Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

  • zur rechten Zeit

    Der Löwenzahn in den Weinbergsbegrünungen ist am blühen und die ersten Bienen lassen sich auch schon blicken.

    Der Weinbergspfirsich ist in der Vollblüte, bei anderen Obstbäumen beginnt gerade die Blüte. Geschätzte zwei Wochen später als normal und alles gleichzeitig, wie ich hier schon schrieb.

    Auch die Reben erwachen aus dem Winterschlaf. Die Knospen sind am schwellen und in einigen Tagen ist dann der Austrieb. Pünktlich – genau im langjährigen Durchschnitt – zur rechten Zeit! Trotz des kalten Winters und des bitterkalten Märzes keine Austriebsverzögerung.

    Am kommenden Wochenende soll reichlich Regen fallen und die Bodenwasservorräte werden wieder aufgefüllt. Das sind sehr gute Startbedingungen für die kommende Vegetationsphase.

  • Allium vineale

    Steht einfach so zwischen der Begrünung im Weinberg rum. Allium vineale, auch als Weinbergslauch bekannt. In etwa der Frühlingszwiebel ähnlich, im Geschmack ganz anders. Wird auch als Wilder Knoblauch bezeichnet, da er einen ähnlichen Geschmack hat. Auf ein gebuttertes Brot schnippeln und fertig ist der kleine Snack für zwischendurch. Schon oft geübt im Weinberg, als zweites Frühstück.

    Hat sogar eine Heilwirkung, insbesondere wenn er frisch und roh gegessen wird. Gut gegen Arteriosklerose, Bluthochdruck, Durchblutungsstörungen, Appetitlosigkeit, Verdauungsschwäche und der Samen soll sogar als Haarwuchsmittel brauchbar sein.

  • Frühlingsstart!

    Jetzt kommt Schwung in die Natur. Die letzten wärmeren Tage bemerkt man schon bei den Pflanzen. Die Knospen werden dick und fangen an zu treiben. Das allgemeine Ergrünen der Landschaft wird wohl nicht mehr lange auf sich warten lassen. Es dürfte sehr schnell gehen. Heute ist die 20 Grad Marke an meinem Thermometer geknackt worden. Kollege Bernhard Fiedler berichtete hier schon über die aktuelle Mandelblüte. Würde ich jetzt auch gerne fotografieren, aber hier an der Mosel gibt es sehr wenige Mandelbäume.

    Die Pfirsichbäume beginnen gerade die Blüten zu entfalten, die anderen Obstbäume werden sicherlich binnen weniger Tagen folgen. Es sieht so aus, dass innerhalb kürzester Zeit alles am blühen sein wird. Also nix mit längeren optischen Reizen für das Auge. Ist auch gut so, den die Natur muss endlich erwachen. Die Landwirtschaft und der Gemüsebau haben durch den langen Winter schon genügend Schaden gehabt, die Imker sorgen sich sogar um das Überleben Ihrer Bienenvölker. Auswirkungen des kalten Winters auf die Rebe sind nicht erkennbar.

    „Für unsere Reben ist der lange Winter nicht von Nachteil. Natürlich ist die Wahrscheinlichkeit einer sehr frühen Lese in den letzten Wochen deutlich gesunken, aber einige wenige schöne Wochen im Mai oder Juni können die Verspätung deutlich reduzieren.“

    so Bernhard Fiedler, dem ich voll zustimme.

    Die Startbedingungen für die Reben sind auf jeden Fall hervorragend. Der in den letzten Tagen reichlich gefallene Regen, füllte die Bodenwasservorräte bis zu Überlaufen auf. Die Mosel hat nun ein kleines Hochwässerchen. Leidtragende sind die Ausflugsschiffe auf der Mosel, die hier in Reil keine Passagiere mehr aufnehmen können, da der Steg nicht erreichbar ist.

     

  • Küfergold

    Weinstein in seiner schönsten Form. Dunkle Kristalle, auskristallisiert aus Traubensaft.

