Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

  • Kulturreise/Weinreise

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    Ein Kurztrip nach Sachsen liegt hinter uns. Mit Freunden ging es zum Wandern in die sächsische Schweiz. Ziel war die Bastei bei Rathen. Eine herrliche Wanderung, zwar etwas getrübt durch den Dauerregen aber trotzdem super! Am Amselsee vorbei, die Schwedenlöcher durchklommen und die Bastei mit der Felsenburg Neurathen erkundet: Hinter jeden Fels eine neue spannende Überraschung.

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    Neben einem Besuch in Dresden war der sächsische Weinbau das wichtigste Ziel unseres Kurzurlaubes. Mein Kollege Rolf Fehrmann, dessen Tochter Ines vor Jahren ein Praktikum in unserem Weingut abgeleistet hatte, erwies sich als sehr guter Führer durch den Weinbau an der Elbe. Am Anfang besichtigten wir das ökologisch arbeitende Weingut Hoflößnitz und den Staatlichen Weinberg Goldener Wagen, der durch eine Mauer eingegrenzt ist.

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    In der Meissener Winzergenossenschaft gab es dann in der neuen Vinothek die ersten Weine zu probieren. 2009-03-15-karrikatur.jpg

    Im Obergeschoß waren Karrikaturen zum Thema Wein ausgestellt und weinprobierend schlenderten wir an den Bildern vorbei.

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    Der Besuch im Weingut Schloß Proschwitz hinterließ Respekt bei uns. Das ehemalige Familienweingut wurde nach der Wende von Dr. Georg Prinz zur Lippe zurückgekauft, renoviert und mit Leben erfüllt.  Mittlerweise das größte Privatweingut in Sachsen und qualitativ Spitze. Im Gutshof Zadel, der als Kellerei dient und modernst renoviert wurde, gab es noch eine Kellerführung mit Blick in den Barriquekeller.

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    Herrlich hinter dem Gutsgebäude gelegen, die Weinberge von Rolf, die zum Abschluss unserer Exkursion besucht wurden. Kleinräumige Terassen, die klimatisch bevorzugt sind und Spitzenweine hervorbringen. Leider hatte der sehr kalte Winter in Sachsen bei bis zu minus 25 Grad sehr viele Rebknospen erfrieren lassen. Rolf rechnet bei einigen Sorten mit bis zu 90 % Knospenschäden. Evtl. sind etliche Reben sogar gänzlich erfroren und müssen ersetzt werden. Klarheit wird es erst beim Austrieb Ende April geben. Ich drücke ihm die Daumen, dass der Schaden geringer ist wie erwartet.

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    Im Anschluss gab es eine weitere Weinprobe mit vielen leckeren Weine, bevor es wieder in unser Quartier ging.

    Leider war ich der Fahrer und hätte gerne mehr probiert…

  • Weinrallye 21: Deutscher Riesling aus Spitzenlagen

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    „Anlässlich der 21. Weinrallye huldigen wir ganz der Königin der Reben, dem Riesling. Und das streng eingegrenzt auf deutsche Erzeugnisse aus Spitzenlagen: Berühmte Lagen, erste Lagen, große Lagen oder besondere Lagen, aus denen Weine erzeugt werden, die weltweit Botschafter der deutschen Weinkultur sind….Kurzum: Es geht natürlich auch ums Terroir, dem Einfluss aller äußeren Bedingungen auf den Wein.“

    so der Aufruf von Lars Breidenbach zu 21 Weinrallye.

    Nichts leichter als das. Gibt es an der Mosel an fast jedem Hang. Der eigene Keller ist auch voll von solchen Rieslingen – man könnte sich ja selbst loben – aber die Idee war eine andere. Spitzenlage, Riesling, Terroir, Kult und Legende, vereint in nur einem einzigen Weinberg, der Bernkasteler Doctor. Ich berichtete schon einmal über diese Weinlage und den Besuch des dazu gehörenden Felsenkellers.

    Leider scheiterte diese Idee am Wein. Meine Nachbarin Barbara, Eigentümerin des Weingutes Dr. Thanisch, Erben Müller-Burggraef mit Besitztum in dieser Lage, weilte in Urlaub und die Touristen-Weinlädchen, die so einen Wein im Angebot haben könnten, sind im Winter geschlossen. Also mal wieder in das private Weinlager geschaut und fündig geworden.

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    Eine 2007er Pündericher Marienburg Riesling Spätlese trocken von Frank Brohl aus Pünderich wurde geöffnet. Ein langjähriger Freund, der ebenso wie wir seit Jahren ökologischen Steillagenweinbau pflegt und exzellente Rieslinge hat. Ein Wein wie er nur im Schiefersteilhang wachsen kann. Unsere Altvorderen hatten das auch schon erkannt.

