Gestern etwas länger geschlafen und beim wachwerden nur Vogelgezwitscher. Das übliche Grundrauschen durch den Autoverkehr fehlte. Happy Mosel, das Fahradevent an der Mosel, war angesagt. Zwischen Cochem und Schweich war beiderseits der Mosel das Autofahren zugunsten der Fahrräder verboten. In den Orten luden viele Stände zum Essen und Trinken ein. Nachdem ich etliche Kilometer mit meinem Drahtesel abgespult hatte, kehrte ich bei einem Freund ein, genoß die Maibowle und hörte den Duo Saitensprung zu, die spontan ein kurzes Konzert gaben.
Eine Wespe hat sich Mühe gemacht. Leider in einer Tetrapackhülle, die als Anwachshülle und Hasenfraßschutz für junge Reben verwendet wird. Das im Bau befindliche Nest wurde vorsorglich entfernt um schmerzhaften Begegnungen während den Sommerarbeiten zu verhindern.
Eine mir bisher unbekannte Hunderasse, der Rebrodehund. Nachdem wir des Stöckchenwerfens müde waren, fand der Hund von Richard Douthey eine andere Beschäftigung. Binnen kürzester Zeit hatte er den armdicken Rebstock unter unseren Augen eliminiert, bekam Applaus und Richard machte ein griesgrämiges Gesicht.
Zu Zeiten, als die Nahrungsmittelproduktion im Vordergrund stand, also schon lange her, wurde Weinbau in der Regel nur auf Standorten betrieben, die für die Nahrungsproduktion nicht geeignet waren. Im St. Emilion wurde auf flachgründigen Standorten bzw.dort, wo der Fels sehr hoch anstand, Gräben in ebendiesen gemeisselt und die Reben eingepflanzt.
Ein wenig nichtweinbauliche Kultur gab es auch noch am Rande. Das Guggenheim Museum in Bilbao wurde von aussen bewundert. Die Altstadt von Logrono wurde nächtens erkundet, Pamplona gabs als Schnellbesichtigung auf dem Weg zum Abschiedsessen mit den spanischen Winzern. War also nix mit Stierkampf anschauen.
Das Weinbaumuseum in Vivanco in Briones ist sehenswert. Der Weinanbau bis zur Flaschenfüllung, die Holzfassherstellung und weitere Zulieferhandwerke wurden sehr gut dargestellt. Das Highlight war die Korkenziehersammlung. Mehr als 3000 verschiedene Korkenzieher gab es zu bewundern. Leider hatte ich mich an das Fotografierverbot gehalten, im Nachhinein würde ich es nicht mehr tun.
Verwunderung gab es bei der Reisegruppe, als wir bei einer Weingutsbesichtigung direkt aus dem Holzfasskeller zwei Etagen hochgingen und plötzlich in einem Schwimmbad standen. Bevor unsere Übersetzer aktiv werden konnten, machte der Spruch „ sind wohl die Sozialräume für die Mitarbeiter“ die Runde. Aber weit gefehlt. Das Weingut beherbergt noch ein kleines und feines Hotel.
Wie das Schwalbennest in die Probierstube eines Weingutes kam ist uns ein Rätsel geblieben.
Zur Schonung der italienischen Schuhe unserer italienischen Mitreisenden bei einer Weinbergsbegehung.
Grandios, wie unsere Reisegruppe verwöhnt wurde. Man kam sich vor wie eine Stopfgans. Ein ausgedehnter Mittagstisch und abends nochmals ausgiebig dinieren auf hohem Niveau. Dazu dann die Weine der Gastgeber.
In Spanien gab es unter anderem die berühmten Tapa, die in einer atemberaubenden Geschwindigkeit aufgetischt wurden.
Herrliche Leckereien, die man so einfach im Vorbeigehen geniessen konnte.
Mittags wie abends immer ein Mehrgängiges Menü.
Regionale Zutaten und Zubereituungsweisen. In Spanien durch die Küstennähe des öfteren Fisch.
