Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

  • Handarbeit

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    Trotz des hohen Mechanisierungsgrades durch unserem Kettenschlepper können wir auf Handarbeit mit dem Karst nicht verzichten. Im Unterstockbereich ist er insbesondere in den Junganlagen noch im Einsatz.  Boden lockern und z.B. Brennnesseln entfernen, damit die jungen Reben ungestört wachsen können.

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    Für problematische Fälle und Grobarbeit ist die Wiedehopfhacke im Einsatz.  Neben den Karst auch heute im Einsatz um Dornen und störenden Buschbewuchs am Vorgewende zu entfernen.

    Die Wiedehopfhacke ist für Bodenarbeiten vorgesehen, bei denen maximale Gewalt ausgeübt werden muß. Beispielsweise für das Ausgraben und Kappen der Wurzeln eines Baumstumpfes. Mit dem beilartigen Kamm lassen sich auch die dicksten Wurzeln durchhacken. Mit etwas Entschlossenheit und Durchhaltevermögen ist das kein Problem.

  • Denkmal

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    Unser altes Winzergut, ein Bürgerhaus von 1700, ist denkmalgeschützt und in vielen Teilen noch im Originalzustand. Die Holzwendeltreppe bis in den Dachstuhl, die originalen Türen im Obergeschoss nebst handwerklich perfekten Kastenschlössern und feinsten schmiedeeisernen Türbeschlägen. Auch die alten Sprossenfenster haben Ihren Reiz, aber nur im Sommer, im Winter war durch die Einfachverglasung bisher Zittern angesagt, eine Raumlüftung nicht nötig.

    Eine Änderung mußte her. Die Untere Denkmalschutzbehörde wurde kontaktiert, leider mit einem weniger erfreulichem Ergebniss für uns. Es hieß immer wieder Nein zu unseren Vorschlägen, das geht nicht. Was gehen könnte, sagten die Damen von der Behörde nicht.

    Eine Lösung wurde nach langem Suchen im letzten Jahr gefunden. Bei einem Freund wurde ich zu einem Glas Wein eingeladen wurde. Nach dem zweiten Glas Riesling schaute ich mir die ebenfalls unter Denkmalschutz stehenden Fenster an und hatte die Lösung für unsere Fenster vor Augen: Vorsatzscheiben!

    Die Tanten bei der Denkmalpflege wussten von dieser Lösung, aber anstatt uns auf diese Möglichkeit hinzuweisen wurde sich, bis auf das bekannte Nein, im Schweigen geübt.

    Die Vorsatzscheiben meines Freundes waren schon lange eingebaut und da die Zeit nicht stehenbleibt, wurde dieses System vor kurzer Zeit verbessert. Mittlerweile Metallbedampft und sekurisiert erreicht man eine Wärmedämmwert von ca. 1,9 W/m2.

    Das nächste Problem tauchte auf. Diese neuen Vorsatzscheiben waren wirklich neu und in der Region hatte keiner Erfahrung damit. Auf Empfehlung einer Freundin, von Beruf Architektin, fand sich ein Schreiner, der den Versuch wagte. Der bisher vierte Schreiner, der bei uns mit Renovierungsarbeiten betraut wurde. Mit Erfolg! Einer, der noch das klassische Handwerk versteht und beherrscht.  Die Scheiben erhöhten im letzten Winter den Wohlfühlfaktor im Haus gewaltig. Die Küchentüre, die beim Öffnen und Schließen immer über den Boden schliff, wurde nebenbei auch noch repariert – das schafften die bisherigen Schreiner nicht, bzw. erklärten das für nicht reparabel- und letzte Woche hat unser Hausmaler frischen Lack auf die Fensterrahmen aufgebracht. Auch einer, der sein Handwerk versteht und den ich schon von meinen Eltern geerbt habe.

  • Große Sorgen

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    Anfang Mai und die Reben sehen aus wie bei einer Julihitzeperiode.  Die letztes Jahr gepflanzten Rieslingreben, die mühsam mit Wassergaben aufgepäppelt wurden, zeigen schon massive Trockenstreßanzeichen. Die Triebspitze hat sich gestreckt. In einigen Tagen wird sicherlich die Gelbfärbung der Blätter erfolgen und die Triebspitze wird verdorren.

