Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

  • Heute im Filter: Elbling

    Zur Zeit sind wir damit beschäftigt unsere Weine zu filtrieren. Heute wurde unser Elbling, eine alte autochthonte Rebsorte, durch den Kieselgurfilter geschickt. Gefällt mir, schmeckt einfach gut, frisch, fruchtig und unkompliziert. Anfang Februar soll er gefüllt werden und ist dann sofort in unserem shop erhältlich.

    Morgen kommen die besten Rieslinge dran. Ich freue mich schon darauf und werde sicherlich des öfteren probieren. Hoffentlich nicht zu oft…

    Beim 2011er setzt sich sehr viel Weinstein in den Fässern ab. Die Säure hat sich durch die  Abbindung der Weinsäure mit dem ebenfalls im Wein vorhandenen Kalium vermindert, so das die Weine etwas weicher im Geschmack werden.

    Mittlerweile ist auch die halbe Werkstatteinrichtung im Keller zu finden. Undichtigkeiten am alten Filter mussten abgedichtet werden, ein Weinschlauch platzte – erfreulicherweise liefen nur wenige Liter Wein aus – ansonsten macht der Filter seine Arbeit noch tadellos. Zwei Tage muss er in meinem Keller noch arbeiten, dann geht er zum nächsten Mitbesitzer. Ähnlich wie bei der Nachbarschaftshilfe gibt es die Maschinengemeinschaft. Weniger benutzte oder terminlich unabhängigere Maschinen werden gemeinschaftlich gekauft und eingesetzt, um Kosten für den einzelnen zu minimieren.

  • Reil-Cochem hin und zurück

    Reil-Cochem hin und zurück: Das hin gestaltete sich mit meinen Freunden von unserem Heimatbahnhof  Reil mit der Bahn noch ganz einfach und schnell. Das zurück erledigten wir zu Fuß in mehreren Stunden. An der Cochemer Reichsburg vorbei ging es über den Moselhöhenweg (Eifelseite) das erste mal bergauf in die Eifel.

    Bergab ins Ellerbachtal und wieder auf die Moselhöhen, um bald mit einem der schönsten Moselausblicke belohnt zu werden.

    Gigantisch der Ausblick ins Tal bei Ediger-Eller und Bremm. Wie bei einer Miniatureisenbahn wirken Eisenbahnbrücke und Häuser. Mehrere Aussichtspunkte befinden sich oberhalb des Bremmer Calmonts, dem steilsten Weinberg Europa. Am sogenannten Vierseenblick erblickt man die mäandernde Mosel gleich mehrfach.

    Natürlich, so sicher wie das Amen in der Kirche: Riesling! Wein trinken an schönen Orten. Es gibt nichts schöneres als mit einem Glas Moselriesling in der Hand die Landschaft zu betrachten.

    Der letzte Ausblick auf die Moselschleife um den Petersberg gegenüber dem Calmont und der Moselhöhenweg führte uns wieder tiefer in die Bergwälder.

    Am Wegesrand ein alter Baum mit Spechthöhlen,

    kurz vor dem Abstieg nach Alf  Wolkenmalerei am Himmel,

     

    und dann war die Mosel bei der Zeller Moselschleife wieder in Sichtweite. Nochmals ein Aufstieg auf den Petersberg mit der Pündericher Marienbug und Reil war wieder in Sicht. Gefühlte 50 km, eher wirkliche 30 km und ein Wandertag neigte sich dem Ende zu.

    Hier die Streckenführung:


    Größere Kartenansicht

  • Rede und Antwort stehen

    Foto: Ansgar Schmitz, Moselweinwerbung


    Weinbautage, jeden Winter in jedem Weinbaugebiet Deutschlands, die Informationsveranstaltungen für Winzer. Referenten berichten über Neuigkeiten, Forschungsergebnisse in Weinbau und Kellerwirtschaft. Die aktuelle Weinbaupolitik wird natürlich auch unter die Lupe genommen und in den Vortragspausen dürfen vor der Veranstaltungshalle Maschinen bewundert werden. Natürlich jedes Jahr wieder eine Lehrweinprobe und der Ball des Weines.

    The same procedure as every year“, wie beim Dinner for one. Trotzdem gibt es ab und zu neue Themen. Ein Schwerpunkt bei den diesjährigen Weinbautagen in Berkastel waren das Web 2.0.  Also Weinblog, Facebook, Twitter & Co. und der Einsatz dieser Medien im Weingut.