In Frankreich auch die bekannten Pasteten.
Das Dessert krönte jedes auf der Reise genossene Menü. Am letzen Tag der Reise meinten meine Kollgen, dass Sie mindestens gefühlte 5 kg mehr auf die Waage bringen. Nachfühlen konnte ich das. Sehr wenig körperliche Bewegung und immer ausgiebigst gegessen, ein dauerndes Sättigungsgefühl und eine gewisse Trägheit machte sich bei mir breit.
Der Erfahrungsaustausch wurde während des Essens mit den Kollegen weitergeführt.
Mittags mehr über Weinbergspflege gesprochen und diskutiert, Abends tiefer die Kellerwirtschaft bei mehreren Gläsern Wein erörtert.
Zur Esskultur gehört auch immer ein Glas Wein. Bier bei Tisch? Todsünde! In der Regel wird ein einfacher Wein zum Mittagessen gereicht, abends dürfen es bessere Qualitäten sein. Wir wurden jedoch verwöhnt. Die Winzer stellten nur Ihre besten Weine vor. Rotweine, kraftvoll, teilweise von Ausbau im kleinen Holzfaß geprägt, mit Schmackes und höherem Alkoholgehalt standen mehrheitlich auf den Tischen. Leider etwas satt machend.
Wir sehnten uns teilweise nach einfacheren unkomplizierteren Roten und wenn wir dann eine Flasche ergattert hatten…
Die Weißweine spielen mit Ausnahme der Süßweine (Dessertweine) keine große Rolle. Eigentlich Schade. Wir Deutschen vermissten diese Weissweine bzw. freuten uns über jeden Schluck davon, der uns angeboten wurde. Denn diese Weine bereiten Trinkspaß und animierten zu einem weiteren Glas im Gegensatz zu den hochwertigen Roten.
Die Offenheit, mit der uns die Kollegen begegneten, war erfrischend. Das aktuelle Angebot im Weingut wurde probiert, einige ältere, gereifte Weine gab es noch als Zugabe. Sogar unfertige Weine aus dem Fass durfte wir degustierten. Wie bei Freunden, die sich schon lange kennen.
Beeindruckend diese Gastfreundschaft und die hochwertigen Weinqualitäten.
Die Weingüter in den besuchten Ländern haben ganz andere Größen wie bei uns. Hekatarzahlen von bis über 70 wurden uns in Spanien genannt, in Frankreich schon einiges kleiner. Sogar die Pfälzer Kollegen, die für deutsche Verhältnisse großen Weingüter haben, staunten ob der großen Rebflächen die ein spanisches Weingut bewirtschaftet und vermarkten soll. Sehr schön der erste Betrieb. Im traditionellen Stil neu gebaut, der Keller mit der aktuellsten Technik ausgestattet.
Das nächste Weingut, ebenso funkelniegelnagelneu, Gebäude wie Maschinen.
Sämtliche Kellereien und Weingüter die während der Busfahrt gesichtet oder besucht wurden, waren ebenfalls neu und in teilweiser moderner Architektur erstellt worden. Das kam uns etwas „spanisch“ vor und wir vermuteten, das es da gewisse Förderungen durch die EU gegeben hatte. Auf Nachfrage nach Subventionen während einer Betriebsbesichtung wollte der Winzer zuerst nicht verstehen und dann gab es die Auskunft, dass keine Gelder geflossen sind. Fragezeichen bei uns.
Nachdem wir an einem weiteren Betriebsgebäude obigen Aufkleber gefunden hatten, gab der zuletzt besuchte Kollege in Navarra bereitwillig Auskunft. Die Förderungen durch Staat und Eu waren so hoch, das es für die geförderten Weingüter keinerlei Risiko war, von der traditionellen Traubenproduktion auf Kellerei und Selbstvermarktung umzusteigen. Sozusagen wurden die Güter mit Geld vollgeschissen. Die Eu hatte das gut gefüllte Füllhorn über diese Kollegen geleert, so dass diese immensen Investitionen locker gemeistert werden konnten.
