Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

  • Trockenheit

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    Die Laubarbeiten im Weinberg sind größtenteils getan. Nach dem Laubschnitt sehen die Rebzeilen wie gestriegelt und gekämmt aus.

    Sorgen bereitet uns momentan die Trockenheit. Etliche jüngere Weinberge oder Reben die auf dem Felsen stehen zeigen schon Trockenstreß: Das Wachstum ist eingestellt, die Blätter sind von der Sonne weggedreht, die normalerweise leicht gebogenen Triebstpitze ist gerade und bald dürften auch schon die ersten gelben Blätter zu sehen sein. Auch das jetzt beginnende Dickenwachstum der Trauben könnte beeinträchtigt werden und zu geringeren Erträgen führen.

    Das Gewitter am letzten Samstag brachte bei uns  nur 6 mm Niederschlag, die sofort verdunstet waren. Mehr Glück hatten Kollegen einige Kilometer Moselaufwärts. Dort kann wieder aus dem vollen geschöpft werden. In Brauneberg fielen 58,8 l Regen je Quadratmeter! Schön sanft, ohne Erosionsschäden zu hinterlassen. Man könnte neidisch werden.

    Wenns der Wettergott nicht richtet muss nun der Winzer selbst ran. Zwar nicht alle notleidenden Weinberge, aber die neu gepflanzten Reben bekommen in den nächsten Tagen Wasser, damit die jungen Pflanzen nicht verdorren.

  • Sommerhitze

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    Die Hitze der vergangenen Tage machte zu schaffen. Gestern morgen, bevor ein sehr kleines Gewitter für Abkühlung sorgte, brauchte ich beim Laubsaugen mehr Sprudel wie die Raupe Diesel.

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    Als Entschädigung für die schweißtreibende Arbeit tagsüber, das abendliche Beobachten der Nilgans an der Mosel und herrlichstes Abendrot in der Dämmerung.

  • Weiterbildung

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    Wie jedes Jahr im Juni/Juli wurden wir Ökowinzer an der Mosel heute von unseren Ökoberatern Beate Fader und Peter Gänz besucht. Bei unserem Kollegen Markus Boor im Kirchengut in Traben-Trarbach/Wolf fand das Treffen statt. Beim Weinbergsrundgang wurde über die aktuellen Situation in den Weinbergen diskutiert.

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    Die Rebanlagen von Markus Boor waren bis auf kleinere Befallsherde der Schwarzfäule in einem sehr gesunden Zustand. Durch phytosanitäre Maßnahmen, wie das Absammeln der befallenenen Blätter, dürfte dieser leichte Befall in den Griff zu bekommen sein. Gravierender waren die Winterfrostschäden in einer besichtigten Burgunderanlage. Kümmerwuchs und absterbende Rebstöcke ließen keine Freude bei Markus aufkommen.

    Die beiden Berater berichteten auch über die Situation in den anderen Weinbaugebieten. Z. B. hat das  Hagelunwetter vor einigen Wochen  in der Pfalz massivste Schäden hinterlassen. Ca. 3000 ha Rebfläche sollen gänzlich vernichtet sein. Zudem sind in der Pfalz und in Rheinhessen heftige Infektionen mit zu erwartenden Ertragsminderungen durch die Rebkrankheit Peronospora aufgetreten.

    Wichtige Tipps zur Unterstockbodenbearbeitung, bzw. -pflege und Bodenbearbeitung mit sehr leichtzügigen Geräten wie die Spatenrollegge gabs noch obendrein. Auch einige Kollegen berichteten über eigene Entwicklungen, die ich mir in den nächsten Tagen anschauen werde

    Nebenbei gab es auch noch Informationen über aktuelle Diskussionen zu Verordnungen/Gesetzen, die den ökologischen Landbau betreffen. Aber wie immer, wenn die Politik an etwas rumwerkelt wovon Sie keine Ahnung hat, hatten wir den Eindruck, dass dort wieder sehr viel sinnfreies gemacht wird und auf uns Winzer wieder einiges an Paperkram zukommen wird und weitere Regularien geschaffen werden.

