Donnerstag soll es wieder trockener und wärmer werden. Hoffen wir, dass die trockener Witterung anhält, sonst wird sich die bereits vorhandene Fäulnissituation weiter verschärfen. Manche befürchten bereits eine Wiederholung des Jahres 2006.

    Der Peronospora-Befall im Gipfellaub explodiert zurzeit auch in Weinbergen mit schwachem Vorbefall. Hier wird es zum Verlust des Gipfellaubes kommen. In gefährdeten Weinbergen keine späte Entblätterung der Traubenzone vornehmen, um nicht den völligen Verlust der Assimilationsfläche zu riskieren.“

    Ähnliches berichtet Bernhard Fiedler aus Österreich in seinem Blog.

    Durch die Trockenheit in der Beerenwachstumsphase nach der Blüte sind unsere Trauben etwas kleiner geblieben. Sie sind lockerbeerig und Feuchtigkeit kann sehr gut abtrocken. Trauben, die während dieser Wachstumsphase genügend Wasser hatten, sind extrem dicht gepackt, einzelne Beeren können abgedrückt werden und Fäulniss findet seinen Nährboden.

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    Gut, daß von den letzter Woche gemeldeten Niederschlägen gerade mal 20 Liter je qm fielen. Bis jetzt sind alle unsere Trauben gesund und wir hoffen, daß sie es bis zur Ernte bleiben.

    Aber jeden Tag werden die Karten neu gemischt und es sind noch einige Wochen, bis wir das Ergebniss eines Jahres im Keller liegen haben.

  • Ausnahmewein!

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    Ein Ausnahmewein! Ich bin ja gar nicht empfindlich, habe auch eine robuste Nase und Geschmacksnerven, aber das habe ich noch nicht erlebt. Natürlich trinke ich am liebsten gute und sehr gute Wein, aber gestern hatte ich den Höhepunkt meiner Weintrinkerkarriere im Glas.

    Es war schlicht eklig! Gerochen, kurz die Zunge in diese rote Flüssigkeit gesteckt, zustimmendes Nicken meiner Gattin und sofort ins Spülbecken entsorgt. Ich wage erst gar nicht den Versuch, den mir aus dem Glas entgegewabbernden Duft Gestank verbal zu beschreiben, geschweige denn den Namen und die Herkunft des Weines zu nennen.

    Wie kann man so etwas produzieren? Ich würde mich in Grund und Boden schämen, wenn ich eine solch schräge Brühe im Keller hätte. Doch sicherlich gibt es Weintrinker, die solch ein Getränk gerne trinken und für eine gute Qualität halten. Eine Geschmacksfrage?

    Schon alleine das Biertrinken bei Tisch erzeugt bei etlichen Gourmets widerwillen, wie unten stehendes Zitat belegt. Ich wäre gestern trotzdem froh gewesen eins zu haben…

    „Das gemeinste nach dem Wasser ist Bier. Man nannte es (wie man wahrscheinlich glaubte: poetisch) flüssiges Brot. In vielen Städten, Marktflecken und Dörfern Deutschlands wird es auch bei Tisch getrunken. Die Grönländer trinken bekanntlich Fischtran. Es sind Angelegenheiten des individuellen Geschmacks. Wie aber ein Mensch, der irgendeine Zunge hat, bei Tisch Bier trinken kann, ist ein Problem, über welches ich oft ernstlich und reiflich nachgedacht, dessen Auflösung mir aber bis auf diesen Augenblick immer noch nicht gelingen wollte. …. Dieses Biertrinken bei Tisch scheint mir nahe am Gipfel des Ungeschmacks und barbarischer Roheit zu liegen….“

    so die Worte von Antonius Anthus

  • Laubschnitt

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    Eine der wenigen Weinberge, in dem sich heute ein Laubschnitt lohnte. Nur alte Weinberge die auf „fetteren“ Böden stehen und ihre Wurzeln tief genug in den Schieferfelsen treiben konnten, sind bei der Trockenheit in den letzten Wochen noch gewachsen. Flachgründige Rebstandorte und insbesondere die jüngeren Rebanlagen haben massiv gelitten und das Wachstum fast vollständig eingestellt. Leider ist auch das Dickenwachstum der Trauben beeinträchtigt und wir müssen die Erntemenge voraussichtlich nach unten korrigeren.

    Ich habe den Eindruck, das wir hier für dieses Jahr die „Arschkarte“  gezogen haben. Während ringsum reichlicher Regen fiel, sind wir bisher fast leer ausgegangen. Es reicht für die Reben gerade zum Überleben. Entspannung ist evtl. für nächstes Wochenende vorhergesagt.

    Doch so richtig den Regen herbeisehnen? Lieber nicht! Es kann auch nach hinten losgehen, wie es die Hochwässer in Sachsen und Pakistan zeigen oder wie wir es an der Mosel alle Jahre selbst erleben.