Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

  • Kochkurs mit Christoph

    Einen Tag Chefkoch, ein Geburtstagsgeschenk meiner Freunde, durfte ich gestern im Reiler Hof spielen und das von den Freunden selbst gebastelte Kochmützchen tragen.

    Mit Anleitung von Chefkoch Christoph und unter Zuhilfenahme von etlichen Gläsern Riesling durften meine Freunde und ich ein Menue zubereiten. Ich berichtete hier schon einmal über die regionaltypische Küche im Reiler Hof. Durch den Einstieg von Junior Christoph, der in einigen renomierten Restaurants sein Handwerk gelernt und gearbeitet hat, hat die Qualität der Küche des Reiler Hofes einen gewaltigen Sprung nach oben gemacht.

    Als Vorspeise gab es geräucherten Moselaal

    auf Rote Beete und Bouillonkartoffeln. Obendrauf ein Häubchen Ruccolasalat mit Riesling-Balsamessig und selbstgemachte Kartoffelchips.      

    Für die Ravioli von Blut- und Leberwurst musste ich den Teig machen. Ohne Küchenmaschine, ganz mühsam mit den Händen geknetet.

    Thomas füllte dann den Teig mit der Wurst, der nach dem Garen mit Rieslingkraut serviert wurde.

    Die Beilagen für das Hauptgericht wurden natürlich alle frisch zubereitet und wir lernten vieles dazu. Viele Tricks der Profiköche wurden uns beigebracht: Speisenvorbereitung, punktgenaues Garen, Anwendung von Wasserbad und Wärmeschrank, Fleischreifung, verwendung von Gewürzen und vieles mehr. Spannend das Pochieren von Wachteleiern mit anschließendem panieren und fritieren. Ich habe richtig viel gelernt.
    Die Rezepte  zum Nachkochen soll ich in den nächsten Tagen bekommen.

    Rosenkohl, auf den Punkt gegart und mit Speck verfeinert. Eigentlich ganz einfach und so lecker, das wir immer wieder in der Küche probierten und nur noch wenige für den Hauptgang übrig blieben.

    Das Hauptgericht: Eifeler Hirschrücken mit Kartoffelkrapfen und Rosenkohl! Selbst gemacht und  selbst gegessen. Die Optik auf den Teller könnte etwas besser sein, aber wir sind ja Anfänger im Dekorieren.

    Das Dessert wurde dann von Christoph persönlich angerichtet.
    Schon alleine die Dekoration des Tellers war faszinierent für uns.Das Gesamtkunstwerk, hier nur ein Ausschnitt davon, überzeugte: Interpretation vom Apfelstrudel!

    Wie es sich für gut erzogene Ehemänner gehört, wurde natürlich auch der Abwasch in der Küche umgehend erledigt.

    Noch ein Dankeschön an Maria Schroeder, die für den perfekten Service am Tisch sorgte und Christoph, der uns viel beibrachte.

    Die Zusammenfassung des gemeinsamen Kochens gibt es hier als kurzes Video:

  • Eigentlich gibt es nichts zu berichten, aber übers Wetter kann man immer reden

    Seit gefühlten Wochen, mit sehr kurzen Unterbrechungen,  hängt dichter Nebel im Moseltal. Man sieht fast nicht, ob der Lehrling beim Reben schneiden arbeitet oder nicht.

    Heute morgen dann eine grandiose Aussicht vom Zug aus – leider waren die Scheiben nicht geputzt –  auf die Marienburg und Pünderich. Nebel, der sich von der anderen Seite der Moselschleife bei Zell ins Tal bei Pünderich ergießt.

    Seit dem Hagelunwetter Ende August gab fast keine nennenswerten Niederschläge. Die Böden sind wie bei einer Sommertrockenheit ausgetrocknet. In der Landwirtschaft wären die Wintersaaten bedroht, wenn nicht durch Nebel ein wenig Feuchtigkeit in den Oberboden käme. Der Feldsalat, der in unseren Weinbergen wächst, muss umgehend zu Salat verarbeitet werden, da er durch den Wassermangel schnell anfängt zu welken.

    In der Mosel ist durch die Staustufen noch genügend Wasser, allerdings jetzt weniger ein Fluss – kommt ja auch von fließen – , eher ein stehendes Gewässer. Bedrohlich die Lage am Rhein. Mangels Wasser sind die Pegelstände auf ein nie gekanntes Maß gefallen, die Flussbreite hat sich auf ein Drittel reduziert, die Frachtschiffe können fast keine Ladung aufnehmen und bei Koblenz tauchen alte Bomben aus den Fluten auf, die der Kampfmittelräumdienst entschärfen muss. Kilometerlang kann man nun auf dem freigelegtem Flussgrund des Rheines im Mittelrheintal zwischen Bingen und Koblenz wandern.