  • Von hinten

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    Von hinten, auf der Flucht aus meinem Weinberg, der mir liebste Anblick eines Hasen. Die direkt daneben gelegene, frisch gepflanzte Junganlage ist bisher von den Hasen in Ruhe gelassen worden und es sind noch keinerlei Verbisschäden entstanden, so das wir auf den Einsatz von Pflanzhüllen, bzw. Wildverbissnetzten bisher verzichten konnten.

  • Vollblüte

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    Die Rebblüte: Fast exakt im langjährigen Vegetationsdurchschnitt. Die Guten Lagen etwas weiter vorangeschritten, die weniger Guten etwa hintendran.  Durch das jetzt herrschende stabile Hoch mit seinen warmen Temperaturen dürfte die Befruchtung der Reben sehr gut verlaufen und ein guter Traubenansatz die Folge sein. Die erste wichtige Hürde für den Neuen Jahrgang ist genommen.

  • Weinrallye 34: Wein und Knabberei – food pairing

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    Foodpairing – man sollte sich diese Anglizismen sparen – als Themenvorschlag vom Winzerblog für Weinrallye Nr. 34:

     „Aber was dann? Die Gäste sind perfekt, die Weine sind perfekt, das Ambiente ist perfekt, kann es dann wirklich sein das dann eine Tüte Kartoffelchips oder eine paar trockene Brotscheiben auf dem Tisch landen? Zur Weinrallye #34 möchte ich gerne von euch wissen was gibt es denn bei euch als Knabberei zum Wein?

     Backt und kocht ihr vielleicht sogar selber? Gibt es Eingelegtes oder Käse? Mögt ihr es pikant, würzig, salzig oder eher neutral? Vielleicht sogar süß? Ihr dürft dabei den Begriff Knabberei gerne weitläufig interpretieren, ob ihr das Antipasto, Tapas, Häppchen oder Canapés nennt spielt dabei keine Rolle…“

     Tja, guter Rat ist da teuer.  Salzstangen verzehre ich nur, wenn ich mit Heißhunger aus dem Weinberg komme und das Abendessen noch in Ferne ist, über Erdnüsse zu schreiben ist langweilig und die ab und zu  gegessene Tafel Schokolade passt nun wirklich nicht zum trockenen Riesling.

    Dann muß ich das Thema wohl anders beleuchten.

    Natürlich; Regional denken und schon etwas gefunden.  Nur in meinem Heimatort bekannt, drei Käffer weiter schon unbekannt: Moselriesling und Reiler Gemüse!

    Im Anschluß an gemeinsame Arbeiten, sei es beim Zeltauf- oder abbau vom Weinfest, einer gemeinsamen Weinabfüllaktion (wird leider immer seltener…), der nächtlichen Eisweinernte oder beim Leichenschmaus am Tisch der Sargträger, also kurz gesagt nach einer gemeinschaftlichen dörflichen Arbeitsaktion gibt es immer wieder einen Umtrunk. Damit die Grundlage für den Moselriesling geschaffen wird, oder andersrum, damit es etwas gesundes zu knabbern gibt, wird sehr oft das Reiler Gemüse gereicht.

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    Die dabei anwesenden Mannsbilder verstehen natürlich kein Grünzeug darunter. Etwas handfesteres ist damit gemeint: Gehacks vom Rind! In rauhen Mengen und fingerdick auf eine möglichst dünne Scheibe Brot verteilt. Garniert mit Zwiebelringen. Als Vitaminalibi evtl. etwas Petersilie und Gürkchen. In der Trierer Gegend auch als Weinhändlerfrühstück bekannt. Wobei „Frühstück“ eher eine Zwischenmahlzeit bezeichnet, die man zu jeder Tagesstunde zu sich nehmen kann.

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    Als Wein dieses mal eigenes Gewächs, Reklame in eigener Sache:  2008er Reiler Goldlay Riesling Kabinett trocken, mit knapp 11% Alkohol ein passender Begleiter!? Falsch, das Thema war ja andersrum gestellt: Das Gehacks, das Reiler Gemüse, ist der passende Begleiter zum trockenen Moselriesling!

    Die Grundlage für lange Nächte, mit dem Riesling als Debattier-Tropfen, der Esprit und Phantasie beflügelt, statt sie zu lähmen, und dann trotzdem am nächsten Morgen frisch und klar sein.

  • Laubarbeiten

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    Die Rebtriebe werden zur Zeit in den Drahtrahmen eingeschlauft damit kein Windbruch entsteht und die Reben eine optimale Belichtung und Besonnung bekommen.

