Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

  • Ereignissreich

    Ereignisreiche Tage liegen hinter mir. Interessanter Besuch hatte sich dieses Wochenende angekündigt. Caroline Henry vom Blog missinwine, Frankreich, und Gabriel Dvoskin von vinicast, Argentinien, besuchten mich und weitere Winzerkollegen. Nach der Ankunft am Freitag zuerst ein kräftiges Abendessen, danach den Sonnenuntergang vom Aussichtturm auf dem Pündericher Prinzenkopf genossen, über den ich hier und hier schon einmal berichtet hatte. Ach ja, zwischendurch ging es natürlich noch in die Weinberge.

    Abendlich, bis mitten in die Nacht, eine ausgedehnte Weinprobe. Als Krönung zwei Sekte. Der eine von mir, ein 1993er Riesling, der andere vom Vorbesitzer unseres Hauses. Zwar kein Jahrgang auf dem Etikett, aber da die vor uns im Haus residierende Weinhandlung mit den Tod des Besitzers 1975 erloschen war, ist das Alter dieses Sektes mind. 38 Jahre. Ich berichtete hier schon einmal über diesen Sekt, von dem ich mehrere Flaschen hatte. Bitte dort die Geschmacksnotizen lesen.

    Samstag dann der nächste Besuch. Ralf Scholze kam zum Fotografieren. Eine Auftragsarbeit für eine Zeitschrift. Zuerst natürlich das Sonnenlicht ausnutzend um das übliche Glas mit Wein zu fotografieren. Jahreszeitengemäß mit Spargel dekoriert.

    Dann die eigentliche Auftragsarbeit im Holzfasskeller. Für einen Bericht über einen Weinkrimi und seinen Autor mußte die Krone der Weinkönigin Model stehen. Der Titel des Weinkrimi soll „Der Tod der Weinkönigin“  oder so ähnlich sein. Die Weinkönigin selbst war leider nicht da und aufs Tomatenketchup als Blutersatz hat Ralf auch verzichtet.

    Der Start heute morgen war auch nicht schlecht. Champagnerfrühstück beraumte Caroline Henry heute spontan auf unserer Terrasse an. Eine von ihr mitgebrachte Magnumflasche Tarland Brut nature wurde zügig ihrer Bestimmung zugeführt.

    Und da Caroline heute zufälligerweise auch noch Geburtstag hat, durfte sie das Königinnenkrönchen auch einmal auf ihr Haupt setzen. Leider verneinte sie meine Frage, ob sie denn für die kommende Saison Reiler Weinkönigin werden möchte.

    Nebenbei noch etwas, sie haben es sicherlich an den Bildern gesehen. Wolkenfreier Himmel mit viel Sonnenschein. Der Sommer kommt an die Mosel! Endlich!

  • Schöner Trinken

    Schöner Trinken, das Motto der Berliner Weinhandlung Suff. Zusammen mit foodiesquare einem Startup, das handwerkliche Spitzenprodukte aus dem Lebensmittelbereich sucht und hier verkauft, hatte ich am vergangenen Sonntag die Gelegenheit, unsere Weine auf dem Gemeinschaftsstand der Next Organic in Berlin zu präsentieren.

    „Die NEXT ORGANIC BERLIN ist eine erlebnis- und genussorientierte Plattform für Menschen, die ökosozial zukunftsweisende Produkte herstellen, vermarkten und verarbeiten sowie für alle, die diese entdecken wollen.“

    so die Selbstbesschreibung der Messebetreiber.

    Hat auf jeden Fall Spaß gemacht. Am Vorabend die Aussteller Party, bei der man bei  Wein und einem fünf Gänge Menü die anderen Aussteller kennen lernen konnte. Ich saß bei den Mitarbeitern von edelmond, einer kleinen, aber feinen Schokoladenmanufaktur und der Abend verging wie im Fluge.

    Auf der Messe selbst ein hochkarätiges Angebot an Lebensmitteln. Ich kann sie hier nicht alle aufzählen. Ich hatte sehr viel zu tun und konnte nur kurz einige Aussteller besuchen, wie hier einen südtiroler Käsehersteller

    oder einen Metzger, der sein Rindfleisch der Naßreifung unterzieht, indem er es in Rinderfett einhüllt und reifen lässt.

    Bei den anderen anwesenden Winzerkollegen am Gemeinschaftsstand wurde reichlich probiert und in ruhigeren Minuten auch Erfahrungsaustausch betrieben.