Ganz anders in Frankreich. Strukturen wie bei uns. Investiert wird nur nach Bedarf und nicht ins Blaue hinein. Da sind die alten Betontanks aus den fünfzigern des alten Jahrhunderts immer noch in Betrieb, die Gärkühlung nachträglich eingebaut und der Edelstahltank ist auch neueren Datums.
Interessant noch die die alte Antriebstechnik für Maischepumpe und Entrapper. Der Elektromotor ist an der Wand befestigt und treibt mittels eines Transmissionsriemens die Arbeitsgeräte an. Eigentlich von der Technik her Maschinenbau für die Ewigkeit, da fast Unkaputtbar. Bei uns in Deutschland nur durch die Herren von der Berufsgenossenschaft ausgerottet.
In den besuchten Anbaugebieten hat der Rotwein gegenüber dem Weißwein den bedeutend höheren Stellenwert und so fanden wir in allen Weingütern die entsprechenden Barrique-Keller, in der die besseren Rotweine in kleinen Holzfässern lagern, um vom Eichenholz aromatisiert zu werden. In der Menge, wie es heute betrieben wird, ein Wahnsinn. Nur einige Jahre nutzbar, da das Aroma des Holzes ausgelaugt wird und die Fässer schnell ausgetauscht werden müssen. Wieviele Eichenwälder wohl für diese Art von Weinausbau geopfert werden müssen? Da fragt man sich manchmal, woher für diese Verwendung denn die Bäume kommen? Ist da wirklich Alliereiche oder Limousineiche verwendet worden wie auf den kleinen Fässern drauf steht? Oder kommen sie aus dem Gemeindewald meiner Heimatgemeinde? Schon mal von einem Barrique aus Eifel- oder Moseleiche gehört?
Unsere deutsche Reisegruppe, sieben altgediente Ökowinzer, nebst Matthias (links) vom Beratungsdient ökologischer Weinbau in Freiburg und Uwe (2. v.l.), ebenfalls Ökoberater und Organisator dieser Reise. Bei der Ankunft am Flughafen wurden wir von Ana (re), der Repräsentantin des spanischen Ökoverbandes in Empfang genommen.
Die Kollegen aus Italien stießen einige Stunden später zu uns. Ich hätte mich gerne mehr mit den beiden jüngeren Italienern unterhalten, aber leider beherrschten Sie die Konferenzsprache Englisch noch schlechter wie ich. Wäre sehr interessant gewesen. Einer der beiden arbeitet in einer Essigmanufaktur die hochwertigsten Balsamico herstellt. Ich hätte sicherlich etwas lernen können.
Nicht nur der Erfahrungsaustausch wurde gepflegt, sogar ein leibhaftiger Minister der Provinzialregierung in Rioja empfing uns in einem Golfhotel und hielt eine Rede, die Maria, von der gastgebenden Organisation, übersetzte.
Während draussen in Käfigen, an Guantanamo erinnernt, Leibesübungen gemacht wurden, schlemmten und tranken wir drinnen auf Einladung der Regierung. Eine, zu unserer Überraschung, perfekt Schwiizertüütsch sprechende Bedienung half bei einigen Übersetzungungen.
Für die französische Biowinzerorganisation war Monique (re) dabei, die für den Frankreichteil der Reise die Leitung hatte.
Dazu kamen noch die gastgebenden Winzer aus Frankreich und Spanien, die unsere Reisegruppe ergänzten oder als Gastgeber fungierten.
Einer der Höhepunkte der Reise war der Empfang bei unseren französichen Kollegen.
So richtig stilvoll im Schloss Monbazillac. Empfang vor dem Schloss, anschließend im Festsaal auf höchstem Niveau essen und trinken.
