Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

  • Junges Leben

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    Verzögert durch die Lagerung im Kühlhaus vor der Pflanzung, fangen die frisch gepflanzten Rieslingreben an auszutreiben. Das grün gefärbte Paraffin verhindert das Austrocknen der Veredlungsstelle. Wenn die Triebe etwas länger sind, wird bis auf einen Trieb, der idealerweise die Verlängerung der Wurzelstange darstellt, ausgebrochen. Dieser Trieb wird dann der spätere Rebstamm.

    Nun fehlt noch Wärme, Regen im richtigen Maß und unsere Pflegemaßnahmen, damit die Rieslingreben optimal wachsen können.

  • Gabriele 20

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    Beim Aufräumen ist mir diese legendäre mechanische Schreibmaschine wieder in die Hände gefallen.  Auf dieser Maschine wurde Geschichte geschrieben, Ökoweinbaugeschichte!

    Neben den ersten Weinrechnungen meiner damals noch jungen Selbstständigkeit und meiner Meisterarbeit, die ich in die Tasten hackte, spielte Gabriele 20 eine sehr bedeutende Rolle im ökologischem Weinbau. Während andere Ökowinzer in Deutschland – vielleicht typisch deutsch – zuerst einen Ökoweinbauverein gründeten, hatten wir Moselaner andere Dinge in unserem Blickfeld. Nach monatelangen Diskussionen wurden an der Mosel 1983 die weltweit ersten Richtlinien für den ökologischen Weinbau erstellt. Mit Gabriele zu Papier gebracht, ebenso wie die spätere Satzung des Regionalverbandes Mosel von ECOVIN.

    Ich werde Elke vom Weinmuseum Reil fragen, ob sie dafür ein ehrwürdiges Plätzchen in ihrem Museum hat.

  • Weinrallye 33: Weine aus Aromasorten

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    Aus Österreich von Vinissimus kommt nun der Aufruf zur Weinrallye:

     Aromatische Weine – Weine aus Aromasorten

     „Nach dem sich heuer doch ziemlich in die Länge ziehenden, strengen Winter gibt es derzeit die ersten wirklich warmen Tage, die genußvoll im Freien verbracht werden können. Wenn der Frühling im vollen Leben steht, alles zu sprießen und blühen beginnt, ja dann wollen auch auch die menschlichen Sinne zu neuen Höchstleistungen angespornt werden. Da wollen wir uns nicht mit faden und belanglosen Einheitsweinen zufrieden geben, dann müssen (frische) Weine von duftintensiven Rebsorten ins Glas. Zumal für mich das Riechen, das Beschnuppern des Weines zu den schönsten Vorfreuden nach dem Öffnen der Flasche zählt. Also liebe Nasentrinker – outet euch und eure Beziehung zu den Aromasorten.“

     Das passte wie die Faust aufs Auge. Einige Stunden vor der Bekanntgabe des Themas bekam ich, fast just in time, eine entsprechende Flasche geschenkt.  Unser Freund Michael, Oberkellermeister, bekam davon Wind, wollte mit verkosten und brachte auch noch zwei Weine mit. In diesem Jahr die erste Weinverkostung, die wir auf der Terasse durchführen konnten.

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    Zuerst wurde ein Morio Muscat lieblich probiert. Technisch sauber, dominierende Süße, am Anfang sehr neutral im Duft, mit zunehmendem Lufteinfluss doch ein verhaltenes Bouquett zeigend. Einfachste Discounterware die für meine anspruchsvollere Zunge äusserst ungeeignet ist.

    Der darauf folgende 2008er Gewürztraiminer trocken, ebenfalls aus der Pfalz, zeigte da schon andere Qualitäten. Schon bedeutend intensiver im Duft und mit mehr schmackes ein besserer Vertreter eines Discounterweines. Aber so richtig Freude kam trotzdem nicht auf. Vielleicht bin ich auch verwöhnt.

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    Der Aha Effekt kam beim Gelben Muscateller von meinem Kollgen Klaus Stülb. Das Gegenteil zu den vorher verkosteten Weinen. Ein typisch intensives, aber nicht aufdringliches Muskatbukett. Ein Blumenstrauß an Duftnoten, die aus dem Wein den Weg in unsere Nasen fanden. Eine perfekte Balance zwischen Bouquett, Säure und Süße. Die hohe eigene Gärungskohlensäure lockerte die die Süße auf und ließ sie nicht aufdringlich werden. Alle Achtung, was Klaus aus dieser Exotensorte, an der vom Riesling dominierten Mosel gemacht hat. Bestens geeignet zum Dessert oder für ein Sologläschen auf der sommerlichen Terasse.

