Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

  • Weinernte 2012: Besuch

    So sehen die in den Weinbergen verbliebenen Rieslingtrauben größtenteils aus. Kurz vor perfekt, mit noch  stabiler Beerenhaut, die den heutigen Dauerregen sicherlich unbeschadet überstehen werden. In den nächsten Tagen ist die Ernte der hochwertigen Rieslingqualitäten geplant. Ich bin da bester Hoffnung!Diese Woche kam es noch zu einem kleinen „internationalen“ Erfahrungsaustausch. Da wir als Nordlichter die letzen Winzer sind, die noch zu ernten haben, besuchten mich Kollegen. Reinhard Schäfer aus Württemberg half zwei Tage bei der Ernte, aus  Österreich reiste der Vater von Bernhard Fiedler, Winzer und Weinblogger, an.

    Bei einer Moselrieslingprobe wurden zwischen uns Winzern viele Erfahrungen ausgetauscht. sx

    Das unsere Rieslingtrauben so schön aussehen, hatten auch diese Armeeflieger gehört, die tiefer als sonst im Moseltal flogen, um unsere Trauben zu sehen. Gewagte Spielchen, den Mäandern der Mosel zu folgen und bei längeren Geraden in den Tiefflug zu gehen. Ich hatte schon einmal in das Weiße im Auge des Piloten gesehen…c

  • Weinernte 2012: Goldener Oktober

    Der Goldene Oktober ist nun auch am Reblaub erkennbar und

    die Landschaft in den schönsten Herbstfarben.

    Leider nur von kurzer Dauer, wenn die Meterologen recht haben. Je nach Wetterportal schwanken die Nachttemperaturen in der Nacht zum Samstag von 0 bis minus 5 Grad. Das wäre das Aus für die Rebblätter. Binnen kürzester Zeit sterben sie dann ab, fallen zu Boden und der Winzer kann beim ernten die Trauben schneller pflücken, da er sie besser sieht.

  • Weinernte 2012: Ein Wetter zum Helden zeugen

    Das ist er: Der 2012er Riesling für die Basisqualitäten, die wir die letzten Tage geerntet haben. Sehr lockerbeerig durch die nicht optimale Bestäubung während der Blüte. Hier und da vertrocknete Beerchen, die uns uns der falsche Mehltau (Peronospora) beschert hat.

    Ein Wetter zum Helden Zeugen, auch Kaiserwetter genannt, verschönte uns die letzten Tage. Das goldene Oktoberwetter spiegelt sich nun im Reblaub wieder. Anfang der letzten Woche noch grün, nun in den schönsten Herbstfarben. Bilder folgen!

    Die Qualitäten werden, dem trockenen Wetter sei Dank, von Tag zu Tag besser. Die Quantität leider nicht. Bis auf einen Weinberg, in dem morgen selektiv geerntet wird, gibt es immer noch keine unerwünschte Fäule. Aber vielleicht kommt mit dem nun einsetzenden kühlerem Wetter zur teilweise erwünschten Botrytis, dem Edelfäulepilz, der bei unseren trockenen Rieslingen im oberen Qualitätsbereich durchaus in geringen Mengen erwünscht ist.

    Abends immer wieder Besuch von Freunden, die die jungen gärenden Weine probieren, bzw. doch ein Gläschen mehr trinken. Die kühlen Reifenächte der letzten Wochen kann man nun schmecken und riechen. Die Aromaausprägung ist jetzt schon sehr gut. Ich freue mich auf die Jungweine!

  • Weinernte 2012: Wunschgemäß

     

    Vorgestern äusserte ich noch Wünsche, die mittlerweile rasent schnell in Erfüllung gegangen sind. Reil im Nebel. Unser Nachbarort Burg schon vom Nebel befreit.

    Die herbstliche Verfärbung des Reblaubes schreitet auch voran. Bis die Herbstfarben ausgeprägter sind, kann das Auge sich an anderen Dingen erfreuen und sei es an einem mit Tau benetztem Spinnennetz.

    Sogar die Vögel finden unsere Trauben lecker und haben schon genascht. Die Trauben sind in einem perfekten Gesundheitszustand. Nicht ein einzelnes Beerchen ist von Fäule befallen. So kann man entspannt arbeiten und die Trauben ohne aufwendige Selektion direkt in die Erntekiste legen.

    Nur die Kellerkatze scheint von allem unbeeindruckt. Döst in der Herbstsonne und lässt sich, im Gegensatz zum letzten Jahr, nicht im Weinkeller blicken.

  • Weinernte 2012: Wünsche

    Das wäre für mich das ideale Erntewetter: Frühmorgendlicher Nebel im Moseltal, der bei evtl. Frostnächten die Kälte von den Reben mehr oder weniger fernhält. Danach bis abends schöner Altweibersommer. Da sind die Wetterfrösche fast gleicher Meinung wie ich, wenn ich mir die Wettervorhersage für die nächsten Tage anschaue.