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    In etwas älteren Weinbergen ist das Triebwachstum schon schwächer geworden. Die Laubfärbung geht ins gelbliche über, da durch den Wassermangel keine Nährstoffe aus dem Boden aufgenommen werden können.

    Die Sorgen werden größer und damit zu großen Sorgen und das schon zu Beginn der Vegetationsperiode. Die ganz jungen Reben kann ich ja noch wässern, aber der Rest? Die Mosel anzapfen? So einfach ist das nun auch wieder nicht. Mal abgesehen davon das mir die benötigten Wasserrechte nicht gehören, die Mosel hat nicht genügend Wasser. Durch die Stauhaltung sieht es so aus als ob genügend drin wäre, aber es kommt einfach nichts nach.

    Wenn alle Winzer zum Bewässern Moselwasser nehmen würden, lägen die Schiffe auf dem trockenen und hier bei uns in Reil wäre sicherlich das Flussbett ausgetrocknet, da die Kollegen moselaufwärts sich reichlich bedient hätten. Also doch hoffen und beten das der Himmel in den nächsten Tagen seine Schleusen öffnet.

  • Spätfrost

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    Da ich einige Tage ausser Haus war, nun ein Bild der Frostschäden der letzten Woche. Es sieht arg aus. Nach der ersten ganz groben Schätzung,  habe ich mir heute unseren Rivanerweinberg nochmals angesehen.  Geschätze 70 bis 80 % der Triebe sind erfroren und mittlerweile vertrocknet. Tröstlich ist, dass es nur unsere winzige Rivanerparzelle betroffen hat.

    Massive Spätfrostschäden sind in ganz Deutschland und Österreich entstanden, eine genaue Schadensbilanz wird es sicherlich erst in den nächsten Tagen geben.

  • Sorgen

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    Während es sich bei dem derzeit herrschenden Hochdruckwetter mit Sonnenschein und blauem Himmel herrlich auf der Terasse bei einem Glas Moselriesling sitzen läßt, mache ich mir große Sorgen.

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    In einigen Weinbergen fängt die Begrünung schon an zu welken. Die Begrünungen sehen mickrig aus. Das Bodenwasser wird so langsam knapp und die Reben haben erst gerade begonnen zu wachsen. Die letzte Woche gemeldeten Gewitter sind ausgeblieben, morgen soll es sogar Bodenfrost geben, der in tieferen und weniger guten Weinlagen vielleicht zu Schäden führen kann.

    Gegenüber dem langjährigen Mittel sind ca. 70% weniger Niederschläge in diesem Jahr gefallen. Da wünscht man sich, das das diesjährige Januarhochwasser gleichmässiger übers Jahr verteilt wäre.

    Das Vegetationsjahr fängt mal wieder spannend an.

    Nachtrag 04.05.2011:

    Heute morgen gab es einen Spätfrost, der zu bedeutenden Schäden führte, siehe Kommentare zu diesem Artikel und ein Bericht von Dirk Würtz zu diesem Schadensereigniss.

  • Ausbrechen

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    Die ersten Laubarbeiten, das Ausbrechen der unerwünschten Triebe am Rebstamm, haben begonnen. Nachdem im jungen Alter der Reben der Rebstamm formiert wurde, mein Kollege Bernhard berichtet hier darüber, sind nun Stammaustriebe unerwünscht. Der Stamm hat die Aufgabe als Leitungs- und Speicherorgan zu dienen und zudem würden Stammtriebe, die nach oben wachsen, die Laubwand verdichten und Pilzkrankheiten fördern. Zeitgleich wird das unterste Heftdrahtpaar auf den Boden abgelegt. Wenn die Rebtriebe lang genug sind, werden diese wieder nach oben gehängt und die Reben zwischen den Drähten fixiert.

    Nicht besonders rückenfreundlich diese Arbeit, da in gebückter Stellung  die Triebe per Hand entfernt werden.

  • …dem ist Arbeit auch Gebet!