    „Der Wein will magere Nahrung an Bergen und viel Sonne haben, in der Plaine (Ebene) wird er schwer. Die Feuchtigkeit, die zudringt, kann nicht ausgekocht werden, es gibt einen ungeschlachteten Trank.“

    J.W. Goethe

    So etwas kann nicht in der Ebene, womöglich noch in den kalten nassen Schwemmböden am Moselufer, wachsen. Terroir gibt es in den klassischen Schiefersteillagen der Mosel. Ein Optimum für die Rebe: Neigung zur Sonne, Sonnenausrichtung, Bodenart, Niederschlagsverteilung und andere natürliche Ressourcen, dann natürlich die harte Arbeit des Winzers. Nur so kann sich in der Traube ein Maximum an Geschmack konzentrieren. Auch in Zeiten der Klimaänderung und Erwärmung gibt es dieses Optimum nur in den klassischen Schiefersteillagen.

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    Doch zurück zum Wein. Stoffig, voluminös und fett präsentierte sich dieser Riesling. Honigaromatik in der Nase und ein sehr langer Abgang und die typische Mineralik, die nur durch den Schieferboden dem Wein mitgeteilt wird.  Mit 13 % Alkohol kein Leichtgewicht. Eher etwas für den langen Fersehabend um über Stunden zu versuchen, dass Glas leer zu riechen.

    Saubere Arbeit! Im Weinberg ein Maximum an Geschmack in der Traube konzentriert und im Keller dieses Maximum verlustfrei in die Flasche bekommen.

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    Übrigens, die Marienburg liegt inmitten der Zeller Moselschleife. Einige Meter hinter der Marienburg ist ein Aussichtsturm, der einen herrlichen Blick auf die Moselschleife hergibt.

  • Betr.: Überraschungsei

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    Eine Reklamation kam gestern per Post.

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    Beigeheftet einige Plastikteile, die in der Weinflasche waren. Großes Rätselraten bei uns. Von unserer Abfüllmaschine waren diese Teile nicht. Alles Edelstahl, kein Plastik.  Bei unserem Dienstleister, der das Gebrauchtglas für uns reinigt, nachgefragt. Ihm unbekannt, solche Teile hat seine Reinigungsmaschine nicht. Da teilweise Neuglas gefüllt wurde, kontaktierte ich anschließend unseren Flaschenlieferanten . Die Teile werden jetzt an die Glashütte geschickt mit der Bitte um Aufklärung.

    Vielleicht liefert ja der Flaschenhersteller die Lösung?
    Wer, wie, was, weshalb und wieso?

    Gut, das dem Kunden der Wein trotzdem geschmeckt hat.

  • Briefpost

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    In den vergangenen Tagen sind die letzten Weine abgefüllt worden. Das Verkaufssortiment ist nun wieder komplett.

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    Zeit die Weinliste zu schreiben und an die Kunden zu senden. Klassisch, per Briefpost mit einer echten Briefmarke. Gottseidank gibt es seit längerer Zeit selbstklebende Marken. Auch in Zeiten des WEB 2.0 für uns ein wichtiges Marketininstrument um über unsere Weine zu informieren.

    Ab Dienstag in den Briefkästen meiner Kunden.

  • Flucht

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    Schon fast als Tradition zu werten: Unsere alljährliche Wanderung am Rosenmontag, die Flucht vor Narren und Karnevalstrubel. Der Klettersteig im Erdener Treppchen wurde dieses Jahr als Ziel gewählt. Wir starteten einige Kilometer vorher und näherten uns unserem Ziel über den Moselhöhenweg.  Das auf der anderen Moselseite liegende Erden wirkte vom Berggipfel wie aus der Vogelperspektive.

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    Da die Ausschilderung des Klettersteiges nicht optimal war, wurden einige Pfade doppelt gegangen. Es war nicht weiter tragisch, denn es machte sehr viel Spaß die steilen Felsformationen mit den Weinbergen zu erkunden.

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    Da Wandern und Klettern hungrig macht, gab anschließend im Hotel Heil in Lösnich ein ordentliches Riesenschnitzel. Machte richtig satt und schmeckte sehr gut.


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  • Dauerwinter

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    Wir hatten schon lange nicht mehr einen so langen kalten Winter gehabt. Gestern Morgen Schnee, heute früh Frost und morgen soll es nochmal richtig kalt werden. Gottseidank mittags strahlender Sonnenschein, der beim Rebschnitt wärmt. Wir sehnen uns nach dem Frühling mit seinen wärmeren Temperaturen. Im Zeichen der Klimaänderung von den meisten nicht mehr erwartet, jedoch noch immer möglich.

    Um der Kälte zu trotzen und um im Weinberg mit der Arbeit voran zu kommen, habe ich diesen Winter einiges in wärmende Arbeitskleidung investiert. Unter dem Motto: Es gibt kein schlechtes Wetter – nur schlechte Kleidung, kann ich mittlerweile fast sämtlichen Temperaturen im Weinberg trotzen. Falls ich nicht den warmen Platz am Ofen vorziehe…

  • Stehimbiss

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    Die Abfüllmaschine läuft bei uns den ganzen Tag ununterbrochen. Das Mittagessen wird am Weinfass in Stehimbissmanier zu sich genommen. Hirschkeule mit Rotkohl und Bratkartoffeln: Da könnte ich jeden Tag abfüllen und meine Mittagspause am Fass verbringen.

