Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

  • Weinrallye 47: Wein aus Alamannien

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    „Es ist ganz einfach. Aus meiner Verbundenheit zu meiner Heimat und die Tatsache das der alemannische Dialektsingsang bei mir Wohlgefhühle auslöst bitte ich euch über Weine zu schreiben deren Urspung das Stammesgebeit der Alemannen ist!

    Was wäre das für ein prächtiges Land würde es heute noch tatsächlich politisch existieren? Aber tatsächlich existiert dieses Land nur in der Welt der Spache, als Sprachraum des alemannischen Dialektes! Weiter existieren die Alemannen in Geschichtsbüchern und in einigen Sprachen wie Französisch, türkisch oder italienisch wo für Deutsch nicht die Germanen Wortpate standen sondern die Alemannen. Denken wir doch nur an Frankreich, dort nennt man uns Allemagne :-) Darum lassen wir Alemannien zumindest virtuell für einige Tag aufleben und verkosten die Weine dieses wunderschönen Landstriches.“

    So der Aufruf zur Weinrallye vom Heidelberger Kellermeister Thomas Lippert.

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    Der Sprachraum der alemannischen Bevölkerungsgruppe, von der zumindest die Schwaben behaupten, alles zu können ausser Hochdeutsch (Mir kennât älles, bloß koe Hochdeitsch) oder andersrum: „Mir kennad au Hochdeitsch, mir wellad bloß ned“ (Honoratiorenschwäbisch: Wir können auch Hochdeutsch, wir wollen bloß nicht).

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    Daher fiel auch der erste Gedanke an das sogenannte Schwabenblut, den Trollinger. Ich hatte im Frühjahr eine Faßprobe von meinem Kollegen Reinhard Schäfer zur Verkostung und Beurteilung erhalten. War richtig gut, aber dann kam mir eine andere Idee.

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    Mein neuer Kettenschlepper musste zur Inspektion und einigen Nacharbeiten zum Hersteller nach Bühl in Baden. Gelegenheit, bei der dortigen Genossenschaft vorbei zu fahren, um die bekannte Flasche  zu kaufen.

    In meinen Kindheitstagen wurde die gebrauchten Weinflaschen noch im Weingut für die Wiederbefüllung gereinigt. Als Kinder mussten wir helfen und freuten uns, diese interessante Weinflasche mit dem Affen ab und zu im Leergut zu finden, die dann einen Ehrenplatz auf der Fensterbank im Etikettierraum fand.

    Der sogenannte Affenthaler, eine Marke der Genossenschaft Bühl, gibt es nur als Riesling, Spätburgunder Rosé und Spätburgunder Rotwein in der sogenannten Affenflasche. Als Rieslingwinzer habe ich mich selbstredend für den Riesling entschieden. Überraschend war die Aussage des Verkauspersonals, das es diese Traditionslinie nur in einer milden Ausführung gibt, was mich verwunderte.

    Als Trockenweintrinker habe ich mich gestern Abend ganz mutig an diesen milden Wein herangewagt. Die Überraschung war groß. Ein extrem frischer und spritziger Riesling fand sich im Glas wieder. Die Restsüße, vielleicht gerade über dem halbtrockenen Bereich, war durch eine knackige Säure sehr gut eingebunden. In der Nase ein typischer 2010er mit dezenter Zitrusaromatik. Ein richtiger Spaßwein mit guten Trinkfluss. Der ideale Terrassenwein für warme Sommerabende.

  • Hochwasser?!?

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    Sehr interessant, die diesjährigen Wettervorhersagen. Bei der Frühjahrstrockenheit lösten sich gemeldete Niederschläge ganz einfach in heiße Luft auf, wie ich hier berichtete. Die restlichen trafen meistens auch nicht zu. Die heutige finde ich eher amüsierend.

    Die gemeldeten sehr hohen Regenmengen für kommenden Sonntag und Montag nehme ich nicht so ernst. Aber falls diese doch kommen sollten, ich glaube jedoch nicht daran, könnte ich vielleicht meine eigene Badeanstalt im Weinkeller realisieren, die ich bereits hier andachte. Die Bootstaufe mit Sektflaschenzerschlagen, die beim Januarhochwasser auf einen späteren Zeitpunkt verschoben wurde, könnte dann ja nachgeholt werden.

