Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

  • Serviceverbesserung

    Endlich eine lang ersehnte Verbesserung unseres Lieferservices. Leider nicht von uns gestaltbar. Sie, als Weinkunde, müssen es in Angriff nehmen.

    Bisher konnten wir nur den Hinweis „Bitte Samstag anliefern!“ oder ähnliches auf dem Weinkarton vermerken und hoffen, dass der Postbote dies auch berücksichtigte. Eine genaue terminliche Abstimmung der Lieferung war fast nicht möglich. Nun soll sich das ändern. „DHL versucht im Rahmen der möglichen Zustellprozesse die Sendung an dem von Ihnen angegebenen Wunschtag zuzustellen.“ so die Aussage zum neuen Service von DHL.

    Man muss sich nur bei DHL registrieren und bekommen eine PostNummer. Nachdem das Paket von der Post in das elektronische System aufgenommen wurde, wird der Empfänger per SMS oder e-mail benachrichtigt und man kann dann die Zustellung um bis zu 4 Tage auf seinen Wunschtag verschieben. Es soll sogar möglich sein einen Ersatzempfänger zu bestimmen.

    Nach Registrierung bei DHL ist nur noch die PostNummer in das Feld Adresszusatz bei uns in der Bestellmaske einzugeben und dann sollte es klappen, hoffe ich doch!

     

     

  • „Geh ich nicht ran“

    Wieder Festtage überstanden. Neben Weihnachten sind auch die Ostertage mit reichlich Essen und trinken verbunden. Natürlich Lamm, gehört einfach zum Osterfest und wurde in Form einer Haxe in meinem Lieblingsrestaurant genossen. Schneller weggegessen wie fotografiert.

    Natürlich war auch selber kochen angesagt. Der Rotwein wanderte ausschließlich in die Soße für die Keule. Für mich beim Kochen noch eine angebrochene Flasche Chardonnay aus Kalifornien im Kühlschrank gefunden. Aus der Rubrick „Geh ich nicht ran“. Mein Sohn hatte diese Flasche geschenkt bekommen. Einfachste Ware aus dem Supermarkt.  In der Aromatik an Fisch  erinnernd. Geruchlich Richtung Miesmuschel beim Kochen. Nach der Probe wieder zurück in den Kühlschrank, wo sie jetzt noch steht und wahrscheinlich bald entsorgt wird.

    Die Kategorie „Geh ich nicht ran“ wird z.B. durch Reste der Partys meiner Kinder immer wieder in meinem Weinkühlschrank aufgefüllt.  Am Etikett teilweise schon anzusehen, das es sich um dürftigste und für das körperliche Wohlbefinden gefährliche Weine handelt. Wie dieser Riesling aus Brasilien, der vor einigen Monaten verkostet wurde. Mehr als zehn Freunde verkosteten, geschmacklich fast wie Jauche, der Rest fand den Weg zur Kläranlage.

    Da lobe ich mir Gastgeschenke von Kunden, Winzerkollegen oder die berühmten Winzertauschpakete. So dieser Trollinger aus Württemberg, den ich nebst anderen Weinen gegen ein Rieslingpaket von uns getauscht hatte.  Typisch helle Farbe, sehr erfrischend mit guten Trinkfluss. Für einen Rotwein sehr hell, aber das sogenannte Schwabenblut sollte man als eigene Kategorie verstehen. Es muss nicht immer ein tiefroter, marmeladig und holzbetont schmeckender Rotwein sein. Darf auch mal leichter schmecken mit weniger Alkohol. Passte auf jeden Fall sehr gut zur Keule.

  • Wollestadium

    Das warme Wetter der vergangenen Wochen hat sein Spuren in der Natur hinterlassen. Der Weinbergspfirsich ist in der Vollblüte.

    Bei den Rieslingreben sind die Knospen in den weniger guten Lagen im Wollestadium, kurz vor dem Austrieb. Drei Wochen vor der Zeit! Wieder Zeit sich Sorgen zu machen. Die Gefahr der Spätfröste ich noch nicht vorbei. In unseren Steillagen ist die Gefahr zwar etwas geringer als in flachen Weinbergen, aber einiges Unwohlsein habe ich trotzdem. Letztes Jahr gab es schon empfindlichen Ausfälle durch den Nachtfrost zum 04. Mai, wie ich hier berichtete. Gut, das es die nächsten Tage kühler werden soll und der Austrieb sich dann etwas verzögert.

