Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

  • Der Weinbauer als Weinbotschafter, Nachtrag

    Ich berichtete hier über meine Reise nach Brüssel als Weinbotschafter für  Rheinland-Pfalz. Heute bekam ich obiges Bild, das ich Ihnen nicht vorenthalten möchte. Der Fotograf Alexander Louvet hat es während des Empfanges des Deutschlandfunkes gemacht und zeigt die Vorfreude auf unseren Riesling bei der anwesenden Prominenz. Übrigens, EU Kommissar Günther Oettinger,  der als guter Weinkenner bekannt sein soll, und der Intendat des Deutschlandfunkes, Herr Dr. Willi Steul, hatten auch nach Genuss unseres Moselrieslings strahlende Gesichter. Hat wohl gut geschmeckt!

  • stabile Wetterlage

    Wir brauchen eine stabile Wetterlage, meinte ein Kollege in den letzten Tagen. Haben wir doch, meinte ich. Nass und feucht, ist ja auch eine stabile Wetterlage. Nur im Moment die falsche!

    Pilze wachsen mittlerweile in den Weinbergen. Gott sei Dank auf dem Boden und nicht auf den Reben.

    Die wenigen trockenen Tage werden genutzt, um mit der Raupe Maschinenarbeit zu machen. Ungeahnte Höchstgeschwindigkeiten werden teilweise erreicht wenn man im Steilhang abschmiert. Bevor Sie nachfragen: Alles im Griff! In der Regel sind die „gefährlichen“ Stellen mit etwas schmierigen Boden nur wenige Meter lang und fahrtechnisch gut zu beherschen.

     

  • Der Weinbauer als Weinbotschafter

    Der Weinbauer und seine Frau waren wieder unterwegs. Dieses Mal als Weinbotschafter. Auf Einladung der  Vertretung des Landes Rheinland-Pfalz beim Bund und bei der Europäischen Union reisten wir nach Brüssel um das Weinland Rheinland-Pfalz zu präsentieren.

    Am ersten Abend versorgten wir die Gäste eines Empfanges des Deutschlandfunkes mit unserem Riesling. Am zweiten Tag war eine Ausstellungseröffnung in den Räumen der Rheinland-Pfälzischen Botschaft. Viel Politprominenz war gekommen  um der Eröffnung der  Ausstellung Rückblende – dem deutschen Preis für politische Fotografie und Karikatur – beizuwohnen.

    Die Rückblende ist als gemeinsamer Wettbewerb für politische Fotografie und Karikatur einzigartig in Deutschland. Veranstalter der 28. Rückblende sind wie immer die Landesvertretung Rheinland-Pfalz und der Bundesverband der Deutschen Zeitungsverleger in Kooperation mit der Bundespressekonferenz.

    Einige preisgekrönte Bilder finden Sie hier. Den Ausstellungskatalog können sie ebenfalls dort bestellen. Es lohnt sich!

    Der belgische Partyservice hatte sich richtig ins Zeug gelegt. Plattenweise Häppchen, bzw. Fingerfood oder Canapes wurden gereicht. Kleine Snacks, Sandwiches, Muscheln, Fischpastete, Fleischhäppchen, Gemüsesnacks und vieles mehr. Zum Abschluß dann die süßen Sachen mit der berühmten belgischen Schokolade. Passte zwar weniger zu unseren trockenen Moselrieslingen, aber trotzdem ein Hochgenuss.

    Natürlich waren wir nicht uneigennützig bei diesen Veranstaltungen. Als Wein“bauer“n galt es zu säen, unseren Riesling potentiellen Kunden näher zu bringen und Kontakte zu knüpfen, damit später geerntet werden kann. Ich hoffe, dass die Saat aufgeht. Die Resonanz auf unsere Weine war auf jeden Fall sehr gut.

     

  • Immer wieder schön

    Immer wieder schön: Die Rebblüte!

