Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

  • Über den Berg

    Mal gerade über den Berg nach Trarbach gehen. Eine kurze Wanderung bei bestem Sommerwetter. Bei gemütlichem Aufstieg schon die ersten schönen Ausblicke auf die Weinberge von oben.

    Dann, ganz oben, der Blick über die Steilkante der Felsen ins Moseltal.   Auf dem Mont Royal, ein empfehlenswerter Hochseilklettergarten und die sehenswerte Festungsruine Mont Royal.

    Der Wein durfte natürlich nicht fehlen. Ein eisgekühlter Sauvignon blanc, den Thomas Lippert vom Weingut Clauer mir bei seinem Besuch als Gastgeschenk mitgebracht hatte, wurde während einer Rast probiert. Passte genau! Mit 11,5 % nicht zu alkoholisch, das Aroma betörend und bestens temperiert.

    Der Abstieg durch Weinberge mit Blick auf die Kröver Moselschleife nach Traben-Trarbach. Einkehr im Restaurant „Die Graifen“ um bei einem leckeren Abendessen den Tag zu beschließen. Die Rückkehr nach Reil erfolgte mit der Moselweinbahn. Alternativ hätten wir auch den Moselhöhenweg über Starkenburg und Enkirch zurück gehen können, aber es war nur diese kleinere Wanderung mit Freunden geplant.

    Kurze 12 km in kurzer Zeit. Aber wie erwähnt, der Besuch der Festungsruine nebst Kletterpark können daraus einen Tagesausflug machen.


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  • Gastgeschenke, Tauschpakete und ähnliches

    Voll, fast randvoll: Mein privater Weinkühlschrank wurde in den letzten Tagen gut gefüllt. Gefüllt mit  Gastgeschenken, Tauschpaketen und ähnlichen wohltätigen Gaben.

    Winzertauschpakete sind ja bekannt. So unter dem Motto tausche meinen Wein gegen Deinen. Nun bin ich bestens sortiert mit Weinen von Bernhard Fiedler, Reinhard Schäfer und anderen Kollegen.

    Die Weine von Thomas Lippert sind als Gastgeschenk seines Besuches vor drei Wochen als Gastgeschenk in meinem Kühlschrank gelandet. Es gibt sogar Weinkunden, die zum Weineinkauf beim Winzer ein Fläschchen als Geschenk mitbringen. Ich freue mich immer auf Herrn Baum aus Thionville in Frankreich, der mir so manch gutes Tröpfchen in die Hand drückte.

    Mit freundlichen Grüßen schickte mir gestern Herr Hoffman von VinArTours, ein Veranstalter von Weinerlebnissreisen, gestern eine Bouteille Sangiovese aus Italien. Er hatte den Wein auf einer Weinreise kennengelernt, findet ihn sehr gut – nein, er schrieb : Der Wein hat mich begeistert! – und will mich mit seiner Begeisterung anstecken. Wird in den nächsten Tagen verkostet.

    Auch Weine von Frank Brohl sind es öfteren in meinem Bestand. Maschine verliehen, einige Tage später sauber und geschmiert zurück, als Miete ein Riesling aus der Nachbargemeinde daneben stehend.

    Sogar ein Gewinn eines Preisauschreibend hat sich angesammelt. Vin et Vie, ein Weingroßhandel aus Koblenz schickte mir ein sechserkistchen französischer Weine, die auch bald degustiert werden.

    Jetzt einfach mal ein Dankeschön an alle, auch die, die  hier nicht genannt sind. Danke für die leckeren Weine, die mein Weinverstand, meinen Weinhorizont erweitern und die den Fundus bilden, aus denen ich die Weine für die Weinrallye auswähle.

  • Normalerweise

    Normalerweise werden durch Alter und Krankheiten abgestorbene Rebstöcke bei uns durch Topfreben ersetzt. Stecklingspflanzung wie bei einer Neuanlage ist weniger gut, da durch Begrünung und die normalerweise vorhandene Frühjahrtrockenheit die jungen Pflänzchen keine sehr gute Überlebenschance haben.

