Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

  • Da wird es einem warm ums Herz

    Am Samstag der Anfang, am Sonntag der Rückschlag, aber seit heute Morgen: Der Frühling kommt! Die Gewissheit brachten die Kraniche mit, die heute Mittag über die Reiler Goldlay flogen. Endlich wärmere Temperaturen und ganz wichtig, die Sonne lacht vom Himmel, so dass es einem ganz warm ums Herz wird. Nach den letzen trüben Wintermonaten eine Wohltat. Es war der bisher sonnenscheinärmste Winter seit seit Beginn flächendeckender Messungen im Jahr 1951.

    Heute ein Gewimmel in den Weinbergen. Fast alle Winzerkollegen waren draussen zum arbeiten und viele Spaziergänger genossen die Sonne. Und alle hatten ein Lächeln im Gesicht 🙂

  • Den Mangel verwalten

    Da standen sie am letzten Sonntag zum Probieren, die 2012er Weine. Wenig im Vergleich zum Vorjahr. Die Freunde probierten mit, um der Betriebsblindheit vorzubeugen. Die Qualitätserwartungen, die ich schon während der Weinernte geäussert hatte, sind  eingetroffen.  Die Qualität sehr gut, frische Frucht, Eleganz und saftig. Die Alkoholgehalte  bei den Basisweinen wie immer  moderat, so das diese wieder als Spaßweine bezeichnet werden können.

    Wenn da nur die kleine Ernte nicht wäre. Ich kann es drehen und wenden wie ich will, es ist zu wenig da. Viel zu wenig! Das dürfte kann hinten und vorne nicht bis zur nächsten Ernte reichen. Von den Basisweinen aus 2012 ist, durch die größe Erntemenge 2011  zwar noch einiges da, aber den 2012er Nachfolger gibt es nur in bescheidenen Mengen. Zudem haben wir für einige Weine größere Vorbestellungen, die dann erst gar nicht in den allgemeinen Verkauf kommen oder in solch geringen Mengen vorhanden sind, dass sie nur einige Wochen zum Kauf zur Verfügung stehen.

    Wie immer, kurz vorm reich werden, es reisst immer wieder ab. Entweder geht irgend etwas ungeplant kaputt und Ersatzinvestitionen müssen getätigt werden oder die Weinernte ist klein. Und wenn man es dann doch bis kurz vors reich werden geschafft hat, meldet sich das Finanzamt. Ich gebe es so langsam auf… 😉

  • Mäander abkürzen

    Warm angezogen starteten wir gestern zu Fuß in Richtung Bernkastel. Über den Berg, um die Moselmäander abzukürzen.

    Der erste Aussichtspunkt, das Birkensteinchen mit seinem Panoramablick auf die Mosel, war schnell erreicht. Nach kurzer Rast mit einem Glas Riesling wanderten wir weiter, bis wir oberhalb von Kröv die Mosel wieder sahen.

    Die erste Moselschleife hatten wir hinter uns gelassen. Durch die Weinberge, am alten jüdischen Friedhof vorbei, hinunter ins Tal nach Kinheim. Nach der Moselüberquerung wieder den Berg hinauf um die nächste Moselschleife abzukürzen.

    Unterwegs die ersten Vorboten des Frühlings, die mutig ihre Blüten durch den Schnee reckten.

    Oberhalb von Graach erblickten wir wieder die Mosel. Leider war durch das mittlerweile eingesetzte Schneetreiben die Aussicht auf die Wehlener Brücke und Weinberge eingetrübt. 

    In Bernkastel angekommen machten wir uns auf die Suche nach einem Restaurant. Im Winter nicht so einfach, da in dem Touristenstädtchen mangels Wintertouristen auch die meisten gastronomischen Betriebe geschlossen sind. Als wir fündig wurden, fiel uns die Speisekarte auf. Wann war das noch mal? Vierstellige Postleitzahlen? Anstatt aufgrund der vierstelligen Postleitzahl vorsichtig zu sein, bestellten wir. Ich will ja nicht ablästern, aber als ich die Frikadelle biß, die beim sogenannten Winzerschmaus mit auf dem Teller war, sagten mir meine Geschmacksnerven, das diese ein ähnlich hohes Alter hatte. Zum ersten mal in meinem Leben hörte ich sofort zu essen auf und beschied die Nachfrage des Kellner ob es geschmeckt hat mit einem klaren Nein. Meinen Mitwanderern erging es ähnlich. Wörter wie Touristennepp fielen… Wären wir doch besser in den alten Moselbahnhof eingekehrt. Einfache Bürgerliche Küche, empfehlenswert der legendäre Spießbraten.

