Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

Kategorie: Wetter

  • Regen satt!

    Zu jeder anderen Jahreszeit hätte man sich eine Pause gegönnt bis der Regen aufhört, aber…

    Die Laubarbeiten, dass Einschlaufen der jungen Rebtriebe in den Drahtrahmen,  müssen innerhalb einer gewissen Zeitspanne erledigt sein. Die Natur gibt jetzt das Arbeitstempo vor. Mir blieb nichts anderes übrig, als in Gummi gehüllt die Arbeit zu verrichten. Die Hose war heute dicht, die Jacke, nach 10 Litern Regen durchnässt, nun im Mülleimer. Eine andere Jacke wird die nächsten Tage auf ihre Regenfestigkeit geprüft.

    Das ganze, also die Arbeit, erinnerte mich an die Echternacher Springprozession: Da der Boden  extrem durchfeuchtet und rutschig war, ging es zwei Schritte vorwärts, danach wieder einen zurück, natürlich gerutscht. Momente in denen der Steillagenwinzer sind wünscht, flachere Weinberge zu besitzen.

  • 5,4 Grad, Minus

    Heute morgen ein Schreck! Die Dachflächen der Geräteschuppen dick vereist.  Die Meßwerte der Wetterstation im dicken Minusbereich.

    Ich berichtete hier schon über den kommenden Austrieb und über eine evtl. Spätfrostgefahr. Gott sei Dank hat das seitdem kühle Wetter das Rebwachstum stark verlangsamt. Die größtenteils im Knospenausbruch stehenden Reben sind noch nicht so empfindlich gegenüber Frost. Wäre der Austrieb erfolgt, hätten wir sicherlich einen Totalschaden.

    Es sind auf jeden Fall Knospen erfroren, wie viele es sind, ist schwer zu sagen. Nach einer ersten Abschätzung hält es sich in Grenzen. Erst in den nächsten Tagen wird sich beim Austrieb zeigen, ob, überhaupt und wie viele Schäden entstanden sind.

    Die regionalen Wetterstationen meldeten unterschiedlich hohe Minusgrade heute morgen. Unsere Station in Briedel (ca. 2km Luftlinie Entfernung) war letzte Nacht der Rekordhalter in Rheinland-Pfalz, die übrigen Stationen an der Mosel lagen so bei ca. minus 3 Grad, am Rhein entlang war es etwas wärmer, jedoch sind die dortigen Reben schon weiter gewachsen und empfindlicher gegen Frost. Die ersten Berichte gab es schon heute morgen bei Facebook. Ich hoffe für alle Winzer, das keine größeren Frostschäden entstanden sind.

  • Wollestadium

    Das warme Wetter der vergangenen Wochen hat sein Spuren in der Natur hinterlassen. Der Weinbergspfirsich ist in der Vollblüte.

    Bei den Rieslingreben sind die Knospen in den weniger guten Lagen im Wollestadium, kurz vor dem Austrieb. Drei Wochen vor der Zeit! Wieder Zeit sich Sorgen zu machen. Die Gefahr der Spätfröste ich noch nicht vorbei. In unseren Steillagen ist die Gefahr zwar etwas geringer als in flachen Weinbergen, aber einiges Unwohlsein habe ich trotzdem. Letztes Jahr gab es schon empfindlichen Ausfälle durch den Nachtfrost zum 04. Mai, wie ich hier berichtete. Gut, das es die nächsten Tage kühler werden soll und der Austrieb sich dann etwas verzögert.

    Oder auch nicht! Im Wollestadium kann der  Rhombenspanner, die Raupe einer Schmetterlingsart, die Knospen ausfressen. Bei längerem Wachstumsstillstand durch kühles Wetter hat er jede Menge Zeit dazu und für den Winzer bleibt weniger übrig.

    Ebenfalls wie letztes Jahr, die derzeit herrschende Trockenheit. Seit zwei Monaten gab es nur minimalste Niederschläge. Unser Kollege Bernhard Fiedler hat schon vor einigen Tagen darüber berichtet.

    Ich hätte da einige Wünsche, aber…

    Das ist halt die Arbeit und das Leben des Winzers, mit der Natur zu arbeiten und auch von ihr abhängig zu sein. Mit allen Vorteilen, Nachteilen und Risiken. Das macht ja diesen Beruf so ungeheuer spannend und abwechslungsreich. Jeden Tag, jeden Monat, jedes Jahr was anderes, und immer neue Herausforderungen auf die man Lösungen finden muß.