    Normalerweise haben wir natürliche, wild wachsende Begrünungen in unseren Weinbergen. Die in der Regel herrschende Frühjahrstrockenheit und unsere leichten, schiefergeröllhaltigen Böden verhindern (be-) das optimale Keimen von Einsaaten.

    Dieses Jahr ist alles anders:

    Die Arbeit mit der Aufzucht der Topfreben hätte ich mir sparen können, es war ja genug Wasser im Boden.

    Auch wäre eine Bgrünungseinsaat sehr gut gelungen. Ein Rest einer älteren Samenmischung wurde auf die Böschung des Weinbergsvorgewendes ausgebracht und jedes Samenkorn keimte. Da freuen sich die Bienen, da es sich um Bienentrachtpflanzen  handelt.

    Wie gesagt, normalerweise ist es bei uns anders….

  • Goldlay

    Die Reiler Goldlay in der Abendsonne, das restliche Tal schon im Schatten. Gold wie die Sonne, Lay, die Klippe, der Fels, das Gestein. Unseren Häuser sind ja auch mit Layen von Layendecker gedeckt. Der Schiefer ist gemeint. Am Mittelrhein mit „e“ geschrieben, z.B. die Loreley.

    So einfach kommen Weinlagennamen zustande. Bei der Reiler Goldlay einfach zu erklären. Aber bitte fragen Sie mich bitte nicht, woher der Name Burger Hahnenschrittchen oder Wendelstück herkommt. Ich weiß es schlicht und einfach nicht. Da ist sprachlich sicherlich einiges von unseren Vorfahren in diesen Lagenbezeichnungen. Etwas keltisch und fränkisch, die Franzosen waren auch schon des öfteren an der Mosel und die deutsche Sprache hat sich auch in den letzten Jahrhunderten gewandelt.

  • Sommer?

    Der Sommer ist da! Hoffentlich längeres trockenes und warmes Wetter. Der Temperatursprung seit letzter Woche ist beachtlich. Sogar unsere Kellerkatze sucht die Kühle unseres Weinlagers.

    Die Widerwärtigkeiten der Natur, über die ich hier berichtete, sind in Weinberg nun deutlich zu sehen. Die Trauben sind durch das schlechte Blütewetter teilweise sehr lockerbeerig, da die nicht bestäubten Fruchtknoten zu Boden gefallen sind, bzw. sehr klein bleiben.Die Schäden durch die Pilzkrankheiten sind nun auch deutlicher sichtbar. Stellenweise findet man Lederbeeren und verkümmerte kleine Beeren, die vom falschen Mehltau befallen wurden. Durch die Dauerfeuchtigkeit hat der Grauschimmel sich auch noch einige Trauben/Blütenstände geholt.

    Ein sehr kritische Jahr.  Einen solch immensen Pilzdruck habe ich noch nicht erlebt. Dagegen war der Pilzbefall 2009 für uns ein Kinderspiel. Viele Kollegen, konventionell oder ökologische  arbeitende Winzer, klagen über massive Schäden.

    Nein, ich jammere nicht. Wir können noch nicht von Schäden sprechen. Ist wie jedes Jahr, wird immer weniger, seien es Pilzkrankheiten, Sommertrockenheit, Hagelunwetter oder Traubendiebe. Das Dickenwachstum der Beeren steht an. Die Wasserversorgung der Böden ist natürlich bestens und wenn dann noch warmes Wetter kommt, könnten die Rieslingbeeren so richtig dick werden, so dass die Verluste durch Pilze, Blütewetter usw. größtenteils wieder ausgleichen werden könnten.

