Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

Kategorie: Wetter

  • Zipfelmützenwetter

    Gestern während dem Abfüllen ein Anruf: „Es soll morgen schneien, können wir die Flaschen noch heute vorbei bringen?“. Kein Problem, eine Stunde später waren die für heute georderten Flaschen geliefert. Gut, dass im Büro meines Flaschenlieferanten ein Hobbymeterologe sitzt, der auch während der Arbeit auf die Wettervorhersage schaut. Heute massivstes Schneetreiben beim Blick aus dem Weinkeller, die andere Moselseite nicht zu sehen.

    Wären die Bouteillen gestern nicht geliefert worden, heute wäre für den Lieferwagen kein durchkommen gewesen, zumindest in unseren steilen Hof. So kann nun morgen abgefüllt werden.

    Letzte Woche hatten wir warmes und schönes Frühlingswetter, aber im Weinkeller sind immer noch eisige Temperaturen.

    Für den Wein ist das sehr gut! So können wir aromaschonend Abfüllen.

    Als Bekleidungsstück ist die Zipfelmütze zum Wärmen obligatorisch. Chefin Marita mit einem modischen und schicken Mützchen stellt die leeren Flaschen auf die Abfüllmaschine und beaufsichtigt diese.

    Unser Sohn entnimmt die gefüllten Flaschen vom Band und legt sie in Gitterboxen. Der Winzer selbst führt die Aufsicht, ist für Flaschenzufuhr und -abfuhr zuständig, schaut nach den Weinfässern und macht nebenbei noch Fotos für die Bildergeschichten aus dem Weingut Steffens-Keß.

  • Da wird es einem warm ums Herz

    Am Samstag der Anfang, am Sonntag der Rückschlag, aber seit heute Morgen: Der Frühling kommt! Die Gewissheit brachten die Kraniche mit, die heute Mittag über die Reiler Goldlay flogen. Endlich wärmere Temperaturen und ganz wichtig, die Sonne lacht vom Himmel, so dass es einem ganz warm ums Herz wird. Nach den letzen trüben Wintermonaten eine Wohltat. Es war der bisher sonnenscheinärmste Winter seit seit Beginn flächendeckender Messungen im Jahr 1951.

    Heute ein Gewimmel in den Weinbergen. Fast alle Winzerkollegen waren draussen zum arbeiten und viele Spaziergänger genossen die Sonne. Und alle hatten ein Lächeln im Gesicht 🙂

  • Winterende?

    Ich kann es fast riechen: Der Frühling naht. Früh morgens noch frostige Temperaturen mit kalten Fingern beim Rebschneiden. Wenn dann der Nebel noch verschwunden ist, merkt man die Kraft der Sonne und die Temperaturen steigen. Aber ab morgen soll es schon wieder anders werden. Leider geht es vorab mit den Temperaturen wieder nach unten. Solange kein Regen dazu kommt, lässt es sich im Weinberg beim Rebschnitt aushalten, die richtige Kleidung vorausgesetzt.

    Da ich mich heute mit alten Rebstöcke auseinandergesetzt hatte, die viele Korrekturschnitte ins dicke Rebholz benötigten, schmerzt die rechte Hand ein wenig. Zur Abwechslung wollte ich morgen junge Rebstöcke am Pflanzstab festbinden. Wird wohl nichts daraus werden, da bei dieser Arbeit die Hände und Finger voll beweglich sein müssen und die erwarteten frostigen Temperaturen diese Beweglichkeit sicherlich beeinträchtigen werden. Vielleich – eine gute Alternative –  bleibe ich am besten im Bett liegen und mache Winterschlaf.

     

  • Ruhephase

    Der Winter beschert uns eine Atempause. Im Weinberg sind sämtliche Arbeiten zur Ruhe gekommen, im Weinkeller nur noch Kleinigkeiten zu arbeiten.

