
Gestern hatte ich noch von grauen Wintertagen berichtet und schon heute präsentiert sich die Mosellandschaft im herrlichsten Winterweiß. Im Schneegestöber gelang leider nur ein Bild unseres Buchsbaumes, der bei uns im Hof steht.


Gestern hatte ich noch von grauen Wintertagen berichtet und schon heute präsentiert sich die Mosellandschaft im herrlichsten Winterweiß. Im Schneegestöber gelang leider nur ein Bild unseres Buchsbaumes, der bei uns im Hof steht.

Während unser Kollege Bernhard Fiedler den Winter bei Schnee auf dem zugefrorenen Neusiedlersee geniesen kann, in Baden die Weinberge mit Schnee bedeckt sind, herrscht bei uns im Moseltal trübes, schneeloses und frostiges Winterwetter. Licht in die grauen Wintertage brachten die Heißluftballone, die wir zur Jahreswende aufsteigen ließen.
Übrigens noch nachträglich ein frohes Neues Jahr.

Erleuchtet durch Flutlicht, ernteten wir den frühen, dunklen Morgenstunden bei 8 Grad Minus Eiswein. Der gewünschte Frost hatte dieses Jahr länger auf sich warten gelassen, damit das Wasser in den Trauben gefriert und der Saft sich konzentriert. Unser Kollege Thorsten, für den wir ernteten, ist sehr zufrieden mit der Qualität der Ernte und ich freue mich schon auf das Endprodukt.

Wir wünschen ein besinnliches Weihnachtsfest
Harald Steffens und Marita Keß

Im Wein liegt Lüge, so der Titel von Wolfgang Faßbenders neuem Buch, das beim Mondo Verlag erschienen ist. Wolfgang Faßbender geht 99 Legenden und Weinmyhten auf den Grund und widerlegt diese Märchen ratzfatz in einem sehr flotten Schreibstil. Er hätte durchaus noch mehr beliebte Halbwahrheiten rund um den Wein in dieses empfehlenswerte Büchlein aufnehmen können.
Erstaunt war ich als Fachmann, wie gut für dieses Buch recherchiert wurde. Einige Unstimmigkeiten, wie z.B. über den Sauerstoffeinfluss auf den Wein in den Abschnitten Kork und Dekantieren, sind mir aufgefallen aber für den Leser nicht wichtig.
Dieses Buch sollten eigentlich alle Weinfreunde lesen, denn es ist überraschend, wie oft man im Weinverkauf mit diesen Mythen konfrontiert wird.

Zur aktuellen Weinrallye hat Niko Rechenberg aufgerufen:
„Die Adventszeit ist die beste Zeit für deutschen Schaumwein, kurz Sekt genannt. Da besinnen wir uns doch angesichts internationaler Finanz- und Terror-Katastrophen gern wieder regional und schauen uns in der Heimat um. Präsentiert eure Lieblings-Sekte, welche Winzer gehören zu den Top-Erzeugern Deutschlands, wer bietet den besten Stoff zum guten Preis?“
Ich könnte ja über den eigenen Sekt schreiben, der natürlicherweise mein Lieblingssekt ist und den anderen Anforderungen von Niko sicherlich entspricht. Nun ja, kurz gegrübelt, mein Lager durchstöbert und fündig geworden. Die folgende Geschichte und der Sekt dazu sind interessanter. Vielleicht das Thema verfehlt, aber eine nette Geschichte.

Beim letzten Entsorgen von Altmetallen auf dem Schrottplatz kam ich mit dem Besitzer Rudi ins Gespräch. Sein Vater, ehemals Geschäftsführer beim Vorbesitzer unseres Hauses, sammelte Wein. So fanden sich nach nicht allzu langer Suche zwei Sektflaschen Saar-Riesling, Sonderfüllung ohne Jahrgangsangabe der Weinkellerei P. J. Müller-Lentz, die bis 1975 in unserem Haus residierte. Also müßte der Sekt mindestens 33 Jahre auf dem Buckel haben.

Die erste Überraschung gab es schon beim Öffnen der Flasche. Es zischte noch! Zwar kein Plopp wie bei einem jungen Sekt aber immerhin deutliches entweichen von Kohlensäure. Das ließ hoffen.

Bernsteinfarben lief der Wein ins Sektglas und moussierte noch ein wenig. In der Nase eine leichte Petrolnote, noch präsente gelbe Früchte, mundfüllende Riesling-Aromatik dann auch im Mund, sehr gereift und komplex, Restsüße nur schwach im Hintergrund spürbar. Das war richtig gut! Auch der Spaßfaktor war nicht zu vernachlässigen und der Sekt machte Lust auf ein zweites Glas. Ich hätte niemals gedacht, das dieser mindestens 35 Jahre alter Sekt noch soviel Vergnügen bereiten würde.
Die Zusammenfassung gibt es in einigen Tagen bei Niko, der bei dieser Weinrallye mit seinem Rallyebeitrag den Anfang macht hat.