    Besonderes Interesse fanden bei mir die Nebenprodukte der Weinbereitung: Riesling-Weinessig, Riesling-Balsamessig und Mosto Cotto vom Riesling, der der einzigste weltweit ist. Die Messebesucher fanden es äußerst spannend, wie Essige probiert werden: Einen Tropfen mit der Pipette auf den Handrücken, etwas verreiben, riechen und ablecken. Wurstsack aka Hendrik Haase, ein bekannter Foodblogger, war auch an meinen Produkten interessiert. Wieder jemand aus meinen sozialen Netzwerken, den man persönlich kennen gelernt hat.

  • Es könnte so langsam anders werden

    Es könnte so langsam anders werden, das mit dem Wetter. Die kühlen kalten Temperaturen haben das Rebwachstum stoppen gelassen. Zudem werden die Rebblätter gelblich, da kältebedingt die Nährstoffausnahme behindert/verhindert wird.

    Weitere ergiebige Regenfälle haben das Sommerhochwasser der Mosel nicht wesentlich abschwellen lassen. Etliche Nebenstraßen sind immer noch überschwemmt und nicht passierbar.

    Ich will endlich Sommer! Wenn man morgendlich im Weinberg mit eiskalten Fingern am arbeiten ist und nächtens von langen Unterhosen am träumen ist, dann passt die Jahreszeit nicht.

    Achso, bevor ich es vergesse, – die ersten haben schon danach gefragt – die jetzige Kälte-/Regenperiode hat keinerlei Einfluss auf die Qualität des kommenden Weinjahrganges. Wasser haben wir jetzt genug im Boden und falls es denn mal wärmer wird, der jetzige kleine Entwicklungsrückstand der Reben wird binnen weniger Tage aufgeholt sein. Falls es denn wärmer wird…

    Es ist noch lange hin bis zur Ernte, da kann wetterbedingt noch viel geschehen und wir wissen doch alle: Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben!

  • so um die sieben Meter

    Reichlich Regen gab es am vergangenen Pfingstwochenende. Binnen kürzester Zeit lief die Mosel über. Ein Hochwässerchen mit einem Pegelstand so um die sieben Meter. Das Moselvorgelände in Reil ist komplett überschwemmt. Ärgerlich für die Personenschifffahrt, die keine Fahrgäste aufnehmen kann, ärgerlich für die Kinder, deren Spielplatz abgesoffen ist und viel Arbeit für die Gemeindearbeiter, die nach dem Hochwasser wieder alles säubern müssen.

    Heute wieder schwarz gefärbte Wolken über dem Moseltal. Der Regen blieb in diesen und lässt mich hoffen, dass ich morgen, ohne eine Rutschpartie hinlegen zu müssen, mit dem Kettenschlepper in unseren steilen Weinbergen fahren kann. Morgen noch trocken, das wäre ein Wunsch, das der Sommer endlich zum Sommer wird, der andere.

  • Erfahrungsaustausch?

    Simon, der junge Betriebsleiter vom Weingut Böcking in Trarbach hatte zur Jungweinprobe eingeladen. Mehr oder minder bekannte oder renommierte Winzer brachten einige Ihrer Weine zum probieren mit. Neben dem Probieren war natürlich der Erfahrungsaustausch sehr wichtig. Dachte ich mir. Aber anders als in den Winzerkreisen in denen ich meistens verkehre – in denen sehr offen gesprochen wird und heftigste Diskussionen statt finden – gab es von vielen Anwesenden nur spärliche Informationen über den Weinbau und den Weinausbau. Es erinnerte mich eher an eine Werbeveranstaltung für ausgewiesene Weinkenner oder an Geheimwissensschaften. Schade…

    Ich habe zwar nichts Neues dazu gelernt, jedoch einige Winzer/innen kennen gelernt und viele interessante Weine getrunken. Der Erfahrungsaustausch wird dann mit den offeneren Kollegen bei einem persönlichen Gespräch stattfinden.

  • brutzeln und braten

    Da morgen die Begrünung gemäht werden soll, sollte heute das Mulchgerät abgeschmiert werden. Leider blieb es nicht beim abschmieren. In der Konstruktion des Mähers gab es wieder einige Risse und das Schweißgerät musste ran. Risse zuschweißen und Verstärkungseisen befestigen. Von der Optik näher an brutzeln und braten als an einer sauberen Schweißnaht. Wird sicherlich – so wie ich meine Schweißkenntnisse kenne – halten, aber der nächste Materialriss ist mir gewiss. Mit guter Pflege und vielen Schweißnähten hat das Gerät jetzt schon 16 Jahre harten Steillageneinsatz hinter sich. Ich hoffe, dass es noch etliche Jahre mehr werden, natürlich mit noch mehr brutzeln und braten.

  • Ausbildung

    Unser Ausbildungsplatz für den Ausbildungsberuf Winzer ist ab sofort neu zu besetzen. Da bereits ein Ausbildungsvertrag ab September 2014 besteht, können wir nur für ein Jahr ausbilden. Die Lehrstelle ist für Lehrlinge interessant, die Ihre Ausbildung in mehreren Weingütern absolvieren möchten.

