Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

  • Sommer?

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    Quasi über Nacht ist der Sommer ausgebrochen.

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    Der Frühling wurde übersprungen und jetzt wurden zu Ostern schon alle Wärmerekorde gebrochen. Vor zwei Wochen habe ich noch im Weinberg vor Kälte gezittert und jetzt ist man schweißgebadet beim Arbeiten.

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    Die Natur explodiert zur Zeit. Alle Bäume sind gleichzeitig am Blühen. Die Rebknospen sind auch schon angeschwollen und stehen kurz vor dem Austrieb. Viel zu früh, denn noch können Spätfröste kommen.

    Gut, das es gegen Ende der Woche kühler werden soll.

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    Unser Weingut von der Reiler Goldlay aus fotografiert und das Bild etwas anders am PC bearbeitet.Wie bei einer Modelleisenbahn…

  • Über Biowinzer und Ihre Weine

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    Ab heute unter www.ecovin-mosel.de zu erreichen, die Seiten unserer ECOVIN Regionalgruppe. Noch nicht sehr umfangreich, aber aktuell und erweiterbar.

    Realisiert hat das ganze Joachim Ott, der auch das Portal bestebioweine betreibt. Als Häuptling Vorsitzender von ECOVIN Mosel-Saar-Ahr e.V.  und sachkundiger Weinblogbetreiber habe ich nun den Auftrag von meinen Kollegen, die Seiten mit Inhalt zu füllen.

  • Salatriesling

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    Endlich war es soweit. Unser Riesling-Weinessig ist vergoren und konnte heute filtriert werden. Vor der Filtration musste noch mit einem Küchensieb die letzten Reste der Essigbakterien (Acetobacter Orleanensis), die sogenannte Essigmutter, abgeschöpft werden, damit der Filter nicht verblockte. Morgen wird abgefüllt und dann steht unser Salatriesling, hergestellt mit der klassischen Oberflächenvergärung (Orleans-Verfahren),  wieder für den Verkauf bereit.

  • Neulich im Weingut

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    Wunderschön? Mit Bier? Ich durfte leider nicht hinter die Verpackung schauen. War besser so.

    Vielleicht ein Bierbauch, auch Veltinsmuskel, Hopfengeschwür, Pilsgeschwür, Hefespoiler, Paulaner-Muskel oder Brauerei-Tumor genannt?

  • Panter, Tiger und Co

    Tucholsky in Reil 1929                    tucholsky.jpgTucholsky in Reil 1929

    Kurt Tucholsky (* 9. Januar 1890 in Berlin; † 21. Dezember 1935 in Göteborg) war ein deutscher Journalist und Schriftsteller. Er schrieb auch unter den Pseudonymen Kaspar Hauser, Peter Panter, Theobald Tiger und Ignaz Wrobel.Tucholsky zählte zu den bedeutendsten Publizisten der Weimarer Republik. Als politisch engagierter Journalist und zeitweiliger Mitherausgeber der Wochenzeitschrift „Die Weltbühne“ erwies er sich als Gesellschaftskritiker in der Tradition Heinrich Heines. Zugleich war er Satiriker, Kabarettautor, Liedtexter, Romanautor und Lyriker. Er verstand sich selbst als linker Demokrat, Pazifist und Antimilitarist und warnte vor rechten Tendenzen – vor allem in Politik, Militär und Justiz – und vor der Bedrohung durch den Nationalsozialismus.

    Kurt Tucholsky hatte 1929 die Mosel besucht. Herrlich beschrieben im Buch Panter, Tiger und Co. Leider wurde einiges aus den Reisemanuskripten Tucholskys nicht in diesem Buch veröffentlicht. Per Zufall kamen wir vor einiger Zeit an ein Originalmanuskript aus Kurt Tucholskys Reisetagebuch. Interessanterweise ist Tucholsky auch in Reil eingekehrt und beschreibt ausführlich diesen Besuch.Da wir Ihnen diesen Text  nicht vorenthalten möchten, folgend ein Auszug aus dem bisher bekannten und veröffentlichtem Material und die fehlende Passage über seinen Besuch in Reil. Das Originalmanuskript ist ebenfalls abgebildet.

    Auszug aus Kurt Tucholsky, Panter, Tiger und Co

    „…An der Mosel ging es noch an. Wir soffen uns langsam den Fluß hinab, wir fuhren mit dem Saufbähnchen von Trier nach Bullay hinunter, und auf jeder dritten Station stiegen wir aus und sahen nach, wie es mit dem Weine wäre. Es war.