     

    Nachtrag, 21.07.2011:

    Wie gehabt, die heutige Regenprognose sieht schon ganz anders aus. Hier der Link zu der Wetterprognose der Agrarverwaltung deren Daten von meteoblue.com kommen.

  • Und es gibt sie doch

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    Und es gibt sie doch, die regionale Küche. Nicht die allgegenwärtige Schnitzel-Pommes Esskultur oder die aufgemotze, sogenannte Regionalküche im Spitzenrestaurant. Das einfache, regionaltypische aus der bodenständigen Küche zu moderaten Preisen war in den Restaurants selten geworden.

    Eine schöne Entwicklung hat die Speisekarte des Restaurants Reiler Hof gemacht, seit Junior Christoph Heim Küchenchef ist. Neben gebratener Blut- und Leberwurst mit Gräwes und einigen anderen moselländischen Gerichten hatte ich gestern das Vergnügen, den krossen Schweinebauch mit glasierten Rotweinschalotten, weißem Bohnenpüree und Schupfnudeln zu essen. Dazu gab es einen trockenen Riesling. Das ganze auf der Terrasse des Restaurants und der Abend war perfekt. Jederzeit zu empfehlen!

  • Winzertreffen

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    Viele kamen zum heutigen Weinbergsrundgang mit Erfahrungsaustausch, zu dem Peter Gänz, unser Ökoberater und ich geladen hatten. Sehr erfreulich war, dass sehr viele konventionell arbeitende Winzer sich informieren wollten. Weinberge besichtigend und diskutierend gingen wir von der Reiler Brücke aus in die höher gelegenen Weinberge der Reiler Goldlay. Sehr interessant an der Reiler Goldlay ist, das es dort viele Weinberge von verschiedenen Biowinzern gibt und daraus natürlich Diskussionen über die unterschiedlichen Weinbergspflegemöglichkeiten entstanden.

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    Von allen Winzern natürlich spannend erwartet, die Maschinenvorführung einer Spatenrollegge. Ein Arbeitsgerät zur Bodenlockerung mit geringen Zugkraftbedarf, das leicht ist und als Gebrauchtgerät fast nichts kostet. In der Landwirtschaft vor allen zur Bearbeitung steiniger Böden eingesetzt, hat Peter Gänz dieses Gerät für den Weinbau entdeckt. Um eine gute Arbeitsqualität zu erreichen muß mit hoher Geschwindigkeit gefahren werden, was natürlich sehr rationell  ist.

    Das normalerweise an einem großen Traktor im elterlichen Weingut unseres Bioberaters angebaute Gerät sah an meinem „kleinen“ Kettenschlepper monströs aus.

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    Da die Dreipunktanhängung der Spatenrollegge eine andere ist als an meiner Raupe, musste winzertypisch mit einen Weinbergsdraht nachgeholfen werden, was Belustigung unter den Winzern hervorrief. Für die eine Rebzeile bei der Vorführung reichte diese Befestigungsart aus.

    Die Vorführung klappte sehr gut. Es war sehr interessant, wie bei dem jetzt sehr trockenen und harten Boden eine zehnjährige Begrünung umgebrochen werden konnte. Auch die Arbeitstiefe war beachtlich. Das hatten alle anwesenden Winzer diesem Gerät nicht zugetraut. Das Ergebniss dieser Maschinenvorführung beeindruckte einige Kollegen so sehr, das sie über ein Anschaffung laut nachdachten.

  • Nachpflanzen

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    Heute konnte in den letztjährig angepflanzten Weinbergen endlich der Lückenschluß gemacht werden. Etliche Reben waren durch die letztjährige Julitrockenheit, trotz wässern meinerseits, so geschädigt, dass sie das Wachstum dieses Jahr einstellten.

    Normalerweise werden im Frühjahr Stecklinge gepflanzt. Da bei der extremen Fühjahrstrockenheit diese Stecklinge nicht überlebt hätten, wurden  sogenannte Topfreben gepflanzt. Dazu gab es noch ausreichend Wasser in der Hoffnung, das alle frisch gepflanzten Reben anwachsen.

    Da die Reben händisch gepflanzt wurden, – mit der Hacke ein Loch graben, die Reben einsetzen, das Loch halb verfüllen, Wasser geben, das Loch ganz verfüllen und dann die grünen Triebe festbinden – brauchte das Nachpflanzen einiges mehr an Zeit wie die eigentliche Pflanzung im letzten Jahr mit dem Lohnunternehmer.