    Der Kaffee und Kuchen im Cafe K – ich berichtete hier schon einmal über das Cafe – den es anschließend gab und der danach in der Station Cues degustierte Riesling versöhnte uns wieder mit der Bernkasteler Gastronomie, bevor es mit dem Taxi in Richtung Heimat ging.


    Größere Kartenansicht

    Zum Nachwandern die Streckenführung bei Google Maps. Im Sommer kann die Rückfahrt per Schiff bis Trarbach und dann mit der Bahn bis Reil erfolgen. Alternativ zu Fuß über die eiserne Weinkarte nach Trarbach und dann mit der Bahn nach Reil. Je nach Lust, Laune und körperlicher Kondition.

  • Mein persönlicher Mikrokosmos

    Man muss nur genauer hinschauen. Einfach beobachten. Es gibt viele schöne Dinge im Weinberg zu entdecken. Kleine Details, wie diese Flechte an einem alten Rebstock.

    Oder die jungen Sporenkapseln der ebenfalls auf alten Reben wachsenden Moose.

    Hier noch einmal mit ausgebildeter Sporenkapsel.

    Besonders farbenprächtig diese Flechte,

    die intensiv gelb leuchtet.

    Kleine Details, die, wenn man beobachten kann, das Auge erfreuen. Mein eigener persönlicher Mikrokosmos. Jeden Tag etwas neues in diesem entdecken.  Heute Glück gehabt, dass die Fotos gelungen sind und für einen kurzen Moment die Sonne das richtige Licht zum Knipsen brachte.

  • Winterende?

    Ich kann es fast riechen: Der Frühling naht. Früh morgens noch frostige Temperaturen mit kalten Fingern beim Rebschneiden. Wenn dann der Nebel noch verschwunden ist, merkt man die Kraft der Sonne und die Temperaturen steigen. Aber ab morgen soll es schon wieder anders werden. Leider geht es vorab mit den Temperaturen wieder nach unten. Solange kein Regen dazu kommt, lässt es sich im Weinberg beim Rebschnitt aushalten, die richtige Kleidung vorausgesetzt.

    Da ich mich heute mit alten Rebstöcke auseinandergesetzt hatte, die viele Korrekturschnitte ins dicke Rebholz benötigten, schmerzt die rechte Hand ein wenig. Zur Abwechslung wollte ich morgen junge Rebstöcke am Pflanzstab festbinden. Wird wohl nichts daraus werden, da bei dieser Arbeit die Hände und Finger voll beweglich sein müssen und die erwarteten frostigen Temperaturen diese Beweglichkeit sicherlich beeinträchtigen werden. Vielleich – eine gute Alternative –  bleibe ich am besten im Bett liegen und mache Winterschlaf.

     

  • Neues „Spielzeug“

    Winterbedingt war der Weinkeller und die Neuen Weine in den letzten Wochen stark abgekühlt. Optimal um in den letzten Tagen die Jungweine zu filtrieren. Frieren für die bessere Weinqualität und für spritzige Moselrieslinge, wie ich hier schon einmal über die Aromaschonung schrieb.

    Die Holzfassreinigung haben wir dieses Jahr optimiert. Bisher hatten wir eine modifizierte Rohrreinigungsdüse an der Lanze des Hochdruckreinigers. Die Lehrlinge durften dann  diese Lanze im Fass hin und her bewegen. Ohne Bewegung keine Reinigung. Man merkte an der Reinigungsqualität  die Agilität des Azubis. Leider, oder vielleicht besser  Gottseidank, verstopften sich unwiderruflich die Bohrungen der Düse. Zu den alten Methoden der Holzfassreinigung wollte ich wegen des hohen Wasserverbrauches nicht zurück. Also auf die Suche gegangen.

    Behälterinnenreiniger, Orbitalreiniger, Fassinnenreiniger und sämtliche Abwandlungen dieser Suchbegriffe in die Internetsuchmaschine eingegeben. Fündig wurde ich schnell, aber entweder zu groß um es in ein Spundloch einzuführen, schlicht überdimensioniert oder preislich jenseits von gut und böse. Weiter gesucht und fündig geworden, am Telefon nachgefragt und mittlerweile ist mein Neues „Spielzeug“ seit einigen Tagen im Einsatz.

    Heisst IVAT 30, passt in jedes noch so kleine Spundloch, ist leicht und bezahlbar. Und es macht Spaß! Einfach oben ins Fass, Hochdruckreinger anschließen, einschalten und dann den Getriebemotor drehen lassen. Binnen kürzester Zeit säubern zwei rotierenden Düsen das Fass!

    Damit Sie sich das bildlich vorstellen können, hier ein Video. Der Reiniger ist zwar etwas größer, funktioniert aber nach dem gleichen Prinzip.