  • Eiszeit

    Die kalten Temperaturen hinterlassen nun auch auf der Mosel ihre Spuren. Während durch die starke Wasserströmung bei Reil die Mosel noch Eisfrei ist, hat man bei Zell schon eine geschlossene Eisdecke. Zwei Tage sind noch tiefe Frosttemperaturen gemeldet, dann soll es wärmer werden.

    Das lässt mich an den verheerenden Eisgang von 1997 denken. Binnen weniger Minuten stieg durch einen Eisstau die Mosel um mehrere Meter und der vor unserem Haus gelegene Moselparkplatz war mehrere Wochen meterhoch mit Eisschollen bedeckt. Alf, einige Kilometer Moselabwärts gelegen, wurde durch den Eisgang damals überschwemmt. Hier gibt es ein Video darüber, ab der 8. Minute wird es spannend.

  • Eiswürfelwetter

    Wenn man den Wetterfröschen glauben darf, war heute die kälteste Nacht in der jetzigen Kälteperiode. Trotz der im letzten Jahr an den Fenstern angebrachten Vorsatzscheiben, findet man hin und wieder Eisblumen, die bizarre Muster auf den äusseren Fensterscheiben bilden.

    Bisher wurde es mir erspart bei diesen Temperaturen in den Weinberg zu gehen um das Zwiebelschalenprinzig, über das ich hier berichtete, zu testen. Im Weinkeller hat sich bisher noch genügend Arbeit gefunden und beim Etikettieren einer Kleinmenge Wein gabs es im ungeheizten Weinlager schon genug kalte Finger.

    Vorteilhaft ist das kalte Wetter auf jeden Fall für den 2011er. Der Keller kühlt ab! Die dann kalten Weine verlieren bei der bald erfolgenden Abfüllung viel weniger Gährungskohlensäure- und Aroma. Natürliche Aromaschonung, über die ich auch schon einmal schrieb.

  • Endlich kalt!

    So sicher wie das Amen in der Kirche wurde schon seit Tagen die arktische Kaltfront aus Sibirien angekündigt. Heute Abend weiß gepuderte Weinberge bei Temperaturen um den Gefrierpunkt. Bis zum Wochenende soll es richtig schweinekalt werden.

    Ich freue mich darauf. Erstens ist es mal wieder richtig knackig kalt, zweitens habe ich mächtig aufgerüstet. Nach zwei sehr langen und kalten Wintern hatte ich schon früh vor dem Winter in mich wärmende Arbeitsbekleidung investiert. Das Zwiebelschalenprinzip der Kleidung aufs äußerste ausgereizt, um sich auch bei sehr tiefen Wintertemperaturen dem bewegungsarmen Rebschnitt widmen zu können. Ich denke, dass ich bis in hohe Minusgrade dem Frost nun trotzen kann. Wobei, ehrlich gesagt, die Finger die Schwachstelle sind, da keine allzu dicken Handschuhe verwendet werden können.

    Ende der Woche werde ich es mal versuchen, der Lehrling muß mit und ich hoffe, dass er meine heutigen Tipps zum Zwiebelschalenprinzip verstanden hat, ansonsten muss er sich warmzittern.

  • Land unter

    Land unter! Die Mosel nagt schon an unserer unteren Hofzufahrt. Die Niederschläge der vergangenen Tage haben die Mosel wieder ansteigen gelassen. Ein kleineres Hochwasser wie vor drei Wochen über das ich berichtete. Nur etwas höher.

    Das bisschen höher würde ausreichen unseren Weinkeller zu überfluten. Da ich jedoch wegen der wenigen Zentimeter Überflutung keine Lust habe den Keller vorher zu leeren und nachher zu säubern, wurde gestern abend abgedichtet.  Über den Schacht der Regenwasserkanalisation, aus dem normalerweise die Mosel in unseren Weinkeller fließt, wurde eine Decke (Deutsche Schlafwagengesellschaft, uhlenalt)  doppelt gelegt, darauf die Schachtabdeckung die durch ein 100 Liter Edelstahlfass beschwert wurde. Ist zwar nicht 100%ig dicht, aber es reicht.