  • Gelddruckmaschine?

    In meinem nächsten Leben werde ich Weinverkostungsveranstalter. Im Moment kommen fast täglich per Mail oder Brief Aufforderungen, an den verschiedensten Weinwettbewerben teilzunehmen. Sei es awc vienna, die Zeitschrift Selection, die Berliner Weintrophy, Best of Bio, Gault Millau, DLG, Feinschmecker EcoWinner, Cervim Steillagenweinverkostung, Int. Bioweinpreis, Mundus Vini und viele mehr. Ich hätte ja keine Probleme, Weine zu all diesen Verkostungen zu schicken, aber die Gebühren sind teilweise recht massiv. Bei den großen Weinführern Gault Millau, Eichelmann und Feinschmecker noch ohne zusätzliche Kosten – ECOVIN will mal gerade bescheidene 20 € Auwandsentschädigung pro Probe – jedoch dann geht es richtig zur Sache. Ab 70 € bis über 100 € pro angestelltem Wein verlangen die Veranstalter für Ihre Mühen. Es scheint sich richtig zu lohnen, denn diese Wettbewerbe haben sich in den letzten Jahren massiv vermehrt. Damit wird richtig Geld verdient Geld gedruckt.

    Die Aussagekraft der dabei vergebenen Medailien ist teilweise sehr fraglich. Vorlieben einzelner Verkoster, die Rahmenbedingungen der Verkostung, das persönliche wohl- oder unwohlbefinden der Verkoster und vieles mehr beeinflussen stark die Ergebnisse. Es ist sehr einfach zu sagen das der Wein im Glase sehr gut ist, aber die objektive Einstufung in ein starres Punktesystem würde ich als sehr fraglich sehen, von einer Wiederholbarkeit solcher Punktevergabe ganz abgesehen. Zudem sind die Werbeeffekte vieler solcher Wettbewerbe unbedeutend und das Portomonai des Winzers wird auf jeden Fall um einiges erleichtert.

    Wein-Inside.de, ein B2B-Online-Magazin widmete dem Medailienregen einen Artikel, welchen ich auszugweise zitiere:

    ”Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Wein in einem Wettbewerb mit einer Goldmedaille ausgezeichnet wird, kann statistisch gesehen nur mit Zufall erklärt werden.“

     Zu diesem Ergebnis (neben anderen) kommt Robert T. Hodgson, emeritierter Professor für Statistik und Ozeanographie der Humboldt State University, in seiner jetzt im “Journal of Wine Economics” veröffentlichten Studie “An Analysis of the Concordance Among 13 U.S. Wine Competitions”.

     Mit seinem mathematischem Hintergrund sei er jemand, der viel hinterfrage, teilt er uns mit, und nachdem seine eigenen Weine in dem einen Wettbewerb als „Best of“ ausgezeichnet wurden, in anderen aber überhaupt keine Auszeichnung erhielten, sei es für ihn naheliegend gewesen, dieser Frage nachzugehen.

    Hierzu untersuchte Hodgson die Resultate von 13 US-amerikanischen Weinwettbewerben des Jahres 2003, zu denen mehr als 4.000 Weine eingereicht worden waren. Darunter 2.440 Weine, die in mehr als 3 Wettbewerben eingereicht wurden.

    Im Ergebnis stellt Hodgson fest, dass zwar 47 Prozent der Weine mit einer Goldmedaille in einem der Wettbewerbe ausgezeichnet wurden, 84 Prozent dieser Weine in anderen Wettbewerben allerdings ohne Auszeichnung blieben. Der gleiche Wein, dem in einem Wetteweb eine außergewöhnliche Qualität bescheinigt wurde, wurde in anderen als unterdurchschnittlich bewertet.

     Robert Hodgsons Fazit

     1) Zwischen den 13 untersuchten Weinwettbewerben gibt es hinsichtlich der Weinqualität so gut wie keinen Zusammenhang.

    2) Ein Wein, der in dem einen Wettbewerb mit Gold ausgezeichnet wird, erhält in einem anderen höchstwahrscheinlich keine Auszeichnung.

    3) Die Wahrscheinlichkeit, eine Goldmedaille zu erhalten, kann statistisch gesehen nur mit Zufall erklärt werden.