    Zeit um etwas zu entspannen und sich Ruhe gönnen, z.B. im Stadtpalais Mertes in Bernkastel-Kues. Den Blick auf die perfekt restaurierte Stuckdecke richten und dabei

    in Ruhe frühstücken. Sei es das obige, gesunde Frühstück oder das deftigere Bauernfrühstück, das Cafe K im Stadtpalais hat die richtige Auswahl. Jetzt im Winter ganz entspannt und ruhig, da keinerlei Touristen die Moselstadt bevölkern. Und wie schon oben erwähnt habe: Unbedingt die prächtigen, perfekt restaurierten Stuckdecken anschauen oder das restaurierte Dach, bei dem sich der Dachdecker verwirklichen konnte.

  • Kältewelle

     

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    Die erste Kältewelle haben wir hinter uns. Am letzten Wochenende reichlich Schnee, der jedoch bald wieder abtaute. Danach Nachttemperaturen bis zu minus 10 grad. Tagsüber immer die Nullgradgrenze überschreitend. Dazu noch etwas Sonne.

    Statt Schnee in den Weinbergen nun bizarre Eismuster an den Begrünungspflanzen, die zu Mittag hin wegtauten.

    Knackige, trockene Kälte, bei der der Rebschnitt viel Spaß macht. Die richtige, warme Kleidung vorausgesetzt. Ab morgen ist dann Schluß mit Lustig. Keine wärmende Sonne bei kalten Temperaturen, sondern trübes Regenwetter, bei der das Arbeiten im Weinberg weniger Spaß macht und die gefühlte Kälte größer ist als in den letzten Tagen.

  • In trockenen Tüchern?

    In trockenen Tüchern? Noch nicht ganz, aber fast! Ich berichtete unter anderem hier über den extrem nassen Sommer und über die dadurch bedingten Widerwärtigkeiten hier und hier. Mittlerweile sind wir der Ernte um einiges näher gerückt und die Ernte fast in trockenen Tüchern. Die Trauben sind nicht mehr anfällig gegen die vor Wochen allgegenwärtigen Pilzkrankheiten. Die jetzt herrschenden hochsommerlichen Temperaturen von über 30 Grad dämmen z.B. den Infektionsdruck des falschen Mehltaues stark ein. Etliche nachwachsende junge Rebblätter sind zwar teilweise von diesem Pilz befallen, werden aber weiterhin Assimilate, also Zucker und Geschmack, für die Rieslingbeeren bilden können. Nur noch Hagel oder Traubenfäule wie in den letzten Jahren kann die Erntemenge verringern.

    Nun könnte man schon an eine Ernteschätzung wagen, aber da bin ich ganz schlecht und ich möchte den Tag nicht vor dem Abend loben. Da halte ich es lieber so wie Dirk Würtz, der die Erntemenge so einschätzt: „Mehr als 2010, weniger als 2011 – oder vereinfacht ausgedrückt – der Keller wird wohl nicht ganz voll.“ Zwei in der Erntemenge total gegensätzliche Jahre und in dieser Spanne werden wir sicherlich liegen. Ich hoffe in Richtung des 2011er, der doch eine sehr gute Quantität brachte. Weniger glücklich wäre ich natürlich bei Annäherung an den 2010er.

  • Sommer?

    Der Sommer ist da! Hoffentlich längeres trockenes und warmes Wetter. Der Temperatursprung seit letzter Woche ist beachtlich. Sogar unsere Kellerkatze sucht die Kühle unseres Weinlagers.

    Die Widerwärtigkeiten der Natur, über die ich hier berichtete, sind in Weinberg nun deutlich zu sehen. Die Trauben sind durch das schlechte Blütewetter teilweise sehr lockerbeerig, da die nicht bestäubten Fruchtknoten zu Boden gefallen sind, bzw. sehr klein bleiben.Die Schäden durch die Pilzkrankheiten sind nun auch deutlicher sichtbar. Stellenweise findet man Lederbeeren und verkümmerte kleine Beeren, die vom falschen Mehltau befallen wurden. Durch die Dauerfeuchtigkeit hat der Grauschimmel sich auch noch einige Trauben/Blütenstände geholt.