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    Die Reben wachsen bei den derzeitigen Temperaturen sehr zügig. Sollte noch ein ergiebiger Niederschlag dazukommen, wird  sich das Wachstum beschleunigen. Die Natur wird unsere Arbeitsgeschwindigkeit und den Arbeitsumfang in den Weinbergen vorgeben. Schon die alten Winzer wussten, dass dann fürs Beten keine Zeit bleibt, wie an der Tafel im Pündericher Fährhaus zu lesen ist.

    Bis jetzt sind wir frohen Mutes, der Austrieb der Reben ging sehr schnell voran und dadurch hatten Knospenschädlinge keine Chance Schaden anzurichten. Die derzeitige Sorge ist der Wassermangel. Es wäre schön, wenn die in dieser Woche gemeldeten Niederschläge kämen. Doch leider sind das in der Regel Starkregenereignisse, die auch das Risiko des Hagels beinhalten oder im anderen Fall, dass man gar nichts abbekommt, da Gewitter sehr oft regional entstehen. Da rechte mass wäre ideal!

  • Schluß mit lustig

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    Die Reiler Goldlay, das Burger Hahnenschrittchen und das Burger Wendelstück wurden diese Woche mit Dispensern abgehangen.

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    Fast dreissig Winzer und Helfer liefen die Weinberge bergab und alle 20 qm wurde ein Dispenser aufgehangen. Bergauf ging es dann mit den Kleinbus.

    In diesen Kunststoffampullen sind Sexualduftstoffe (Pheromone), die langsam ausdünsten und die Männchen des Traubenwicklers, einer Mottenart, dermaßen verwirren, dass sie die Weibchen nicht finden. So ist Schluß mit Sex lustig und es gibt keine Nachkommenschaft.

    Die Raupen des Traubenwicklers können immense Schäden duch die sogenannte Sauerfäule (Grauschimmelfäule)  hervorrufen und durch diese elegante ökologische Methode wird die Vermehrung behindert und es gibt keine Schäden für uns Winzer.

  • Knochenarbeit

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    Einer unserer beiden Rivanerweinberge wurde gerodet. Die Rebstöcke waren abgängig und der Drahtrahmen äusserst morbide. Eine Neuanpflanzung mit Reben ist nicht vorgesehen. Da wir uns auf den Rieslinganbau in der südorientierten Steillage konzentrieren, wird aus dieser ehemaligen Rebfläche eine Obstwiese.

    Da ich die Rodezange noch nicht an den neuen Kettenschlepper angepasst hatte,  wurde klassisch gerodet. Meine Azubine hielt das Rodeeisen, eine V-förmige Eisenplatte mit Handgriff, hinter den Rebstamm in Bodennähe und ich zog mit den Traktor die Rebe nebst Wurzeln aus dem Boden.

    Die derzeit herrschende Trockenheit, seit fast zwei Monaten gab es keine nennenswerten Niederschläge, machte aus dieser nicht unbedingt leichten Arbeit einen Knochenjob. Die Reben wollten nicht aus dem Boden. Das Rodeeisen rutschte des öfteren ab, die Differentialsperre des Traktors musste mehr wie einmal eingerückt werden und meistens bäumte sich dann der Trakor auf wie beim Tractorpulling.

    Die Rebstämme wird ein Freund entsorgen abholen um darauf leckere Winzersteaks zu grillen und ich warte nun auf die Einladung zum Mitessen.

  • Eisenmenschen

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    Anläßlich des 100jährigen Firmenjubiläums meines Weinbau- und Kellereimaschinenhändlers Kessler am letzten Wochenende, stellte die Kunst AG der Integrierten Gesamtschule Zell Ihre Werke aus.

    Fast ausschließlich Weinbau- und Kellergerätschaften wurden für diese Figuren verwendet. Hacken, Traubenkiepen, Schubkarren, alte Rückenspritzen und andere Winzergeräte wurden zu Eisenmenschen verwandelt, die selbstredend Weinbergsarbeiter darstellten.

    Dazu gab es leckeren Wein, gutes Essen vom Buffet und Livemusik. Fast wie auf einer richtigen Vernissage, jedoch nur auf dem Betriebsgelände der Fa. Kessler  zwischen Weinpressen und Weintanks.