    Wenn wir das festgestellt hatten, stiegen wir wieder ein: der Zug führte einen Waggon mit, der sah innen aus wie ein Salonwagen, von hier aus hätte man ganz bequem Krieg führen können, so mit einem Telefon auf dem Tisch, mit dicken Zigarren und: »Seiner Majestät ist soeben der Sturmangriff gemeldet worden.« Wir führten aber keinen Krieg, sondern drückten auf die Kellnerin, und dann erschien ein Klingelknopf, oder umgekehrt, und dann konnte man auf dem langen Tisch einen naturreinen Mosel trinken und dabei Würfel spielen. …

    …Wir nahmen dies zur Kenntnis und stiegen in den Mosel – erst in den offenen, dann in einen jungen, frischen, dann in einen alten, goldgelben, der sehr schwer war. Es ging schnell mit uns; Mosel ist kein so bedächtiger Wein wie der Rheinwein oder der Steinwein … es ging sehr schnell. Wir hatten auch schon am frühen Nachmittag gemoselt – wir tranken unmittelbar in den Dämmerschoppen hinüber, vielleicht war es das. Karlchen und Jakopp saßen
    da und tranken, was sie konnten – und sie konnten!…

     … Bernkastel, Traben-Trarbach, Reil.

     Die Lokomotive wurde angehalten und mußte Wasser fassen. Wir stiegen aus und vertraten uns die Füße. Auf der anderen Moselseite erstreckte sich ein weiterer Moselort in der Nachmittagssonne. Der Wind trug Klänge von Zupfinstrumenten zu uns herüber. Der Ort hieß Reil, beschied uns der Zugschaffner. Man feierte dort das alljährliche Weinfest. Kurze Blicke untereinender – unsere Absicht war klar.

     Karlchen winkte dem Fährmann, der sich irgendwann von der Betrachtung der Trachtengruppe lösen konnte. Wir setzten über. Wie es wohl bei Hochwasser sei, fragten wir den Schiffsführer. Er winkte ab. Zimmer gäbe es keine, wurde uns genannt. Uns lockte auch mehr die Aussicht auf Flaschen Weines.

    Der Ortsvorsteher – so nannte man hier den Bürgermeister – hieß uns im Festzelt willkommen. Karlchen orderte sogleich mehrere Bouteillen. Zum Probieren, sagte er. Wenig später setzte die Musikkapelle ein. Später kauften wir Tanzkarten und schwangen die Weiber auf dem Boden hin und her. Das Weinprobieren stellte sich zunehmend als eine äußerst angenehme Tätigkeit dar.

     Zu fortgeschrittener Zeit wurden die Honoratioren unruhig. Die Frau des Ortsvorstehers war unauffindbar. Karlchen auch. Jakopp und ich übten uns weiter fleißig im Probieren und Tanzen. Irgendwann fielen wir in die Kapelle. Die übrigen Tanzkarten wurden uns abgenommen.

     Am nächsten Morgen wachten wir in den Moselauen auf. Alsbald näherte sich uns ein Trupp von Männern. Sie wirkten recht entschlossen. Er sei Feldschütz, sagte der Anführer. Wir sollten auch bald den Ort verlassen, man erlasse uns auch den Fährlohn. Der Sonntagszug sei im Anmarsch. Man eskortierte uns zur Fähre, wir setzten über.

    Bullay …  dann aber setzten wir uns in einen seriösen Zug und fuhren nach Kolbenz. (Diese Aussprache wurde adoptiert, falls Jakopp ein künstliches Gebiß hätte: es spricht sich leichter aus.) In Kolbenz tranken wir der Geographie halber einen Rheinwein, und der konnte Papa und Mama sagen, wir aber nicht mehr…“

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    Das Original Manuscript. Zum Vergrößern bitte anklicken.

  • Scheiss Schweine…

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    Heute mit großem Gefährt unterwegs gewesen. Um einer Versauerung unserer Schieferböden entgegen zu wirken wurde gemahlenes Kalkgestein gestreut. Den Fachleuten als Dolomitkalk bekannt, der von der Obermosel kommt.

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    In einigen steilen Weinbergen gab es erhebliche Probleme durch Wildschweinwühlschäden. Löcher und Kuhlen, die das Fahren mit der Raupe erschwerten, bzw. teilweise ein Bergauffahren unmöglich machten. Weinbergsbegrünungen, die nur noch erahnen ließen, dass sie einmal eine geschlossene Begrünung war. Jeden Morgen frische Spuren. Nicht nur in Waldnähe, nein, auch  mittlerweile in weiter entfernteren Weinbergen.

    Es wird noch problematisch werden. Die Wühlschäden sind noch verkraftbar, aber was ist wenn die Schwarzkittel Appetitt auf Riesling entwickeln? Bisher bevorzugten sie rote Trauben, insbesondere den Dornfelder, den ich im Gegensatz zu den Schweinen, nicht mag. Iris berichtet hier auf Ihrem Blog, was die Wildschweine in Südfrankreich anrichten.