    Die Einführung zu diesen Internetmedien machte Susanne Bürkle von der Agrarberatung Rheinhessen-Nahe, der erste Praktikerbericht kam von Matthias Holzmann, der als Leiter der Touristinformation Traben-Trarbach sehr aktiv im Internet unterwegs ist und viele touristische Angebote (natürlich auch für Einheimische) in dem Moselstädtchen neu geschaffen hat. Ich berichtete bereits mehrmals darüber.

    Als einer der wenigen aktiven Winzerblogger in Deutschland durfte ich auch aus der Praxis berichten und Rede und Antwort stehen. Wobei richtigerweise meine Mitreferenten und ich geredet hatten und mangels Fragen keine Antworten in der anschließend gebotenen Diskussionrunde gegeben werden mussten. Entweder waren alle Fragen mit unseren Referaten beantwortet, oder das Medium Internet bzw. das Web 2.0 finden bei den Kollegen wenig Interesse, wie man an vielen ungepflegten Winzerseiten im Internet sehen kann. Während der darauf folgenden Pause wurde ich doch noch von jüngeren Kollegen angesprochen, die weitere Informationen haben wollten.

    Vielleicht überlegt es sich der eine oder andere Kollege einen Weinblog wie diesen zu machen. Die Weinwelt würde bunter und lebendiger, wenn  mehr Winzer im Netz über ihre Arbeit schreiben würden. Oder vielleicht einen Gastbeitrag hier in den Bildergeschichten aus dem Weingut Steffens-Keß veröffentlichen? Sozusagen zum Üben für den eigenen Blog? Ich würde mich darüber freuen!

  • Land unter

    Land unter! Die Mosel nagt schon an unserer unteren Hofzufahrt. Die Niederschläge der vergangenen Tage haben die Mosel wieder ansteigen gelassen. Ein kleineres Hochwasser wie vor drei Wochen über das ich berichtete. Nur etwas höher.

    Das bisschen höher würde ausreichen unseren Weinkeller zu überfluten. Da ich jedoch wegen der wenigen Zentimeter Überflutung keine Lust habe den Keller vorher zu leeren und nachher zu säubern, wurde gestern abend abgedichtet.  Über den Schacht der Regenwasserkanalisation, aus dem normalerweise die Mosel in unseren Weinkeller fließt, wurde eine Decke (Deutsche Schlafwagengesellschaft, uhlenalt)  doppelt gelegt, darauf die Schachtabdeckung die durch ein 100 Liter Edelstahlfass beschwert wurde. Ist zwar nicht 100%ig dicht, aber es reicht.

    Nun liegen wir ca. 23 cm unter dem Wasserspiegel. Bis 50 cm unter den Moselspiegel würde ich es riskieren, dann müsste ich den Keller Fluten. Zu einem käme es zu Aussandungen der Fundamente, da sich durch die Wände Grundwasser durchdrückt. Das andere Problem wäre ein evtl. aufschwimmen unseres Hauses, da durch das Abdichten es die Eigenschaften eines Bootes bekäme, wie es beim 1993er Jahrhunderthochwasser beim Schürmannbau in Bonn passierte.

    Die Scheitelwelle des Hochwassers wird heute unseren Moselabschnitt passieren, morgen gibt es dann fallende Pegel. Alles normal, nichts schlimmes.

  • Analysen

    Die ersten Weinanalysen sind da und die chemischen Parameter sind alle in Ordnung. Insbesondere der Alkoholgehalt ist in einem moderaten Bereich. Damit liegt der 2011er größtenteils im Spaßweinbereich. Ich berichtete hier schon einmal über das Thema Alkohol und Trinkfreude und mein Kollege Berhard Fiedler hat auch schon über den Alkohol-Zunahmi geschrieben.

    Da man den Geschmack nicht aus den Weinanalysen herauslesen kann, muss der Menschen mit seiner Nase und Zunge den Geschmack beurteilen. Die sogenannte organoleptische oder sensorische Analyse die ich des öfteren beim neuen Jahrgang mache und die mich jedes mal aufs neue begeistert.