  • Weinrallye 53: Schweizer Weine

    „Auf den ersten Blick vielleicht ein etwas exotische Thema. Doch es gibt ihn, den Schweizerwein, allen Unkenrufen zum Trotz. Die Schweiz ist mit knapp 15‘000 Hektaren Rebland ein kleiner und wenig bekannter Weinproduzent, vor allem im Vergleich mit Nachbarn wie Frankreich und Italien. Nur ein ganz kleiner Teil der Gesamtproduktion wird exportiert (gerade mal 2-5 %). Schweizerweine sind also ausserhalb der Schweiz nur schwer erhältlich. Sozusagen eine Rarität. „

    Der jetzige Aufruf zur Weinrallye von Peter Züllig ließ ja auch nichts anderes erwarten, da Peter Züllig in der Schweiz studiert, gearbeitet hat und dort auch lebt. Schweizer Weine hatten wir zwar schon einmal, es war bei der Weinrallye 29, aber die jetzige Weinprobe zu diesem Thema hatte viel mehr spaß gemacht und es war hochkarätiges Publikum angereist!

    Nach langem hin und her – der Termin für einen Besuch war schwer zu finden – war es am letzten Wochenende soweit. Thomas Lippert und Theo Huesmann nebst Gattin und Tochter kamen mich besuchen. Mosel kennen lernen, gut Essen und Riesling trinken. Am Freitag Abend eine kleinere Wein-, Essig- und Mosto Cotto Probe, die sich bis spät in die Nacht zog.

    Samstags ging es dann auf Schusters Rappen durch die Weinberge zum Aussichtturm bei Pünderich. Thomas berichtete hier und hier davon.

    Schweizer Weine für diese Weinrallye hatte Thomas (rechts, Theo links) einige Tage vorher angekündigt. War natürlich super, denn bis dahin hatte ich noch keine Flasche greifbar. Greifbar jedoch ein weiterer Winzer, der mit uns diese Weine probieren wollte. Karl-Josef Thul – das ist der, der sich hinter den Flaschen versteckt – ergänzte das Probenteam.

    Natürlich blieb es bei dieser Sonntagvormittäglichen Weinprobe nicht bei den drei Schweizer Weinen. Weitere Weine aus Südtirol, Österreich und natürlich unser Moselriesling ergänzten die Probe.

    Doch nun zu den eidgenössischen Weinen:

    Den Anfang machte ein Charmant Sekt, ein hellgekelterter Spätburgunder, der sich sehr blumig, fruchtig präsentierte. War aber weniger wichtig in dieser Weinprobe. Vielleicht auch etwas zu süß.

    Die beiden wichtigeren Weine sollten sogenannte Kultweine aus Graubünden sein. Mit Respekt öffneten wir sie und erwarteten, ja was erwarteten wir eigentlich? Das  neunte Weltwunder? Nie gekannte Geschmackserlebnisse? Oder was auch immer. Aber die ersten Probeschlucke zeigten mal wieder, das alle Winzer und Kellermeister mit dem gleichen Wasser kochen. Der eine kanns besser, der andere weniger. Respekt muß man nur vor dem Preis haben, den diese Kultweine am Markt erzielen.

    Der 2009er Pinot Noir von Thomas Studach ein Gedicht. Glasklar in der Aromatik, ein eher schlanker Spätburgunder mit eher dezenten Holzaromen aus der Barriquelagerung. Der Rest der Flasche wurde abends zum Reiler Goldlay Schwein serviert. Passte hervorragend!

    Die zweite Probe ein 2005er Chardonnay von Gantenbein. Da kann ich natürlich mehr mitreden. Ich bin ja selbst Weißweinproduzent und kenne mich da viel besser aus als beim Roten. Ich schmeckte förmlich die hochreifen, top gesunden Trauben. Sauberst vinifiziert! Man könnte neidisch werden, kurz vor perfekt, wäre da nicht dieses kleine Holzfass.