Wie ich berichtete, befand ich mich in den letzten Tagen auf einer Weinreise. Grundtvig, das Förderprogramm der EU zur Erwachsenenbildung und Erfahrungsaustausch fördert diese Maßnahme. Mit dabei waren Kollegen aus Italien, Spanien und Frankreich. Die nächste Reise zum Erfahrungsaustausch soll im November nach Italien gehen und wir deutschen Winzer sind in einem Jahr die Gastgeber.
Über viele Eindrücke, Erfahrungen, und Begegnungen mit Kollegen werde ich in mehreren Teilen kurz berichten. Sehr anstrengend die Reise, da wir teilweise den ganzen Tag und die halbe Nacht unterwegs waren, aber auch lehrreich und mit jeder Menge Spaß verbunden.
Narvarra und Rioja sind geprägt durch heiße, sehr trockene Sommer. Eine Begrünung der Rebzeilen ist dort, trotz künstlicher Bewässerung, nicht möglich. Im Prinzip Wüstenklima.
Eine grandiose Landschaft, die teilweise durch hohe Berge begrenzt wird.
Malerische Dörfchen in der Weinebene, die auf Hügeln thronen.
Im Gegensatz dazu das Bourdeauxgebiet mit den besuchten Teilanbaugebieten. Reichliche Sommerniederschläge machen eine Weinbergsbegrünung möglich. Bedingt durch die Lage in der Nähe des Atlantiks, gibt es auch sehr viel Tau und Nebel, welches die Ausbreitung von Pilzkrankheiten fördert und die ökologisch arbeitenden Kollegen vor große Herausforderungen stellt.
Die Landschaft ist zersiedelter wie in den spanischen Anbaugebieten. Insbesondere im St. Emillion Gebiet sind die Chateaus ausserhalb der Ortschaften und die dazu gehörigen Weinberge um das Weingut arrondiert.
Apropos Chateau: Heisst zwar Schloß, meint aber in Weinbereich ein Weingut. Das kann natürlich ein Schloß sein, aber auch eine einfache Feldscheune mit Wohnhaus und Weinkeller wird als Chateau bezeichnet.
Die Reberziehung in den besuchten Ländern ist in der Regel ein niedriger Drahtrahmen mit einer kurzen Fruchtrute oder mehreren Zapfen.
Vom Anschauen bekam ich schon Rückenschmerzen. Rebschnitt in gebückter Haltung, eine grauenhafte Vorstellung. Ob dort Pygmäen arbeiten?
Während der letzten Tage haben die Reben angefangen auszutreiben. Da das Wachstum auch ohne mich auskommt, bin ich mal weg…
Der Winzer wird die nächsten Tage mit Grundtvig verreisen. Nein, nicht mit diesem, sondern mit einem nach Ihm benannten Förderprogramm der EU. Erwachsenenbildung und Erfahrungsaustausch mit Kollegen in Spanien und Frankreich ist der Sinn der Reise. Im Spanischen Weinbaugebiet Rioja und im französischen Bordeauxgebiet sind etliche Betriebsbesichtigungen und Weinproben mit ökologisch wirtschaftenden Winzern geplant. Der Erfahrungsaustausch wird auch sicherlich nicht zu kurz kommen. Unsere Reisegruppe, alles altgediente Ökowinzer und seit Jahren meine Weggefährten in der Verbandsarbeit bei ECOVIN, startet morgen früh in Richtung Santander, Nordspanien. Ich werde berichten.
Unsere alljährliche Jahrgangpräsentation von ECIVIN Mosel-Saar-Ahr e.V. Im Gegensatz zu den Vorjahren schon im Mai und an einem Neuen Ort.
Unter dem Motto Tanz auf der Zunge findet die Veranstaltung im Jugendstil-Ballsaal des Weinromantikhotel Richtershof statt. Es stehen die Bio-Weine des Jahrgangs 2008 zur Probe bereit. Am Samstag, den 9. Mai von 14.00 bis 20.00 Uhr sind Weinfreunde aus Nah und Fern eingeladen, die Weine mit allen Sinnen zu erleben und mit ihren Machern in den Austausch zu gehen.