    Oder hier, über Jahre zu einer dicken Schicht in einem alten Holzfass gewachsen. Meistens für den Endverbraucher nicht sichtbar, da er im Faß schon auskristallisiert, selten in der Flasche. Absolut unschädlich für den Weintrinker und den Wein. Es gibt zwar chemische Stabilisierungsmaßnahmen gegen den Weinsteinausfall, aber wir verzichten selbstredend darauf.

    Weinstein ist ein hochbegehrter Rohstoff. Verwendung findet er unter anderem als Backtriebmittel, hier als E 336 gekennzeichnet, in der Baustoffindustrie als Abbindeverzögerer,  im Pharmabereich als Trägerstoff und in der Lebensmittelbranche als Säuerungsmittel.

    Küfergold bei den Kellerarbeitern (Weinküfer) in großen Weinkellerein genannt. Traditionell sammeln die Weinküfer den Weinstein, verkauften diesen auf eigene Rechnung und finanzierten sich den Betriebsausflug damit. Zu DM Zeiten lag der Preis bei 0,60 DM/kg bis hin zu 2,00 DM, je nach Nachfrage. Aktuell werden 0,60 € /kg bezahlt. Da in einer großen Kellerei mit den riesigen Weinmengen auch richtig große Weinsteinmengen zusammen kommen, war das das Gold des Weinküfers, mit dem dann ein mehr oder weniger aufwendiger Betriebsausflug finanziert wurde.

    Schon vor längerer Zeit schrieb Thomas Lippert über das Küfergold und fragte, ob es das noch heute gibt. Gibt es noch, wie ein Freund mir gestern berichtete.

  • Das war es gewesen

    Das war es gewesen, das mit dem Winter. Hoffentlich. Heute wurde erstmalig die 10 Grad Marke geknackt. An der uns am nächsten liegenden Wetterstation der Agrarwetterfrösche gab es in 2 m Höhe exakt 10 Grad, in 20 cm sogar 12,7 Grad. Mein Minimum-Maximum-Thermometer zeigte noch links die kalten Minimaltemperaturen der letzten Nächte an und rechts den Frühling.

    Die nächsten Tage soll es so bleiben und weiter wärmer werden. Der Frühling kommt mit Gewissheit und in einigen Tagen wird die Natur sicherlich explodieren. Endlich wieder eine farbige Landschaft. Das tut der Seele und dem Körper gut. Das Arbeiten im Weinberg macht dann viel mehr spaß, wenn man sich der Winterkleidung entledigen kann und die Sonne vom Firmament scheint.

  • Reben roden

    Das Reben roden sollte schon längst erledigt sein. Feuchter Boden behinderte diese Arbeit zuerst, dann wurde die Neue Weinliste verschickt und etikettieren, Kartons packen usw. standen auf dem Programm. Heute morgen, ich hatte mich schon richtig auf die Weinbergsarbeit gefreut, sollte es soweit sein. Leider war Frust schieben angesagt: Die Batterie des Traktors hatte den Geist aufgegeben. Mit Neuer Batterie ging es dann heute Mittag in den Weinberg.

    Da jetzt, ganz neu,  im Weingut eine sogenannte „Äktschen“ Kamera vorhanden ist, nun hier das erste damit gedrehte Video. Rechts in den Kategorien, eine Neue, mit dem Namen Video, für die Filme, die jetzt vermehrt gedreht werden.

  • Ab sofort verfügbar!

    Gestern wurden Preislisten gedruckt und gefalzt. Heute wurden diese eingetütet kuvertiert und mit einer echten Briefmarke versehen. Morgen gehen sie auf die Reise.

    Ebenfalls heute kamen die Etiketten um morgen auf die Flaschen geklebt zu werden. Unser Onlineshop ist auch schon auf dem aktuellen Stand und als ob unsere Kunden darauf gelauert hätten, hatte ich fünf Minuten später  schon die ersten zwei Bestellungen.