Fressen und gefressen werden. Eine ökologische Grundregel der ich am Freitag und Samstag nachgekommen bin. Drückjagd war angesagt. Durch intensive Bejagung soll die Wildschweinpopulation auf ein ökologisch verträgliches Maß verringert werden. Meine Aufgabe war es, mit den Jagdhunden und deren Führern, die Hecken und Dickungen zu durchstöbern und das Schwarzwild den Jägern vor die Flinte zu treiben. Als wäre es nicht anstrengend genug, sich durch die Büsche im Steilhang zu qäulen, die ein oder andere Sau mußte nach deren Ableben auch noch aus dem Steilhang geborgen werden. 
Interessant wieder die Nahkampfwaffen der Hundeführer, die im Notfall die Hunde oder gar die Treiber vor den angriffslustigen Wildschweinen retten müssen. Neben diversen Spießen und großen Jagdmessern gab es auch diese Alte Flinte mit aufklappbarem Bajonett zu sehen. 
Fast 40 Wildschweine, ein dutzend Rehe, 2 Hirsche und einige Füchse ließen ihr Leben. Eigentlich zu wenig. Ökologisch gesehen ist ein Wildschweinbesatz von zwei Sauen pro 100 ha vertretbar. Bei der am Freitag und Samstag bejagden Fläche von 500 ha lassen diese Zahlen ahnen, wie viele Tiere tatsächlich im Wald vorhanden sind. Weitere Jagden sind nötig, um die Wildschäden in Weinbergen, Gärten und Feldern zu verringern.
Das abendliche Zusammensein der Jäger, Schüsseltreiben genannt, war eine andere Welt für mich. Jede Menge sonderbarer Bräuche, Riten und das berühmte Jägerlatein. Da wurde die geschossene Sau durch die vergrößernde Wirkung der Weingläser 100 kilo schwerer und es kursierten Geschichten von früheren Jagden auf Riesenhirsche, Elwetritschen, Dilldappen (dilldappen.pdf) und andere Begebenheiten.

Ein voller Erfolg war die am letzten Wochenende stattgefundene Bio-Glühwei(h)n-Nacht. Während im Verkaufslager sich am Rieslingglühwein gewärmt wurde, hatten die beiden Künstler Gerd Engel und Silke Kruse den Weinkeller in eine Kunstausstellung verwandelt.

Im Flaschenlager präsentierte Gert seine Fotografiken aus dem Weinberg. 
Die 100 Zeichen im Vogelschutznetz gab es in der Schatzkammer zu bewundern. Leider ist auf dem Bild nur ein kleiner Teil zu sehen.

Passend zum Thema an den Holzfässern drapiert: Handzeichnungen, vor, mit und nach dem Wein, wie die 100 Zeichen, auch von Silke.
Alles im allem waren die Besucher und wir sehr zufrieden mit dieser dritten Ausgabe der Bio-Glühwei(h)n-Nacht. Die Villa Kunterbunt in Trier wird sich über die Spenden freuen, ich berichtete, und nächstes Jahr gibt es garantiert eine Wiederholung dieser Veranstaltung.

Letzte Woche wurden die jungen Weine von der Grobhefe, die sich am Faßboden abgesetzt hat, abgezogen. Der junge Wein reift nun mit der Feinhefe weiter.
Wenn ich mal Zitieren darf:
„Der Abstich der Weine ist nicht nur ein Fasswechsel, sonderen eine der Notwendigkeiten in der Kellerwirtschaft, deren Bedeutung für Ausbau, Haltbarkeit und Wohlgeschmack der Weine man meist nicht besonders herausstellt. Für sich genommen ist der Abstich das Umfüllen eines Weines aus einem Behälter in den anderen, unter gleichzeituger Abtrennung des Trubes. In Verbindung mit Schwefeln, Lüften, Schönen oder Klären und bei Zeitgerechter Durchführung ist er aber eine der grundsätzlichen Maßnahmen zur Beeinflussung des Weinausbaus.“
Handbuch der Getränketechnologie von Gerhard Troost
Natürlich wurden auch alle Weine probiert. Wir können sehr zufrieden sein. Die Rieslinge machen schon viel Spaß. Würzige, frische Fruchtaromatik und die typische Leichtigkeit des Moselweines bei jeder Menge Trinkspaß.