    Den Verweis auf eigene Artikel über den Klimawandel hier in den Bildergeschichten aus dem Weingut Steffens-Keß werde ich mir ersparen…

    Stattdessen ein Link.

  • Bois noir

    Bois noir, allgemein als Schwarzholzkrankheit bekannt. Die einjährigen Triebe verholzen nicht oder nur unvollständig. Diese sterben langsam im Winter ab und färben sich schwarz. Verursacher sind Bakterien, die durch die Glasflügelzikade auf die Rebe übertragen werden.

    Die Glasflügelzikaden  haben als Wirtspflanze die  Große Brennnessel.  Das erwachsene Tier bleibt in der Regel am selben Brennnesselhorst und fliegt sehr wenig umher. Wird jedoch die Brennnessel in der Flugphase beseitigt oder gemäht, so sucht sie intensiv nach neuen Wirtspflanzen. Bei diesen Suchstichen wird irrtümlich oft eine Rebpflanze angestochen und dabei infiziert.

    Als jetzt mögliche alleinige Maßnahme bleibt mir nur der Weg, die Rebe bis auf einen kleine Stammrest zurück zu schneiden. Sozusagen das von Bakterien befallene Rebholz komplett zu entfernen. Aus den im kommenden Frühjahr sich neu bildenden Trieben kann der Rebstock dann wieder aufgebaut werden. Leider gibt es ein Jahr keine Ernte von diesem Rebstock und es waren in der heute geschnittenen Rebanlage viele Stöcke, die stark zurück geschnitten werden mußten.

    Nächstes Frühjahr wird der Lehrling die wenigen Brennesselhorste mit der Hacke in Handarbeit beseitigen müssen. Die Larven der Zikade verhungern, da ihnen ihre Nahrungsgrundlage entzogen wird und es wird keine umherfliegende Grasflügelzikaden geben (hoffentlich!), die meine Reben schädigen und zu Ertragsausfällen führen.

    Leider ist die zunehmende Verbreitung dieser Zikadenart ein Nebeneffekt der Klimaerwärmung. Wärme Standorte mit schottrigen Böden, also unsere Schiefersteillagen,  sind vermehrt betroffen und der von uns angebaute Riesling ist auch noch anfälliger gegen diese Bakterien. Passt wieder alles…

  • Großes Bohei

    Wie jedes Jahr: Großes Bohei in den entsprechenden Internetforen, bei Facebook und anderen Medien,  wenn die Weinführer wie Gault Millau, Eichelmann und Feinschmecker erscheinen.

    Immer die gleichen Diskussionen, ob die oder die Wein- oder Betriebsbewertung korrekt ist und wer ist denn der führende Weinführer, der am meisten recht hat. Das Wein nur subjektiv zu beurteilen ist, wird immer wieder vergessen. Auch die dort verkostenden Profis haben ihre Vorlieben oder unterschiedliche Tagesformen. Der eine mag dicke, fette Weine, der andere schlanke, fruchtige usw.  Ich berichtete hier und hier schon darüber und unser Kollege Bernhard Fiedler hat auch schon des öfteren über Weinverkostungen und die subjektiven Wahrnehmungen geschrieben.

    Allen gemeinsam ist, das in der Regel hohe und höchste Betriebsbewertungen fast nur durch edelsüße Weine erreicht werden können. Minimengen, die das Gesamtprofil eines Weingutes bestimmen. Der Alltagswein, also der Wein, der uns täglich begleitet,  wird in der Regel bei diesen Führern nicht beachtet oder erst gar nicht zu den Verkostungen eingereicht. Das schränkt die Betriebsbewertung für unser Weingut natürlich stark ein, da wir ausschließlich trockene Weine produzieren, die zudem noch klar wie ein Bergquell, schlank und fruchtig sind. Dem wahren Leben jedoch werden diese Weingutsbewertungen nicht gerecht.

    Aber trotzdem freuen wir uns immer wieder, wenn wir wie in den letzten Jahren in diesen Weinführern vertreten sind und dieses Jahr der „Feinschmecker“ unseren 2010er Burger Hahnenschrittchen Riesling zu den besten Weinen 2011 zählt.