    Alternativ kann der Arbeitsplatz auch für ein Vorpraktikum für das Studium im Bachelorstudiengang Weinbau und Getränketechnologie mit den Studienrichtungen Weinbau und Oenologie sowie Getränketechnologie und im Bachelorstudiengang Internationale Weinwirtschaft des Fachbereichs Geisenheim der Fachhochschule Wiesbaden besetzt werden.

    Wir sind ein kleines Steillagenweingut an der Mosel und produzieren trockene Rieslingweine. Als Nebenprodukt wird noch Riesling-Weinessig produziert. Die Weinberge sind nach dem aktuellen Stand rationeller Bewirtschaftung gepflanzt und die Maschinenausstattung ist technisch auf dem neuesten Stand. Wir bewirtschaften unsere Weinberge seit 31 Jahren nach ECOVIN Richtlinien und sind Demonstrationsbetrieb für den ökologischen Landbau.

    Wir erwarten Teamfähigkeit, soziale Kompetenz, Leistungsbereitschaft und, ganz wichtig, Motivation und Lernwille für den Winzerberuf. Mitdenken, die Fähigkeit selbstständig zu arbeiten und nach Einarbeitung Verantwortung zu übernehmen, ist ebenfalls erforderlich. Die Bereitschaft zu Überstunden, insbesondere während der Weinlese, wird vorausgesetzt.

    Wir bieten die Möglichkeit, das klassische Handwerk des Winzers im Weinberg und Weinkeller mit all seinen Facetten zu lernen. Die Betreuung und Vermittlung von notwendigen Kenntnissen erfolgt in sämtlichen Bereichen der Traubenerzeugung, Weinbereitung und Vermarktung. Lerninhalte, die wir nicht vermitteln können, z.B. die Rotweinbereitung, können bei Partnerbetrieben erlernt werden. Ausbildungsbegleitende Weiterbildungsmaßnahmen werden von uns unterstützt.

    Wir haben bereits Erfahrung in der Ausbildung und als Stellenanbieter für das Freiwillige Ökologische Jahr.

    Wir würden uns über eine aussagekräftige Bewerbung freuen, gerne per Mail.

  • Pflanzen


    Genau passend vor dem heutigen Regen wurden heute morgen Rieslingreben gepflanzt. Der Lohnunternehmer kam mit seinem technischen Equipmet und binnen kürzester Zeit war die Pflanzung erledigt.

  • Ölfund

    Leider keine sprudelnde Ölquelle aus dem Weinbergsboden. Genau das Gegenteil. Leicht tropfend unter der Raupe in Richtung Boden. Welcher der vielen Schläuche ist es denn? Wie finde ich Ihn? Lässt er sich gut aus- und anschließend wieder einbauen? Das Kopfkino  malte sich schon Horrorszenarien aus.

    Nachdem die schicke Motorhaube entfernt war, wurde die Leckage schnell gefunden. Eine Schlauchverbindung, gut sichtbar, war undicht. Mittlerweile wurde ein Neuer Schlauch verbaut und die Horrorszenarien einer komplizierten Suche mit schwierigem Aus- und Einbauens hatten sich erledigt. Dieses Mal bin ich noch glimpflich davon gekommen. Doch beim nächsten Mal? Vor lauter Hydraulikschläuchen ist der Motor nicht mehr zu sehen und jede Reparatur ist eine kniffliche Angelegenheit. Am besten hätte man Kinderhände mit Elefantenkräften.

  • Bodenbearbeitung

    Heute wurden in einigen Weinbergen die erste Bodenbearbeitung durchgeführt. Bodenlockerung, einarbeiten des Humusdüngers, Verminderung der Wasser- und Nährstoffkonkurrenten sind unter anderem das Ziel. Nebenbei werden die Bodenbakterien aktiviert, bauen mehr Humus ab und dadurch wird Stickstoff freigesetzt, der wiederum als Motor des Wachstums die Rebe vitaler wachsen läßt. Das soll dann wieder größere Trauben geben. So die Theorie, klappt aber bei mir nicht. Etwas mache ich falsch…

    In jeder zweiten Rebgasse wird mit dem leichtzügigen Grubber die Begrünung gestört. Der Grubber ist Marke Eigenbau, ein ehemaliger Seilzuggrubber, der gegen eine Flasche Wein beim Schrotthändler getauscht wurde. Wir arbeiten ausschließlich von unten nach oben um keinerlei Bodenerosion zu verursachen.

    Das Video ist zwar noch etwas wackelig, aber Übung macht den Meister. Demnächst dann in Spielfilmlänge und Oscar nominiert. Ich gebe mir Mühe 😉