Für interessierte Weinblogger gibt es noch Pressekarten. Bitte bei mir melden, damit ich die Karten an der Tageskasse hinterlegen kann.
09.05.2009
14.00 Uhr bis 20.00 Uhr
Relais & Châteaux Weinromantikhotel Richtershof
Hauptstraße 81-83, 54486 Mülheim/Mosel
14 Weingüter von Mosel, Saar und Ahr präsentieren ihren neuen Jahrgang
Thomas Lippert vom Winzerblog, der Erfinder der Weinrallyes, hat dieses Mal das Thema für die jetzt stattfindende Weinrallye vorgegeben:
„Ich möchte von euch gerne erfahren was in eurer Region, noch besser bei euch im Ort produziert wird.
Es ist alles erlaubt, Bier, Wasser, Schnaps, Tee, Kaffee oder Limo, völlig egal was, Hauptsache es ist flüssig, trinkbar und wurde in eurer Region produziert. Selbst Milch ist dieses Mal erlaubt, wenn ihr sie denn als eine Regionale Spezialität bezeichnen würdet.
Ich bitte euch tatsächlich so weit als möglich dem Produkt den Vorzug zu geben, welches seine Urproduktion in der jeweiligen Region hat. Ein regionales Destillat aus regionalen Früchten ist einem Produkt welches in der Region „nur“ zusammengesetzt wurde vorzuziehen, aber auch das wollen wir nicht zu eng sehen.
Sollten sich die Teilnehmer aus Weinregionen für Wein entscheiden wollen, bitte ich bei der Auswahl zusätzlich auf regionale Typizität zu achten, d.h. aus dem Markgräflerland z.B. erwarte ich einen Gutedel und nicht Cabernet Sauvignon!
Selbstgemachtes möchte ich auschliessen, als Zugabe ist es aber gerne willkommen.“
Harald:
Alles erlaubt?! Nur was flüssig ist? Gut, flüssiges Regionales haben wir. Feste Nahrung auch. Fast alles regional beschaffbar. Dann die Idee! Theresa anmailen und meine Idee vortragen.
Nach einigen Mails stand dann fest, dass Sie mitmacht. Ganz Regional in Doppelfunktion. Die bloggendeMoselweinprinzessin und zudem aus Reil. Die erste Weinrallyethema, das von zwei Bloggern in einem gemeinsamen Projekt abgearbeitet wird. Regional Total! Theresa:
Ob ich schon einmal von der Weinrallye gehört habe, fragt mich Harald. Klar, habe ich! Allerdings habe ich mir noch nie überlegt, selbst daran teil zunehmen.
Haralds Idee, dieses Projekt gemeinsam anzugehen, klang es sehr verlockend. Da dauerte es auch nicht mehr lange bis mir ein Einfall für meinen Beitrag kam. Ich mailte Harald meine Zusage und die Planung konnte beginnen. Regional Total!
Harald:
Gebratener Moselzander auf Kartoffel-Bärlauchpürée mit Weinessig-Gemüse.
Oberspitze das Weinessiggemüse. Der Moselzander und das Pürée waren nette Beilagen. Natürlich auch sehr gut, aber das Gemüse: Einfach lecker, mit Essig von Theresas Vater und viel Liebe von Theresa zubereitet. Dazu gab es zwei trockene 2008er Rieslinge, jeweils aus meinem Keller und von Theresas Eltern.
Theresa:
Auf der Weinmesse in Bremen assistierte ich bei der Zubereitung des Zanders bei einer Kochshow mit Christian Krüger von Steinheuers Restaurant. Ich fand, dieses Rezept sei wie gemacht für die aktuelle Weinrallye. Außerdem ist es kinderleicht nach zukochen. Um dessen sicher zu sein, mussten zunächst meine schwäbischen Mitbewohner in Geisenheim mein Probekochen bewerten. Sie gaben mir grünes Licht. Schließlich gab es auch von den Reilern ein gutes Urteil.