  • Weinrallye 20: Wein zum Fisch, aber nicht weiß und trocken

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    Das aktuelle Weinrallythema wurde von Wolf Hosbach von Hausmannskost vorgegeben:

    „Wein zum Fisch, aber kein trockener Weißer. Erlaubt ist also Rot, Rosé, oder süßer Weißer.“

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    Mmh! Nachgedacht und meinem Magen gefragt auf was er Appetit hat und sogleich hatte ich die schönen Mies- oder Pfahlmuscheln vor meinem geistigen Auge, die ich des öfteren bei meinen Urlauben an der französischen Ärmelkanalküste esse. Schnell und einfach in der Küche zubereitbar, fast so schnell wie Sägemehlbratlinge aber ungleich schmackhafter.

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    Zwei Weine kamen in die Auswahl. War nix anderes im Keller. Martin Müller, Weinhändler im Westerwald, hatte mir die Rotweine als Gastgeschenk mitgebracht. Zu einem ein 2005er Bordeaux Superior Barrique von Chateau Perayne und ein 2006er Nero D`Avola von Militello & Voss aus Sizilien. Interessanterweise haben beide Weingüter deutsche Besitzer. Halt, es waren sogar mehr Weine! Die Muscheln wurde natürlich in einem Moselriesling gegart. Da führt bei uns im Haus kein Weg dran vorbei.

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    Die Muscheln:

    Na ja, da bin ich besseres gewohnt, frischer, größer und appetitlicher. Steht ja auf dem Etikett: Wie frisch gefangen…aber nur wie!

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    Der Bordeaux:

    Wuchtig mit ausgeprägter Barriquenote. Meuchelte brutal den Muschelgeschmack. Hatte aber einen lustigen Plastikkork, der mir bis dato unbekannt war.

    Der Sizilianer:

    Auch ein sehr kräftiger Wein mit Holznote, die Fruchtigkeit des Weines kam jedoch viel stärker zum Ausdruck. Passte auch nicht zu den Muscheln.

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    Dazu gab es noch ein leckeres selbstgebackenes Baquette von Ulrike, die bei uns zu Besuch war.

    Etwas  gewagt, diese kräftigen Rotweine, aber ich wollte sie unbedingt probieren und diese Weinrallye war der Anlass dazu. Wie immer hatte mir Martin Müller große und sehr gute Weine mitgebracht. Solo oder zu einem anderen Essen der Knaller, hier Thema verfehlt. Ich hatte es gewusst geahnt… Ein leichter Trollinger oder ein Portugieser hätte sich wahrscheinlich besser mit den Muscheln vertragen. Hatte ich jedenfalls nicht zur Hand und Gottseidank war vom Riesling, in dem die Muscheln gebadet hatten, noch etwas in der Flasche übrig…

    Wie immer: Die Zusammenfassung dieser Weinrallye gibt es in einigen Tagen hier.

  • Schwarzes Gold oder Schwarzer Freitag?

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    Wie ich hier und hier geschrieben hatte, sollen einige Weinberge mit Kompost, bzw. Häckselgut versorgt werden. Gestern war es soweit. Einige Fuhren des Schwarzen Goldes wurden wieder angeliefert und ich wollte das Schreddermaterial umgehend in den Weinberg bringen. Doch weit gefehlt. Der Kettenschlepper brauchte etwas Anlaufzeit um nach der Winterpause anzuspringen, nach einer Stunde schwächelte das Material der Kompostschaufel und ein Pause zum Schweissen musste eingelegt werden. Kurz vor der Mittagspause platze noch ein Hydraulikschlauch, der umgehend beim Hydraulikspezialisten angefertigt wurde. Bei einbrechender Dunkelheit flog noch der Keilriemen des Motores weg, konnte aber mit „bordeigenen Mitteln“ und dem auf dem Tieflader vorhandenen Ersatzkeilriemen schnell repariert werden. Ein Schwarzer Freitag…

  • Abfüllen

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    Die Basisqualitäten in der Literflasche wurden in den letzten Tagen abgefüllt und sind wieder käuflich erwerbbar.

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    Große Hilfe gab es beim Abfüllen vom kleinen Hennes, der bei uns zu Gast war. Erinnert mich an die eigenen Kinder, die, als sie noch klein waren, beim Wein abfüllen bespaßt werden mußten, Kreidezeichnungen auf Kellerboden und Weinfässer malten, Chaos verursachten und anderen Blödsinn machten.

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    „Für die Abfüllung ist ein Tag eingeplant, wird hart genug, wir haben dann ein extremes Pensum zu absolvieren. Es darf nichts passieren, ansonsten werden wir die ganzen Sorten nicht bewältigen können an einem einzigen Tag.“

    So schreibt Thomas Lippert in seinem Winzerblog über die Vorbereitungen zum Abfüllen. Wunschgedanken. Meistens geht was schief. Bei uns machten die Staplerbatterien schlapp und das Ladegerät mußte bemüht werden.