    Das Ausbleiben von unerwünschter Traubenfäule ist auch ein Winzerwunsch, der bis jetzt restlos erfüllt wurde. Unsere kulturtechnischen Maßnahmen wie z.B. entblättern der Traubenzone haben auch dazu beigetragen.

    Und für das Auge wünsche ich mir noch eine sehr schöne Verfärbung des Reblaubes. Die letzten Farbtupfer bevor der graue Winter kommt. Natürlich gibt es noch weitere Wünsche. Einen vollen Weinkeller z.B., aber dieser Wunsch wird dieses Jahr, wie ich schon schrieb, nicht erfüllt.

    Heute der Erste Erntetag. Wenig aber gut. Die Trauben sehr gesund, der Most hoch aromatisch. Morgen ist Sektgrundwein geplant, danach unsere Basisqualitäten. Zwischendurch, wenn die Böden abgetrocknet sind, unsere steilsten Weinberge. Soweit mit den Planungen, die  morgen garantiert wieder verworfen werden. Das macht den Winzerberuf ja gerade spannend. Jeden Tag etwas anderes. Die Ernte wird auf jeden Fall sehr entspannt ablaufen. Nichts drängt den Winzer dazu, schnell ernten zu müssen! Die Rahmenbedingungen wie Traubengesundheit, Wetterprognose, analytische Werte der Moste usw. sind nahezu perfekt. Vielleicht für einen perfekten Wein, falls es so etwas gibt. Ich habe ein gutes Gefühl!

  • Der kulinarische Notfallkoffer: Über Katzenpippi, marmeladige Holzsuppe und unfallfrei trinkbare Weine

    Das zweite Buch von Rainer Balcerowiak ist anlässlich der Frankfurter Buchmesse druckfrisch auf dem Markt. Über sein Erstlingswerk „Das demokratische Weinbuch!“ berichtete ich hier. Als linker Journalist befasst er sich intensiv mit dem Wein, dass spannendste und facettenreichste Getränk, welches die Menschheit hervorgebracht hat.

    In gewohnt flotter Schreibweise schreibt er nicht über die schöne Welt edler Weine und Speisen. In diesem Büchlein werden Trink- und Esskultur kritisch hinterfragt und mit kräftigen Worten bedacht. Jeder bekommt sein Fett weg. Ohne um den heißen Brei herum zu reden, werden die Dinge beim Namen genannt. Ein sehr wohltuendes Buch, kurzweilig geschrieben mit viel Sachverstand, Hintergrundwissen und teilweise zum Nachdenken anregend. Nicht der übliche Weinführer, das übliche Bla, Bla, wo der eine vom anderen abschreibt. Davon habe ich schon genügend im Regal stehen. Dieses Buch ist erfrischend anders!“

    Ein Rundumschlag! Seien es die Weintrinker, die Winzer, die Biowinzer natürlich auch, Weinvermarkter, unsere Politiker und andere, alle bekommen es auf die Mütze.

    Lassen Sie sich entführen in die Weinwelt von Rainer Balcerowiak. Wenn sie mehr über Katzenpippi, marmeladige Holzsuppe, unfallfrei trinkbare Weine, aufgeblasenen Mist u. a. wissen möchten, wenn sie erfahren wollen, was Dosensuppen mit Spitzenköchen und ein Völlerei-Contest mit modernem Ablasshandel zu tun haben:

    „der kulinarische Notfallkoffer“  Mondo Verlag Heidelberg,

    14,95 €, 155 Seiten, gebunden, 13×19,5 cm, ISBN: 978-3-938839-32-4

  • Capreolus capreolus

    Capreolus capreolus, auf gut deutsch ein Reh. Waren eigentlich zwei gewesen, in zwei benachbarten Rebzeilen. Per Zufall bei einem Blick in die Reben gesehen, sie mich auch. Gottseidank war ich allein, denn ansonsten hätte garantiert jemand gerufen „Guck mal da“ und die Rehe wären natürlich sofort geflüchtet. So musterten sie mich einige Minuten, so das ich etliche Fotos machen konnte, bevor sie das Weite suchten.

    Als Gelegenheitsschädling in Waldnähe an den jungen Rebtrieben fressend, Gottseidank unsere Trauben verschmähend.

     

  • Weinernte 2012: Alles läuft!

    Unser kleiner Rivanerweinberg ist abgeerntet. Mit kleiner Mannschaft, also Familie nebst Azubi, binnen weniger Stunden geerntet.