Harald:
Die Hirschkeule aus den Niederwäldern oberhalb der Reiler Goldlay durfte drei Tage in unseren Riesling-Weinessig und einer Flasche Reiler Goldlay baden. Verfeinert wurde das Bad mit den üblichen Zutaten von Zwiebeln, Möhren, Lorbeer und einigem mehr. Scharf angebraten mit kaltgepresstem Traubenkernöl in ökologischer Qualität von der VITIS AG aus Trittenheim an der Mosel und bei Niedertemperatur gegart. Die Soße wurde mit Bratensatz und Reiler Spätburgunder von Theresas Eltern gekocht, der ebenfalls das Essen begleitete.
Noch näher am Weingut als der Hirsch, direkt aus unseren Weinbergen, der Feldsalat. Wächst wild in den Schiefersteillagen der Mosel. Und man braucht sich nur zu bücken. Die Vinaigrette mit Theresas Weinessig, der genau so wie unser Essig im klassischen Orleans Verfahren hergestellt wird und wiederum das Traubenkernöl aus der Trittenheimer Ölmühle, die nach langer Zeit wieder kaltgepresstes Öl herstellten. Aus dem Hunsrück die Rosmarinkartoffeln.
Theresa:
Dieser Hirschbraten von Harald war ein Festessen, wie ich es sonst nur von den höchsten Feiertagen kenne. Sein Bad in Weißweinessig und Riesling war deutlich schmeckbar. Mein Lieblingssalat und die köstlichen Ofenkartoffeln machten den Hauptgang zu einem Gedicht, das regionaler nicht sein konnte. Unser trockener Spätburgunder von 2007 in Soße und im Glas rundete die Sache völlig ab.
Harald:
Elblingweinschaumcreme, so gut, dass die Teller schneller leer waren als ein Foto gemacht werden konnte. Elbling gibt es fast nur noch an der Mosel und gilt als autochonte Rebsorte.
Dazu ein Süßwein, natürlich Riesling, aus Theresas Elternhaus.
Theresa:
Auch das Rezept der Elblingweinschaumcreme ist verblüffend einfach und wird von mir sicher einmal nachgemacht. Der dazu servierte Dessertwein aus unserem Weingut brauchte schon an die 70 g Restzucker, spritzige Säure und ein feinfruchtiges Aroma, um mit der fluffigen Nachspreise mithalten und harmonieren zu können.
Harald:
Auch bei uns auf dem Tisch: Das regionalste Mineralwasser Deutschlands. Eine absolute Rarität. Bis Mitte der siebziger des letzten Jahrhunderts wurde die Trarbacher Felsenquelle als Mineralwasser genutzt und danach die Abfüllung eingestellt. Vor einigen Jahren wurde als Marketingidee eine kleine Menge abgefüllt. Der Erfolg war so überraschend, dass die kommerzielle Abfüllung wieder aufgenommen wurde. Mit mittlerweile 80 000 Flaschen Abfüllmenge im Jahr dürfte die Trarbacher Felsenquelle zu den seltensten Wässern Deutschlands zählen.
Danke an die VITIS AG, dass sie so schnell und unproblematisch das Traubenkernöl zu mir geschickt hat.
Theresa:
Dieses regionale 3-Gänge-Menu ist wohl der beste Beweis dafür, dass unsere Region so einiges zu bieten hat, wobei das Essen ja auch nur einen Teil ausmacht. Zu den Spezialitäten würde ich ebenfalls die Landschaft und nicht zu letzt die Menschen zählen, die die Region ausmachen und unsere Landschaft und Kultur erhalten.
Genau diese Menschen sind es auch, die an einem Projekt und Abend wie diesem, den Spassfaktor nicht zu kurz kommen lassen!!!
Zum Schluss noch Danke, Harald, für Gastfreundlichkeit und Zusammenarbeit!!!