  • Grobabstich

    Die ersten hefetrüben Jungweine wurden grob von der Hefe getrennt. Der Bodensatz im Faß, allgemein als Hefe bezeichnet,  besteht nicht nur aus reiner Weinhefe. Restliche Fruchtfleischteilchen und Trubstoffe, die bei der Mostklärung nicht erfasst wurden, sind neben Weinstein ebenfalls in diesem Sediment zu finden und könnten evtl. zu mikrobiologischen Problemen führen.

    Auch nach dem Grobabstich verbleibt noch genug Hefe im Wein und die jungen Weine können von den positiven Geschmacksstoffen der Hefen profitieren.

    Die Rieslinge zeigen sich mommentan von der besten Seite. Delikate Rieslingaromatik, für dieses junge Entwicklungsstadium sehr fruchtig und durch den hohen Weinsteinausfall weicher als sonst in der Säure. Ich habe das Gefühl, dass ich bis jetzt alles richtig gemacht habe um einen leckeren Riesling zu produzieren. Das dürfte wieder eine Punktlandung werden, mit richtig guten, sehr guten Weinen.

  • Fledermausguano

    Wie ich hier schon des öfteren berichtet hatte, wird die Reiler Kirche einmal jährlich von mir und einem Naturschutzbeauftragten entmistet. Dieses Jahr waren die Fledermäuse, die im Kirchendach eine sehr große Kolonie haben, sehr fleißig. Eimer für Eimer Fledermausguano rieselte durch das dicke Rohr auf unseren Anhänger: Wertvoller Humusdünger für die Vitalität der Rieslingreben im nächsten Jahr.

    Im Gegensatz zu früheren Jahren waren wir mit der Reinigung des Dachbodens etwas früher und einige Fledermäuse, die noch nicht in ihre Winterquartiere geflogenen waren, machten sich durch Laute bemerkbar.

  • Goldener November

    Eigentlich gibt es nur einen Goldenen Oktober, dieses Jahr zusätzlich noch einen Goldenen November.

    Die Landschaft präsentiert sich noch in den schönsten Farben, bevor der Winter kommt und damit die graue Jahreszeit. Frühlingshafte Temperaturen laden ein, die Landschaft noch zu genießen.

    So schön wie sich das bunte Herbstlaub in den Weinbergen präsentiert, so arbeitsintensiv ist es die Blätter im Weingut zusammen zu kehren. Der Anhänger wird in den nächsten Tagen sicherlich voll und die alten Blätter werden als Dünger in die Weinberge verbracht.

  • Ein Kochlöffel unterwegs

    Astrid Paul, die in Deutschland bekannteste Food Bloggerin, hatte eine super Idee:

    “Arthurs Tochter gibt den Löffel ab!”
    So lautete der Schlagruf vor zwei Wochen bei facebook. Zu meinem Geburtstag hat P. mir einen ganzen Schwung dieser Löffel machen lassen, die als kleines Geschenk für mich und meine Gäste auf der Geburtstagsparty gedacht waren. Die Freude war bei mir und allen anderen groß! Die Löffel, die die Party überlebt haben wurden von mir über facebook spontan unter dem o. g. Aufruf verschenkt. Und so reisten ca. 20 Löffel durch ganz Deutschand und ein paar sogar nach Österreich. Das hat mir und auch denen, die den Löffel bekommen haben, einen riesengroßen Spaß gemacht. Vor allem die Bilder, die mir von den Löffelempfängern geschickt wurden haben mich so gefreut, dass alsbald eine neue Idee geboren wurde: Das Löffel-Blogevent!

    Ich verschenke ab heute über den Blog 30 weitere Löffel. Und dann bitte ich Dich, Deinen erhaltenen Löffel zu fotografieren. Um dem Ganzen mehr Würze zu geben, sollte das Bild eine der folgenden Kategorien erfüllen:

    1. Der Löffel muss in einer für ihn völlig untypischen verrückten Situation fotografiert werden. Losgelöst von allem, was mit Essen zu tun hat.

    2. Der Löffel muss an einem weltbekannten Ort fotografiert werden. Die Definition für weltbekannt bedeutet in diesem Fall mindestens ein Eintrag bei Wikipedia

    3. Eine prominente Person muss mit dem Löffel posieren. Prominent bedeutet, allgemein bekannt. Im Zweifel entscheidet die Jury über den Grad der Prominenz…

    Das Photo muss bis zum 31.10.2011 bei mir eintreffen oder in Deinem Blog veröffentlicht sein. In jeder Kategorie wird nach dem Einsendeschluss das verrückteste, weltberühmteste, prominenteste Photo ausgewählt und ein Sieger pro Kategorie gewählt. Um mich selbst nicht der Befangenheit auszusetzen habe ich eine Eins-A-Jury für Dich zusammengestellt. …Selbstverständlich erhält jeder Sieger pro Kategorie einen Preis!