  • Über die Schneegrenze

    Schon fast traditionell, unsere Rosenmontagswanderung mit Freunden. So ging es von Reil per pedes in Richtung Leofelsen, der einen schönen Ausblick ins  Alfbachtal und Moseltal bietet.  Nachdem das Flüsschen überquert war, ging es bergauf zum Sollig, dem Hausberg der Moselgemeinde Alf.

    Nach etlichen Höhenmetern wurde die Schneegrenze überschritten und wir wanderten auf einem Teilstück des Moselhöhenweges zum Gipfel des Solligs.

    An unserem Zwischenziel, die Gipfelgrillhütte, wurde eiligst Feuer gemacht, damit der mittlerweile eisig schmeckende Riesling etwas temperiert wurde. Natürlich hatten wir Grillgut für den Zwischenimbiss dabei und danach wärmte das Feuer unsere immer kälter werdende Hände.

    Der Weg ins wärmere Moseltal wurde kältebedingt rasch eingeschlagen. .Oberhalb von St. Aldegund, am Raulwingplatz, sichteten wir die Mosel. Steil bergab ging es über den Kulturweg „Felsen.Fässer.Fachwerk“ ins Moseldörfchen. Ca. 15 km waren nun zu Fuß bewältigt worden. Die Wanderung sollte noch bis Bullay fortgesetzt werden, ein Blick an der Bushaltestelle auf den Fahrplan ließ uns doch lieber den 5 min später eintreffenden Bus nach Bullay nehmen um dort in die Moselweinbahn umzusteigen und rascher als gedacht nach Reil zu kommen.

    Um sich wieder zu stärken, ging es schnurstraks zum Lindenwirt unweit des Reiler Bahnhofes. Da mittags schon gegrillt wurde, griff ich zu Pullfleck, die moselländische Variannte der sauren Kutteln. Dazu natürlich ein regionales Getränk. Moselriesling hatten wir schon Tagsüber, zu den Kutteln gab es dann ein regionales Bier aus der Eifel.


    Größere Kartenansicht

  • Steffens-Keß unterwegs

    Steffens-Keß, also meine Frau Marita und ich, waren letzte Woche unterwegs auf einer kleinen Weinreise. Der Lehrling hatte Schule, die Wetterverhältnisse ließen sowieso keine Arbeit im Weinberg zu, also nichts verpasst zu Hause. Der Schwarzwald war das erste Ziel, danach Baden, genauer Südbaden.

    Das erste Ziel war die Essigmanufaktur von Leo Weyers. Seit langer Zeit kenne  ich ihn schon und seine Erfahrung in der Essigbereitung hat mir auch schon geholfen. Für die Balsamessig- und Most Cotto Herstellung konnte er mir wertvolle Tipps geben. Der Riesenkochtopf mit Rührgerät zur Mosto Cotto Herstellung ließ die Dimensionen der Balsamessigproduktion erkennen.

    Neben einigen fachlichen Diskussionen besichtigten wir seine Essigmanufaktur und kauften natürlich einige Essige. Der Tomatenessig ist sehr empfehlenswert, der geschmackliche Knaller der Weinessigbalsam mit Melange Noir.

    Unser nächster Besuch galt dem Weingut Abril, dessen Geschäftsführer Armin Sütterlin ich kenne. Das ehemals kleine Weingut sollte aus Altersgründen aufgegeben werden, jedoch fand sich in der Verwandtschaft jemand, der das Weingut übernahm und investierte. Aber so richtig! Am Ortsrand von Bischoffingen im Kaiserstuhl entstand ein mit modernster Kellertechnik ausgestattetes Kellereigebäude. Das Gebäude eher schlicht, der Funktionalität entsprechend gebaut. Als optischer Reiz die Fassade mit Cortenstahl verkleidet.

    Neben der allerfeinsten Kellereitechnik in Edelstahl gab es natürlich noch Holzfässer. Große Lagerfässer und für den Rotwein noch Barriquefässer. Wie schon gesagt, alles vom allerfeinsten. Z.B. eine ausgeklügelte Beleuchtungstechnik, sei es fürs Arbeiten im Keller oder für das romantische Licht für den Touristen, um nur ein Beispiel zu nennen. Zudem alles sehr üppig gebaut. Sozusagen auf Vorrat, Platz satt!

    Als absolutes Muß für mich, der Besuch bei meinem Kollegen Paulin Köpfer (2ter v.r.), den ich von der ehremamtlichen Arbeit für unseren Ökoverband ECOVIN seit Jahren kenne. Neben der üblichen Kellerführung im Weingut Zähringer, in dem er Aussenbetriebsleiter ist, gab es eine üppige Weinprobe im Verkaufsraum. Dazu gesellte sich noch der Önologe, die junge Weinküferin und – die Welt ist ja klein – die Praktikantin, dessen Vater Reinhard, ein Winzerkollege aus dem Schwabenland, schon mehrfach bei uns in der Weinlese geholfen hatte.