    Die Jäger schaffen es nicht die Wildschweine auf ein ökologisch verträgliches Maß  zu reduzieren. Einige wollen es scheinbar auch nicht. Während ich im Dezember bei einer Drückjagd, an der ich teilnahm,  35 erlegte Tiere zählen konnte, wurde im Nachbarrevier gerade mal eine Sau erlegt. Unter den Kollegen ist der Unmut groß und einige reden hinter vorgehaltener Hand schon von Eigeninitiative, wenn die Jäger das Problem nicht in den Griff bekommen.

    Zur Not sollte man auch über Frischlingsfallen verstärkt nachdenken, die ganze Waidmannsromatik Ad acta legen und entsprechend mit Wärmekameras und Nachtsichtgeräten aufrüsten oder gar Köder mit pharmazeutischen Empfängnissverhütungsmitteln im Wald auslegen.

    Für die, die es interessiert wie groß das Problem mittlerweile geworden ist, hier und hier noch etwas Lesestoff zu diesem Thema.

  • Alle Jahre wieder…

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    Alle Jahre wieder nehmen wir an wissenschaftlichen Untersuchungen teil. Sei es bei der Grundlagenforschung über die Pilzkrankheit Schwarzfäule oder der Lebensweise der Glasflügelikade, die die Schwarzholzkrankheit verbreitet. Bei einem Kollegen wurden sogar Nistkästen im Weinberg aufgestellt um eine Langzeitstudie zur Brutbiologie von höhlenbrütenden Singvögeln im Weinbau und die Habitatnutzung und Futtersuche von Kohlmeisen zu erfassen.

    Nun sind die Regenwürmer dran. Es soll die Regenwurmabundanz durch Handauslese der endogäischen Arten und Formalinextraktion der Tiefengräber bestimmt werden.

    Die Wissenschaftler rückten an zur Vorauswahl der Beprobungsflächen und Entnahme von einzelnen Bodenproben zwecks Analyse und bodenkundlicher Basisparameter um zu prüfen, ob die von mir zur Verfügung gestellte Fläche für die Feldstudie geeignet ist. Als Vergleichsflächen wurde eine nachbarliche Brache und eine naturbelassene Referenzfläche zusätzlich beprobt.

    Ich lasse mich mal überraschen, ob ich bei der Feldstudie dabei bin. Wird sicherlich spannend. Regenwürmer jagen…  Wildschweine wären mir lieber!

  • Regenwetter und Sollbruchstelle

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    Hätte ich es mir nicht gewünscht, würde ich das heutige nasskalte Regenwetter verfluchen.

    Durch das letztjährige Hagelunwetter sind an vielen Fruchtruten Verletzungen, die beim Biegen und Festbinden  der Reben im Spalierdrahtrahmen als Sollbruchstelle wirken. Die Trockenheit der letzten Woche ließ viele Ruten beim Biegen abbrechen. Jetzt sind die Reben durch die Feuchtigkeit wieder geschmeidig geworden und die Bruchgefahr hat sich wesentlich verringert.

    Leider kalt, nass und windig bei der Arbeit. Der lange Winter, der noch bis in den April andauern soll, geht mir zudem auch auf den Sack Senkel und die Sehnsucht nach warmen Frühlingstagen wird größer.

  • Kompost verteilen

    Der Boden war heute soweit abgetrockent, das ich den Kompost, den ich vor einigen Wochen mit der Ladeschaufel in den Weinberg gefahren hatte, verteilen konnte.  Die einzelnen Komposthäufchen wurden mit der flach eingestellten Kreiselegge flächig verteilt.

    Etwas geübt und nun ist die Videoqualität gegenüber den vorhergehenden besser geworden. Da könnte es Spaß machen noch mehr Videos in diesen Blog einzustellen. Jetzt fehlt nur noch die Helmkamera um beim Raupenfahren beide Hände für die Maschine frei zu haben und Ihnen als Leser bzw. Zuschauer noch noch mehr aus dem Steilhang zu zeigen.

  • Geschafft

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    Der letzte Schnitt. Heute wurden wir mit dem Rebschnitt fertig. Früher als in den vergangenen Jahren haben wir die aufwändigste Weinbergsarbeit erledigt.  Der sehr kalte Winter hatte diese Aussenarbeit zwar stark gebremst, jedoch hatten wir frühzeitig angefangen und unsere Azubine hat schon einiges an Geschwindigkeit zugelegt. Ruhiger und stressfreier wie in den letzten Jahren können wir nun die weiteren Frühjahrsarbeiten angehen.