    Die ersten Weinkunden haben sich für die nächsten Tage angekündigt. Ich freue mich darauf auch den neuen Jahrgang erstmalig präsentieren zu dürfen und hoffe auf eine positive Resonanz.

  • Abräumen

    Der erste Einsatz letzte Woche war desaströs. Nach dem Nachbessern mit Winkelschleifer und Schweißgerät funktionierte der selbst konstruierte Drahtaufwickler wie es eigentlich sein sollte.

    Vorbereitungen für eine Neuanpflanzung, dass Abräumen der alten Rebanlage. Zuerst die Drähte des Drahtrahmens aus den Haken der Weinbergspfosten heben, am entgegengesetzten Weinbergsende vor den Drahtspannern den Draht abschneiden und aufwickeln. Die Weinbergspfosten sind schon per Hand aus dem Boden gezogen worden und morgen werden die Rebstämme mit der Rodezange aus dem Boden gezogen. Dann die Fläche noch abräumen und die Reste sortieren. Der alte Draht kommt zum Schrotthändler, die Pfähle werden bei der Neuanpflanzung wieder verwendet und die alten Reben bekommt mein Nachbar, um darauf Winzersteaks zu grillen.

  • Abgefüllt

    Das Wetter hat sich seit meinem letzten Eintrag hier im Blog stark verbessert, so Richtung Frühling. Es wird wieder wärmer und hoffentlich können wir dem Winter endlich ade sagen.  Nach dem massivem Schneetreiben am Dienstag, lachte am Mittwoch die Sonne wieder vom Himmel und die Mosellandschaft war winterlich weiß. Leider konnte ich den Schnee, der mittlerweile gänzlich weg getaut ist,  nur von der Kellertüre aus anschauen, da wir in den letzten Tagen unsere 2012er Ökorieslinge abfüllten.

    Bis auf den noch im Keller lagernden Sektgrundwein sind alle Holzfässer und Stahltanks leer und warten auf die nächste Ernte. Nun noch die Weinliste schreiben, eine Menge Briefmarken auf Kuverts kleben, den Shop auf der Homepage aktualisieren und der Druckerei Dampf machen, damit die Etiketten gedruckt werden. Dann kann der 2012er in den Verkauf gehen.

  • Zipfelmützenwetter

    Gestern während dem Abfüllen ein Anruf: „Es soll morgen schneien, können wir die Flaschen noch heute vorbei bringen?“. Kein Problem, eine Stunde später waren die für heute georderten Flaschen geliefert. Gut, dass im Büro meines Flaschenlieferanten ein Hobbymeterologe sitzt, der auch während der Arbeit auf die Wettervorhersage schaut. Heute massivstes Schneetreiben beim Blick aus dem Weinkeller, die andere Moselseite nicht zu sehen.

    Wären die Bouteillen gestern nicht geliefert worden, heute wäre für den Lieferwagen kein durchkommen gewesen, zumindest in unseren steilen Hof. So kann nun morgen abgefüllt werden.

    Letzte Woche hatten wir warmes und schönes Frühlingswetter, aber im Weinkeller sind immer noch eisige Temperaturen.

    Für den Wein ist das sehr gut! So können wir aromaschonend Abfüllen.

    Als Bekleidungsstück ist die Zipfelmütze zum Wärmen obligatorisch. Chefin Marita mit einem modischen und schicken Mützchen stellt die leeren Flaschen auf die Abfüllmaschine und beaufsichtigt diese.

    Unser Sohn entnimmt die gefüllten Flaschen vom Band und legt sie in Gitterboxen. Der Winzer selbst führt die Aufsicht, ist für Flaschenzufuhr und -abfuhr zuständig, schaut nach den Weinfässern und macht nebenbei noch Fotos für die Bildergeschichten aus dem Weingut Steffens-Keß.