    Diese viel zu viel geübte Lagerung im Barrique, dass an den Wein die Eichenholzaromatik abgibt. Ein alter Kellermeisterspruch sagt, das gute Weine dadurch besser werden können. Können! Leider mittlerweile auch bei dürftigsten Weinen gehandhabt. Vielleicht besser so, um das Dürftige nicht schmecken zu müssen. Leider aber auch sehr oft übertrieben wie bei diesem Chardonnay. Viel zu stark diese Eichenholzaromatik. Erschlug die typischen Aromen des Chardonnays. Ich hasse das! Von der Eichenholzlatte tot geschlagen. Eine künstliche Aromatisierung auf die ich gerne verzichten kann. Egal ob Kultwein oder nicht.

    Zum neidisch werden die Preise der Weine. Der Rote so um 50, der weiße um die 90. Euro wohlgemerkt, sind halt Kultweine. Kultweine hab ich zwar auch, leider hat es noch keiner gemerkt, geschweige denn soviel Geld dafür bezahlt. Irgendetwas mache ich verkehrt…

    Wie Thomas diese Weine geschmeckt haben und welche Eindrücke er hatte, können sie auf seinem Blog 25cl.de nachlesen.

     

  • „Es regnet gern, wo es schon naß ist.“

    „Es regnet gern, wo es schon naß ist.“ besagt eine althergebrachtes Sprichwort. Leider auch heute. Von der Arbeit hochschauend, sah ich die Regenwolken, die ohne abzuregnen, über mich hinweg gezogen sind. Freude bei mir! Aber kurze Zeit später, die nächsten Wolken mit einem kräftigen Regenguss, der mich nach Hause fahren ließ.

    Es macht im Moment keinen Spaß mehr. Immer dieses Rumgematsche im Weinberg. Eine Wetteränderung ist, bis auf kühlere Temperaturen, nicht gemeldet. Die Widerwärtigkeiten der Natur, über die ich hier berichtete, machen mir noch keine Sorgen. Etliche Kollegen sind da weniger verschont geblieben. Auch erste Hagelunwetter soll es schon in der Pfalz gegeben haben.

    Ach so, nebenbei noch angemerkt: Die Rieslingreben haben einen Entwicklungsvorsprung von 8 Tagen gegenüber den langjährigem Mittel. Wenigstens eine gute Nachricht aus dem Weinberg!

  • In der grünen Hölle

    In der grünen Hölle, so der Titel eines Berichtes von Armin Kobler vor zwei Wochen. Ich kommentierte diesen Bericht wie folgt:

    „Diesen Bericht könnte ich in zwei oder drei Wochen wortgetreu übernehmen. Ich denke, das das gleiche bei uns an der Mosel eintreffen wird. Jeder Tropfen Regen ist einer zuviel.

    Viele Grüße von der Mosel

    Harald“

    Da ich mir das Schreiben ersparen möchte, lesen Sie bitte bei meinem Kollegen aus Südtirol, es gilt nun auch für unser Weingut.

    Mittlerweile habe ich die Traubenzone entblättert, damit die jungen Beeren durch Sonnenlicht abgehärtet werden, und der erste Laubschnitt wurde durchgeführt. Im Gegensatz zu den vorangegangenen trockenen Jahren, mit entsprechend magerem Rebwachstum, hatte der Laubschneider jetzt einiges zu tun, um den Rebzeilen eine akkurate „Frisur“ zu verpassen.


  • Widerwärtigkeiten

    Etliche Widerwärtigkeiten hält die Natur für den Winzer in diesem Jahr bereit. Der Heuwurm, über dessen Bekämpfung mittels Sexualduftstoffen ich hier berichtete, hat sich in einem Weinberg kräftig an den Blütenständen bedient.

    Der geringere Blüteansatz, ich berichtete hier,  ist teilweise nicht richtig verblüht und die nicht befruchteten Beeren fallen beim Abstreifen herunter. Verrieselung sagt der Winzer. Schuld daran ist das nasse, teilweise sehr kühle Wetter.

    Heute dann die Krönung! Die Peronospora (falscher Mehltau) macht sich in meinen Weinbergen breit. Zwar nur vereinzelte Beerchen, aber was kommt noch in den nächsten Tagen und Wochen auf uns zu? Vor drei Jahren hatten wir eine massive Infektion dieser  sehr gefährlichen Pilzkrankheit so gut wie unbeschadet überstanden, aber wie es dieses Jahr ausgeht ist ungewiss.