  • Bis zum Horizont

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    Weinberge bis zum Horizont. Und alles uns. Fast! Es wäre unser größter Rieslingweinberg geworden, wenn denn ein älterer Winzer, dessen Weinberg wir umzingelt haben, uns seine Parzelle verpachtet oder verkauft hätte. Er wollte aber nicht, bzw. setzte den Preis derart hoch an, daß uns die Lust auf „Ist alles uns“ verging.

    Nun haben wir eine Weinbergsbrache umzingelt. Gnädigerweise habe ich die Erlaubnis des Besitzers bei aufkommendem Busch- oder Baumbewuchs zu mähen, damit Fraßschäden durch Vögel verhindert werden, bzw. Wildschweine sich dort nicht einnisten.

  • Überraschung

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    Überraschung! Eine, die man nicht gebrauchen kann. Die Steigeisenkette des Raupenschleppers ist gestern gerissen. Vermutlich immer noch eine Kette aus einer fehlerhaften Produktionsreihe. Schon im letzten Jahr riss mir an der alten Weinbergsraupe eine neue Kette nach wenigen Betriebsstunden. Das gleiche berichtete ein Kollege aus dem Nachbardorf. Wird zwar über Garantie abgewickelt, kostet aber Zeit und Nerven.

    An ein Weiterarbeiten ist nicht zu denken, denn die Kette könnte vollständig reissen und dann würde es sicherlich spannend im Steilhang. Mal abgesehen von nicht kontrollierbaren Fahrverhalten der Raupe, habe ich keine Lust am Hang eine Raupenkette aufziehen.

    Nun heißt es auf die Spedition warten, die hoffentlich heute noch Ersatz bringt.

  • Reichlich!

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    Der Riesling ist mittlerweile erbsendick und reichlich vorhanden. Zur Zeit ist alles im optimalen Bereich. Bodenfeuchtigkeit ist reichlich da, der Vegetationsvorsprung liegt immer noch bei drei Wochen, Pilzkrankheiten habe ich in meinen Weinbergen noch nicht gesichtet und die Temperaturen sind für den Moselriesling auch im optimalen Bereich.

    Man soll ja den Tag nicht vor dem Abend loben, aber trotzdem ein kleines Prognöschen: Es könnte eine gute Ernte geben, quantitativ und qualitativ. An Hagel und andere Unbilden der Natur, die mir noch einen Strich durch die Rechnung machen könnten, mag ich natürlich gar nicht denken.

  • Urlaubswetter

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    Der Sommer ist wieder zurück. Zeit, um die Mosel aus einer anderen Perspektive zu erleben, denn ausser Riesling hat die Mosel noch einiges mehr zu bieten.

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    Viele Badestrände an der Mosel laden z.B. zum schwimmen und relaxen ein.

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    Für die, die anstatt zu relaxen, aktiver sein möchten, ist eine Kanufahrt auf der Mosel bestens zu empfehlen. Langsam die Mosel runter paddeln und die Landschaft aus einer ganz anderen Perspektive erleben wie es von den Wegen am Moselufer oder hoch am Weinbergshang möglich ist. Sogar für mich, der schon immer hier lebt, immer wieder eine Überraschung.

    Verleihstationen gibt es überall an der Mosel, ich empfehle natürlich die Kanus von meinen Freund Karl-Heinz, der auch sehr schöne Ferienwohnungen zu vermieten hat.

  • Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt

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    Minutiös war letzte Woche alles geplant: Weinbergsarbeit, Weinflaschen etikettieren, Kundenbesuche im Weingut usw. Der Nasse Boden machte des öfteren einen Strich durch die Rechnung und dann, als logische Konsequenz, kam es dann ganz anders und zweitens als man denkt.

    Gestern waren die Böden soweit abgetrocknet, das ich wieder problemloser mit dem Raupenschlepper den Laubschnitt fortführen konnte. Eine Leckage an einem der Hydraulischen Antriebsmotoren des Laubschneiders ließ mich anhalten um der Sache auf den Grund zu gehen. Durch Festziehen einer Reduzierhülse wollte ich den Ölverlust verhindern. Die Hülse saß schon fest – durch einen Haariss leckte es – und nach fest kommt bekanntlich ab und ich hatte den Salat als ich den Schraubenschlüssel ansetzte. War natürlich Samstag und keine Ersatzteile zu bekommen.