    Der Blütenansatz ist dieses Jahr etwas geringer wie im letzten. Der jetzige Dauerrregen könnte zudem zu sogenannten Verrieselungsschäden führen, also Nichtbefruchtung der Blüten. Aber mal abwarten, es dauert noch etliche Tage, bis wir mehr wissen. Muss auch nicht schlecht sein, es gibt dann lockerbeerige Trauben, die weniger anfällig für Fäulniss sind.  Der gute Wuchs der Reben, aufgrund der feuchten Böden, lässt auch darauf schließen, das das Dickenwachstum der Beeren nach der Rebblüte rasant wird und überaus dicke Trauben entstehen können. Alle Optionen bezügl. der Erntemenge  sind noch offen!

    Eine sehr gute Ernte gibt es bei den Walderdbeeren, die unter den Rebstöcken wachsen.  Da diese momentan Nährstoffe und Wasser aus dem Vollen schöpfen können, sind die Erdbeeren zwei- bis dreimal so groß wie sonst und die Zwischenmahlzeit für den Winzer in kürzester Zeit gepflückt.

  • Schon wieder Regen oder immer noch?

    Der Regen will einfach nicht aufhören. Gestern wieder versucht die Laubarbeiten im Weinberg für die erste Runde abzuschließen, aber nein, der tägliche Regen kam wieder mächtig vom Himmel. „Sofort ins Auto“ zum Lehrling gerufen, der aufs Wort hörte. Kurze Zeit auf das Aufhören des Regens gewartet und dann ins Weingut gefahren.

    Heute wieder wetterbedingt Kellerarbeit. Gut, das noch einige größere Weinbestellungen vorliegen, die erledigt werden können. Ich hoffe, dass es morgen vielleicht etwas trocken bleibt, damit in den beiden letzten Weinbergen die Rebtriebe in den Drahtrahmen geschlauft werden können. Oder besser noch, das endlich ein stabiles Hoch ohne Regen kommt. Aber wenn ich mir die Wettervorhersage für die nächsten Tage anschaue, wird noch spannend. Immer noch feucht, dazu wärmer. Die Pilzkrankheiten lassen grüßen…

  • Will ich auch haben

    So einen Pokal will ich auch! Bei meinem Lieblingsmetzger stehen diese Pokale massenhaft im Verkaufsraum. Zum Blutwurstritter geschlagen, Europameister in der Wurstherstellung, Großer Preis für die besten Würstchen, Gewinner des Fleischwurstpokals, um nur einige seiner Ehrungen zu nennen, die mit einem Pokal geehrt wurden.

    So etwas gibt es leider im Weinbereich nicht. Keine schönen Pokale, aus denen man Wein trinken könnte, bestenfalls eine Münze zum umhängen und die obligatorische Urkunde. Mit diesen könnte ich mittlerweile Probierstube und Flur tapezieren.

    Trotzdem freue ich mich, wenn wieder eine Urkunde ins Haus flattert. Wir machen nur bei wenigen Weinwettbewerben mit. Ich schrieb hier schon einmal über diese Wettbewerbe. Aber es gibt einige Pflichtveranstaltungen. Da muss ich mitmachen! Z. B. bei ECOVIN, unser Anbauverband, der jährlich  die EcoWinner Verkostung durchführt.

    Meistens bei den trockenen Rieslingen immer vorne dabei, mehrfach schon die ersten Plätze belegt. So auch dieses Jahr. In der Kategorie kräftige Rieslinge belegten wir mit unserer 2011er Reiler Goldlay Auslese trocken den ersten Platz. Das schmeichelt unserem Ego, zeigt, dass unsere Weine nicht so schlecht sein können und hilft natürlich beim Weinverkauf.

  • Seien Sie geschäftstüchtig

    Seien Sie geschäftstüchtig, ein kleines Kapitel aus dem Buch „Die Kunst der Weltklugheit“ von Christoph Schulte-Richtering.

    In diesem Kapitel geht es um die immer wieder kehrende Frage, wie groß denn ein Weinkarton ist! 6 Flaschen oder mit 12 Flaschen. Der Winzer versteht darunter die mit 12 Flaschen Inhalt, der Kunde in der Regel die kleineren Kartons mit 6 Fl.