    Wir bräuchten endlich eine stabile Hochdruckwetterlage und nicht dieses feuchte, schwüle und nasse Wetter. Aber leider scheint das Wetter im Zuge der Klimaänderung immer extremer zu werden. So wie bei unserem Kollege Gottfried Lamprecht aus Österreich, der heute zum zweiten Mal in diesem Jahr vom Hagel getroffen wurde.

  • Weinrallye 52: Hitzewallungen im Weinberg, Klimawandel

     

     

     

     

    Da ist Sie wieder: Die Weinrallye! Es war einige Zeit sehr ruhig um diese Internetveranstaltung. Längere Pause und einige Themen, die ich mangels Zeit und/oder Ideen nicht mit Leben erfüllen konnte. Aber zum jetzigen Thema muß ich einfach schreiben. Thorsten Goffin vom Blog Glasklare Gefühle hat das Thema vorgegeben:

    „Ein paar kurze Worte zum Thema: Cabernet Sauvignon von der Mosel, Syrah aus der Pfalz, Sauvignon Blanc allüberall – die Zeichen der globalen Erwärmung und der damit einhergehenden Klimaverschiebung sind auch in der Weinwelt nicht zu übersehen. Diese Weinrallye möchte sich den weingewordenen Auswirkungen dieses Wandels widmen. Gefragt und erwünscht sind dabei nicht nur Beiträge, die die oben erwähnten Neuzugänge in Deutschland thematisieren. Ebenso willkommen sind Beiträge, die sich mit den Auswirkungen dieses Wandels auf den tradtionellen Weinbau beschäftigen. Alkoholstarken Rieslingen von der Mosel, 16%-Alkohol-Monstern aus dem Süden Europas. Vielleicht mag ja auch jemand Weine probieren aus Gegenenden, in denen der Weinbau vor kurzem noch undenkbar schien (Belgien, Niederlande oder Cornwall anyone?). Ich rufe ausdrücklich dazu auf, dieses Thema so weit, wie nur irgend möglich zu interpretieren.“

    Leider Gottes ist die Klimaänderung ein Problem, dass hauptsächlich die Weißweinsorten betrifft. Den Rotwein weniger. Ich möchte nicht über alternative, klimawandelgerechte Rebsorten schreiben, die überall gleich langweilig schmecken und ihre Herkunft nicht verraten. Ebenso werde ich nicht über die Auswirkungen des Klimawandels auf das Wetter  schreiben.

    Ich schreibe lieber über den Riesling, Moselriesling!

    Gehen wir einmal tiefer in die Materie. Es wird wärmer, wird wohl jeder bemerkt haben! Oder? Subjektiv sieht es teilweise so aus: Die ganze Woche warm und Sonnenschein, Mensch sitzt im Büro, natürlich klimatisiert, am Wochenende, Mensch will in die Natur oder ins Schwimmbad, Regen und kühles Wetter. Was sagt dieser Mensch: Scheiß Sommer!.

    Gehen wir aber einmal weg von diesen subjektiven Wettergefühlen, dann sieht das ganze etwas anders aus. Seit 1988 gab es an der Mosel keine schlechten Jahrgänge! Abgeschafft dank Klimaänderung. Natürlich gab es seit 1988 Weinjahrgänge ohne hohe Qualitäten wie z.B. Spätlese oder Auslese, aber die Alltagsweine waren gut, aromatisch.  Ich kenne da noch Jahrgänge, die würde man heute an die Automobilindustrie zum Lackabbeizen verkaufen. Wurde damals alles getrunken, man kannte es nicht anders. Die Pflanze ist als Messstab viel genauer wie wir Menschen. Seit 1988 gab es eine durchschnittliche Blüteverfrühung von ca. 14 Tage! 14 Tage längere Reifezeit der Trauben! Gerade hier an der Moselsehr sehr positiv für den Riesling, der nun jedes Jahr vollreif wird. Unsere Väter hätten bei den Trauben, die wir Jahr für Jahr ernten, jedesmal einen Jahrhundertjahrgang ausgerufen! Sie waren es gewohnt, das es in einem Jahrzehnt etliche grottenschlechte Jahrgänge gegeben hat. Und heute? Da werden leichte Variationen nach unten, vermeintlich „schlechte“ Jahrgänge, als Arschjahrgang bezeichnet. Das ganze als die Ernte noch teilweise am Rebstock hing und keiner den Jahrgang überhaupt geschmacklich beurteilen konnnte. Wäre vor dreissig Jahren sicherlich als Jahrhundertjahrgang oder nicht weit davon entfernt bezeichnet worden.