    Oder auch nicht! Im Wollestadium kann der  Rhombenspanner, die Raupe einer Schmetterlingsart, die Knospen ausfressen. Bei längerem Wachstumsstillstand durch kühles Wetter hat er jede Menge Zeit dazu und für den Winzer bleibt weniger übrig.

    Ebenfalls wie letztes Jahr, die derzeit herrschende Trockenheit. Seit zwei Monaten gab es nur minimalste Niederschläge. Unser Kollege Bernhard Fiedler hat schon vor einigen Tagen darüber berichtet.

    Ich hätte da einige Wünsche, aber…

    Das ist halt die Arbeit und das Leben des Winzers, mit der Natur zu arbeiten und auch von ihr abhängig zu sein. Mit allen Vorteilen, Nachteilen und Risiken. Das macht ja diesen Beruf so ungeheuer spannend und abwechslungsreich. Jeden Tag, jeden Monat, jedes Jahr was anderes, und immer neue Herausforderungen auf die man Lösungen finden muß.

  • Innovativ

    Endlich da, der Traubenvollernter für den Steilhang. Nicht der, über den ich schon vor Jahren berichtet hatte, der nur Forschungsgelder gekostet hat und der falsche Lösungsansatz war. Ein Versuch Technologie der Flachlage an den Steilhang zu adaptieren. Einsatzgewicht von ca. 4 Tonnen, Bergauf mittels zweier Seilwinden gezogen und oben auf dem Weg entsprechende Gegengewichte. Das konnte nicht klappen, ich schrieb ich schon damals darüber. Über dieses Groschengrab redet mittlerweile keiner mehr.

    Ein neuer Lösungsansatz wurde von einen Landmaschinenhändler ersonnen und vor einigen Tagen der Öffentlichkeit vorgestellt. Aufgebaut auf eine große Weinbergsraupe, mit einer sehr leichten Bauweise und einem innovativem Erntesystem, wurden im letzten Herbst die ersten Versuche mit dem Prototyp durchgeführt. Die Ergebnisse sind vielversprechend. Der Traubentransport innerhalb der Erntemaschine ist noch zu verbessern und die Konstruktion sollte noch von einem Maschinenbauingenieur optimiert werden. Steigfähigkeit bis 70% ist richtig gut und ich hoffe, das diese Maschine einsatzfähig wird.

    Wenn in Jahren wie 2006 und 2010 fäulnissbedingt schnell abgeerntet werden muß, oder noch viele Trauben hängen und eine Schlechtwetterfront sich ankündigt und die Handlese zu zeitaufwendig ist, auch eine qualitativ positive Maßnahme. Natürlich nur in Verbindung der vorhergegangenen selektiven Handlese.

  • Lachrymae Vitis

    Die Rebe weint Tränen, auch Aqua Vitis oder Lachryma Vitis von den alten Gelehrten genannt. Die Rebwurzeln drücken Wasser und Nährstoffe in die Leitbahnen, welches an der Schnittstelle austropft bis die Leitbahnen verstopft sind. Für uns der Beginn der neuen Vegetationsperiode und eines Neuen Lebenszyklusses. Der Frühling ist da!

    In früheren Zeiten sogar als Heilmittel verwendet:

    • Gegen Warzen aber für die Schwangere,
    • Für Kopf, Magen, Darm, Niere und Blase
    • Ein Antialkoholicum?
    • Gegen Brechreiz
    • Gegen Sommersprossen und nicht bewältigte Schrecken
    • Gegen Zahnschmerz
    • Für Haut, Augen und Ohren aber gegen die Haare

    Wobei letzteres mich auf eine Idee bringt. Da hatte ich doch schon mal vor ein paar Monaten über Wellness beim Winzer und Anti-Age-Creme in einem Newsletter geschrieben.

    Liebe Leser: Ab sofort nehme ich Bestellungen entgegen. Nur kurz lieferbar für den sofortigen Verbrauch. Lachryma Vitis gegen alles und jedes, für die zarte Haut, besseres sehen und hören und gegen Damenbärte und Nasenhaare.

  • Treff der virtuellen Weinwelt

    Nun schon zum zweiten mal: Das VINOCAMP Deutschland, dass im letzten Jahr erstmalig in der Weinuni Geisenheim stattfand, wie ich hier berichtete.

    Am letzten Freitag zuerst ein ungezwungenes Beisammensein im Alten Rathaus in Oestrich-Winkel. Die meisten Weinblogger kannte man bereits aus dem Vorjahr. Unbekannte Gesichter wurden schnell am großen Tisch beim Abendessen in die Gemeinschaft integriert. Nach der Begrüßung und Vorstellung der ca. 130 Teilnehmer des VINOCAMPS wurde die Vorträge festgelegt und den einzelnen Hörsälen zugeteilt. Bei Matthias vom Duesiblog ging es wie im letzten Jahr um rechtliche Fragen. Während er sich im letzten Jahr dem  Messwein und seinen Absatzchancen für Weinproduzenten gewidmet hatte, informierte er uns über die rechtlichen Grundlagen des Rebpflanzverbotes.