    Alles läuft!  Keine der Maschinen ließ mich dieses Jahr im Stich, nur die Erntemenge. Wenig, enttäuschend wenig! Das schlechte Blütewetter und der Pilzbefall hatten ihre Spuren hinterlassen. Wenn es viel gibt, gibt es noch mehr, wenn es wenig gibt, wird es noch weniger, so der alte Winzerspruch. Könnte durchaus auch beim Riesling zutreffen. Viele Kollegen sprechen über geringe, sogar über geringste Erträge bei den früheren Rebsorten. Ich habe das Gefühl, dass es auch auf den Riesling zutreffen wird. Erntebeginn ist in einer Woche. Ich lasse mich überraschen.

    Qualitativ wurden wir nicht enttäuscht. Ausschließlich gesunde Trauben, keinerlei Selektionsbedarf und sehr klare, fruchtig schmeckende Moste. Das kühlere Reifewetter der vergangenen Wochen hat sich sehr positiv auf die Traubenqualität ausgewirkt.

  • Weinernte 2012: Vorfreude!

    Vorfreude auf die Ernte! Drei Tage hatten wir bei Freunden im Rahmen der Nachbarschaftshilfe bei der Traubenernte geholfen. Die eigenen Rivanertrauben – nur ein kleiner Weinberg – sollen Ende der Woche gepflückt werden. Selten hatten wir so gesunde Trauben an den Rebstöcken hängen. Keinerlei Fäulniss und Verderb. Da wird so richtig Spaß machen, da keine aufwändige selektive Ernte nötig ist.

    In den nächsten Tagen werden wir die vorbereitungen für die Lese abschliessen. Rivanerernte ist auch Testphase für die Weinpresse und andere Maschinen, die störungsfrei funktionieren sollten. Hoffentlich!

  • Weinernte 2012: Der Alptraum wurde wahr

    Gestern noch über Freud und Leid geschrieben, heute die Fortsetzung. Nicht über die Freude, nein, über das Leid. So richtig desaströs! Ein richtiges Debakel. So etwas ähnliches gab es schon im letzten Jahr. Scheint sich zu wiederholen.

    Aber nun vom Anfang an. Heute morgen, beim inspizieren der großen Holzfässer, konnte ich in eine der Faßdauben locker einen Schraubenzieher stoßen. Der Alptraum jedes Holzfassausbauenden Winzers wurde wahr: Holzschwamm!! (Link führt zu einem ähnlichen holzzerstörenden Pilz) Mit einer Holzküferei telefoniert, ob es reparabel ist. Im Prinzip ja. Aber! Holzfass abbauen, in die Werkstatt bringen (über 100 km), zusammenbauen und Reparatur, abbauen und in den Keller und wieder zusammenbauen. Und im übrigen und sowieso und überhaupt haben wir vor Mitte 2014 keine Zeit, die Auftragsbücher sind voll. Kurz noch eine Schnellkalkulation geben gelassen und festgestellt, das es sich wirtschaftlich nicht lohnt.

    Also mit dem Abbau des Fasses begonnen. Gar nicht so einfach! Eichenholz, 5-6 cm Fassholzdicke, nicht wie bei Ikea furniert und leicht, sondern massiv und richtig schwer! So abbauen, das das daneben liegende Faß nicht beschädigt wird. Mit der Faßwinde schräg stellen, Faßreifen lockern, Faßdauben vom Faßboden lösen, mit dem richtig dicken Hammer vorderen Faßboden lockern und entfernen. Dann ging es nicht mehr weiter. Sind richtig stabil gebaut. Die hinteren Faßreifen, die nur gelockert waren, hielten mit aller Macht das Holz zusammen.

    Nach einigem Grübeln – ich hoffe, dass die Berufsgenossenschaft hier nicht mitliest – den Winkelschleifer genommen und ganz vorsichtig, zum wegspringen bereit, halb versteckt hinter dem Nachbarfass, die Fassreifen durchtrennt. Schlagartig hatte sich mein Problem gelöst.

    Das war einmal ein 3000 l Holzfass. Zum trocknen auf der Palette. Zu schade, um es im Ofen zu verheizen. Im Gegensatz zum gestrigen Moselfuderfass doppelt so dickes Eichenholz!  Ideales Möbelbauholz!  Lange abgelagert und Jahrzehnte mit Riesling gebeizt! Ich werde meinen Schreiner fragen. Oder hat sonst jemand Interesse?

    Das ist eine der beiden beschädigten Dauben. Der Holzschwamm  hat 80% der Daubendicke zerstört. Als Ersatz habe ich mir kurzfristig únd mit viel Glück noch den letzten verfügbaren Edelstahltank bei meinem Kellereiartikelhändler geordert. Zwar nur ein zweitausender, aber, wie ich schon schrieb, bei Holzfässern hat man lange Lieferzeiten, sind fast doppelt so teuer und für die erwartete kleinere Ernte wird der Platz im Weinkeller reichen.