    Um den Text zu lesen, klicken Sie bitte auf das Bild. Ein PDF (1,2 MB) öffnet sich dann in einem neuen Fenster.

    Übrigens: Christoph Schulte-Richtering ist Kunde unseres Weingutes.

  • Regen satt!

    Zu jeder anderen Jahreszeit hätte man sich eine Pause gegönnt bis der Regen aufhört, aber…

    Die Laubarbeiten, dass Einschlaufen der jungen Rebtriebe in den Drahtrahmen,  müssen innerhalb einer gewissen Zeitspanne erledigt sein. Die Natur gibt jetzt das Arbeitstempo vor. Mir blieb nichts anderes übrig, als in Gummi gehüllt die Arbeit zu verrichten. Die Hose war heute dicht, die Jacke, nach 10 Litern Regen durchnässt, nun im Mülleimer. Eine andere Jacke wird die nächsten Tage auf ihre Regenfestigkeit geprüft.

    Das ganze, also die Arbeit, erinnerte mich an die Echternacher Springprozession: Da der Boden  extrem durchfeuchtet und rutschig war, ging es zwei Schritte vorwärts, danach wieder einen zurück, natürlich gerutscht. Momente in denen der Steillagenwinzer sind wünscht, flachere Weinberge zu besitzen.

  • In den nächsten Tagen

    In den nächsten Tagen dürfte die Rebblüte bei uns an der Mosel beginnen. Die Blütenansätze, oder das Geschein, wie der Winzer sagt, sind voll entwickelt. Sie werden sich noch etwas spreizen, bevor – ich denke nächstes Wochenende – die Rebblüte beginnt.

    Regen gab es gestern reichlich, so dass die Wasservorräte im Boden wieder aufgefüllt sind. Den ganzen Tag war das Moseltal wolkenverhangen und diesiges Wetter. Genau das Gegenteil von letztem Jahr, als der Wassermangel uns große Sorgen bereitet hatte, wie jetzt unserem Kollegen Bernhard Fiedler am Neusiedler See in Österreich, der darüber in seinem Blog berichtet: Es ist sehr, sehr, sehr trocken.

    Diese Woche sind, nun leider, wieder Niederschläge gemeldet. Da werden sich die Pilzkrankheiten freuen. Ich hoffe nicht, das es wieder eine Zitterpartie wie vor drei Jahren wird, als wir mit einem blauen Auge von einen massiven Pilzbefall verschont blieben. Verschiedene Kollegen verfallen schon in Schwarzmalerei. Aber noch ist es nicht soweit. Zumindest bei mir nicht. Aber Aufpassen ist trotzdem angesagt. Diese Pilzkrankheiten sind heimtückisch und halten sich manchmal nicht an die Spielregeln, wie Armin Kobler aus Südtirol es in den letzten Tagen bitterböse erfahren musste.

  • Krummes und Bast

    Auch heute noch ein wichtiges Arbeitsgerät: Das Krummes. Kommt von krummes Messer. In anderen Dialekten als Sesel, im hochdeutschen als Winzerhippe oder Gärtnermesser bekannt. Ist immer in der Tasche und einsatzbereit, denn zu schneiden gibt es immer mal was und wenn es nur ein hartnäckiges Unkraut ist, dass vom Mähgerät verschont wurde.

    Dieser Tage als alleiniges Werkzeug mit dem Bast und dem Winzer im Weinberg unterwegs gewesen.

    Der Naturbast, der von der Raphia Palme gewonnen wird, dient dazu,  junge Reben fest zu binden.  Besser und ökologischer als moderne Plastikbindematerialien oder Kunstbast, die nicht verrotten oder sich beim Rebschnitt nicht durchschneiden lassen.

    Krummes, Naturbast, flinke Finger und die jungen Reben sind schnell an den Pflanzstäben festgebunden.

    Eine noch älteres Bindematerial war das Langstroh, dass, als neben den Reben es noch Vieh auf den Weingütern gab, verwendet wurde. Ich selbst kenne es nicht mehr, aber mein Kollege Bernhard Fiedler aus Österreich verwendet es noch und beherrscht die Verarbeitungsweise.