    Im stündlichem Rhythmus wechselten die Vortragsangebote in drei Hörsälen.

    Wie werde ich reich mit einem Weinblog, das österreichische Wein- und Bezeichnungsrecht im Vergleich zum deutschen, wieviele Weinshops braucht das Netz, Kundenbindung und weitere  Themen die angeboten wurden.

    Natürlich stand der Wein im Mittelpunkt. Viele Weinproben wurden durchgeführt:

    Frühstücksweinprobe, Elsässer Weine, Rieslingweine, Exoten, Südafrika, Orange Weine, Spätburgunder, natürlich Bioweine und einige mehr.

    Die Samstagsabendparty in der Winebank in Hattenheim stand unter dem Motto gereifte Weine.

    Reichlich gab es zu probieren. Jeder Teilnehmer am VINOCAMP brachte für die einzelnen Verkostungen und die abendliche Party Weine mit. Glücklicherwiese hatte ich das Glück, den ältesten Wein verkosten zu können. Hatte sich richtig gut gehalten!

    Nach einer kurzen Nacht, neben weiteren Vorträgen, wieder eine Probe für alle Teilnehmer. Dieses mal ging es um Weinfehler. Prof. Junk von der gastgebenden Forschungsanstalt referierte über Weinfehler und bemusterte sie auch gleichzeitig.

    Die ganze Veranstaltung war kostenlos da sich genügend Sponsoren gefunden hatten. Die Sponsoren durften ihre Produkte im Foyer präsentieren. Z.B Die Deutsche Weintasche für Weinfreunde, die zeigen möchten, welche Rebsorten sie aus welchem Anbaugebiet bevorzugen. Eine kreative Idee von Sponsorin Eva Wenke.

    Und natürlich das ultimative Gruppenfoto von Andreas Baldauf, der das ganze VINOCAMP mit seiner Kamera begleitete. Weitere Fotos könen auf seiner Homepage angeschaut werden.

    Hier an dieser Stelle noch ein großes Dankeschön an das Organisationsteam. Weitere Informationen über das Vinocamp finden Sie im VinoCamp Blog hier, die Facebookseite mit weiteren Berichten über das VINOCAMP finden sie hier.

  • Newsletter No 6: Nebensächlichkeiten, nette Bekanntschaften und Hintergründe

    Herrlich die zugefrorene Mosel Mitte Februar, über die ich hier berichtete.

    Mit den einsetzenden Temperaturen kam der Eisbrecher Josef Langen zum Einsatz, der die Mosel vom Eis befreite und die Schiffahrt wieder möglich machte.

    Im Weingut waren während der Eiszeit an der Mosel die Maler im Einsatz. Unsere Probierstube und der Vorraum wurden frisch gestrichen. Für den Vorraum gab es dazu noch neue Möbel.

    Bei anderen Winzern heißt der Probierraum mittlerweile Vinothek.  Weinraum bei Armin Kobler aus Südtirol genannt, der von einem Stararchitekten geplant wurde. In unserem denkmalgeschützten Haus hat der Probierraum halt eher den Charme einer Stube und so heißt der Raum halt auch Probierstube!

    Passenderweise habe ich Armin Kobler Anfang März auf der Prowein, einer Weinmesse für Profis in Düsseldorf, kennen gelernt. Virtuell kennen wir uns schon länger aus dem Internet. Armin betreibt auch einen Winzerblog, der mit zu den besten im deutschsprachigen Raum zählt.  Interessanterweise schreibt er zweisprachig: deutsch und italienisch. Als Highlight übersetzt er eingehende Kommentare in die jeweilige andere Sprache. So kann man auch die italienische Sichtweise der Kommentatoren verstehen und begreifen, da in anderen Ländern Themen anders betrachtet und beurteilt werden.

    Trotz der Messehektik nahm er sich viel Zeit für mich und ich durfte sein Weinsortiment verkosten. Ich war von den Weinen begeistert. Super sauber vinifizierte Weine, sortentypisch und erkennbar, das die vollreifen Trauben im Weinberg penibelst selektiert wurden. Empfehlenswert!