    Während ich vor zehn Tagen hier noch schrieb, dass die Natur hinter dem langjährigen Mittel hinterherhinkt, brachte die tropisch, heißen Temperaturen in den letzen Tagen einen enormen Wachstumsschub. Mittlerweile dürften wir wieder im Schnitt des langjährigen Mittels sein.

    Ergiebigste Regenfälle haben die Boden ausreichend mit Wasser versorgt. Mit Sorge schauen wir jeden Tag zum Himmel, denn die Unwettergefahr ist bei diesem extrem schwülen Wetter sehr hoch. Es gab mehrere kleine Gewitter in den letzten Tagen. Gestern hat es viele Winzer und Bauern in Pfalz und Rheinhessen getroffen. Ein schweres Hagelunwetter in der Pfalz hat über 6000 ha Weinberge fast vollständig vernichtet.

  • Plastiktüte

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    Während heute jeder ungefragt ohne Bezahlung Bilder macht wenn sich der Winzer mit dem Kettenschlepper in den Weinberg stürzt, ich berichtete hier darüber, gab es früher noch Geld dafür.

    Neulich fand ich diese Plastiktüte wieder. Nach der Wende wollte die Ostdeutsche Zeitung „Deutsches Landblatt“ im Westen expandieren und startete eine Werbekampagne. Als Winzer durfte ich mit einer Hacke bewaffnet im Weinberg Model stehen. Für die paar Stunden gabs dann 300 Mark als Lohn. Verwendet wurde das Bild für Flyer und obige Plastiktüte, die, gefüllt mit einer Zeitung, mir auf einer Agrarmesse massenhaft begegnete. Und keiner hat mich erkannt…

    Hätte es damals schon diesen Jungbauernkalender oder jenen gegeben, ich hätte mich sicherlich beworben und einer Zweitkarriere neben dem Winzerdasein hätte nichts im Weg gestanden.

  • Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben

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    In den letzten Tagen habe ich die Begrünungen in den Weinbergen zum ersten mal gemäht. Die Natur ist dieses Jahr etwas spät dran. Wie auch mein Kollege Bernhard aus Österreich hier schreibt, ist das Rebwachstum noch nicht soweit wie in den Vorjahren.

    Viele Winzerkollegen befürchten schon das schlimmste. Aber kein Grund zur Besorgniss für den kommenden Weinjahrgang. In den nächsten Tagen ist sehr warmes Sommerwetter gemeldet und die Böden haben genügend Niederschläge bekommen. Schnell kann die Natur den Vegetationsrückstand aufholen und allen Unkenrufen zum Trotz, kann aus dem jetzigen Vegetationsrückstand keinerlei Aussage über die zu erwartenden Qualitäten des nächsten Weinjahrganges hergeleitet werden.

    Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben und abwarten. Es ist jetzt viel zu früh, um die künftige Weinqualität beurteilen zu können. Wir sollten nicht schon im Juni von Jahrhundertsommern reden und zwangsläufig im September über Jahrhundertjahrgänge, oder umgekehrt. Das sollte man frühestens tun, wenn die Trauben geerntet und die Weine probierfähig sind.

  • Die Ruhe und die Natur suchen

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    Ein Kurztrip mit Freunden ins Biertrinkerland Eifel liegt hinter uns. Fast direkt vor unserer Haustüre gelegen, wanderten wir einige Tage in der Südeifel.

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    Als Standort für unsere Wanderungen diente das Schloß Hamm. Die größte bewohnte Eifelburg vermietet Ferienwohnungen, die genauso geräumig sind wie Schloßsäle.

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    Die Natur war überwältigend. Sehr schöne Wiesentäler und der mäandernte Fluß Prüm begeisterten mich und meine Mitwanderer. Ursprüngliche Natur und nicht mit Touristen überlaufen.

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    Die Bäche sind noch sauber und mit Abendessen gefüllt.

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    Fürs Foto hielt sogar die Libelle still.

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    Nach dem Wandern ein deftiges Eifeler Essen mit einem Bier zum Durstlöschen, dann allabendlich eine Weinprobe mit den mitgenommenen Weinen  im Schloßhof. Ohne Riesling geht es nicht!


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