    Nun liegen wir ca. 23 cm unter dem Wasserspiegel. Bis 50 cm unter den Moselspiegel würde ich es riskieren, dann müsste ich den Keller Fluten. Zu einem käme es zu Aussandungen der Fundamente, da sich durch die Wände Grundwasser durchdrückt. Das andere Problem wäre ein evtl. aufschwimmen unseres Hauses, da durch das Abdichten es die Eigenschaften eines Bootes bekäme, wie es beim 1993er Jahrhunderthochwasser beim Schürmannbau in Bonn passierte.

    Die Scheitelwelle des Hochwassers wird heute unseren Moselabschnitt passieren, morgen gibt es dann fallende Pegel. Alles normal, nichts schlimmes.

  • „Joachim“

    Das gestrige Sturmtief  „Joachim“ machte sich an der Mosel gar nicht bemerkbar. Heute jedoch hatten wir die von diesem Sturmtief  mitgebrachten Regenfälle auf der Moselstraße stehen. Binnen Stunden ist die Mosel stark gewachsen und es stehen schon einige Keller in der Moselstraße unter Wasser.  Ein sogenanntes 2 jährliches Hochwasser (HQ2), das, wie der Name schon sagt, alle 2 Jahre auftreten kann.  „Leicht erhöhte Wasserstände…“ wie der Hochwasserwarndienst es bezeichnet. Heisst real, das der Pegel ca. 5 Meter über Normal ist.

    Nichts dramatisches, für uns Moselbewohner ganz normal, gehört einfach dazu, wie ich hier schon einmal berichtete.

  • Eigentlich gibt es nichts zu berichten, aber übers Wetter kann man immer reden

    Seit gefühlten Wochen, mit sehr kurzen Unterbrechungen,  hängt dichter Nebel im Moseltal. Man sieht fast nicht, ob der Lehrling beim Reben schneiden arbeitet oder nicht.

    Heute morgen dann eine grandiose Aussicht vom Zug aus – leider waren die Scheiben nicht geputzt –  auf die Marienburg und Pünderich. Nebel, der sich von der anderen Seite der Moselschleife bei Zell ins Tal bei Pünderich ergießt.

    Seit dem Hagelunwetter Ende August gab fast keine nennenswerten Niederschläge. Die Böden sind wie bei einer Sommertrockenheit ausgetrocknet. In der Landwirtschaft wären die Wintersaaten bedroht, wenn nicht durch Nebel ein wenig Feuchtigkeit in den Oberboden käme. Der Feldsalat, der in unseren Weinbergen wächst, muss umgehend zu Salat verarbeitet werden, da er durch den Wassermangel schnell anfängt zu welken.

    In der Mosel ist durch die Staustufen noch genügend Wasser, allerdings jetzt weniger ein Fluss – kommt ja auch von fließen – , eher ein stehendes Gewässer. Bedrohlich die Lage am Rhein. Mangels Wasser sind die Pegelstände auf ein nie gekanntes Maß gefallen, die Flussbreite hat sich auf ein Drittel reduziert, die Frachtschiffe können fast keine Ladung aufnehmen und bei Koblenz tauchen alte Bomben aus den Fluten auf, die der Kampfmittelräumdienst entschärfen muss. Kilometerlang kann man nun auf dem freigelegtem Flussgrund des Rheines im Mittelrheintal zwischen Bingen und Koblenz wandern.

    Den Verweis auf eigene Artikel über den Klimawandel hier in den Bildergeschichten aus dem Weingut Steffens-Keß werde ich mir ersparen…

    Stattdessen ein Link.

  • Goldener November

    Eigentlich gibt es nur einen Goldenen Oktober, dieses Jahr zusätzlich noch einen Goldenen November.

    Die Landschaft präsentiert sich noch in den schönsten Farben, bevor der Winter kommt und damit die graue Jahreszeit. Frühlingshafte Temperaturen laden ein, die Landschaft noch zu genießen.

    So schön wie sich das bunte Herbstlaub in den Weinbergen präsentiert, so arbeitsintensiv ist es die Blätter im Weingut zusammen zu kehren. Der Anhänger wird in den nächsten Tagen sicherlich voll und die alten Blätter werden als Dünger in die Weinberge verbracht.