    Ein sehr kritische Jahr.  Einen solch immensen Pilzdruck habe ich noch nicht erlebt. Dagegen war der Pilzbefall 2009 für uns ein Kinderspiel. Viele Kollegen, konventionell oder ökologische  arbeitende Winzer, klagen über massive Schäden.

    Nein, ich jammere nicht. Wir können noch nicht von Schäden sprechen. Ist wie jedes Jahr, wird immer weniger, seien es Pilzkrankheiten, Sommertrockenheit, Hagelunwetter oder Traubendiebe. Das Dickenwachstum der Beeren steht an. Die Wasserversorgung der Böden ist natürlich bestens und wenn dann noch warmes Wetter kommt, könnten die Rieslingbeeren so richtig dick werden, so dass die Verluste durch Pilze, Blütewetter usw. größtenteils wieder ausgleichen werden könnten.

  • „Es regnet gern, wo es schon naß ist.“

    „Es regnet gern, wo es schon naß ist.“ besagt eine althergebrachtes Sprichwort. Leider auch heute. Von der Arbeit hochschauend, sah ich die Regenwolken, die ohne abzuregnen, über mich hinweg gezogen sind. Freude bei mir! Aber kurze Zeit später, die nächsten Wolken mit einem kräftigen Regenguss, der mich nach Hause fahren ließ.

    Es macht im Moment keinen Spaß mehr. Immer dieses Rumgematsche im Weinberg. Eine Wetteränderung ist, bis auf kühlere Temperaturen, nicht gemeldet. Die Widerwärtigkeiten der Natur, über die ich hier berichtete, machen mir noch keine Sorgen. Etliche Kollegen sind da weniger verschont geblieben. Auch erste Hagelunwetter soll es schon in der Pfalz gegeben haben.

    Ach so, nebenbei noch angemerkt: Die Rieslingreben haben einen Entwicklungsvorsprung von 8 Tagen gegenüber den langjährigem Mittel. Wenigstens eine gute Nachricht aus dem Weinberg!

  • stabile Wetterlage

    Wir brauchen eine stabile Wetterlage, meinte ein Kollege in den letzten Tagen. Haben wir doch, meinte ich. Nass und feucht, ist ja auch eine stabile Wetterlage. Nur im Moment die falsche!

    Pilze wachsen mittlerweile in den Weinbergen. Gott sei Dank auf dem Boden und nicht auf den Reben.

    Die wenigen trockenen Tage werden genutzt, um mit der Raupe Maschinenarbeit zu machen. Ungeahnte Höchstgeschwindigkeiten werden teilweise erreicht wenn man im Steilhang abschmiert. Bevor Sie nachfragen: Alles im Griff! In der Regel sind die „gefährlichen“ Stellen mit etwas schmierigen Boden nur wenige Meter lang und fahrtechnisch gut zu beherschen.

     

  • Schon wieder Regen oder immer noch?

    Der Regen will einfach nicht aufhören. Gestern wieder versucht die Laubarbeiten im Weinberg für die erste Runde abzuschließen, aber nein, der tägliche Regen kam wieder mächtig vom Himmel. „Sofort ins Auto“ zum Lehrling gerufen, der aufs Wort hörte. Kurze Zeit auf das Aufhören des Regens gewartet und dann ins Weingut gefahren.

    Heute wieder wetterbedingt Kellerarbeit. Gut, das noch einige größere Weinbestellungen vorliegen, die erledigt werden können. Ich hoffe, dass es morgen vielleicht etwas trocken bleibt, damit in den beiden letzten Weinbergen die Rebtriebe in den Drahtrahmen geschlauft werden können. Oder besser noch, das endlich ein stabiles Hoch ohne Regen kommt. Aber wenn ich mir die Wettervorhersage für die nächsten Tage anschaue, wird noch spannend. Immer noch feucht, dazu wärmer. Die Pilzkrankheiten lassen grüßen…