    Mehr Information dazu: http://arthurstochterkocht.blogspot.com/2011/08/ein-loffel-geht-auf-die-reise.html#ixzz1buwXhqCo

    Natürlich habe ich auch einen Kochlöffel angefordert. Bei so einem verrückten Blogevent muss man natürlich dabei sein. Sogar  Zeit-Online  hat schon darüber geschrieben.

    Nur welche Reise lasse ich dem Kochlöffel angedeihen? Nach einigem Grübeln dann die Idee: Kennen Sie Felix den kleinen Stoffhasen? Das Kinderbuch vom Coppenrath Verlag, dass vom kleinen Stoffhasen Felix handelt, der auf einer Reise seiner Besitzerin, dem Mädchen Sophie, verloren geht. Sie ist über diesen Verlust sehr traurig. Eines Tages liegt ein Brief von Felix in ihrem Briefkasten – und später folgen weitere, jeder aus einer anderen Stadt, den Stationen seiner weiteren Reise. Im Buch sind die Briefe in einem Briefumschlag enthalten, was das Lesen spannender macht. Sophie und der Leser reisen mit dem Hasen um die Welt und hoffen, dass Sophie ihren Felix wiederbekommt. In den Briefen sind Bilder enthalten, so dass auch Kindergartenkinder mitmachen und die Briefe verstehen können.

    Das war die Idee!

    Moselabwärts wurde nach Koblenz geradelt und der Kochlöffel durfte mit. Im Stil dieses Kinderbuches habe ich versucht zu schreiben und das ganze dann per klassischer Briefpost an Astrid geschickt.

    Ich hoffe, das ich nun mindestens die ersten beiden Kategorien des Wettbewerbes erfülle und ein Kochbuch gewinne!

    Die Geschichte zum nachlesen gibt es hier als jpg Datei:

    Seite 1

     

    Kochlöffel Teil 2
    Seite 2
    Seite 3
  • Newsletter No 5: Murphys Gesetz Teil 2, Wellness beim Winzer, andere Begebenheiten und ein Pin-up für ältere Winzer

    Wie ich hier berichtete wurde unsere Weinpresse hart vom Murphys Gesetz getroffen:  „Alles, was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen.“  Und die Geschichte ging noch weiter.

    Kurz nachdem die Elektrik wieder funktionierte, hatte sich die Packung einer  Stopfbuchse  fest gefressen und musste erneuert werden. Eine Traubenpressung später, Murphys Gesetz sei dank, schaltete die Weinpresse nicht mehr vom Vorentsaften auf Pressen um. Der Monteur kam umgehend und, wie der Teufel so will, die Presse funktionierte wieder einwandfrei. Aber nur bis zur allerletzten Pressung. Das gleiche Problem! Gut, das ich in weiser Voraussicht Ersatz für den Übeltäter, ein pneumatisch/elektrischer Mikroschalter, in den Schaltschrank gelegt hatte, der dann doch noch getauscht werden musste. Die Rechnungen der diversen Ersatzteile sind mittlerweile alle gekommen…

    Bild: Alexander Thomas

    Wellness beim Winzer wurde den beiden anwesenden Weinhändlerinnen anlässlich der Weinhändlerbespaßung Anfang Oktober geboten. Wie ich hier berichtete, müssen für eine saubere Gärung, die im Traubensaft vorhandenen Trubstoffe vom Most abgetrennt werden. Dieser Trub wird dann landbaulich verwertet. Ein bei der Ernte mithelfender Arzt dachte vor Jahren über eine weitere Verwertung nach und wagte den Selbstversuch mit einer Gesichtsmaske. Das war es! Sozusagen unter ärztlicher Aufsicht getestet.

    Die Durchblutung der Gesichtshaut wird durch diese Trubstoffe immens gefördert, Falten verschwinden, die Haut wird jung und prall, und und und…  Besser als jede Anti-Age-Creme! Leider nicht konservierbar und daher nur während der Weinernte im Winzerkeller frisch erhältlich. Schade, dass ich an diesem Abend meine Kamera nicht im Keller dabei hatte, denn sonst hätte ich mit vorher/nachher Fotos die Wirkung demonstrieren können. Eine Geschäftsidee für die nächste Weinernte. Vielleicht noch zusätzlich  Sitzbäder anbieten?