    14 Tage mehr Reifezeit, bzw. 14 Tage früherer Reifebeginn. Auf der einen Seite sehr gut für den Wein, auf der anderen Seite teilweise ein Problem. Die Rieslingtrauben kommen früher in die Reifephase. Eigentlich gut, wenn denn der Riesling nicht eine cool climate Pflanze wäre. Reifebeginn bei warmen Nächten, bzw. ohne große Tag/Nacht Temperaturamplitute, bedeutet Zuckereinlagerung, null Aroma! Warme Tage/kühle Nächte bedeutet Zucker und Aromaeinlagerung! Um ein Maximum an Aroma, diese bezaubernden Fruchtaromen des Rieslings,  bilden zu können, braucht der Riesling kühle Reifenächte. Alkohol macht nur besoffen und davon kann ruhig weniger drin sein. Die Aromareife ist wichtig. Bislang in Ansätzen 2003 erstmalig und letztmalig aufgetreten diese „Aromalosigkeit“.

    Ein weiteres Problem sind reife Trauben und warme Tage. Reife Früchte neigen zu faulen, insbesondere wenn es warm ist. Das Ziel, gesunde Trauben zu produzieren ist mittlerweile sehr wichtig geworden. Viele biotechnische Maßnahmen ergreifen wir im Weinberg, z.B. Bodenpflege, Laubarbeiten, entblättern usw.,  um zu verhindern, dass frühzeitige Fäulniss auftritt. Oder gar, wie auf obigen Bild zu sehen ist, Leben in den faulen Trauben ist.

    Bei dieser Reifeverfrühung muß man ansetzen! Ehemals gute Lagen werden aus oben genannten Gründen in Zukunft die schlechteren sein. Die Reifeverfrühung dieser sehr warmen Lagen wird dem Aroma nicht zuträglich sein, eher dem Alkoholgehalt. Weniger klimatisch bevorzugte Lagen werden Qualitativ zulegen.

    Natürlich werde ich meine Weinberge nicht wechseln wie die Unterhosen. Es gibt noch andere Möglichkeiten. Zuerst kann man die kulturtechnischen Maßnahmen ausreizen. Reifeverzögerung ist das Stichwort. Im Moment noch nicht notwendig, aber sicherlich in Zukunft wichtig. Die Fachwelt diskutiert schon darüber. Forschungen diesbezüglich laufen auch schon, ohne das ich hier näher ins Detail gehen möchte.

    Ich persönlich gehe davon aus, dass der Klimawandel dem Riesling, ich spreche hier vom Moselriesling, bisher nur genutzt hat. Bei anderen Rebsorten und oder anderen Weinbaugebieten mag es anders sein. Noch kann ich leichte Gutsweine mit geringen Alkoholgehalten und einem maximum an Aroma produzieren. Wird sich sicherlich ändern, aber wann und wie weiß ich nicht. Vom meinem Wissen jedoch kann ich, wenn es denn notwendig ist, gegensteuern mit reifeverzögernden Maßnahmen.

    Aber nun genug geschrieben. Ich werde jetzt einen zwanzigzehner Riesling kühlstellen, der heute Abend entkorkt wird.