    In einer früheren, 2008 veröffentlichten Untersuchung ( „An Examination of Judge Reliability at a major U.S. Wine Competition“) ging er der Frage nach, ob die an Weinwettbewerben beteiligten Juroren den gleichen Wein auch in einer zweiten Verkostung gleich bewerten. In den Jahren 2005 bis 2008 beteiligten sich jährlich zwischen 65 und 70 Juroren an diesem Experiment. Ergebnis: Lediglich etwa 10 Prozent der Juroren waren in der Lage, den gleichen Wein in unterschiedlichen Verkostungen der gleichen Medaillengruppe zuzuordnen.

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    Da es aber dem eigenen Ego sehr gut tut, nehme ich trotzdem an einigen Weinwettbewerben teil und es schmeichelt, wenn mal wieder eine Urkunde oder eine lobende Erwähnung in Haus flattert, wie obige Silber Medaille von der internationalen Rieslingverkostung Riesling du Monde in Frankreich, die die letzten Tage kam.

  • Ab morgen …

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    Ab morgen soll der Sommer kommen, wenn man den Wetterfröschen glauben darf. Die Eisheiligen hatten sich viel Zeit gelassen und die Reben verharrten im Wachstum. Bei den nun kommenden wärmeren Temperaturen dürfte nun ein Wachstumsschub einsetzten und die Laubarbeiten können beginnen.

  • Nicht schon wieder…

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    Nicht schon wieder, waren meine heutigen Gedanken. In unserem größten Weinberg in der Reiler Goldlay hatte ich erst letzte Woche die von den Wildschweinen aufgewühlte Erde mit der Kreiselegge geglättet. Heute bot sich fast das gleiche Bild: Wühlstellen, die das Befahren des Weinberges mit der Raupe zu einer schaukeligen Angelegenheit machen. Also wieder mit der Kreiselegge anrücken und glätten.

    Während Wildschäden bei einjahrigen Kulturen, wie z.B. Getreide, zu einer Schadensersatzpflicht durch den Jagdpächter führen,  geht der Winzer leider leer aus.  Vielleicht verkauft mir der zuständige Jäger eine Wildschweinkeule zu Sonderpreis, da so ein Wildschweinchen im Backofen besser aufgehoben ist wie im Weinberg.

  • Winternachwirkungen

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    Die Auswirkungen des langen, sehr kalten Winters werden immer deutlicher sichtbar.  Rivaner- und Burgunderweinberge zeigen teilweise massive Knospenschäden. Insbesondere in Lagen, in denen sich Kaltluft staut, sind die Schäden immens. Der Riesling hat durch seine höhere Frostfestigkeit unbeschadet den Winter überstanden, zudem steht er in den wärmeren Steillagen. In den betroffenen Weinbergen wird es einen kleinen Herbst geben. Gut, dass wir nur kleine Fächen mit diesen frostempfindlichen Rebsorten haben.

  • Tanz auf der Zunge

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    Gestern war Jahrgangspräsentation von ECOVIN Mosel. Während es draussen am Deutschen Eck nur so von Touristen wimmelte, ging es bei uns etwas ruhiger zu.

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    Zwischen den Objekten und Gemälden im Ludwigmuseum in Koblenz waren unsere Verkostungstische aufgebaut und Interessierte konnten in der gemütlichen Museumsatmosphäre unsere Weine genießen.

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    Die zukünftige Winzergeneration war reichlich vertreten. Viele Kollegen hatten Ihre Kinder dabei. Von noch nicht draussen, über ganz klein und neu, bis hin zum jungen Erwachsenen, der am Präsentationstisch für die Eltern Dienst machte.

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    Von der letzten Weinverkostung im Museum übrig geblieben?

  • Gut Ding will Weile haben

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    Endlich ist es wieder soweit und unser Riesling-Weinessig ist ab sofort wieder verfügbar. Das von uns verwendete Orleans Verfahren braucht seine Zeit, um aus Wein Essig zu machen, ergibt aber auch die besten Essigqualitäten. Die sogenannte Essigmutter wurde per Hand aus dem Gärgefäß geschöpft und der Rieslingessig nach der Filtration keimarm abgefüllt.

     

    Nun kann ich die Salatsaison offiziell eröffnen, der Sommer kann kommen.

  • pflanzen

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    Bei eisigem Wind wurden heute morgen unsere Reben – selbstverständlich Riesling – vom Lohnunternehmer gepflanzt. Als Orientierung diente ein Draht, der die Rebzeile markiert. Idealerweise ist für morgen Regen gemeldet, der die feinen Rebwurzeln im Boden einschlämmt. Jetzt fehlt nur noch warmes Wetter und die jungen Reben können austreiben und wachsen.

    Die erste Ernte können wir in ca. vier Jahren erwarten. Bis dahin wird es noch viel Arbeit mit der Pflege des jungen Weinberges geben.