  • Weiterbildung

    „Fortsetzung oder Wiederaufnahme organisierten Lernens nach Abschluss einer unterschiedlich ausgedehnten ersten Bildungsphase“ so Wikipedia zum Thema Weiterbildung. Im ökologischen Weinbau ganz einfach „Einführungskurs ökologischer Weinbau“ genannt. Für Winzer  gedacht, die sich für den biologischen Weinbau interessieren und evtl. ihre Weingut umstellen möchten. Dieses Jahr zum ersten mal auf der Jugendbildungsstätte Marienburg bei Pünderich, nachdem diese Weiterbildungsveranstaltung 25 Jahre in der ev. Landjugendakademie in Altenkirchen (Westerwald) stattgefunden hatte.

    Für mich fußläufig erreichbar, was ich letzte Woche auch mehrmals gemacht hatte. Nachdem ich stellvertretend für unseren Bioverband ECOVIN die Kollegen begrüßt hatte, übernahm der Dr. Uwe Hofmann als Seminarleiter die Weiterbildung.

    Einen Tag später übernahm ich mit meinem Kollegen Clemens Busch die Seminarteilnehmer zu einer kleinen Exkursion. Wir berichteten von unseren praktischen Erfahrungen im Ökoweinbau. Bei widrigen Wetterverhältnissen wanderten wir durch die Weinberge von Clemens in der Pündericher Marienburg zu mir nach Reil zur Weinkellerbesichtigung. Danach weiter zum Weingut von Clemens in Pünderich, vorher meine Rieslingweinberge in der Reiler Goldlay besichtigend.

    Nach der Rückkehr ins Seminarhaus natürlich Weinprobe mit den Weinen von Clemens und mir.

    Am Donnerstag, dem letzten Abend des Einführungskurses, mein letzter Auftritt. Nachdem die Ergebnisse der Nachmittäglichen Workshops zur Umstellung eines Beispielweingutes vorgetragen waren, durfte ich als erfahrener Ökowinzer noch über die Weinbereitung referieren.

    Bleibt zu hoffen, dass viele der anwesenden Winzer nun ihre Weingüter auf den ökologischen Weinbau umstellen.

  • Weinrallye 59: Exotische Weine

    Die erste Weinrallye im Neuen Jahr, mittlerweile sogar die 59zigste. Peter Ladinig hat dazu eingeladen:

    „Im neuen Jahr wollen wir uns auch neuen Weinen widmen. Es geht um Weine aus fernen Ländern, wo man eigentlich keinen Wein vermuten würde. Ebenso geht es aber auch um unbekannte Weine und Rebsorten aus bekannten Regionen.

    Exoten, das nicht alltägliche, so etwas ähnliches hatten wir ja schon einmal bei einer Weinrallye gehabt:  Weine der letzten EU Beitrittstaaten. Aber noch exotischer? Klar kein Problem, mein Weinkühlschrank mit den Gastgeschenken gab noch etwas her.

    Na, was wohl? Riesling! Zwar als Rebsorte nicht exotisch, jedoch die Herkunft! Aus Brasilien als Gastgeschenk zu mir gekommen und mit Freunden verkostet. Wir fragten uns, was denn die Cool Climate Pflanze Riesling in den Tropen, bzw. Subtropen Brasiliens zu suchen hat.

    „Reifebeginn bei warmen Nächten, bzw. ohne große Tag/Nacht Temperaturamplitute, bedeutet Zuckereinlagerung, null Aroma! Warme Tage/kühle Nächte bedeutet Zucker und Aromaeinlagerung! Um ein Maximum an Aroma, diese bezaubernden Fruchtaromen des Rieslings,  bilden zu können, braucht der Riesling kühle Reifenächte.“  schrieb ich einmal in einem anderen Beitrag zu einer Weinrallye.

    Erwartungsgemäß null Rieslingaroma, – wie gesagt, die warmen Reifenächte – insgesamt, passend zu dieser Weinrallye, ein sehr, sehr exotischer Geschmack, man könnte auch sagen seltsam. Jenseits von uns bekannter positiver Aromatik. Jeder meiner Mitverkoster probierte, schüttelte den Kopf – nicht in Richtung Zustimmung – und trotz der kleinen Flasche verblieb ein überaus großer Rest in dieser, der den Weg in den Ausguß fand. Das, obwohl die Homepage wie folgt schwärmt: „aroma de frutas cítricas típico da variedade Riesling“. Auch ohne portugiesisch zu sprechen verständlich.

    Nun ja, die Geschmäcker und Geschmacksempfindungen anderer Kulturen sind halt anders als meine. Der eine mag Lebertran, der andere vergorene Fische, ich halt einen Riesling aus den kühleren Klimazonen dieser Erde.