    Da ich Mitredakteur beim Blog unseres ECOVIN Verbandes bin und auch bei der Bloggeraktion „Zeit für Biowein“ mitmischte, war ich zum Bühnenprogramm von ECOVIN  auf der Prowein geladen. Unter dem Motto “Bloggen für Biowein – Neue Wege zum Weingenuss” begrüßte Moderator Dirk Würtz verschiedene Gäste und Blogger auf der Bühne. Hier der Bericht im ECOVIN Blog.

     

     

     

  • Der Tote im Hochwasser

    Trier Krimis gibt es, Koblenz Krimis gibt es ebenfalls, aber dazwischen, an der Mittelmosel bei uns, da gab es bis jetzt gar nichts. Bisher eine heile, friedvolle Welt ohne Erpressung, Mord, Todschlag und vergiftete Hunde. Das hat sich nun geändert, seit dem sich Peter Friesenhahn, Musiker aus unserem Nachbarort Pünderich, dem Schreiben gewidmet hat.

    Spannend die Texte, die er gestern abend bei der Autorenlesung vorlas. Da ich Peter Friesenhan schon seit langer Zeit kenne, gehe ich davon aus, dass die vier Kurzkrimis in seinem Buch mich begeistern werden. Daher, bevor ich das Buch gelesen habe, schon meine Leseempfehlung:

    Der Tote im Hochwasser von Peter Friesenhahn, erschienen im Rhein-Mosel-Verlag ISBN Nummer 978-3-89801-050-4.

    Ebenfalls zu empfehlen ist das Verlagsprogramm der Rhein-Mosel-Verlages, der sich auf Literatur von Rhein, Mosel, Eifel und Hunsrück spezialisiert hat und nebenbei auch ein Faible für die Autorin Clara Viebig hat.

  • Nebel

    Noch zweimal Nebel im Weinkeller, dann sind alle Weine abgefüllt: Morgendliches sterilisieren der Weinfilter und der Abfüllmaschine mit Heißdampf vor dem Abfüllen des 2011er Jahrgangs.

    Am Freitag sollen die Etiketten fertig gedruckt sein, unser shop hier auf der Homepage wird am Samstag aktualisiert, die Rohfassung der Weinliste ist auch schon fertig und wird am Samstag zur Druckreife gebracht. Briefmarken und Versandkuverts kamen heute per Post, evtl. wird die Weinliste schon am Wochenende eingetütet und ist Anfang nächste Woche in den Briefkästen meiner Kunden.

  • „Flaschenpost“ oder „In Gottes Frieden“

    Schon etwas länger her, bei einem mittelprächtigen Moselhochwasser. Meine Kinder kamen aufgeregt in den Weinkeller zu mir, den ich hochwassersicher machte. Eine Flaschenpost wäre die Mosel hinuntergeschwommen, sagten die Kiddies und weg waren sie wieder. Aber nur kurz, denn mit dem Ruf: Da kommen noch mehr Flaschen die Mosel runter geschwommen, kamen sie kurz darauf wieder zurück. Als ich selbst nach der Flaschenpost schaute, waren diese abgelöst von gelben Säcken, die die Mosel hinuntertrieben. Der Nachbar, einige Häuser weiter, war die Ursache….

    Man hat das Gefühl, das es immer noch an Umweltbewußtsein mangelt. Einfach alles in die Landschaft werfen, entsorgen. Aus den Augen aus dem Sinn, soll sich jemand anderes drum kümmern.

    Darum war heute Dreck-weg-Tag in Reil. In der Natur entsorgter Abfall wurde mühsam wieder aufgesammelt. In einzelnen Gruppen wurde heute die Gemarkung Reil durchkämmt. Mit meiner Gruppe suchten wir das Moselufer, einige Feldwege und einen Bachlauf ab, man kennt ja die Ecken.

    Plastikverpackungen, Glasflaschen, Computer, volle Müllsäcke, Einzelteile eines Kühlschrankes und vieles mehr wurde aufgesammelt. Obigen Grabstein haben wir jedoch am Moselufer liegen gelassen. Zu schwer! Da hatte sich einer die Mühe gemacht, den Stein sehr weit vom Friedhof zu entsorgen. Wahrscheinlich vor längerer Zeit, denn bei dem heutigen Umweltbewußtsein und Strafen bei illegaler Entsorgung, wäre die Grabinschrift so gut wie eine Visitenkarte des Umweltfrevlers.

    Am Ende war ein großer Abfallcontainer gefüllt, es gab ein gemeinsames Helferessen und Reil, zumindest die Gemeindeeigenen Flächen, sind nun müllfrei.

    Es blieben nur die privaten Schandflecke…