    Nicht nur eigene Trauben wurden bei uns verarbeitet. Leon, ein junger Weinbaustudent, der mir dankenswerter Weise eine Übernachtungsgelegenheit in seiner Studentenbude für das erste deutsche Vinocamp überlassen hatte, kelterte, mangels eigener Weinpresse, seine Trauben in unserem Weingut. In der Weinuni Geisenheim theoretisch lernen und das gelernte im eigenen kleinen Weinberg und Keller umsetzen. Dieses theoretische und praktische Lernen hat er bei seinem  letztjährigen Wein, der während der Kelterung probiert wurde, schon sehr gut umgesetzt. 

    Die immer extremeren Wetterverhältnisse, die mit zunehmender Klimaänderung auftreten, spüren wir nicht nur im Weinberg. Ein typisches Beispiel ist die Fasstürdichte, die zum Abdichten der Weinfässer benötigt wird. Davon gibt es zwei Sorten: Rita und Wino. Ein Scherzkeks – meine Kinder? – hat auf den Vornamen meiner Frau ergänzt.

    In früheren Jahren habe ich die Wino bevorzugt, war auch bei kalten Kellertemperaturen sehr gut verarbeitbar, Faßtürdichte Rita dagegen steinhart. Durch die immer wärmer werdenden Weinkeller bekam die Wino eine Konsistenz von Vaseline und wurde zu weich um sie als Dichtmittel für Faßtürchen zu verwenden.

    Erfreulich an der Klimaänderung ist das Erntewetter. Während es in meiner Jugend jeden Morgen kalte Finger bei der Ernte gab, die Tage kühl und diesig waren, konnte ich diesem Herbst fast durchgängig im T-shirt oder hemdsärmelig die Trauben ernten. Zudem Kaiserwetter um schönste Fotos zu machen.

    Bild: Ralf Scholze

    Bild: Ralf Scholze

    Ralf Scholze, Reisejournalist und Fotograf, war bei obiger Weinhändlerbespaßung auch dabei und fotografierte. Er hat ein  Faible für die Mosel und macht  wunderschöne Moselbilder. Seine Alben finden Sie hier, Facebookmitglieder können sich noch mehr  Bilder hier anschauen. Bemerkenswerte Bilder!  Persönlich finde ich die Pin-up Bilder für ältere Winzer sehr gelungen.

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  • Weinernte 2011: Randvoll

    Der Keller ist Randvoll. Eine mengenmäßig sehr gute Ernte, die  noch im Optimum des Menge-Güte-Gesetzes liegt.

    Die  Hauptaussage des Menge-Güte-Gesetzes ist, dass man von einer bestimmten Fläche keine beliebige Menge von Trauben in hochwertiger Qualität gewinnen kann. Das heißt,  dass ein hoher Ertrag zu einem niedrigeren Gehalt der Trauben an wichtigen Geschmacksstoffen führt. Daher hat das Menge-Güte-Gesetz starken Einfluss auf die Qualität eines Weines. Sozusagen, je mehr Trauben, desto dünner der Wein. Aber wie gesagt, wir haben das Optimum erreicht: Einiges mehr wie in den Vorjahren und trotzdem noch weit von den Ertragshöhen entfernt, die der Gesetzgeber als Höchsterntemenge vorgibt.

    Die Traubenmoste gären zügig und die ersten Rieslinge sind schon vergoren. Schmecken sehr gut, ich hatte ja auch nichts anderes erwartet, nachdem ausschließlich goldgelbe reife Rieslingtrauben in unserer Weinpresse gelandet sind.

    „Wenn ich die Jungweine probiere entdecke ich momentan ganz außergewöhnliche Aromen, die ich so bisher nicht kannte. Alles schmeckt extrem klar und balanciert. Fast schon zu gut zum jetzigen Zeitpunkt. Ich bin in der Einschätzung eines Jahrganges ja immer eher zurückhaltend und weiss beim besten Willen nicht, ob 2011 ein ganz großes Jahr wird. Es wird aber sicherlich ein sehr gutes, dass kann man jetzt schon ohne Übertreibung und mit Sicherheit sagen. Besonders erfreulich ist die Tatsache, dass die Menge stimmt. „

    So beschreibt Dirk Würtz den 2011er, dem ich voll und ganz zustimmen kann. Und ganz wichtig, er schreibt, dass er noch nicht weiss ob der 2011er ein ganz großer Jahrgang wird. Das wissen wir erst in einigen Monaten, wenn die Weine vergoren und probierfähig sind, frühestens.