  • Frohe Weihnachten

    Wir wünschen ein besinnliches Weihnachtsfest

    Harald Steffens und Marita Keß

  • Weihnachtliche Unterwelt

    Ein Weihnachtsmarkt, der mir gefällt: Unter der Erde und warm! In Traben-Trarbach findet zur Zeit erstmalig der Weihnachtsmarkt in einem riesigen Weinkeller unter der Erde statt. Der mittlerweile als Parkhaus umfunktionierte Weinkeller des Hotels Moselschlößchen dient als malerische Kulisse.

    Statt Glühwein zum aufwärmen, kann man bei wohligen Temperaturen ein gut gekühltes Gläschen Riesling leeren. Eine gelungene Idee der Touristinformation mit ihrem umtriebigen Leiter Matthias Holzmann, der kreative Ideen und Visionen in der touristischen Vermarktung der Stadt umsetzt.

    Bis zum 08. Januar ist der Markt noch geöffnet und es können noch weitere sehenswerte Gewölbekeller in Traben-Trarbach besichtigt werden.

    Als ehemalige bedeutende Weinhandelsstadt hat Trarbach viele, sehr große leerstehende Weinkeller zu  bieten, die mittlerweile auch touristisch genutzt werden. Weitere Information gibt es hier.

  • Es gärt

    Die Berliner Theatergruppe Weinkörper war gestern Gast im alten Casino in Trarbach.

    „Die Theatertruppe inszeniert in dem Stück, deutsche Weine auf völlig neue Art. Die Schauspieler von WEINKÖRPER performen Weine, sie verwandeln sich in Rebsorten, reißen das Publikum in die rauschende Gärung aus Kultur und Genuss. In einem Roadmovie durch die deutschen Weinprovinzen entfalten sich skurrile Geschichten über wahllose Geschmäcker und eine neue Lust zu genießen. … Die Weine entdecken Verwandtschaften, Anknüpfungen, Inspirationen. Sie gären, verwandeln sich im Rausch der Erzählungen; in rasanter Geschwindigkeit entfalten sich Szenen deutscher Weinkultur über Eisweine im Klimawandel, Schlägereien mit Weinkritikern in Düsseldorf und Riesling-Ekstasen in Berliner Szene-Clubs, bis eine neue Genusskultur aufscheint und die Sinne des Publikums provoziert – der Theaterraum wird zum Gärtank.“

    So ein Auszug aus der Pressemitteilung der Trarbacher Tourisstinformation.

    Und so war es: Wir wurden in den Rausch der Gärung mit hinein gerissen und in rasanter Geschwindigkeit erzählten die Akteure auf der Bühne mit Ihren Körpern, Mimik und Sprache Weingeschichten!

    Für alle Weinlienhaber ein muss! Leider gibt es dieses Jahr nur noch eine einzige Show, heute abend, im alten Casino in Trarbach. Termine für die nächste Saison können sie demnächst der Homepage von Weinkörper entnehmen.

  • „Joachim“

    Das gestrige Sturmtief  „Joachim“ machte sich an der Mosel gar nicht bemerkbar. Heute jedoch hatten wir die von diesem Sturmtief  mitgebrachten Regenfälle auf der Moselstraße stehen. Binnen Stunden ist die Mosel stark gewachsen und es stehen schon einige Keller in der Moselstraße unter Wasser.  Ein sogenanntes 2 jährliches Hochwasser (HQ2), das, wie der Name schon sagt, alle 2 Jahre auftreten kann.  „Leicht erhöhte Wasserstände…“ wie der Hochwasserwarndienst es bezeichnet. Heisst real, das der Pegel ca. 5 Meter über Normal ist.

    Nichts dramatisches, für uns Moselbewohner ganz normal, gehört einfach dazu, wie ich hier schon einmal berichtete.

  • Den 2011er erfassen

    Den Jahrgang 2011 so langsam erfassen! Ab und zu einen jungen, hefetrüben Wein vom Faß zapfen und intensiv verkosten. Kellerkalt, dann wärmer werdent, den Einfluss des Luftsauerstoffes  wahrnehmend. Vom kleinsten, dem Literwein, bis hin zu den besten Tropfen: Trotz Hefetrübung schon eine sehr klare Nase, höchst aromatisch für das jugendliche Alter und einen guten Trinkfluss bietend.

    Bisher bin ich sehr zufrieden mit dem neuen Jahrgang. Könnte fast nicht besser sein.